Ihr Portal für Gesundheit,
Naturheilkunde und Heilpflanzen

natürlich gesund

Die Erkrankung verstehen: Colitis ulcerosa

Wissenswertes zu Colitis ulcerosa

Der Darm ist ein besonderes Organ, denn hier stoßen Außenwelt und Innenwelt zusammen. Es ist das einzige Organ neben der Haut und dem Mundraum, das Bakterienwachstum in hoher Zahl duldet. Aber der Körper überwacht diesen Raum sehr streng und investiert hier in ein ausgedehntes Immunsystem. Es macht etwa 70 % des Immunsystems aus. Aber wie überall, wo viele Regelkreise und heftige Aktivitäten ineinander greifen, droht immer auch die Gefahr einer Entgleisung. Wenn das Immunsystem zu aktiv wird, kommt es zu chronischen Entzündungen. Die häufigsten chronisch verlaufenden Darmerkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bei Colitis ulcerosa ist der Dickdarm der wichtigste Tatort.

Definition

Das steckt dahinter

Die wesentliche Verdauungstätigkeit läuft im Magen und Dünndarm ab, der Dickdarm dagegen ist auf die Aufnahme von Wasser und Mineralien spezialisiert. Fällt er aus, ist Durchfall ein Problem.

Im Dickdarm sind außerdem viele Bakterien angesiedelt, die sich über die Ballaststoffe hermachen und daraus kurzkettige Fettsäuren herstellen (Butyrate). Auch sie dienen der Ernährung. In früheren Zeiten (und heute noch in den Entwicklungsländern) war das sehr wichtig, waren doch 92 % der Energie in ballaststoffhaltigen Lebensmitteln „versteckt“. Heute decken wir zu 58 % unsere Energie mit ballaststofffreien Lebensmitteln (Zucker, Fett, Mehl). Das hat Folgen auf die Darmflora. Insbesondere, wenn in den oberen Abschnitten nicht alle Nährstoffe entfernt wurden (wie Milchzucker), fallen Bakterien im Dickdarm darüber her. Darauf folgt eine Entgleisung der Darmflora. Auch das ist ein Aspekt bei Colitis ulcerosa.

Wo liegt der Dickdarm?

Der Dickdarm liegt wie ein umgekehrtes U im Bauch: im rechten Unterbauch beginnt er und zieht nach oben an den Rippenbogen, verläuft darunter entlang, zieht auf der linken Seite nach unten Richtung Leiste und endet über dem Rektum im After. Colitis ulcerosa beginnt häufig am Rektum (letzter Darmabschnitt hinter dem After). Von dort breitet sich die Entzündung ausgehend von der linken Seite weiter auf den Dickdarm aus.

Die vielen Gesichter von Colitis ulcerosa

Mal gibt es keine Symptome, mal ist der Zustand unerträglich. Die entzündliche Neigung konzentriert sich leider nicht nur auf die Verdauungsorgane. Sie kann auch auf andere Organe überspringen wie Gelenke, Haut, Augen oder Nieren. Das macht deutlich, dass nicht nur der Darm, sondern das ganze Immunsystem im Mittelpunkt der Behandlung stehen muss. Colitis ulcerosa gehört daher zu den entzündlichen Systemerkrankungen.

Häufigkeit

Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa und Morbus Crohn) sind in den letzten Jahren in der Häufigkeit stetig angestiegen und stellen ein erhebliches volkswirtschaftliches Problem dar.

Akut erkrankt sind etwa 40 bis 80 je 100.000 Personen, betroffen sind wesentlich mehr Menschen. Männer und Frauen sind gleichermaßen anfällig. Bei der Colitis ulcerosa geht man von einer Neuerkrankungsrate von 4 bis 6 je 100.000 im Jahr aus. Bei einem Teil der Patienten (15-25 %) zeigt sich die Krankheit schon sehr früh. Eine Ersterkrankung kann in jedem Alter stattfinden, je früher die Ersterkrankung auftritt, umso schwerer verläuft sie.

Ursachen

Entzündliche Darmerkrankungen sind in den Industrienationen auf dem Vormarsch, jährlich erhöhen sich auch die Zahlen der Menschen, die an Colitis ulcerosa leiden. Man geht daher davon aus, dass Colitis ulcerosa eine typische Zvilisationserkrankung ist.

