Durst, vermehrt

Verlauf, Komplikationen, Formen

Diabetes insipidus (Wasserharnruhr):

Die Ursache dieser Erkrankung liegt in der verminderten Fähigkeit der Niere den Harn zu konzentrieren. Hierdurch kommt es zu Wasserverlust über den Urin. Durch die erhöhte Ausscheidung erhöht sich auch das Durstgefühl und es kommt notwendigerweise zu vermehrtem Trinken.

Man unterscheidet zwei Formen des Diabetes insipidus:

  • Den zentralen Diabetes insipidus, der durch einen Mangel an ADH (Antidiuretisches Hormon) auftritt und den
  • renalen Diabetes insipidus, der durch ein mangelndes Ansprechen der Niere auf ADH verursacht wird.

 

Die normale Urinmenge liegt im Durchschnitt bei 1,5 Liter pro Tag, beim Diabetes insipidus können jedoch Harnmengen zwischen 5 bis zu 25 Litern anfallen.

Ursache für diese eher seltene Erkrankung kann ein Tumor oder eine Verletzung im Bereich des Gehirns (Hypophyse oder Hypothalamus) sein, aber auch Nierenerkrankungen und angeborene Genveränderungen.

Als Nebenwirkung kann der Diabetes insipidus auch bei der Behandlung mit Lithium auftreten. (Dieses Medikament wird bei psychischen Erkrankungen wie Psychosen, bipolaren Störungen und Depressionen eingesetzt.)

 

Diabetes mellitus (Zuckerharnruhr):

Beim Diabetes mellitus handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bei der erhöhte Blutzuckerspiegel auftreten. Die Niere ist zunehmend überlastet und kann den Zucker nicht mehr aus dem Harn in das Blut zurücktransportieren. Durch die erhöhte Zuckerausscheidung wird auch vermehrt Wasser abgegeben. Die Betroffenen bemerkten daraufhin ein verstärktes Durstgefühlt und nehmen ungewöhnlich hohe Flüssigkeitsmengen zu sich.

Bei dieser Erkrankung unterscheidet man zwei Formen:

  • Der Typ I Diabetes entsteht durch eine Zerstörung der Insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Es entsteht ein Insulinmangel. Diese Form tritt meist bereits im Jugendalter auf.
  • Der Typ II dagegen kommt vermehrt im höheren Alter vor und beruht auf einer zunehmenden Unempfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin (Insulinresistenz).

 

Neben der typischen Polyurie und Polydipsie äußert sich der Beginn einer Zuckererkrankung auch durch Leistungsminderung und dauerhafte Müdigkeit.

(Näheres siehe auch Kapitel „Zuckerkrankheit“.)

 

Hyperkalzämie:

Als Hyperkalzämie bezeichnet man einen Kalziumspiegel über 2,7 mmol pro Liter im Blutserum.

Ursachen können sein:

  • Eine Überfunktion der Nebenschilddrüse (primärer Hyperparathyreoidismus)
  • Überdosierung von Medikamenten, die den Kalziumspiegel erhöhen
  • eine Vitamin D-Vergiftung
  • maligne Tumoren (Hormonbildende Tumoren oder Knochenmetastasen)
  • Sarkoidose
  • Knochenabbau durch dauerhafte Bettlägerigkeit
  • und anderes ...

 

Symptome sind neben Übelkeit, Appetitmangel, Herzrhythmusstörungen, Depressionen und Psychosen. Auch eine Polyurie und Polydipsie im Sinne eines renalen Diabetes insipidus kann Symptom der Hyperkalzämie sein. Bei Werten über 3,5 mmol/l besteht die Gefahr von hyperkalzämischen Krisen bis hin zu komatösen Zuständen und Herztod. 

Eine Hyperkalzämie muss gewissenhaft überwacht werden.

 

Cushing-Syndrom:

Das Cushing-Syndrom bezeichnet einen Hyperkortisolismus, das heißt eine erhöhte Produktion des Hormons Kortison oder aber auch die Nebenwirkungen durch eine medikamentöse Behandlung mit hoch dosiertem Kortison, wodurch es zu einer Stoffwechsellage kommt, die eine Zuckerkrankheit ähnlich ist. Der erhöhte Blutzuckerspiegel führt wie bei Diabetes zu einem starken Durstgefühl.

 

Darüber hinaus kommt es beim Hyperkortisolismus typischerweise durch eine Veränderung des Fettstoffwechsels zu einer vermehrten Fettsucht mit Vollmondgesicht begleitet von Osteoporose, Muskelschwäche, Bluthochdruck, ausgedünnter Haut und Infektneigung.

 

Alkohol:

Alkohol wirkt hemmend auf das Hormon ADH und dies führt zu einer erhöhten Wasser-Ausscheidung. Ein übermäßiger Alkoholkonsum führt über den Flüssigkeitsverlust zu einem "Salzmangel" (Elektrolytmangel).  

