Mittelohrentzündung
Verlauf, Komplikationen, Formen
Verlauf
Die ersten beiden Tage treten starke Schmerzen auf, danach klingen die Beschwerden häufig ab und das Hörvermögen bessert sich wieder.
Die Mittelohrentzündung verheilt meist folgenlos nach 2 bis 3 Wochen.
Eventuell kann im Verlauf der Entzündung eitriges Sekret durch das Trommelfell austreten.
Rückfälle sind relativ häufig.
Komplikationen
Als Komplikation kann es zu einer Mastoiditis kommen (eine Infektion des Knochens hinter dem Ohr), bei weiterer Ausbreitung sogar zu einer Hirnhautentzündung. In seltenen Fällen schädigt die Entzündung die Gehörknöchelchen. Es besteht dann die Gefahr einer dauerhaften Schwerhörigkeit.
Wenn das Trommelfell defekt ist, kann Gewebe aus dem Gehörgang in das Mittelohr wachsen und dadurch schwer schädigen (Cholesteatom).
Die Entzündung kann sich außerdem auf das Innenohr ausbreiten.
Achtung:
Sprache und Erwerb sozialer Fähigkeiten von Kindern kann durch Schwerhörigkeit gestört werden!
Formen
Man unterscheidet von der akuten Mittelohrentzündung die chronische Otitis media wenn sie länger als drei Monate anhält. Bei einem dauerhaft bestehenden Trommelfelldefekt fließt ständig
Otovowen
bei Ohrenschmerzen und Mittelohrentzündung
Abschwellende Nasentropfen sollen bei einer Mittelohrentzündung helfen, den Sekretabfluss aus dem Mittelohr zu unterstützen, bei starken Schmerzen kann man ein Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen (zusätzlich abschwellende Wirkung) einnehmen.
Ohrentropfen sollten bei einer Mittelohrentzündung nicht angewendet werden. Sehr viele Wirkstoffe sind für die empfindlichen Sinneszellen giftig. Öl im Gehörgang kann eine gute Belüftung behindern!
Die Verordnung von Antibiotika ist bei der akuten Mittelohrenzündung meist unnötig und sollte vermieden werden. Die meisten Mittelohrentzündungen werden durch virale Infektionen verursacht. Hier sind Antibiotika machtlos.
Bei einer zeitigen Behandlung mit Naturheilverfahren kann oft der Verlauf deutlich gemildert werden.
Phytotherapie: Wirksame Heilpflanzen bei Mittelohrentzündung
Schmerzstillend
Eine lange Tradition hat der Zwiebelwickel bei Mittelohrentzündung. Damit die Zwiebel nicht „beißt“, kann sie kurz gekocht werden. Dann die warme gehackte Zwiebel oder Zwiebelscheiben in ein Tuch (Taschentuch) wickeln und auf das Ohr auflegen. Nach zwei Stunden entweder abnehmen oder erneuern.
In der Ayurvedischen Medizin verwendet man auch warmen Knoblauchsaft. Er wird in den Gehörgang getropft.
Achtung:
- Das Trommelfell darf nicht geschädigt sein!
Infektneigung
Bei einer generellen Infektneigung und häufigen Rückfällen ist es sinnvoll, das Immunsystem zu unterstützen, zum Beispiel mit Sonnenhut (Wurzel von Echinacea pallida oder Kraut von Echinacea purpurea). Zur Prophylaxe nimmt man 5 Tage dreimal pro Tag 25-30 Tropfen. Nach 2 Tagen Pause kann man die Behandlung wiederholen.
Achtung:
- Nach Auflage des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sollte Sonnenhut nicht länger als 2 Wochen eingenommen werden. Danach sollte man eine Pause von mindestens 2 Wochen einlegen.
Speziell bei Infekten und Erkrankungen der Atemwege sind die Taigawurzel (Eleutherococcus), Umckaloabo (Pelargonium sidoides) und Propolis geeignet.
Schleimhäute
Verschiedene Pflanzen fördern eine Sekretion der Schleimhäute. Damit können Sekrete schnell entfernt werden und die Schleimhäute leichter sauber gehalten werden (z. B. eine Mixtur aus Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten, Schlüsselblumenblüten).
Links zu Heilpflanzen und Vitalstoffen, die bei Mittelohrentzündung helfen können:
Physikalische Therapie
Wärmebehandlung des Ohres zum Beispiel mit einer Wärmelampe wird als wohltuend empfunden (3 x täglich für 10 Minuten). Danach kann man ein Stirnband oder eine Mütze tragen. Auch warme Umschläge sind geeignet.
