Schwindel

Verlauf, Komplikationen, Formen

Verlauf
Bei gutartigem Lagerungsschwindel verschwinden die Symptome ohne Behandlung meist nach durchschnittlich 40 Tagen. Eine Heilung erfolgt schneller, wenn intensive Behandlung mit Lagerungsübungen durchgeführt wird. Es kommt jedoch gelegentlich zu Rückfällen (bei 30% der Patienten innerhalb von 7 Tagen). Auf lange Zeit gesehen kommt es bei 80% der Personen im ersten Jahr trotz erfolgreicher Therapie zu einem Rückfall. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

 

Komplikationen
Es kommt vor, dass der Lagerungsschwindel auf die physiotherapeutischen Lagerungsübungen nicht anspricht. In diesem Fall wird operativ eingegriffen.

 

Formen
Die 300 verschiedenen Formen von Schwindel werden im Groben folgenden Kategorien zugerechnet:

  • Visueller Schwindel: Sehen, Bewegen und Fühlen
  • psychogener Schwindel: seelische Erkrankungen
  • systematischer Schwindel: Erkrankung im Bereich des Gleichgewichtsorgans
  • Asystematischer Schwindel: Erkrankung im Bereich des Gehirns und seiner Funktionen
  • Schwindel durch internistische oder degenerative Erkrankungen
  • Schwindel unklarer Ursache (etwa 10 % der Schwindelpatienten)
Welche Therapie hilft?
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Die Behandlung von Schwindel richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. In der Regel wird gutartiger Lagerungsschwindel nicht medikamentös behandelt.

Viele Arten von harmlosem Schwindel können in der Regel gut mit naturheilkundlicher Therapie behandelt werden. Allerdings muss erst von einem Arzt ausgeschlossen werden, dass ein ernstes Geschehen vorliegt, bei dem eine rechtzeitige Behandlung Schlimmeres verhüten könnte.

Viele Naturheilverfahren konzentrieren sich bei Schwindel auf die Behandlung des Nackens, sowie Entspannung und Beruhigung.

Naturheilkunde

Phytotherapie

Bei Schwindel gilt es, die Übererregung des Zentralen Nervensystems (ZNS) zu behandeln.

Bei Reisekrankheit (Kinetosen, Vertigo) zu empfehlen sind:
Stechapfel
und Belladonna. Sie enthalten ein giftiges Alkaloid. In Verdünnungen wirkt es dämpfend und beruhigend auf verschiedene Zentren im Gehirn. Da es als Pflaster verfügbar ist, kann es einfach und schnell eingesetzt werden.

Ingwer: Er ist bei verschiedensten Arten von Schwindel mit Übelkeit sinnvoll: Von Schwangerschaft, postoperativem Schwindel bis Reisekrankheit und Pseudokinetosen.

Viele Formen des Schwindels können mit Ginkgo-Präparaten günstig beeinflusst werden.

Beruhigende Mittel wie Johanniskraut setzt man bei psychosomatischen Schwindelzuständen ein. Sie beruhigen entweder die seelische Übererregung oder führen zu einer verbesserten Toleranz gegenüber dem Schwindel. Verwendet werden kann auch: Kava-Kava (leider z . nur in den USA im Handel), Baldrian und Hopfen.

 

Arteriosklerose
Bei degenerativen Prozessen in den Adern verschlechtert sich die Durchblutung im Ohr. Auch hier kann man erfolgreich auf Ginkgo-Extrakt setzen. Er verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und schützt die Nervenzellen auch bei Sauerstoffmangel.

 

Homöopathie

In der klassischen Homöopathie wird das Mittel passend für jeden einzelnen Patienten ausgewählt. Das hängt von den jeweiligen Symptomen ab und eine Darstellung ist in diesem Rahmen nicht möglich.

Blutdruck
Aurum
(Gold): Bluthochdruck, hoher Blutandrang im Kopf, Gesicht ist blass oder dunkelrot, verschlimmert beim Bücken und geistiger Anstrengung.

Glonoinum (Nitroglycerin): Schwindel durch Bluthochdruck, Hämmernde Kopfschmerzen, Gesicht ist blass oder dunkelrot. Der Patient glaubt, ihm würde der Kopf platzen.

Veratrum album (Weißer Germer oder Weiße Nieswurz): niedriger Blutdruck mit Schwindel: Charakteristisch ist ein Schwarzwerden vor den Augen beim Aufrichte.

