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Weitere Therapien: Colitis ulcerosa

Was sonst noch hilft

Im folgenden Text finden Sie die Tipps zur Ernährung und zu hilfreichen Naturheilverfahren. Im Anschluss sind die schulmedizinischen Optionen beschrieben.

Ernährung

Die Ernährung richtet sich nach dem aktuellen Zustand der Erkrankung. Dabei muss man auch selbst ausprobieren.

Akut: Darm entlasten und fasten

Bei guter körperlicher Verfassung ist ein auf einige Tage angelegtes Heilfasten beruhigend auf das Beschwerdebild bei Colitis ulcerosa. Ein Arzt sollte hier aber begleiten und eventuell eingreifen:

Bei einer schweren Erkrankungsphase mit Untergewicht oder fortlaufendem Gewichtsverlust wird der Darm vorübergehend umgangen und der Patient über die Venen ernährt. Auch eine Sonden-Ernährung oder Trinknahrung mit einer chemisch definierten Formeldiät ist möglich. Dabei werden Nahrungsbruchstücke gegeben, die nicht mit Darmenzymen aufgeschlossen werden müssen. Nach 2-3 Wochen erfolgt dann ein vorsichtiger Kostaufbau – erst mit Kohlenhydraten, dann Eiweiß, zum Ende auch Fette.

Aktive Krankheit

Im aktiven Stadium ist eine kalorienreiche ballaststoffarme Kost besser verträglich, wie auch bei Darmverengungen.

Die Nahrung sollte allerdings fettarm sein, Fette können durch das veränderte Darmklima häufig schlecht aufgenommen werden. Bei fettigem Durchfall reagiert man mit einer fettarmen eiweißreichen Ernährung. Nahrungsfette ersetzt man durch leicht verdauliche mittelkettige Fette (MCT-Fette, Apotheke, Drogerie).

Vermehrt Probleme bereiten Oxalate, die Blasen- und Nierensteine entstehen lassen können. Daher sollten oxalsäurereiche Pflanzen gemieden werden (rote Bete, Petersilie, Rhabarber, Spinat, Mangold, Sauerampfer („grüne Soße“), Kakao und Schokolade.

Schwefel in der Nahrung wird durch die Darmflora in Sulfide umgesetzt, welche die Schleimhaut schädigen. Erste Therapiestudien legen eine schwefelarme Diät nahe. Vorsicht also bei schwefelhaltigen Aminosäuren aus Milch und Käse, Eiern, Nüssen und Kohlgemüse.

Remission: Leichte Vollkost angesagt

Während der beschwerdearmen Zeiten empfiehlt sich eine Ernährung mit Ballaststoffen.

  • Von Ballaststoffen ernährt sich die Darmflora, die daraus kurzkettige Fettsäuren herstellt, sie erhalten ein gutes Klima im Darm und versorgen darüber hinaus die Schleimhaut.
  • Ballaststoffe wie Pektine aus dem Obst bilden Schleime und binden Flüssigkeit.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung, wie Carotinoide und Polyphenole (Gerbstoffe, Pflanzenfarbstoffe, Flavone, Isoflavone) werden gerade hier umgesetzt und aufgenommen. Bei Entzündungen produziert der Körper absichtlich schädliche Radikale, um vermeintliche Krankheitskeime zu schädigen. Wenn jedoch die Entzündung unkontrolliert abläuft, wie bei Colitis ulcerosa, wird der eigene Körper geschädigt. Deswegen sind Pflanzen in der Ernährung wichtig. Sie enthalten auch antioxidative Vitamine wie Vitamin E und Vitamin C.

Besonders verträglich ist gedünstetes und püriertes und zartes Gemüse. Rohes Gemüse, Hartschaliges (Tomaten, Paprika), Zitrusfrüchte und unverdünnte Obstsäfte können Probleme bereiten.

Man vermutet, dass eine einseitige Ernährung zur Krankheit Colitis ulcerosa beitragen könnte. Zum Beispiel erkranken Zwillingspartner öfter an Colitis ulcerosa, wenn sie viel Fleischprodukte zu sich nehmen. Die Ernährung darf durchaus Fleisch enthalten, aber in vernünftigen Mengen. Gegrilltes, Frittiertes und Geräuchertes ist eher nicht geeignet. Außerdem sind fettarme Produkte zu bevorzugen.

Die „Alles was bekommt“-Regel

Dabei zahlt es sich aus, wenn man systematisch austestet, was individuell verträglich ist – allgemeine Regeln gibt es nicht. Ein gereizter Darm reagiert oft stark auf unverträgliche Lebensmittel, dabei muss keine eigentliche Allergie vorliegen! Verdächtig sind: Weizenprodukte – insbesondere Hefebrot, Zitrusfrüchte, Tomaten, Wein, Frittiertes, scharfe Gewürze sowie Eier. Manche Menschen bilden zu wenig des milchzucker-abbauenden Enzyms (Laktase) oder das Immunsystem reagiert auf Milchprotein. Daher besteht oft eine Unverträglichkeit für Milch und Michprodukte (wie Laktoseintoleranz).

