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Colitis ulcerosa

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Colitis ulcerosa: Das Enddarm-Leiden

Unter Colitis ulcerosa versteht man eine chronische Entzündung der Schleimhaut im Dickdarm, die meist in Schüben verläuft.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Unkontrollierte Entzündung des Darms

Unter Durchfall hat jeder schon mal gelitten, das sollte aber nach spätestens drei Tagen vorbei sein. Nicht so bei Colitis ulcerosa. Hier liegt auch in der Regel keine Infektion vor, wie bei den meisten Durchfällen, sondern eine unkontrollierte Entzündung des Darms, speziell des Enddarms. Zusammen mit Morbus Crohn, der kollagenen und lymphozytären Colitis gehört Colitis ulcerosa zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Zum Glück verläuft die Erkrankung meistens schubweise und es gibt auch beschwerdearme Zeiten. Für die Betroffenen sind Schübe oft ein schweres Los, vor allem bei heftiger Ausprägung. Hier quälen Beschwerden wie Bauchschmerzen und blutig-schleimige Durchfälle. Aber man sollte wissen, dass man nicht einfach hilflos dem Medizinsystem ausgesetzt ist, gut informierte Patienten können beim Arzt die wichtigen Fragen stellen und auch bei Therapie und Untersuchung mitentscheiden, darauf weisen die Leitlinien der AWMF hin sowie die Deutsche Morbus Crohn und Colitis ulcerosa-Vereinigung. Hier finden Sie die wichtigen Informationen zu Heilpflanzen, Ernährug und den akzeptierten Therapiealternativen.

Was tun bei Colitis ulcerosa?

Colitis ulcerosa kann nicht geheilt, wohl aber behandelt werden. Ziel der Therapie ist die Eindämmung der Entzündung, um die Krankheit im „inaktiven“ Stadium zu halten („Remissions-Erhaltung“).

Die Therapie bei einem akuten Schub richtet sich nach Ausprägung und Lokalisation der Colitis. Grundsätzlich ist die Schulmedizin der Hauptteil der Behandlung. Naturheilkunde und Heilpflanzen können aber unterstützen. Ernährung und Nahrungsergänzung gehören ganz besonders bei Colitis ulcerosa mit dazu. Die alternative Therapie alleine ist bei einem Schub nicht sinnvoll. Die geplante komplementärmedizinische Anwendung sollte außerdem mit dem behandelnden Fachmann abgesprochen werden.

Heilpflanzen

Heilpflanzen können der Erfahrung nach die Therapie der Colitis ulcerosa unterstützen. Jedoch erlauben die verfügbaren Daten noch keine abschließende Beurteilung. So hat das Bundesministerium für Arznei- und Medizinprodukte die entsprechenden Präparate für die Indikation Colitis ulcerosa noch nicht offiziell zugelassen.

Entzündungshemmende Pflanzen

In den offiziellen AWMF-Leitlinien ist Curcumin aus der Gelbwurz ausdrücklich erwähnt (2 × 1 g/Tag). Es kann zur Erhaltung der Remission (rückfallsfreie Zeit) zusätzlich zu den konventionellen Medikamenten genommen werden. Die Behandlung mit Curcumin und Mesalazin (bzw. Sulfalazin) war besser als Mesalazin (oder Sulfalazin) alleine.

Leinsamen bilden beim Einweichen in Wasser reichlich Schleim. Sie binden bei Durchfall das Wasser und überziehen die Schleimhaut mit einer Schutzschicht. Auch sind sie einsetzbar beim Remissionserhalt (2 × 10 g/Tag). Im Vergleich der Behandlungen mit Leinsamen zu einer Behandlung mit Mesalazin oder der Kombinationsbehandlung aus Leinsamen und Mesalazin ergaben sich nach 12 Monaten keine Unterschiede.

