Drogenabhängigkeit
Beschreibung
Die Drogenabhängigkeit oder Drogensucht ist nur eine der Suchtformen. Zur Sucht im weiteren Sinne gehören außer Abhängigkeit von illegal gehandelten Substanzen auch die Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder Zigaretten. Auch Spiele, religiöse oder sexuelle Aktivitäten, Internet-Konsum und sogar Arbeit, Essen oder Abmagerung können zur Sucht werden – mit Abhängigkeit, Dosissteigerung und Zerstörung der ursprünglichen Lebensperspektive. Süchte begleiten die Geschichte der Menschheit.
Besonders problematisch sind Süchte für Menschen, wenn sie erstmals mit einer Droge in Berührung kommen, für die es dann kaum Gegenstrategien gibt (s. Indianer und „Feuerwasser“). Hier beschäftigen wir uns jetzt mit der Drogensucht im engeren Sinne. Natürlich gibt es grundsätzliche Parallelen zu den anderen Süchten. Viele Betroffene scheinen das Problem gar nicht zu sehen oder versuchen, es herunterzuspielen. Dann werden oft Angehörige oder Freunde aktiv – wenn der Kranke noch welche in seiner Nähe hat. Es gibt kein gesundes Leben mit Drogen.
Warum sind Drogen häufig so fatal für die Abhängigen? Ein Hauptgrund ist die Beteiligung unserer vielleicht mächtigsten Hirn-Motivationszentren: Dem Belohnungs-/Lustsystem.
Die Veränderungen in den chemischen Abläufen des Gehirns führen dazu, dass nach anfänglich gesteigertem Wohlbefinden, Lust, Entspannung, Gefühl der „Einheit mit allem“, das Ausbleiben der Droge zu einer Verschlechterung der Stimmung, Zufriedenheit etc. führt. Mit der Zeit wird immer mehr Droge benötigt.
Häufig erzählen Süchtige in der Phase der Krankheit/Abhängigkeit, dass sie nichts bereuen, dass es die beste Entscheidung sei, diesen Stoff ausprobiert zu haben, dass das Leben zuvor langweilig und leer gewesen sei und sie endlich die Augen geöffnet bekamen. Dabei werden die von Gesunden klar erkennbaren Zeichen des körperlichen, seelischen und sozialen Verfalls weitgehend verdrängt. Den Preis für den „Genuss“ zahlen anfangs häufig Ehepartner, Kinder, Schwächere. Nicht selten rutschen Süchtige zur Drogenbeschaffung in die Kriminalität.
Die Geschwindigkeit des Verfalls und der Entwicklung von Abhängigkeit verläuft je nach Charakter, Erbe, psychosozialer Situation und Eigenschaften der Droge sehr unterschiedlich schnell. Der Verfall erreicht, wenn erstmal Abhängigkeit eingetreten ist, bei den meisten Drogen ein ähnliches Endstadium der „Ausgebranntheit“. Wenn die Betroffenen dann irgendwann „ganz unten“ sind, ohne Partner, ohne Arbeit, ohne Geld etc., besteht manchmal eine gewisse Chance, die Krankheit einzugestehen und, mit Hilfe anderer, Abstand von der Sucht zu gewinnen und sich eine neue Chance zu geben.
Häufigkeit
Die wichtigsten illegalen Drogen sind:
- Haschisch, Marihuana, THC (Risiko oft unterschätzt!!)
- Ecstasy, Speed, Aufputschmittel
- Designerdrogen
- Heroin
- Kokain
- Meskalin (Peyotl-Kaktus) und Psilocybin (Pilze).
Haschisch verändert die Persönlichkeit in Richtung Apathie und Passivität. Häufig ist es Einstiegsdroge zu gefährlicheren Drogen und verursacht meist zusätzlich Nikotinsucht, was für die Gesundheit der Abhängigen fatal ist.
Kokain macht aktiver, erzeugt aber massive körperliche Schäden. Der hohe Preis treibt viele ursprünglich vermögende Menschen in den Ruin.