- Aus Heilerde und warmen Wasser einen Teig herstellen (37-38°) und auf das Ohr auflegen und mit einem Schal festbinden.
- Alternativ kann man überbrühte Kamillenblüten oder gehackte Zwiebeln verwenden.
Achtung:
- Nicht für hochakute Fälle und bei starken Schwellungen/Schmerzen keine Wärmelampen einsetzen, da sonst die Gefahr einer weiteren Zunahme der Entzündungsaktivität besteht.
- Die Umschläge sollten nicht nass sondern nur feucht sein. Also vor dem Auflegen etwas ausdrücken.
Bei Fieber
Wadenwickel: alle 10 bis 15 Minuten kalte Wickel anlegen bis das Fieber sinkt.
Bei Infektneigung
Bei geschwächter Abwehr ist viel Bewegung an der frischen Luft sehr wichtig. Wechselduschen, Saunagänge und Fußbäder fördern die Abhärtung.
Achtung:
- Dies gilt nicht für akute Infekte.
- Vor und nach kalten Anwendungen sollten Hände und Füße warm sein. Vorher also bewegen und den Kreislauf auf Trab bringen.
- Nach der Anwendung <//span>warm einpacken un<//span>d ruhen.
Orthomolekulare Medizin
Die Datenlage ist zwar nicht einheitlich, dennoch ist es einen Versuch wert:
Bei ersten Anzeichen einer Krankheit Vitamin C (200-400 mg/Tag) und Zinkpräparate (10-40 mg) einnehmen. Dies hilft aber nur dann, wenn ein Mangel vorliegt. Bei optimaler Vitamin C-Versorgung hat eine zusätzliche Zufuhr nur bei stark erhöhtem Verbrauch einen Zusatznutzen.
Nichtraucher können zusätzlich bei Infektanfälligkeit Vitamin E (150-200mg/Tag), nicht aber Vitamin A oder Betacarotin versuchen. Auch eine positive Wirkung von Selen (30-200 mg/Tag) wird diskutiert.
Ausleitende Verfahren
Man behandelt den Bereich hinter dem Ohrläppchen mit einem Cantharidenpflaster oder einem Blutegel. Das fördert die Durchblutung und den Lymphfluss. Alternativ kann bei Infektneigung während einer stabilen Phase der Nacken und Schulterbereich mit „Baunscheidtieren“ gereizt werden.
Mikrobiologische Therapie (Darmsymbioselenkung):
Die Komplementärmedizin hat den engen Zusammenhang zwischen einer gestörten Darmflora und Infekten der Atemwege erkannt. Es sollte daher auf Stuhlanomalien geachtet werden und die Darmflora aktiviert werden. Insbesondere, wenn die Abwehrkraft geschädigt ist oder wenn Antibiotika zum Einsatz kamen, ist ein gezielter Aufbau der Darmflora (Lactobazillen, Bifidobacterium, Saccharomyces, Enterococcus u. a.) notwendig.
Eigenbluttherpie
Die Eigenbluttherapie gehört zu den Klassikern unter den immunregulierenden Alternativverfahren.
Homöopathie
Eisenhut (Aconitum napellus D4, D6): plötzlicher Beginn der Erkrankung, akutes Geschehen, Fieber, Unruhe, Angst und Durst
Tollkirsche (Belladonna) D4, D6: dampfender Schweiß, Gesichtsröte, Unruhe und Kopfschmerzen, akute Entzündung mit plötzlichem Beginn
Kamille (Chamomilla D2, 3, 4, 6): stechende Ohrenschmerzen, Geräuschempfindlich, Ohrgeräusche, rote Wangen, schlechter bei Wärme und beim Bücken
Bittersüßstängel (Dulcamara D4, D6): Ohrentzündung durch Unterkühlung (Durchnässung)
Kalziumsulfit (Hepar sulfuris D4, D6, D12): stechender Schmerz, Ohrgeräusche (“Knacken”), Neigung zu Vereiterungen, Ohrenschmerzen durch trockenes kaltes Wetter, Empfindlich (Schmerz, Kälte, Berührung), Abszess, Geschwulst, Mittel bei Eiterungen
Quecksilber nach Hahnemann (Mercurius solubilis D4, D6, D12): Eitrige Entzündung, Hörminderung, Wärme verschlechtert, Grippe mit Schnupfen, Entzündungen in Mund, Rachen und Nase
Küchenschelle (Pulsatilla, D4, D6): unklare Symptome, Ausfluss aus dem Ohr, verstopftes Ohr, Gefühl frostig, aber Wärme verschlechtert,
Homöopathische Komplexmittel gegen Mittelohrentzündung enthalten Sonnenhut, Kamille, Holunder, Eisenhut, Chili, Kanadische Gelbwurz, Cyanquecksilber, Jod, Borax.