Eine interessante Studie mit 96 Patienten liegt außerdem zu einem Kombinationsprodukt mit Myrrhe, Kamille und medizinischer Kohle vor, die den Erhalt der beschwerdefreien Zeit von Colitis ulcerosa-Patienten untersucht. Kamille und Myrrhe entfalten eine antientzündliche und antibakterielle Wirkung, der Zusatz von Kaffeekohle soll Bakterientoxine binden. Die Rückfallraten waren nach 12 Monaten im Vergleich mit der schulmedizinischen Behandlung mit Mesalazin gleich hoch. Weitere Studien müssen folgen.

Ayurvedischer Weihrauchextrakt

Erfahrungen mit der ayurvedischen Behandlung sind verfügbar. Da jedoch die entsprechenden klinischen Prüfungen fehlen, ist hier Vorsicht geboten und die Anwendung ist nur in Händen eines erfahrenen Therapeuten (z.B. Gastroenterologen) sinnvoll. Sicher wirksam ist aber ein ayurvedischer Weihrauchextrakt „H15“. In einer vorläufigen Studie mit 30 Personen mit aktiver Colitis ulcerosa wurden positive Effekte beobachtet. Bei den 20 Personen in der Weihrauchgruppe konnte bei 18 davon eine Besserung in mindestens einem Parameter festgestellt werden, 14 erreichten die Remission. Eingesetzt wurden hier 3 x 300 mg Extrakt pro Tag für 6 Wochen. In der Kontrollgruppe mit Sulfasalazin waren nur 4 von 10 Personen am Ende in Remission. Das Weihrauchpräparat ist relativ teuer, es gibt jedoch preisgünstigere Präparate mit vergleichbarer Qualität. Die ayurvedische Heilkunde hält darüber hinaus verschiedene Pflanzenmischungen für diese Darmprobleme bereit. Allerdings sind diese für die Indikation Colitis ulcerosa nicht getestet.

Hautpflege

Gut wirksam bei Entzündungen ist außerdem ätherisches Öl aus Kamille mit dem Wirkstoff Bisabolol. Sie kommt bei der Pflege der Perianalregion in Form von Sitzbädern zum Einsatz. Nach den offiziellen Leitlinien sollten diese hygienischen Maßnahmen nicht zu kurz kommen. Geeignet sind auch Pflegeprodukte, welche die Hautbarriere stärken. Kamille wirkt auch innerlich als Tee oder Extrakt entzündungshemmend und reizlindernd.

Durchfall

Generell bei Durchfall greift man in der Phytotherapie zu adstringierenden Pflanzen wie dem Tormentillenwurzelstock. Gerbstoffe legen sich auf die entzündete Oberfläche, dichten sie nach außen ab und sind für akute sowie subakute Zustände geeignet. Die pulverisierte Wurzel setzt den Wirkstoff langsam frei und gelangt daneben auch in tiefere Bereiche des Darms. Eingesetzt werden tägliche Dosen von 4-6 g. Es liegen aber nur Erfahrungen und Anwendungsbeobachtungen vor (mit 1-3 g), klinische Studien sind nicht verfügbar. Gerbstoffe belasten den Magen und sind für empfindliche Personen nicht geeignet. Zudem ist bei einer Langzeitbehandlung zu bedenken, dass sie auf Dauer die Schleimhaut schädigen und die Aufnahme von Nährstoffen zu stark blockieren.

Was sonst noch helfen kann

Einige Heilpflanzen könnten durchaus positiv wirken, eine abschließende Bewertung durch hochwertige klinische Studien ist bei diesen Therapieoptionen noch nicht erfolgt.