Leben ohne Dickdarm

Manche schwer Betroffene müssen sich einer Operation mit Entfernung des Dickdarms unterziehen. Wenn dieser auf den Aufschluss von Ballaststoffen spezialisierte Darmabschnitt fehlt, sind Ballaststoffe oft nicht mehr verträglich. Auch dann muss man den Körper mit einer angepassten Ernährung unterstützen (siehe auch Empfehlungen nach Darmoperation der Deutschen Krebsgesellschaft oder des Universitätsklinikums Freiburg).

Naturheilverfahren bei Colitis ulcerosa

Für die meisten Komplementärverfahren fehlt die wissenschaftliche Anerkennung. Folgende Verfahren haben sich jedoch bewährt:

Auf die Psyche achten

Die Psyche ist zwar nicht Auslöser von Colitis ulcerosa, hat aber ständig ein Wörtchen mitzureden. Stress verschlimmert die Beschwerden und kann im Extremfall ein Aufflammen bewirken. Daneben belasten die Krankheitssymptome die psychische Befindlichkeit. Ein Teufelskreis. Daher muss der gesamte Komplex aus Geist, Psyche, Körper und dem eigenen Gesundheitsverhalten mit beachtet werden. Dafür wurde der Begriff der Body- und Mind-Therapien geprägt.

Die AWMF-Leitlinien sehen ein umfangreiches Programm zur Ordnung des Lebens (Ordnungstherapie) als sinnvoll an. Damit sollen verschiedene Bereiche wie Sport und Bewegung, Ernährung, Selbsthilfestrategien, soziales Eingebundensein und Stressmanagement berücksichtigt werden.

Bewegung gegen die Entzündung

Sport und Gymnastik aktivieren nicht nur den Körper, sie wirken entspannend, stimmungsaufhellend und beeinflussen darüber hinaus die Entzündungsaktivität. Kraftsport und Verausgabung sind aber zu vermeiden. Sorgen Sie dafür, dass der Spaß und das Vergnügen dabei nicht zu kurz kommen. Die Herangehensweise lässt sich bestens auch mit Musiktherapie oder Sozialem (Mannschaftssport) verbinden.

Gegen die Schmerzen: warmes Wasser

Gerade gegen die Krämpfe hat sich Hydrotherapie bewährt. Zweimal die Woche werden Sitzbäder durchgeführt mit allmählich ansteigender Temperatur (Kamillenöl siehe Heilpflanzen). Wenn die Schmerzen akut sind, kann man auch zweimal täglich warme Leibwickel durchführen. Auch warme Heublumen-Auflagen sind eine Möglichkeit.

Die andere Medizin: TCM

Erfahrungsgemäß kann bei leichter bis mäßiger Krankheitsaktivität Akupunktur oder Moxibustion unterstützend eingesetzt werden.

Auch in der Ayurveda liegen besondere Therapiekonzepte für CED vor. Hier setzt man auf innere und äußere Fettbehandlungen, Abführen, Dampf-Kräuter-Sauna sowie eine Wärmebehandlung der Wirbelsäule. Einläufe mit Kräutermischungen und orale Kräutermixturen ergänzen die Behandlung. Wegen der Verschiedenheit der Behandlungen kann man kein pauschales Urteil abgeben. Außerdem liegen nur wenige Studien vor, die zudem nicht nach strengen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt wurden (Kontrolle, Placebo). Erfolgsversprechend bei Darmentzündung ist offensichtlich ein ayurvedischer Weihrauchextrakt (Phytotherapie).

Immunsystem beschäftigen

Eine der Hypothesen für die Ursache von Colitis ulcerosa ist, dass das Immunsystem Amok läuft, da es nicht durch Keime und Erreger „beschäftigt“ ist. Eine der Therapieansätze sieht daher den kontrollierten Einsatz von Parasiten vor. Getestet sind bei chronischen Darmentzündungen die Eier des Schweinepeitschenwurms (Trichuris suis ovata). Dieser Parasit kann sich im Menschen nicht dauerhaft halten. Allerdings ist derzeit in Deutschland kein entsprechendes Präparat zugelassen, weshalb auch die Leitlinien die Behandlung lediglich erwähnen. Es laufen neuerdings aktuelle Untersuchungen am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (Campus Lübeck) zu dieser interessanten Option.

Mikrobiologische Therapie

Wahrscheinlich ist auch eine Entgleisung der natürlichen Darmflora mit beteiligt. Daher kann ein Versuch mit dem Escherichia coli Stamm Nissle 1917 gemacht werden, insbesondere wenn die Behandlung mit Aminosalicylaten nicht verträglich ist. In diesem Fall ist Mutaflor sogar auf Kassenrezept verordnungsfähig. Andere Autoren berichten von der Mischung aus Bifidobakterien, Lactobazillen und bestimmten Streptococcen Positives. Allerdings muss immer im Hinterkopf behalten werden, dass bei Colitis ulcerosa auch eine heftige Immunreaktion gegen harmlose Darmbakterien entstehen kann.