Bei Heroin ist die Notwendigkeit des Spritzens - die intravenöse Gabe – anfangs noch ein Einstiegshindernis, dann aber auch Mitursache für die extrem schnelle Entwicklung massiver Abhängigkeit.
Im neuen Amerika, teilweise aber auch schon im alten Europa, grassiert seit einigen Jahren ein besonders aggressiver und zerstörerischer Suchtstoff: Crystal Meth. Die Sucht entwickelt sich ultraschnell, oft schon nach wenigen Dosen, der körperliche und besonders der Hirn-Abbau entwickelt sich schneller als bei den bisherigen Drogen. Gewalttätigkeit und familiäre Verwahrlosung ist regelmäßig anzutreffen. Es handelt sich um eine Art „Mega-Amphetamin“, d.h. einen Suchtstoff mit aufputschender Wirkung, stärker als die von Amphetaminen und Kokain. Die Drogen einer Gesellschaft „passen“ auch immer zu ihren Lebensbedingungen. Kein Zufall, dass heute eine megabeschleunigende und Pseudo-Kontaktfreudigkeit fördernde Droge Karriere macht. Das gnadenlose Tempo der Globalisierung und moderner Medien, Arbeitsplätze (inkl. geforderter Flexibilität, geistig, sozial, räumlich), des Konsums und der Beziehungen, ja der Freizeit (eigentlich „Erholung“) führt zu dem Wunsch, dem Körper und der Seele „nachzuhelfen“, um dem besser gewachsen zu sein.
Ausserdem intensiviert Crystal Meth nach Schilderungen der Betroffenen das sexuelle Erleben in einem Maß, dass sich Menschen dem kaum entziehen können.
Vorbeugen
Erfolgreichste „Drogenarbeit“ ist es, Menschen einen Sinn ihres Daseins und den Wert ihrer Person, zu vermitteln.
Entzug
Der wichtigste Schritt für den Entzug ist der feste Wille des Betroffenen. Ohne die Erkenntnis, dass eine Abhängigkeit besteht und dass diese zerstörerisch auf das Leben wirkt, wird der Drogenentzug meist nicht durchgestanden. Der nächste Schritt ist die Entwöhnung des Körpers. Wegen der zum Teil sehr schweren Entzugserscheinungen gehört die Entgiftung in professionelle Hände. Sinnvoller Weise findet sie in geschützten Rahmen einer stationären Entgiftungseinrichtung statt. Es ist ganz normal, Angst vor dem Entzug zu haben. Wenn der Entschluss gefasst ist, sollte man ihn aber nicht aufschieben.
Leichtere Abhängigkeiten mit Alkohol, Nikotin und Cannabis kann man natürlich auch ambulant behandeln.
Sozialtherapeuten unterstützen zusätzlich beim „Papierkrieg“ (Vermittlung mit Ämtern, Arbeitgeber und Versicherungen). Wenn Drogen das Leben regieren, geht oft auch der Job verloren. Eingliederungshilfen in Form von Berufsberatung oder Bewerbungstraining, Praktika und eine Unterstützung bei der Jobsuche sind daher sinnvoll.
Bei Drogensucht hat also die Schulmedizin den Vorrang. Die Naturheilkunde kann dabei unterstützen.
Phytotherapie
Leber schützen und stärken
Besonders wichtig ist es, bei Entzugserscheinungen den Stoffwechsel und die Entgiftung zu unterstützen: da die Leber einen großen Anteil an der Entgiftung hat, verwendet man hierfür den Leberstoffwechsel aktivierende Heilpflanzen. Die Kommission E hat drei Pflanzen zur Unterstützung der Lebertätigkeit zugelassen:
- Artischockenblätterextrakt
- Extrakte aus Mariendistelfrüchten (Silymarin)
- Sojaphospholipide/Lecithin
Besonders die Mariendistel ist zur unterstützenden Behandlung von toxischen Leberschäden, Hepatitis, Fettleber sowie Verdauungsstörungen mit Beschwerden im Oberbauch gut geeignet.
