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Die Erkrankung verstehen: Brennende Augen

Die Augen: das Tor zur Seele und zum Immunsystem

Eigentlich ist der menschliche Körper durch die Haut gut vor eindringenden Substanzen abgeschirmt. An einigen Stellen aber übernimmt die Schleimhaut Abschluss und Schutz. Um Mikroorganismen ausreichend abzuwehren, ist das gesamte Immunsystem an allen Schleimhäuten gut vertreten. Ein Problem ergibt sich nur dann, wenn harmlose Stoffe als Angreifer interpretiert werden. Dann reizen noch so kleine Staubteilchen die Augen und rufen mit aller Heftigkeit die gesamte Abwehr auf den Plan.

Definition

Das steckt dahinter

Ein Irrtum mit schweren Folgen

Auslöser der Reaktion sind Antikörper von Typ IgE auf der Schleimhaut des Auges. Sie binden das Allergen, was sofort die Immunzellen aktiviert. In der Folge entsteht eine Entzündung auf den Schleimhäuten, was sich in einer Rötung, Brennen, Jucken und Schwellung äußert. Betroffen sind primär alle äußeren Strukturen im Auge wie Bindehaut und Lider aber auch die Tränendrüsen. Im Prinzip reagiert das Auge so, als wäre es „infiziert“. Der Körper produziert Schleim in der Nase und Tränenflüssigkeit in den Augen, um die vermeintlichen Fremdkörper auszuspülen.

Hightech-Produkt Träne

Der Tränenfilm wurde von der Natur her ausgeklügelt entwickelt. Er enthält nicht nur Salzwasser, sondern auch einen dünnen Fettfilm aus Talgdrüsen am Lidrand (Meibomsche Drüsen). Dieser sorgt dafür, dass der Film auch bei Wind und Hitze nicht zu schnell abtrocknet. Daneben stellt er Schleim bereit, der gut am Auge haftet und alle äußeren Teile nahtlos umschließt. Ganz unbemerkt sorgt das Blinzeln alle sechs Sekunden für eine ständige Erneuerung des Films. Allergien, Medikamente, Krankheiten, Schadstoffe oder Hormone ändern dieses abgestimmte Gleichgewicht. Das führt nicht nur zu unangenehmen Gefühlen und vermehrtem Blinzeln, auch zu trockenen, tränenden oder brennenden Augen. Künstliche Tränen lindern diese Zustände, egal was der Auslöser des Problems ist.

Formen

Augenentzündungen sind nicht immer gleich schlimm. Da gibt es feine Unterschiede. Die Steigerungsformen von allergischer Augenentzündung sehen wie folgt aus:

Die Liste beginnt mit der relativ harmlosen

  • saisonalen allergischen Konjunktivitis: Typisches Beispiel sind Pollenallergiker, sie leiden nur dann, wenn die entsprechenden Pflanzen blühen.
  • schlimmer ist die ganzjährige allergische Konjunktivitis: Dann besteht der Allergenkontakt das ganze Jahr, wie bei der Hausstaubmilbenallergie.
  • kompliziert wird es bei Keratokonjunktivitis vernalis: Das Erscheinungsbild ist auch unter dem Namen Frühjahrsschnupfen bekannt. Im Gegensatz zu der saisonalen Form aber bildet die Bindehaut pflastersteinartige Gewebewucherungen durch die Entzündung. Bei uns kommt das Krankheitsbild nur sehr selten vor, in Regionen mit trockenem Klima findet man die Erscheinung häufiger. Betroffen sind überwiegend Kinder und Jugendliche. Die Entzündung juckt nicht nur sehr, die Patienten sind auch lichtscheu.
  • sehr problematisch ist die atopische Keratokonjunktivitis: Sie entwickelt sich bei 25-40% der Menschen mit atopischem Ekzem meist im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Nur hier sind auch die Lidränder geschwollen und die Bindehaut entzündet und es wuchert auch die Schleimhaut. Meist kommt es zusätzlich zu einer Infektion des Lidrandes mit Eiterbakterien oder Herpes.
  • starke Wucherungen bilden sich bei der gigantopapillären Konjunktivitis bei Kontaktlinsenträgern. Sie bemerken eine zunehmende Reizreaktion nach Einsetzen der Kontaktlinsen. Es schieben sich „Schleier“ aus Schleim vor die Augen. Außerdem bleiben die Linsen an den Papillen hängen und sie bewegen sich sehr stark im Auge.

Häufigkeit

In den letzten Jahren hat Heuschnupfen deutlich zugenommen. Man schätzt, dass etwa 30% der Bevölkerung am Symptomkomplex „brennende Augen - laufende Nase“ leiden. Gefährliche Zeiten für eine Entwicklung sind die Kindheit bis zum 35. Lebensjahr. Danach ist eine allergische Sensibilisierung eher selten.