  • Der antioxidativ wirksame blaue Farbstoff aus der Heidelbeere hat bei Versuchspersonen mit CU die Krankheitsaktivität vermindert.
  • Aloe vera-Extrakt (Aloe vera Gel): Eine sehr kleine Studie stellt eine Besserung mit 100 ml Gel bei Colitis ulcerosa fest. Es ist jedoch darauf zu achten, dass reines Gel, frei von den abführenden Stoffen der Rinde, verwendet wird. Dies ist auf dem Markt schwer zu bekommen und teurer als der billige Massenpresssaft.
  • Für Glycyrrhizinat aus der Süßholzwurzel liegen überwiegend Tierversuche vor. Am Menschen sind nur Kombinationsprodukte getestet (bittere Schleifenblume, Kamille, Pfefferminze, Kümmel, Zitronenmelisse). Zu beachten sind der mögliche blutdruckerhöhende Effekt und eine Verarmung an Kalium bei längerer Anwendung.
  • Eine kleine Studie mit 20 Colitis ulcerosa Patienten stellt fest, dass 100 ml Weizengrassaft sicher und wirksam sei.
  • Bromelain aus der Ananas wird in der Komplementärmedizin überwiegend bei Entzündungen eingesetzt. Eine Wirkung bei Colitis stützt sich meist auf Tierversuche.
  • Gerbstoffreiche Pflanzen sollen sich positiv auf die Entzündungsschäden bei Colitis ulcerosa auswirken und einen gesunden Bakterienbewuchs fördern. Versuche mit Grünem Tee-Extrakt im Colitis-Modell liegen aber nur an Mäusen vor.

Heilpflanzen und Vitalstoffe, die bei Colitis ulcerosa helfen können

Homöopathische Mittel bei Colitis ulcerosa

Die Homöopathie bei Colitis ulcerosa hat eine untergeordnete Bedeutung. Sie darf nur begleitend zum Einsatz kommen.

Ein erfahrener Homöopath findet das richtige Konstitutionsmittel, z.B.:

Spiessglanzmohr (Aethiops antimonialis): bei Bindehautentzündungen, Darmentzündungen, wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Stuhl weich bis dünnflüssig, enthält Schleim und manchmal Blut, krampfartige Bauchschmerzen, Stuhldrang. Verschlimmerung durch Stress.

Weißes Arsenik (Arsenicum album): Bauch berührungsempfindlich, Bauchschmerzen brennend, brennender Stuhl, übelriechender Stuhl, Ekel vor Essen und Essensgeruch.

Graphit (Graphites): Schleimiger Durchfall, entzündeter und brennender After, rissige Haut. Großer Hunger, Magenschmerzen und stinkende Blähungen.

Bärlapp (Lycopodium): dicker aufgetriebener Bauch, Kleidung beengt, Koliken nachmittags bis abends, übel riechender Stuhl, Gefühl unvollständiger Entleerung, Afterkrämpfe. Heißhunger und schnelle Sättigung.

Quecksilber (Mercurius solubilis): häufige aber kleine, schleimige, blutige und wund-machende Stühle. Mundgeruch, Speichelfluss.

Schwefelblüte (Sulfur): heftige, stinkende Blähungen, Aufstoßen, schleimiger Durchfall, der früh morgens die Bettruhe beendet, Brennen am After. Leeregefühl im Bauch, kleine Mahlzeiten.

Der homöopathische Behandlungsversuch der Colitis ulcerosa sollte sich über mehrere Wochen erstrecken.

Nahrungsergänzung

Da der kranke Darm einen Aufnahmedefekt hat und der Körper vermehrt Reserven bei der Bewältigung der Krankheit braucht, muss man auf eine ausgewogene Mineralien- und Vitaminbilanz achten.

  • Insbesondere die Ergänzung von Vitamin B12 ist wichtig (eventuell spritzen).
  • Einen wichtigen Beitrag für die Knochengesundheit spielt die Versorgung mit Vitamin D und Calcium.
  • Auch die anderen fettlöslichen Vitamine neben Vitamin D müssen ausreichend angeboten werden (Vitamin A, E, K, eventuell spritzen).
  • Bei Blutverlust muss man das Eisen im Auge behalten.
  • Wenn Fett im Stuhl ist, ergänzt man die Fette mit einem geeigneten Präparat (MCT-Fette).