Diese Präparate können zur Förderung des Gallenflusses kombiniert werden: Boldoblätter, Erdrauchkraut, javanische Gelbwurz, Löwenzahnkraut und -wurzel.
Entgiftung durch die Niere bei Drogensucht
Während die Leber für den Abbau von Schadstoffen sorgt, entgiftet die Niere durch die Ausscheidung. Tees sorgen für eine ausreichende Menge an Flüssigkeit für die Durchspültherapie. Die Nierenausscheidung wird stimuliert durch Brennnesselblätter, Goldrutenkraut, Orthosiphonextrakt, Hauhechel, kurzzeitig durch Bärentraube.
Beruhigung
Leichtere Suchterkrankungen mit Nikotin und Cannabis, erzeugen teilweise noch beherrschbare Suchtstärken und haben damit eine gewisse Aussicht auf Heilung.
Hier hilft auch noch die vegetativ ausgleichende Wirkung beruhigender Pflanzen gegen nervöse Entzugserscheinungen: Johanniskraut, Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume, Lavendel. Diese Heilpflanzen machen in normalen Dosen nicht müde und können auch tagsüber eingenommen werden. Klassischer Weise erleichtern sie auch das Einschlafen besonders in Verbindung mit einem festen „Einschlafritual“.
Bei schwereren Schlafstörungen: kein Koffein während des Tages, bis der Schlaf besser ist.
Magen-Darm
Bitterstoffe regen die Magenentleerung und die Produktion von Verdauungssäften an. Sie fördern auf diese Weise den Appetit, die Verdauung und helfen bei Übelkeit (Enzianwurzel, isländisch Moos, Tausendgüldenkraut, Teufelskrallenwurzel, Wegwartenwurzel, Wermutkraut, Salbeiblätter, Hopfenzapfen).
Alkoholismus ist häufig mit chronischer Gastritis verbunden. Schleim- und Quellstoffe wirken hier reizlindernd auf die Verdauungsorgane und unterstützen gleichzeitig den Stuhlgang (Leinsamen, Malvenblüten, Flohsamen). Auch bei Refluxbeschwerden sind diese Pflanzen geeignet.
Gegen den entzündlichen Anteil und Krampfschmerzen helfen Kamillenblüten und Schafgarbenkraut. Ebenso kann man zur Beruhigung die bittere Schleifenblume und Baldrianwurzel versuchen. Anregend auf den Magen bei Gastritis wirkt der Kalmuswurzelstock.
Bei krampfartigen Bauchschmerzen zur Entspannung nimmt man am besten den Klassiker Kamillenblüten. Daneben auch: Angelikawurzel, Anisfrüchte, Dillfrüchte, Enzianwurzel Galgantwurzelstock, Kümmelfrüchte, Minzöl, Pomeranzenschalen, Kalmuswurzelstock, Zimtrinde.
Maßnahmen bei Übelkeit
Bei Übelkeit durch einen trägen Magendarmtrakt nimmt man Bittere Schleifenblume (Iberis amara) und Pfefferminzblätter oder -öl. Artischockenblätter und Pfefferminze eignen sich, wenn Leber und Galle die Übelkeit verursachen. Käuflich erwerblich sind fixe Extrakt-Kombinationen aus verschiedenen Pflanzen:
Bittere Schleifenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.
Allgemein bei Übelkeit und Entzündungen hilft Ingwerextrakt.
Bei Erbrechen sollte man viel trinken, sobald der Magen wieder dazu bereit ist. Dabei sind Getränke mit Kohlensäure nicht geeignet. Besser vertragen werden Tees aus den genannten Pflanzen. Bei anhaltendem Erbrechen muss der Arzt befragt werden, der dann z. B. Mcp-Tropfen oder Dimenhydrinat-Zäpfchen verordnen wird.