Narben

Bei Narben wird von der Komplementärmedizin häufig die Neuraltherapie eingesetzt, zur „Narbenentstörung“. Auch vorsichtige Narben- und Bauchmassagen oder Reflexzonenmassage (der Füße oder des Rückens) können gut tun. Die Studienlage lässt keine abschließende Bewertung zu.

Schulmedizin

Im akuten Fall greift man zu Medikamenten, die sich gegen die Symptome der Entzündung richten. Heilen können sie die Erkrankung jedoch nicht. Bei Komplikationen kann eine Operation die schlimmsten Veränderungen entfernen.

Leichter bis mäßig aktiver Enddarmbefall (Proktitis):

Da die Erkrankung noch von “außen“ behandelt werden kann, wählt man diesen Weg, um gezielt hohe Wirkstoffkonzentrationen an den Ort des Geschehens zu bringen und dabei Nebenwirkungen gering zu halten. Man arbeitet mit Aminosalicylaten (5-ASA = Mesalazin) in Form von Zäpfchen, Einläufen und Schäumen. Aminosalicylate nur über Tabletten (oral) und als alleiniger Wirkstoff entfalten nur einen leichten Effekt, einige Patienten jedoch schätzen dieses Vorgehen. Es kommt jedoch auch hier häufig zu Nebenwirkungen und die Wirkung ist oft zu gering. Bei Wirksamkeit wird die orale Therapie dann nur bei Bedarf über die anale Applikation der Wirkstoffe ergänzt.

Die Kombi-Therapie

Wenn die Behandlung nicht anschlägt, kommen kombinierte Wirkstoffe zum Einsatz: Dabei wird 5-ASA (Mesalazin) gemeinsam mit Kortikosteroiden rektal angewendet, so weit erreichbar. Bei ausgedehntem Befall greift man zu 5-ASA-Formulierungen, die den Wirkstoff langsam erst am richtigen Ort freisetzen (retardierte Formulierung).

Meist versucht man Kortikosteroide zu vermeiden oder nur rektal anzuwenden (z.B. Budesonid). Sollte selbst dann keine Besserung eintreten und weiterhin blutiger Stuhlgang auftreten, werden Kortikosteroide (Prednisolon) systemisch (oral, intravenös) gegeben. Dabei sind leider wesentlich mehr Nebenwirkungen, insbesondere bei Behandlung über längere Zeiträume, zu erwarten.

Schwere Verläufe

Wenn mehr als 6 blutige Durchfälle am Tag auftreten, zusätzlich Fieber auftritt und der Puls bis zum Herzrasen beschleunigt ist, liegt ein schwerer Verlauf vor. Hier erfolgt eine hochdosierte Steroidtherapie, eventuell auch unter stationärer Beobachtung. In akuten Situationen wird der Körper mit intravenösen Flüssigkeits- und Elektrolytgaben stabilisiert. Eine intravenöse Ernährung kann die fehlende Nahrungsaufnahme ersetzten.

Eine Therapie mit Antibiotika erfolgt meist nur bei Komplikationen durch bakterielle Infektionen (toxisches Megakolon).

Die Keule gegen die Immunabwehr

Wenn die Entzündung immer noch nicht in den Griff zu bekommen ist, steht als letzte Möglichkeit eine generelle Unterdrückung des gesamten Immunsystems zur Debatte. Immunsuppressiva wie Ciclosporin A oder Tacrolimus, im späteren Verlauf Azathioprin oder (bei Unverträglichkeit) 6-Mercaptopurin werden eingesetzt. Wenn der Patient anspricht, wird die Therapie über 4 Jahre durchgeführt. Dann erfolgt meist ein Auslassversuch.

Neu auf dem Markt sind so genannte „Biologika“. Es handelt sich hier um „Antikörper“ die einen entzündungsaktivierenden Botenstoff („TNF-alfa“) binden und damit ausschalten (Anti-TNF-alpha-Antikörper). Sie sind sehr teuer, haben mögliche gefährliche Nebenwirkungen und werden erst nach dem Versagen anderer Therapien eingesetzt.

Schmerztherapie

Entzündungen sind im Körper in der Regel mit starken Schmerzen verbunden. Medikament der Wahl ist Metamizol oder auch ein Opioid.

Letzter Weg: OP

Die Entzündung verursacht mitunter Engstellen im Darm. Wegen der Gefahr eines Darmverschlusses und wegen der Beschwerden werden diese Stellen im Zweifelsfall operativ entfernt. Hinter Engstellen kann sich zudem ein Darmkrebs verbergen.

Ein Leben ohne Dickdarm ist möglich. So steht also im schlimmsten Fall – wenn die Krankheit über Medikamente nicht kontrolliert werden kann – eine Entfernung des Dickdarms an, damit ist der Patient das bei der Colitis ulcerosa „anfällige“ Gewebe los. Die Stuhlfrequenz sinkt danach meist auf 5-10 pro Tag. In den meisten Fällen kann so operiert werden, dass der Patient weiterhin kontinent ist. Die Operation sollte nur nach ausführlicher Aufklärung des Patienten über alle Nachteile erfolgen.

Insgesamt ist Colitis ulcerosa durchaus behandelbar, bei leichteren Formen ist die Lebenserwartung nicht beeinträchtigt.