Volkskrankheit Heuschnupfen

Es ist höchste Zeit zu erforschen, wie sehr die modernen Lebensumstände, Hygienebedingungen, Ernährung und Antibiotikaeinsatz in Medizin und Massentierhaltung ursächlich zu dieser Entwicklung beitragen. Wenn die Geschwindigkeit der Allergieentwicklung nicht gestoppt werden kann, werden in wenigen Jahrzehnten 50% der Bevölkerung in den westlichen Industrienationen sich eine Allergie „einfangen“. In anderen Regionen der Welt ist die Allergiehäufigkeit geringer, aber auch hier wurde in den letzten Jahren eine steigende Tendenz verzeichnet. Brennende Augen sind leider auf dem Vormarsch.

Ursachen

Brennende Augen können neben einer Allergie viele andere Ursachen haben. So kommen auch ganz alltägliche Anlässe für brennende Augen in Frage, wie das „Office Eye Syndrome“ bei Computerarbeitern oder Dauerspielern: Bei hoher Konzentration „vergessen“ manche Menschen das Blinzeln. Da sich der Tränenfilm nicht erneuert, trocknen die Augen aus und brennen. Auch ganz alltägliche Kosmetika, Sprays, Seifen bis hin zur Hautcreme führen manchmal zu brennenden Augen, selbst wenn sie nicht direkt um das Auge angewendet werden. Ein einfacher Praxistest kann viele Verdachtsfälle schnell entlarven.

Im Prinzip kommen verschiedene Faktoren für Augenreizungen in Frage:

  • Rauchen, Rauch, Staub und chemische Dämpfe (Chlor im Schwimmbad)
  • trockene Heizungsluft oder eine Klimaanlage
  • Vitamin-A-Mangel
  • Einnahme bestimmter Medikamente, wie Beta-Blocker, Antihistaminika, Hormone (Ovulationshemmer), Kortikosteroide
  • Kontaktlinsen
  • schlechte Augen, unpassende Brille
  • zu grelles Licht, UV-Licht
  • hormonelle Umstellungen: Menopause, Testosteronmangel
  • Rheuma und andere Autoimmunkrankheiten („Sjögren-Syndrom“)
  • Infektionen mit Viren, Bakterien oder Pilzen
  • Allergien, atopisches Ekzem und Asthma

Allergene

Besonders häufig findet man Pollen oder Pilzsporen bei den saisonalen und Hausstaubmilben oder Tierhaare bei den ganzjährigen Konjunktivitis-Allergenen. Im Prinzip können aber alle fliegenden Allergene brennende Augen auslösen.

Zu brennenden Augen verdammt: genetische Gründe

Ein großes Kapitel in der aktuellen Forschung ist derzeit die Diskussion der genetischen Ursachen. Sicher ist, dass Allergien eine große genetische Komponente haben. Ob die Krankheit aber tatsächlich zum Ausbruch kommt, darüber entscheidet offensichtlich auch die Lebensweise. Gefährdet für brennende Augen sind Personen aus Familien mit einer Häufung von Heuschnupfen, Neurodermitis (= atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem) oder allergischem Asthma.

Ob bei der Allergieentwicklung Schadstoffe, Lösungsmittel und andere chemische Verbindungen mitspielen, ist nicht genau geklärt. Möglicherweise fördern sie entweder die Bindung von Allergenen an die Zellen (Aldehyde), den allergenen Charakter harmloser Teilchen (Ruß) oder das Eindringen von Stoffen in die Körperoberfläche (Lösungsmittel und Detergenzien). Die Forschung bemüht sich intensiv, die neuen Ursachen im Alltag zu identifizieren, bisher gibt es aber nur Hypothesen.

Prävention

Natürliches Leben – der Dreck gehört dazu

Alle Beobachtungen stellen fest, dass bei Völkern mit einer naturnahen Lebensweise Allergien seltener sind. Daneben sind auch Menschen aus Industrienationen gegen Allergien besser gefeit, wenn sie auf dem Land aufgewachsen sind - das heißt mit allem Drum und Dran wie Schmutz, Parasiten, Viren und Bakterien. Man vermutet, dass in diesen Umständen das Immunsystem genauer zwischen Freund und Feind unterscheiden lernt. So sind alle Kontrollmechanismen aktiviert. Daneben sind die Immunzellen „zu beschäftigt“ für eine fehlgeleitete und überschießende Immunreaktion.

Alle Praktiken, die natürliche Keime reduzieren, sind prinzipiell Risikofaktoren. Dazu gehören:

  • übertriebene Hygiene,
  • Konservierungsmittel in der Nahrung,
  • bakterienfreie Lebensmittel (im Gegensatz zu fermentierten) und
  • ein Leben fern einer natürlichen Umwelt.