In der Regel fehlt bei Übelkeit auch der Appetit. Man sollte das respektieren und nichts essen. Gegebenenfalls kann man die Tees mit Traubenzucker oder Honig süßen.
Nach der Übelkeit muss die Kost langsam und schrittweise wieder aufgebaut werden.
Links zu Heilpflanzen und Vitalstoffen, die bei Drogenabhängigkeit helfen können:
Ordnungstherapie
Bei einer Suchterkrankung löst sich sukzessive die Ordnung des Lebens auf. Ein Kampf gegen die Sucht bedeutet daher, wieder geordnete Strukturen im Leben herzustellen. Ein starrer Tagesplan mit Ruhe und Aktivität kann dabei helfen, sich wieder im Alltag zurechtzufinden. Regeln sind nicht immer nur unangenehm, sie können auch Sicherheit und Halt in einer Zeit des Umbruchs geben.
Schlafstörungen sind oft Folgen des Entzugs. Hier sollen Rituale, konstante und beruhigende Tätigkeiten - in gedämpftem Licht - bei gedämpfter Lautstärke – helfen, einen Gang zurückzuschalten und sich auf das Einschlafen einzustellen. Was das für Beschäftigungen sind, richtet sich nach den eigenen Vorlieben (z. B. lesen, baden, Tee trinken, Musik hören, Körperpflege).
Bewegungstherapie
Bewegung, Sport und Spiel lenkt nicht nur kurzfristig von der Sucht ab, sie aktivieren auch den Stoffwechsel und unterstützen die Entgiftung. Sport steigert die oft eingeschränkte körperliche und psychische Leistungsfähigkeit.
Der Sport kann Spaß machen. Ein Spiel mit anderen erleichtert nicht nur die Anstrengung, sondern fördert auch wieder ein normales soziales Leben. Daneben setzt die körperliche Anstrengung körpereigene „Glückshormone“ frei und vermindert auch die Schlafstörungen während des Entzugs
Physikalische Therapie
Wärme-Kälte-Wasser-Licht: allesamt gesunde und natürliche Reize. Diese elementaren körperlichen Empfindungen sind ein Kontrastprogramm zu den irrealen Rauscherlebnissen. Man kommt im Hier und Jetzt an und hat nach Abschluss der Behandlung ein angenehmes Körpergefühl. Wechselwarme Anwendungen und warme Vollbäder werden gerne gegen Schlafprobleme und zur Anregung des Stoffwechsels eingesetzt. Auch die intensive Wärme eines Saunabesuchs stimuliert die Entgiftung (Schwitzen!). Feuchtwarme Leberwickel (Heublumenauflagen) eignen sich zur Anregung der Leberentgiftung.
Ernährungstherapie
Während des Entzuges kommt es zu mehr oder weniger schweren Störungen der Verdauung und Übelkeit. In dieser Zeit sollte die Ernährung leicht verdaulich sein und frei von Giftstoffen (Alkohol und Koffein). Leichte Vollwertkost, gedünstetes Gemüse, Stärkebeilage, wenig Fett, insbesondere keine tierischen Fette und nur wenig Eiweiß. Positiv sind pflanzliche Öle, mineralhaltige Pflanzen wie Melonen, Bananen, Zitrusfrüchte, grünes Gemüse, Tomaten. Sie helfen dabei, den gestörten Elektrolythaushalt zu normalisieren.
Bei einem normalen Alkohol - Kater können Vitamin B6 (Banane, Avocado, Lachs, Innereien) und vermutlich auch Vitamin C (Frisches Obst und Gemüse, Paprika, Kiwi, schwarze Johannisbeeren) die Beschwerden lindern.
Bei der Entgiftung tritt durch die gesündere Ernährung häufig eine Gewichtszunahme auf. Dieses ist eine ganz normale Erscheinung und ein untrügliches Zeichen einer Besserung. Der Körper, der früher mit den Suchtstoffen und deren Beseitigung beschäftigt war, hat begonnen, wieder für sich zu arbeiten. Auch für und Bewegung und Sport steht dann neue Kraft zur Verfügung.