Phosphorus (gelber Phosphor): Kreislaufprobleme mit Schwindel, Ohnmacht, Herzklopfen, kalte Hände und Füße, Hitzewallungen, schwacher Puls.

 

Reisekrankheit, Lagerungsschwindel
Cocculus
(Kockelskörner): Schlafmangel, Schwindel, Reisekrankheit, Schwäche, Erschöpfung, Hinterkopfschmerz; Das Leiden wird verschlechtert durch Fahren (Auto, Schiff), beim Aufrichten, bei Bewegung, Erschütterung, Lärm, Kälte, seelische Belastung, Angst; Schwangerschaftserbrechen.

Conium (Schierling): Lagerungsschwindel, Schwindel bei Kopfdrehung, Übelkeit, Gedächtnisschwäche.

Petroleum (Steinöl): Schwindel bei jeder Bewegung, Bücken, Reisekrankheit, Schwäche, Übelkeit.

Tabacum (Tabackpflanze): Anfallsweiser Schwindel mit kaltem Schweiß, Patient fühlt sich elend, schlechter durch Rauch, besser durch frische Luft, Menière-Anfall.

 

Degenerativ und traumatisch
Arnica
(Arnika): Schwindel bei Gehirnerschütterung.

Barium jodatum (Bariumjodid): Schwindel bei Arteriosklerose und Bluthochdruck, hilft nur, wenn es über 3 Monate eingenommen wird.

Cocculus (Kockelskörner, Scheinmyrte): Schwäche, Erschöpfung, Schwindel durch Arteriosklerose und Morbus Ménière.

 

Psychisch
Ignatia
(St. Ignaz-Bohne): Kopfschmerzen nach seelischer Belastung, oft mit Schwindel und Schweregefühl, Übelkeit und Erbrechen als Folge von Belastung.


Hormonell
Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze): Wechseljahre mit Hitzewallungen und Schwindel in starker Form, Depressionen und Ängste, Schwangerschaft bei Übelkeit und Erbrechen.

Links zu Heilpflanzen und Vitalstoffen, die bei Schwindel helfen können:

Ernährungstherapie
Schwindel führt häufig zu Erbrechen und Übelkeit. In dieser Situation sollte man sich nicht zum Essen zwingen und allenfalls wenig, leichtverdauliche Nahrung aufnehmen.

Schwindelkranke sollten keinen Alkohol trinken und auch andere Reizmittel wie Koffein meiden. Ausnahme: bei zu niedrigem Blutdruck kann man Kaffee trinken und salzige Nahrungsmittel verzehren. Kalium, Magnesium, Natrium stabilisieren den Kreislauf.

 

Physiotherapie

Lagerungsmanöver
Heute gibt es gegen Drehschwindel eine einfache Behandlungsart: Dabei hält der Arzt den Kopf des Betroffenen fest und bewegt den Patienten mit kalkulierter Geschwindigkeit und mehrfach in einer genau berechneten Weise. Ziel des Manövers ist es die winzigen Kalkpartikel (Otolithen) aus dem sensiblen Bereich zu bewegen.

Die Manöver können auch erlernt und erfolgreich in der Selbstbehandlung eingesetzt werden!

Die Beschreibung der Übungen finden Sie über die Neurologische Klinik der Charite in Berlin (Siehe Links).

 

Schwindelsymptome können mit Störungen des Bewegungsapparates zusammenhängen. In diesem Fall gibt es eine Reihe von Methoden, die einen Versuch wert sind: Manuelle Therapie, Bewegungstherapie, Bowen Therapie, Chirotherapie, Dorn-Breuß-Methode, Dynamische Wirbelsäulentherapie, Gua Sha und viele mehr. Auch das Einrenken der Wirbelsäule kann oft (muss aber nicht) schlagartige Besserung von Schwindelsymptomen veranlassen. Vor solchen Manövern sollte man mit einem Röntgenbild klären, ob die Halswirbelsäule intakt ist, da es andernfalls zu Schäden kommen kann.

Um Folgeschäden zu vermeiden, sollte die Behandlung von einem Fachmann durchgeführt werden.

Bei chronischen Formen des Schwindels ist ein Gewöhnungstraining der geläufige Therapieversuch. Allerdings kann das Gewöhnungstraining wegen der Einübung koordinierter Bewegungen sehr langwierig und mitunter auch frustrierend sein.

 

Massage
Man diskutiert auch die Wirkung von intensiven Nackenmassagen. Sie sollen Verspannungen lösen und so dafür sorgen, dass die Muskeln weich werden und das Segment wieder gut durchblutet wird.