Auch die Behandlung bringt Probleme mit sich: Eine Sulfalazin-Einnahme über längere Zeit führt zu einer Verarmung an Folsäure, Mesalazin zu Eisen-, Folsäure- und Vitamin C-Mangel. Steroide stehen mit einem Mineralienverlust in Verbindung (Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Zink) und erhöhen den Bedarf an Vitaminen (Vitamin D, E sowie Folsäure). Gerade bei einer Behandlung mit Steroiden sollte der Therapeut rechtzeitig an die Nahrungsergänzung denken.

Ein Wort zum Fett

Einige kurze Studien legen einen positiven Effekt von Omega-3-Fettsäuren nahe. Die Fettsäure besänftigt den entzündlichen Stoffwechsel und ist in vielen pflanzlichen Ölen (Raps-, Lein- und Hanfsamenöl) und Fischen enthalten. Offensichtlich hält der Schutz gegen einen Colitis ulcerosa-Schub nicht länger als 3 Monate an. Nach 2 Jahren ist in Studien kein Vorteil mehr sichtbar.

Hausmittel und Tipps für den Alltag

Was Sie selbst tun können

Colitis ulcerosa belastet das Leben und die sozialen Beziehungen oft erheblich. Was für andere nebenbei verläuft, muss der Colitis ulcerosa-Patient bewusst planen. Das kostet Kraft und braucht auch Unterstützung aus der Umgebung. Diese muss sich der Betroffene aktiv organisieren. Wer sich rechtzeitig Hilfe holt, hat es leichter.

  • Achten Sie außerdem auf Ihre Psyche. Sie müssen die Krankheit annehmen, es bleibt nicht viel anderes übrig. Vielleicht brauchen Sie psychologische Unterstützung oder auch nur eine Entspannungstherapie.
  • Die Ernährungsgewohnheiten sind sehr wahrscheinlich an der Remissionserhaltung mit beteiligt. Finden Sie heraus, was Sie vertragen, wann und wie oft Sie essen müssen und – das ist nicht ganz einfach – halten Sie sich daran. Sprechen Sie mit einem Ernährungsberater oder Diätassistenten.
  • Essen Sie ausreichend kalorienreiche Nahrung, um einen Gewichtsverlust zu vermeiden.
  • Vermeiden Sie Alkohol, vor allem Hochprozentiges, es kann einen Schub begünstigen.
  • Aktives Rauchen schützt zwar vor der Entwicklung der Colitis und lindert den Schweregrad einer Colitis ulcerosa, man kauft sich damit aber die Gefahr vieler anderer Erkrankungen und eine deutliche Beschleunigung des Alterns ein. Auch müssen Raucher häufiger im Krankenhaus wegen der Colitis ulcerosa behandelt und häufiger operiert werden. Man kann also vom Rauchen als „Selbsttherapie“ nur abraten.
  • Wenn Sie gerade unter Durchfall leiden, sollten Sie viel trinken und die verlorenen Mineralien ergänzen. Vor allem geeignet sind gesalzene Brühe, Tee und stilles Mineralwasser. Außerdem verringert Durchfall das Urinvolumen und dann drohen Steinleiden.
  • Leichter Ausdauersport vermindert die Entzündungsaktivität. Dabei sollte man sich aber nicht verausgaben.
  • Teilen Sie Ihren Bekannten mit, worunter Sie leiden, dann ist niemand irritiert, wenn Sie immer wieder mal kurz verschwinden.
  • Beim Warten an den Toiletten darf man sich vordrängeln, wenn es gerade dringend ist. Bei einer höflichen und dringlichen Nachfrage werden die meisten nicht Nein sagen.
  • Findige Betroffene nehmen aktiv am Leben teil, sind aber immer vorbereitet – mit Wechselwäsche, Toilettenpapier und bei Bedarf mit Windeleinlagen.
  • Nur Betroffene können Betroffene vollständig verstehen. Für Selbsthilfegruppen und Fragen zur alternativen Medizin kann man sich an die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa-Vereinigung e.V. wenden.

Weitere Therapien

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