Ergotherapie und sinnvolle Arbeit
Wenn die Drogen wegfallen, entsteht ein Leerraum, den es zu füllen gilt. Beschäftigung bietet ein festes Gerüst für den Tagesablauf. Ergotherapie bietet Möglichkeiten, Entzugssymptome zu lindern oder ein wenig auszublenden. Tätigkeiten wie gemeinsames Kochen, Gartenarbeit, Pflege von Tieren, Kunsthandwerk u. a. setzen Ziele und bieten einen unmittelbaren Erfolg. Erlebnisorientierte Zusatzangebote wie Trampolinspringen, Bogenschiessen, Klettern, Kegeln, Kanutouren und Musik fördern die Lebensfreude.
Daneben können handwerkliche Kenntnisse bei der neuen Lebensplanung eine berufliche Perspektive bieten. Jedes Therapieangebot sollte daher immer mit einer Beschäftigung gekoppelt sein.
Entspannung, Massage, Wellness
Wenn das Gehirn keine Drogen mehr zur Verfügung hat, muss es erst langsam wieder lernen, andere Reize, die viel schwächer sind als Drogen, wieder wahrzunehmen. Wohlbefinden und Entspannung ohne Drogen ist daher eine wichtige Komponente der Therapie. Dabei muss der Zugang zur eigenen Körperlichkeit neu entdeckt werden. Während die Droge dem Körper die „Entspannung“ diktiert, soll in den Entspannungsverfahren gelernt werden, Wohlbefinden durch eigene Aktivität herbeizuführen. Willkommen sind daher alle Verfahren, die das Wohlbefinden ansprechen:
- Meditative Übungen, Entspannung nach Jacobson eignen sich bei psychischer Abhängigkeit zur Verinnerlichung und Festigung der Vorsätze.
- Massagen, Aromatherapie fördern das Körpergefühl und Wohlbefinden.
- Shiatsu und Akupressur unterstützen die Selbstregulation des Körpers.
- Entspannungsverfahren wie Yoga, Qi-Gong und Atemtherapie vermitteln bewusstes Entspannen.
- Körperorientierte Therapieverfahren dienen zur psychischen Selbsterfahrung und Stärkung des Körpergefühls.
Psychotherapie
Die Entzugserscheinungen bei Drogensucht sind sowohl für den Suchtkranken als auch die Begleitpersonen oft schwer zu ertragen. Ein entsprechender Leidensdruck ist ein großer Verbündeter, die Situation konsequent anzugehen. Gefühlsmäßig ist der Entzug oft eine Berg-und-Tal-Fahrt und mit Begleitung kann diese Zeit einfach leichter überstanden werden.
Die psychische Entwöhnung von einer Droge kann Monate bis Jahre dauern. Eine Psychotherapie hilft bei der Motivation sowie der Bewältigung. Daneben ist es auch von großer Bedeutung, die Gründe des Suchtverhaltens und die Folgen zu besprechen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Probleme, die man mit den Drogen betäubt hat, beim Entzug wieder – und dann verstärkt – melden. So kommt es oft zu Depressionen, Selbstwertproblemen oder Angstzuständen. Dagegen muss man neue Problemlösungsstrategien entwickeln und neue Ziele entdecken. Auch Ablösung von der Familie/Freunden und die Rückfallprophylaxe sind wichtige Themen. Daneben gilt es mit den Faktoren „Selbstverantwortung“ umzugehen.
Insbesondere die bei Süchtigen meist vorhandene Langeweile, latente Unzufriedenheit mit den Möglichkeiten des Lebens, die Sinnentleerung u. a. sind Faktoren, die zum Ausprobieren von (angeblich) „bewusstseinserweiternden“ Drogen verleiten.