Es gibt in der oberen Halswirbelsäule Sensoren, die ebenfalls zur Orientierung herangezogen werden. Eine Behandlung des Nackens könnte daher durchaus Erfolg versprechen.

Unsicher ist die Wirkung der Fußreflexzonenmassage bei Schwindel.

 

Akupunktur oder Akupressur:
Viele Stimmen sprechen für die Akupunktur bei Schwindel. Eine sehr günstige Wirkung zeigt Akupunktur offensichtlich auf den halswirbelsäulenbedingten Schwindel. Sie kann außerdem sehr gut mit den anderen Verfahren kombiniert werden kann.

 

Physikalische Therapie:
Manchen Menschen helfen warme Auflagen im Nacken, andere profitieren eher von kalten Kompressen.

 

Entspannung:
Bei vielen Schwindelformen, vor allem aber bei psychosomatischer Problematik sind Entspannungsübungen angebracht (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Atemtherapie, Autogenes Training, Meditation, TaiChi und QiGong, Yoga). Bei Schwindel durch eine Phobie ist eine Kognitive Verhaltenstherapie oder Psychoedukative Behandlung sinnvoll.

 

Aderlass:
Aderlass ist ein uraltes Verfahren. Erst war es hoch gelobt, dann verdammt. Heute kennt man dennoch einige wenige vernünftige Anwendungen: bei Schwindel durch Bluthochdruck ist er einen Versuch wert, sofern keine Blutarmut vorliegt.

Vorzugsweise werden bei Schwindel kleine Mengen Blut entnommen (etwa 150 ml). Größere Mengen würde die unter Umständen die Kreislaufstabilität gefährden, die Blutbildung zu sehr anregen und dann eher verschlimmernd wirken.

 

Blutegel:
Die Naturheilkunde behandelt Schwindel oft mit Blutegeln. Sie werden im Nacken angelegt und führen zu einer Entspannung sowie verbesserten Durchblutung im Bereich der Ohren, da der Speichel der Blutegel Stoffe enthält, die das Blut dünnflüssiger machen.

 

Schröpfen, Baunscheidtieren, Cantharidenpflaster:
Auch diese Verfahren werden im Nacken durchgeführt. Sie stimulieren die Nerven, welche die Muskeln versorgen und Signale an das Rückenmark melden. Von dort sollen über nervliche Reflexe ebenfalls Gebiete angesprochen werden, die vom selben Rückenmarksabschnitt versorgt werden. Daraufhin soll eine verbesserte Innenohrdurchblutung folgen.

 

Neuraltherapie:
Die Neuraltherapie geht davon aus, dass die Regulationsfähigkeit des Körpers oft durch so genannte Störfelder beeinträchtigt ist. Die wesentliche Maßnahme der Neuraltherapie ist daher die Suche des Störfelds. Behandelt wird mit betäubenden Medikamenten die unter die Haut gespritzt werden. Gesicherte Daten gibt es hier allerdings nicht.

Schulmedizin

Bei unklaren Schwindelsymptomen werden oft Antivertiginosa eingesetzt (Aequamen®, Melopat®), die gewünschte Wirkung tritt aber nicht mit Sicherheit ein.

Zur Therapie der Symptome (nicht der Ursachen) werden folgende Stoffgruppen favorisiert:

  • Antihistaminika: antientzündlich, immunsupprimierend, durchblutungsfördernd
  • Anticholinergika: Lähmung und Entspannung der glatten (unbewussten) Muskulatur
  • Benzodiazepine: dämpft die nervliche Erregung

Achtung: Viele Medikamente gegen Schwindel machen müde und dämpfen das Bewusstsein! Bei Bedienen von Maschinen und im Verkehr sollte das beachtet werden.

 

Gutartiger Drehschwindel wird nur sehr selten mit einer operativen Therapie behandelt, etwa in einem von 3000 Fällen, dann nämlich, wenn die Lagerungsmanöver des Facharztes erfolglos sind.

 

In einer Operation wird dann ein Nerv des hinteren Bogengangs durchtrennt. Diese Operation ist schwierig und mit einem hohen Risiko verbunden.

 

Alternativ kann ein operativer Verschluss des hinteren Bogengangs durchgeführt werden. Diese Operation gilt als sicherer und effektiver. Nach Meinung von Fachleuten wird sie jedoch zu häufig  - vor dem vollen Ausschöpfen der physikalischen Therapie - durchgeführt.