Für die Krankheit kommen wahrscheinlich innere und äußere Auslöser zusammen:

  • Genetische Veranlagung mit Störung der Darmbarriere: Untersuchungen an eineiigen Zwillingen zeigen, dass nur bei 26 % der Paare beide erkrankt sind. Daher dürfte überwiegend die Umwelt am Ausbruch beteiligt sein.
  • Bei Colitis ulcerosa ist möglicherweise eine autoimmune Komponente beteiligt, das bedeutet, der Körper greift sich selbst an.
  • Erkrankte Zwillinge haben häufig eine andere Ernährung. Sie konsumieren mehr Fleischprodukte. Statistisch gesehen ist Colitis ulcerosa bei Menschen mit einer ballaststoffreichen Kost seltener. Insbesondere lösliche Ballaststoffe aus Obstsorten könnten präventiv wirksam sein. Ein ursächlicher Zusammenhang ist aber nicht gesichert.
  • Übertriebene Hygiene und eine gestörte Darmflora werden als Auslöser vermutet.
  • Daher werden auch Antibiotika mit Colitis ulcerosa in Verbindung gebracht, vor allem bei Kindern unter 5 Jahren. Besonders häufig trat dies unter der Behandlung mit Metronidazol auf. Man geht davon aus, dass die veränderte Keimbesiedlung im Darm zu den ausufernden Entzündungsprozessen führt.
  • Wenn der Darm offene Stellen hat, ist das Immunsystem der Blutbahn ohne Schranken mit der Darmflora konfrontiert („Leaky-Gut-Syndrom“). Das kann immunologische Reaktionen gegen eigentlich harmlose Darmbewohner auslösen, wie etwa Hefen. Auch eine allergische Reaktion gegen Nahrungsbestandteile wie Milchprotein wird diskutiert.
  • Die Einnahme von Kontrazeptiva steigert das Risiko für Colitis ulcerosa vermutlich.

Prävention

Um genaue Vorstellungen zu haben, wie man eine Colitis ulcerosa vermeiden kann, bräuchte man genauere Kenntnisse zu den Auslösern. Möglicherweise kann eine naturnahe Lebensweise mit einer natürlichen ballaststoffhaltigen Ernährung schützen. Stillen schützt offensichtlich die Säuglinge, da es die Ausbildung einer natürlichen Darmflora fördert.

Wer bereits Colitis ulcerosa hat, muss vorsorglich an verschiedene Dinge denken:

Vorsorge ist das halbe Leben…

  • Bei heftigen Anfällen wird das Immunsystem unterdrückt. Darauf muss das Leben eingestellt werden, auch was Reisen in ferne Länder betrifft, Ernährung oder ungeschützte Sexualkontakte. Auch der Impfschutz sollte vor Behandlungsbeginn überprüft werden (insbesondere Hepatitis B, HPV, Herpes zoster, Pneumokokken und Windpocken) und es sollte jährlich eine Grippeimpfung erfolgen. Verwendet werden dürfen nur Totimpfstoffe (keine lebendigen, abgeschwächten Impfstoffe).
  • Je nach Ausdehnung auf große Dickdarmbereiche, die Gallenwege und bei einer hohen Krankheitsaktivität steigt die Krebsgefahr an. Daher ist spätestens acht Jahre nach Krankheitsbeginn eine regelmäßige Krebsvorsorge durch Darmspiegelung sinnvoll, bei linksseitiger Kolitis ab dem 15. Jahr. Das gilt auch für die noch verbleibenden Enddarmbereiche nach einer Operation. Übrigens ist bei Verwendung von Immunsuppressiva auch die Hautkrebsgefahr und die Krebsgefahr allgemein etwas höher, darum muss sich die Krebsvorsorge auch auf bezüglich der Haut und anderer Organe intensivieren.
  • Auf die Dauer schädigt die Mangelernährung die Knochen. Eine Osteoporose-Vorsorge sollte in den Vorsorgekatalog aufgenommen werden.
  • Bei Kindern und Jugendlichen muss darauf geachtet werden, dass sie nicht unter Minderwuchs, Entwicklungs- und Gedeihstörungen leiden. Hier muss präventiv eine Ernährungsberatung stattfinden.

Verlauf und Komplikationen

Verlauf

Mal besser, mal schlechter

Typisch für Colitis ulcerosa ist ein schubweiser Verlauf. Dabei wechseln sich Anfälle mit beschwerdefreien Zeiten ab. Sie dauern einige Monate bis Jahre. In der Regel beginnt der Schub am Darmende, dem Mastdarm und breitet sich von da weiter auf tiefere Dickdarmabschnitte aus.

Die Ausprägung der Krankheit ist ebenfalls hoch variabel. Man kennt leichte Verläufe, andere führen zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Etwa 25 % der Betroffenen haben nur einen Schub im Leben. Bei einigen Patienten bilden sich die Symptome gänzlich zurück, andere leiden weiterhin an einigen Symptomen.

Je älter, umso besser der Verlauf

Vor allem junge Menschen leiden oft vermehrt unter einer schweren Ausprägung. Je später die Erkrankung auftritt, umso günstiger ist meist auch der Verlauf.