Selbst ein Kaiserschnitt (fehlender Kontakt mit der Vaginalflora der Mutter) oder eine frühe Antibiotikabehandlung stören das natürliche Bakterienaufkommen nachhaltig und erhöhen das Risiko für eine Allergie.

Natürlich ist das kein Aufruf zur Unsauberkeit. Die Einhaltung vernünftiger Hygieneregel hat sich selbstverständlich bewährt. Infektionen sind unangenehm und können auch heute noch Komplikationen verursachen.

Biodiversität – viele verschiedene Bakterien sind gesünder

Erste Studien lassen annehmen, dass es bei Probiotikakonsum seltener zu allergischen Symptomen an Nase und Augen kommt. Übereinstimmend damit beobachtet man im Darm von Allergikern eine bakterielle Verarmung (vor allem an Lactobacillen und Bifidobakterien).

Nach aktuellen Ergebnissen haben viele Bakterienstämme ganz spezifische Effekte. Um alle diese Effekte zu erzielen, scheint eine kombinierte Gabe von verschiedenen Bakterienarten die beste Wirkung zu entfalten. Ebenfalls vorteilhaft scheint es zu sein, wenn die Mutter in der Schwangerschaft und später das Kind „gesunde“ Bakterien mit der Nahrung aufnehmen. Damit soll eine gesunde Reifung des Immunsystems gewährleistet werden. Nicht allergischen Menschen kann man zu Probiotika raten. Bei Familien mit erheblicher genetischer Allergiebelastung fällt die Wirkung nach ersten Studien geringer aus.

Omega-3 Öle

Ob und wie gut Omega-3-ungesättigete Öle vor dem Ausbruch einer Allergie schützen, ist Gegenstand vieler aktueller Studien. Offensichtlich profitiert das werdende Kind davon, wenn die Mutter während der Schwangerschaft mehrfach pro Woche Fisch verzehrt. Ob dagegen die direkte Gabe von reinen Omega-3-Fettsäuren Allergien vorbeugen kann, ist weniger klar. Sollte aber das Kind nicht gestillt werden, muss darauf geachtet werden, dass ausreichend Omega-3 in der Säuglingsnahrung enthalten ist.

Verlauf und Komplikationen

Die allergische Reaktion verläuft immer nach demselben Prinzip:

  1. Die Antikörper im Augenschleim reagieren mit dem Antigen, das von Immunzellen wahrgenommen wird. Daraufhin schütten Immunzellen (Mastzellen) entzündliche Botenstoffe aus (z.B. Histamin). Das ist der Punkt, an dem viele Medikamente eingreifen: die Antihistaminika.
  2. Diese Reaktion ruft sofort das gesamte Immunsystem auf den Plan: Die Gefäße weiten sich, die Durchblutung steigt und das Gewebe rötet sich. Adern werden durchlässig für Flüssigkeit und Immunzellen. Die Entzündung meldet sich mit Brennen, Jucken und Überhitzung des Auges.
  3. Bei einigen chronischen Formen erfolgt bei chronischer Entzündung ein Gewebeumbau am inneren Augenlid. Es entstehen Auswüchse („Riesenpapillen“).

Komplikationen

Die saisonale oder ganzjährige allergische Konjunktivitis ist zwar lästig, aber vergleichsweise harmlos, denn weder die Sicht noch das Augenlicht sind ernstlich bedroht. Dennoch ergeben sich mitunter ernste Komplikationen:

Im Verlauf der Allergie besteht nach Jahren ein höheres Risiko, dass sich aus brennenden Augen und Heuschnupfen asthmatische Beschwerden entwickeln. In der Medizin ist der Vorgang auch als „Etagenwechsel“ bekannt, da sich die Krankheit praktisch nach unten ausbreitet.

Außerdem kann sich die Allergie auf andere ähnliche Allergene ausweiten oder sogar eine Nahrungsmittelallergie hinzukommen, so dass am Ende verschieden Allergien nebeneinander bestehen.

Bei Keratokonjunktivitis vernalis kommt es zusätzlich zu Wucherungen.

Besondere Gefahr besteht auch für Patienten mit Neurodermitis: Hier drohen Infektionen mit Eiterbakterien oder Herpes-Viren. Bei Atopikern besteht auch vermehrt Gefahr für das Augenlicht. Es entwickeln sich auch häufiger grauer Star (Katarakt) oder Hornhautschäden.

Kompliziert verläuft auch die Erkrankung bei Trägern von Kontaktlinsen oder Glasaugen. Durch den beständigen Kontakt mit künstlichen Oberflächen wird die Schleimhaut zusätzlich gereizt. Das löst palpillenartige Wucherungen aus (gigantopapilläre Konjunktivitis). In seltenen Fällen entwickelt sich daraus Krebs.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen