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Acht Erkältungs-Irrtümer unter der Lupe

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Interview mit Dr. med. Berthold Musselmann

Es wird wieder geschnupft und gehustet. Was hilft – Was hilft nicht? Wir nehmen die acht beliebtesten Erkältungsirrtümer unter die Lupe.

Von: Corinna Heyer

PhytoDoc: Hilft denn nun Vitamin C bei Erkältungen?

Dr. Musselmann: Vitamin C soll dem Körper lediglich ausreichend zur Verfügung stehen, ein Mangel würde die Immunabwehr beeinträchtigen. Früher postulierte Megadosen (selbst wenn die Vorschlagenden Nobelpreisträger waren) bringen keine Vorteile, eher Nachteile. Nur bei Krebskranken kann die antioxidative Wirkung von Vitamin C in höheren Dosen, jedoch nur als Infusion, Nutzen bringen.

PhytoDoc: Stimmt es, dass Antibiotika gegen Schnupfen helfen?

Dr. Musselmann: Erkältungen werden durch Viren verursacht, Antibiotika helfen aber nur gegen bakterielle Infektionen, nicht gegen Viren. In seltenen Fällen – zum Beispiel bei eitrigem Schnupfen – ist eine Antibiotikabehandlung sinnvoll. Insgesamt gilt, dass Antibiotika leider viel zu häufig verschrieben werden mit der Begründung, ein geschwächter Organismus sei für bakterielle Infektionen anfälliger. Sorgloses Verordnen von Antibiotika fördert aber die Entwicklung von resistenten Keimen und schadet bei einem Teil der Menschen auch durch Nebenwirkungen. Es kommt immer häufiger vor, dass Antibiotika unwirksam werden. In Spanien liegen durch die exzessive Verwendung von gängigen Antibiotika die Raten an resistenten Keimen bei teilweise über 70 Prozent, was dann fatal ist, wenn es auf eine sichere Wirkung ankommt. Dies ist ein schwerwiegendes medizinisches Problem. In Deutschland ist die Lage zur Zeit noch etwas besser. Es sollte also sehr sorgfältig abgewogen werden, ob der Einsatz sinnvoll ist.

PhytoDoc: Was halten Sie von der landläufigen Meinung, dass ein bisschen Sport bei Erkältung nicht schadet?

Dr. Musselmann: Diese Meinung ist falsch. Nur bei ganz leichten Erkältungen ist Spazieren gehen erlaubt, aber kein richtiger Sport. Wichtig ist, dass Sie Ihren Körper nicht überanstrengen. Ausreichend Schlaf und leichte Kost unterstützen den Heilungsprozess.

PhytoDoc: Aber Saunagänge sind erlaubt, die stärken doch das Immunsystem, oder?

Dr. Musselmann: Es stimmt zwar, dass ein Besuch in der Sauna den Körper abhärtet und damit das Immunsystem stärkt. Das gilt aber nur für gesunde Menschen. Ist man durch die Erkältung bereits geschwächt, belasten Sauna und kalte Duschen noch zusätzlich. Als Vorsorgemaßnahme sind Saunagänge aber sehr zu empfehlen. Auch wechselwarme Güsse nach Kneipp.

PhytoDoc: Sind Nasensprays tatsächlich harmlos?

Dr. Musselmann: Nasentropfen mit Wirkstoffen wie Naphazolin, Xylometazolin erleichtern bei stark geschwollener Nase das Atmen, da sie die Schleimhäute abschwellen. Eine übertriebene Anwendung schädigt aber die Schleimhäute und es besteht Suchtgefahr. Daher sollten chemische Nasensprays nicht mehr als maximal 7 Tage hintereinander genommen werden. Besser verträglich sind salzhaltige Nasensprays oder salzige Nasenspüllösungen mit leicht erhöhtem Salzgehalt (hyperton). Nasenspülungen sind auch eine ausgezeichnete Maßnahme zur Vorbeugung von Infekten. Gut ist auch InfectoGripp Nasen-Gel. Das ist ein Zinknasenspray, das, früh gegeben, die Vermehrung von Viren hemmt und damit Erkältungen deutlich milder verlaufen lässt.

PhytoDoc: Beugt Echinacea Erkältungen vor?

Dr. Musselmann: Echinacea ist ein sehr schwieriges Thema, es kommen laufend widersprüchliche Studien. Ganz aktuell gibt es wieder eine positive. Aus der ärztlichen Praxis bin ich aber wenig von Echinacea überzeugt. Und auch auf Grundlage des gegenwärtigen Stands der Studien kann keine klare Empfehlung gegeben werden, ob Echinacea hilft oder nicht. Einzig bei chronisch rezidivierenden (immer wieder auftretenden) Atemwegsinfekten scheint der Einsatz von Echinacin das Wiedererkrankungsrisiko, die Dauer der Rezidive und die Behandlungskosten signifikant zu senken und kann hier unter Beachtung der Kontraindikationen und Nebenwirkungen mit Einschränkung empfohlen werden.
Bei nicht fieberhaften Infekten kann Echinacea unter Umständen nutzen, wenn es sofort gegeben wird. Es sollte nicht länger als zwei Wochen am Stück zum Einsatz kommen und im Anschluss ist mindestens eine Pause von zwei Wochen einzuhalten.
Aus naturheilkundlicher Sicht gibt es viele nichtmedikamentöse Maßnahmen mit ähnlichen oder besseren Effekten, wie regelmäßige Kneipp-Therapie, Sauna (bereits erwähnt), vermehrte körperliche Aktivität und im Winter nicht zu hohe Raumtemperatur, damit die Schleimhäute nicht austrocknen und Viren sich nicht so leicht einnisten können.

PhytoDoc: Kann aus einer Erkältung wirklich eine Grippe werden?

Dr. Musselmann: Nein, Erkältungen werden zum Beispiel durch Rhino-, Adeno- oder Coronaviren verursacht. Bei der echten Grippe dagegen ist ein anderer Virus-Typ im Spiel - das Influenza-Virus. Hiergegen sollte man sich impfen lassen.
Was allerdings stimmt ist, dass die harmlosen Erkältungsviren den Influenzaviren den Weg ebnen können. Wer schon durch eine Erkältung beziehungsweise reduzierte Reserven an Vitalstoffen, Mangel an Vitamin D et cetera geschwächt ist, bei dem haben die Grippe-Viren ein leichteres Spiel. Die Influenza-Epidemien häufen sich daher im März/April.

PhytoDoc: Eine letzte Frage, stimmt es, dass man sich beim Küssen nicht ansteckt?

Dr. Musselmann: Das ist natürlich Quatsch. Wer einen akut Erkrankten und Verschnupften küsst, hat gute Chancen, nach einer Inkubationszeit von 24 bis 72 Stunden auch zu erkranken. Das Vertrackte: Oft sind Menschen dann am ansteckendsten, wenn man noch gar nicht weiß, dass sie bald erkranken. Man könnte eine Ansteckung zumindestens in diesem Fall daher logischerweise nicht vermeiden. Trotz des gewissen Risikos sollte dennoch lieber nicht den ganzen Winter über Küssverbot gelten – das wär doch schade und, nebenbei bemerkt, ein erheblicher Verlust an Lebensfreude, die erhebliche Wirkung auch auf die Immunabwehr hat.