Auch wenn die Colitis auf einen Ort beschränkt ist, ist meist nicht mit Komplikationen zu rechnen. Sie treten in der Regel nur auf, wenn sich die Entzündung von den letzten Darmabschnitten weiter nach oben ausbreitet.

Operatives Eingreifen ist bei den meisten Patienten nicht notwendig.

Komplikationen

Für schwere Komplikationen sind vor allem junge Menschen bis zum 20.ten Lebensjahr gefährdet.

Direkte Komplikationen

  • Das toxische Megakolon ist eine Erweiterung des Dickdarms, vermutlich durch Toxine. Dann setzt der Durchfall für eine Weile aus. Begleitend kommt es zu Fieber, Bauchweh, Herzrasen, aufgetriebenem Bauch und eventuell Verwirrtheit. Es droht eine Perforation.
  • Perforation: Eine heftige Entzündung und der Druck belasten das Gewebe. Bricht die Darmwand durch, ergießt sich der Kot in die Bauchhöhle. Damit es nicht zu einer tödlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommt, muss sofort operiert werden.
  • Blutungen: Sie können zu starkem Blutverlust führen, so dass Blutkonserven zugeführt werden müssen.
  • Manchmal kann der Schub über Medikamente nicht in den Griff bekommen werden, dann kann nur eine Operation das Überleben sichern.
  • Die Entzündung lässt mitunter Darmverengungen entstehen (Kolonstenose), hier muss man per Biopsie immer auch abklären, ob vielleicht eine krebsartige Entartung vorliegt.

Begleiterkrankungen

  • Psychische Probleme und Depressionen: Colitis ulcerosa ist eine Erkrankung, die oft schwer in den Alltag eingreift.
  • Die Mangelernährung führt zu einer verringerten Mineraliendichte in den Knochen. Bei 34-67 % der Patienten kann dies nachgewiesen werden, eine eindeutige Osteoporose betrifft aber nur 7-18 %.
  • Bei Patienten mit Morbus Crohn bilden sich auch häufiger Steinleiden aus (Gallensteine, Nierensteine).
  • Dauernde Entzündungen führen zu einer Steigerung des Krebsrisikos. Wenn beginnend entartetes Gewebe im Dickdarm gefunden wird, entfernt man es immer, um die Entwicklung eines Kolonkarzinoms frühzeitig zu unterbinden.

Therapieschäden

  • Kortikosteroide belasten den Körper besonders. Hier gibt es viele Nebenwirkungen.
  • Wenn das Immunsystem massiv unterdrückt wird, können versteckte Infektionen wie Tuberkulose oder Hepatitis aus dem Ruder laufen. Auch eine Clostridium-difficile-Infektion kann dann durchschlagen. Einzelne Stämme dieser Bakterien produzieren Gifte, die den Darm zusätzlich schädigen.
  • Wenn der Dickdarm entfernt und ein Dünndarmreservoir (Pouch) geschaffen wurde, kann sich auch der Pouch entzünden.

Formen

Je nachdem, welchen Darmabschnitt Colitis ulcerosa betrifft, unterscheidet man zwischen unterschiedlichen Formen:

  • Proktitis bezeichnet die Situation, wenn nur der Mastdarm (letzter Darmabschnitt, Enddarm) in Mitleidenschaft gezogen ist.
  • Wenn nur die letzten Darmabschnitte befallen sind (Enddarm und Sigma) spricht man von einer Proktosigmoiditis.
  • Linksseiten-Colitis liegt vor, wenn der hintere Teil des Dickdarms hoch bis zur Krümmung am Rippenbogen entzündet ist. Die Beschwerden sind dann auf der linken Bauchseite konzentriert.
  • Bei ausgedehntem Befall (Extensive Kolitis, Pancolitis ulcerosa) dehnt sich die Entzündung auf den gesamten Dickdarm aus.
  • Auch ein Dünndarmbefall (Backwash Ileitis) kann bei Colitis ulcerosa vorkommen.

Die Erkrankung bleibt nicht immer auf den Darm beschränkt, sie kann auch andere Organe, betreffen. Bei etwa 25 % Der Patienten gibt es auch außerhalb des Darms Entzündungsherde.

  • Haut: Geschwüre und Absterben der Haut (Pyoderma gangraenosum)
  • Fettgewebe: Entzündung des Unterhautfettgewebes (Erythema nodosum)
  • Gelenke: Entzündung (Arthritis) der großen Gelenke
  • Augen: z.B. Entzündung der Lederhaut (Skleritis) oder Regenbogenhaut (Uveitis)
  • Nieren- und Gallensteine
  • Leber- und Gallenerkrankungen
  • Wesentlich seltener sind Erkrankungen der anderen Organe wie Herz, Bauchspeicheldrüse, Nieren, Lunge und Gehirn sowie Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen).

Quellen/Weitere Informationen

Quellen