 

Als Komplikation bei einer erhöhten Wasserausscheidung  besteht immer die Gefahr der Austrocknung. Dann bricht der Kreislauf zusammen und es besteht Lebensgefahr.

Welche Therapie hilft?

Die Therapie besteht in der Behandlung der Grunderkrankung. Hauptziel ist es die Ursachen von vermehrtem Durstgefühl und pathologischem Trinken zu erkennen und zu behandeln.

Naturheilkunde

Bei Durst: Trinken

Um relativ harmlose Flüssigkeitsverluste (leichter Durchfall) zu ergänzen, sollte man dem Durst nachgeben und viel trinken. Wichtig dabei ist ein Ausgleich der Salzverluste. Für kurzfristigen Gebrauch sind Sportgetränke, Mineralwasser, Saft und gezuckerter Tee geeignet.

Für die orale Rehydratation (bei starkem Durchfall, Erbrechen) sind diese Getränke nicht sinnvoll da sie zu wenig Natrium und zu viel Kohlehydrate enthalten. Hierzu gibt es in Apotheken spezielle Granulate, die nur mit einer exakten Menge Wasser aufgefüllt werden müssen. Diese Trinklösungen enthalten Traubenzucker (Glukose) und Kochsalz (Natriumchlorid) im Verhältnis 1:1, sowie andere Salze.

 

Alkoholkonsum bei vermehtem Durst

Alkohol wirkt auf den Körper austrocknend, da es zu einer erhöhten Wasser-Ausscheidung kommt. Damit gehen aber auch Salze verloren und es entsteht ein Elektrolytmangel.

Alkohol erzeugt also Durst. Wenn dagegen weiter alkoholische Getränke konsumiert werden, wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt.

Sinnvoller wäre ein entsprechender Ausgleich mit Mineralien und Vitaminen. Der Vitamin-Gehalt von Obst stimuliert den Stoffwechsel und erleichtert die Entgiftung der Zwischenprodukte. Eine Säure-, Mineralien und Flüssigkeitszufuhr kann einem „Kater“ in gewissem Ausmaß vorbeugen.

 

Diabetes

Eine bestehende schwere Form von Diabetes kann nicht mit einer Naturheiltherapie behandelt werden. Leichte Formen können zunächst durch eine Diät behoben werden. Ziel dieser Ernährungsumstellung ist eine langsame Freisetzung des Zuckers aus der Nahrung. In dieser Situation ist der Körper oftmals noch in der Lage den Blutzucker zu kontrollieren.

In der Anfangsphase von Diabetes besteht oft auch ein starkes Übergewicht. In diesem Fall ist eine langsame und kontrollierte Gewichtsreduktion sinnvoll.

 

Zu den Therapien siehe Texte zu den entsprechenden Krankheiten.

Schulmedizin

Die Schlumedizinische Therapie richtet sich nach der Erkrankung:

Der zentrale Diabetes insipidus wird mit Desmopressin als Nasenspray einmal täglich therapiert. Der Wirkstoff ähnelt dem Hormon ADH.

Ein nephrogener Diabetes insipidus bessert sich unter der Gabe spezieller Wasser-ausschwemmender Medikamente (Thiazidiuretika). Diese verringern Durst und Harnmenge.

 

Vorsicht ist jedoch geboten bei einem nephrogenen Diabetes insipidus ausgelöst durch Lithium: Thiaziddiuretika verschlechtern den Zustand, eine Besserung bewirkt ein Kalium-sparendes Diuretikum wie Amilorid oder Triamteren.

Die Therapie der Hyperkalzämie besteht in Infusionen, in der Förderung der Wasserausschwemmung (Diurese) und der Gabe von Kalzitonin (Gegenspieler des Parathormons), sowie von Bisphosphonaten gegen bei Knochenabbau (z.B. durch einen Tumor). Diese hemmen den Knochenabbau (die Tätigkeit der knochenabbauenden Zellen = Osteoklasten).

Glukokortikosteroide wirken antagonistisch zu Vitamin D und können auch bei einer Hyperkalzämie im Rahmen einer Sarkoidose angewandt werden.

 

Der Diabetes mellitus wird zunächst behandelt durch Gewichtsreduktion und angepasste Ernährung. Kommt es jedoch langfristig nicht zu einer Besserung der Blutzuckerwerte, beginnt man eine medikamentöse Behandlung mit oralen Antidiabetika (Tabletten). Zeigen sich hierunter weiterhin erhöhte Blutzuckerspiegel, bleiben letztendlich nur regelmäßige Insulininjektionen, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen und langfristig Komplikationen wie Gefäßerkrankungen und Neuropathien vorzubeugen.

 

Weitere Informationen zu genannten häufigeren Ursachen s. unter den jeweiligen Kapiteln.