Die zu Grunde liegende Neugier auf Kickerlebnisse müssen ehemalige Süchtige lernen, auf konstruktive und tragfähige Aktivitäten umzulenken. Häufig wurde in der Kindheit keine ausreichende Frustrationstoleranz gelernt oder sie ist von Haus aus vermindert.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die verringerte Impulshemmung. Es gilt zu trainieren, in Versuchungs- und Versagungssituationen auf den Impuls zur schnellen Lust zu widerstehen.
Die Drogen legen große Teile des Gehirns lahm und verursachen teilweise bleibende Hirnveränderungen und -schäden. Ein kognitives Training schuld Gedächtnis und Logik und die wiedererlangten Fertigkeiten stärken das Vertrauen in eine drogenfreie Zukunft.
Häufig ist ein weiterer Kontakt mit der Droge konsequent zu vermeiden, da die Anfälligkeit dafür lebenslang weiterbesteht.
Orthomolekulare Medizin
Die Versorgung des Organismus mit wasserlöslichen Vitaminen ist bei Alkoholismus nicht gewährleistet, da sowohl die Aufnahme als auch Speicherung und Verbrauch stark beeinflusst werden. Die orthomolekulare Medizin verfolgt zwei Ziele: zum einen soll das Gleichgewicht der Salze (Elektrolyte) im Köper wiederhergestellt werden, auf der anderen sollen die entgiftenden Leistungen unterstütz werden. Besonders wichtig: die B-Vitamine und Vitamin C und E.
Alkoholiker haben oft Mängel in folgenden Mineralien und Vitaminen:
- Mengenelemente: Magnesium, Calzium, Kalium, Natrium
- Spurenelemente: Zink, Eisen, Kupfer, Selen
- Vitamin A/ β-Carotin
- Vitamin B Komplex (Vitamin B1, B2, B3, B6, B7, B12, Folsäure)
- Vitamin E
- Vitamin D
- Vitamin K
- Fettsäuren (Omega-3- und Omega-6 ungesättigte Fettsäuren)
- Vitamin C
Traditionelle chinesische Medizin
Die Methode der akupunkturgestützten Suchtbehandlung wurde in den 70er Jahren entwickelt und hat weltweit an vielen Orten Eingang in die Entzugsbehandlung gefunden.
Akupunktur soll dazu beitragen, die Entzugserscheinungen zu mildern und ist als begleitendes Verfahren beim Entzug geeignet so die Hamburgische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e. V. und die National Acupuncture Detoxification Association.
Besonders beim Entzug von Kokain und Crack, wo Medikamente eher wenig unterstützen, greift man häufig zu Akupunktur um das Verlangen zu mildern, den Körper zu stabilisieren und vor Rückfällen vorzubeugen.
Dennoch: die Entzugserscheinungen werden dadurch nicht verschwinden. Entscheidend ist der Wille des Betroffenen.
Die Wirkung der Akupunktur gegen Sucht ist nicht wissenschaftlich belegt.
Ayurveda
Die indische Panchakarma-Kur hat die Entgiftung und Ausleitung perfektioniert und ist bei leichten Formen der Sucht (Koffein, Zigaretten, Cannabis, leichte Tablettenabhängigkeit) geeignet. Die Kur bewirkt eine Abnahme des Verlangens, so die Berichte. Eine systematische Untersuchung gibt es leider nicht.
Links zu Naturheilverfahren, die bei Drogenabhängigkeit helfen können:
Am Anfang eines Entzugs steht zunächst eine medizinische und psychiatrische Untersuchung zur Feststellung von Ursachen, Folge- und Begleiterkrankungen.
Heute existieren zahlreiche Methoden zum Entzug.
Kalter Entzug - Totalentzug
Hierbei wird die Droge sofort und plötzlich abgesetzt und nicht graduell entzogen. Bei manchen Abhängigkeiten kann dies funktionieren (Nikotin), bei anderen kann es dabei zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen kommen (Alkohol, Benzodiazepine). Während ein kalter Heroinentzug etwa zwei Wochen dauert, muss bei einem medikamentengestützten Entzug mit Methadon mit Monaten gerechnet werden.