In der klassischen Homöopathie wird das Mittel passend für jeden einzelnen Patienten ausgewählt. Das hängt von den jeweiligen Symptomen ab und ist diesem Rahmen nicht möglich. Die Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt.
Ordnungstherapie
Bei einer Mittelohrenzündung sollten die Ohren über längere Zeit konsequent geschützt und gepflegt werden. Sollte das Trommelfell gerissen sein, ist dies ein Muss: Zugluft und kalten Wind meiden und Kopfbedeckung tragen!
Beim Baden und Schwimmen ist Vorsicht geboten: Es sollte kein Wasser ins Ohr eintreten.
Beim Duschen und Baden ist kurzzeitig ein Gehörschutz/Ohrstöpsel angebracht.
Generell sollte aber alles gemieden werden, was die Belüftung hemmt. Falls die Ohren doch nass geworden sind, sollte man den Gehörgang abtrocknen. Eher keine Watte ins Ohr! Der Sekretabfluss kann gehemmt werden, der Gehörgang wird oft zusätzlich gereizt.
Tipps und Tricks:
Bei Säuglingen steigert offensichtlich ein Schnuller die Gefahr einer Ohrentzündung. Stillen schützt vor der Erkrankung!
Bei trockener Heizungsluft ist ein Luftbefeuchter sinnvoll. Lüften Sie häufig – aber nur kurz und stoßweise.
Kinder aus Raucherfamilien sind häufiger von Atemwegsinfekten und Ohrentzündungen betroffen. Eine rauchfreie Wohnung wäre sinnvoll.
Kinder mit vergrößerten Rachen- und Gaumenmandeln („Polypen“, Tonsillen) haben häufiger rezidivierende Mittelohrentzündungen. Man sollte sie unter umständen entfernen lassen.
Bei häufigen Rückfällen: Achten Sie auf Ihre Schleimhäute
Bei einer generellen Neigung zu Ohrentzündungen sollte man den Mund-Nasen-Rachenraum pflegen:
- Xylit-Kaugummis fördern die Speichelproduktion und reduzieren schädliche Bakterien (z.B. Streptococcus mutans) im Mund, indem sie nicht krankmachende Bakterien gegenüber pathogenen Keimen begünstigen.
- Salzhaltige Nasensprays und Dampfanwendungen haben einen durchblutungsfördernden, keimhemmenden und abschwellenden Effekt auf die Nasenschleimhaut gezeigt. Die Substanzen Menthol aus der Pfefferminze, Thymianöl, Campher und Eukalyptusöl erzeugen in der Nase ein kühlendes Gefühl, was erfahrungsgemäß als angenehm empfohlen wird. Die Pflanzeninhaltsstoffe Cineol aus dem Eukalyptus und Myrtol können bei Inhalationen zusätzlich abschwellend wirken.
- Sorgen Sie für ein ausgewogenes Leben und eine gesunde Ernährung. Schlafen Sie ausreichend und reduzieren Sie den Stress.
Links zu Naturheilverfahren, die bei Mittelohrentzündung helfen können:
Die klassischen Maßnahmen der Schulmedizin bei Mittelohrentzündung sind Antibiotika (eigentlich nur bei bakteriellen Infekten indiziert, häufig aber fälschlicher Weise „zur Absicherung“ gegeben), abschwellende Nasentropfen, Schleimlöser (Ambroxol), Schmerzmittel und Wärmezufuhr. Bei einer allergischen Komponente wählt man Kortikosteroide.
Sind Polypen oder Rachenmandeln die Ursache für häufig auftretende Mittelohrentzündungen, sollten diese operativ entfernt werden.
Bei Komplikationen kann ein Einschnitt ins Trommelfell (Parazentese) unter örtlicher Betäubung erwogen werden. Ein Riss im Trommelfell kann spontan abheilen.
Bei Komplikationen (Mastoiditis, Cholesteatom) begleitend zu einer Mittelohrentzündung kann eine Operation notwendig sein.