Warmer Entzug
Für einige Drogen gibt es Substitutionsmittel, die zwar keinen Rausch erzeugen, aber ansonsten wie die Droge wirken und den Entzug damit erheblich lindern. Die Substanzen werden in der Regel unter Aufsicht eingenommen werden, um illegalen Handel auszuschließen. Sie werden in immer niedrigerer Dosierung gegeben, bis sich der Körper an die neue Situation gewöhnt hat.
Beispiele:
- bei Opiatabhängigkeit: Methadon oder Buprenorphin,
- bei Alkoholabhängigkeit: Clomethiazol (oder Diazepam: für maximal 10-14 Tage, da selbst hohe Suchtgefährdung, also nur zur Überbrückung akuter Entzugssymptome)
Auch die Ersatzdroge Methadon macht süchtig und wirkt auf die Psyche. Der wesentliche Vorteil ist, dass die Suchtkranken kein heftiges Verlangen nach Heroin verspüren und weniger extremen Gefühlen (Euphorie und Depression) ausgesetzt sind. Methadon wird dann langsam reduziert, so dass die Symptome für den Suchtkranken erträglich sind. Die Therapie wird Schritt für Schritt zur Entgiftung.
Medikamenten-gestützter Entzug
Je nach den auftretenden Beschwerden werden zur Linderung der Entzugserscheinungen verschiedene Medikamente eingesetzt.
- Clonidin gegen vegetative Entzugssymptomatik und Unruhezuständen
- Doxepin gegen Schlaflosigkeit
- Paracetamol gegen Schmerzen etc.
- andere symptomatisch wirkende Psychopharmaka
Daneben versorgt man den Körper mit Flüssigkeit, Elektrolyten (Magnesium, Kalium) und Vitaminen (B1 und B6).
Neue Konzepte
Daneben gibt es auch neue Konzepte: bei der Methadonerhaltungsmethode wird lediglich das Opiat gegen Methadon ausgetauscht. Der Süchtige ist dann weiterhin süchtig, kann aber ein „relativ normales“ Leben führen.
Beim Entzug unter Narkose werden keine Entzugserscheinungen bewusst erlebt. Nachteil: die Methode ist schlecht getestet, wird nur in wenigen Zentren praktiziert und die Kassen bezahlen dafür nicht.
Welcher Entzug der „erfolgreichste“ ist, das heißt die beste Akzeptanz und die geringste Rückfallrate hat, wird derzeit statistisch überprüft. Starke Entzugserscheinungen beim kalten Entzug können zum Beispiel dazu führen, dass der Süchtige „lernt“, dass Entzug nicht erträglich ist. So reduziert sich bei einem Rückfall die Rate derer, die es nochmals mit einem Entzug versuchen wollen. Personen im Methadonprojekt neigen leider oft dazu, im Anschluss wieder Heroin zu konsumieren, um sich den lange ersehnten „richtigen Kick“ endlich wieder zu holen. Die Suchtstärke und die Rückfallgefahr sind hier oft lebenslang sehr hoch.
Mehrfachabhängigkeiten
Besonders anspruchsvoll ist die Entziehungstherapie, wenn zur Opiatabhängigkeit eine Abhängigkeit von Alkohol, Benzodiazepinen oder anderen Suchtstoffen kommt. Aber selbst in solchen Situationen ist ein Therapieerfolg möglich. Meist wird erst der „Beikonsum“ angegangen, bevor der Entzug der Opiate erfolgt.
In der weiteren Behandlung ist es wichtig, dass die mit dem Therapeuten getroffenen individuellen Absprachen eingehalten und dass die Patienten auch in der Nachbehandlungszeit der Drogensucht bzw. Drogenabhängigkeit weiter begleitet werden.
Links:
Weitere Informationen unter Suchtmittel.de
