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Diabetesschutz für Genießer: Kaffee und Tee

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Entwarnung für Kaffeekonsumenten

Kaffee wurde von vielen Seiten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich gemacht. Heute kennt man seine positiven Wirkungen.

Von: Dr. Corinna Cappellaro

Kaffee wurde zu Unrecht verteufelt

Vor nicht gar allzu langer Zeit hat man Kaffee noch als ungesunde Gewohnheit gescholten. In den 90er Jahren machte man ihn als Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich. Das hat sich aber gründlich gewandelt: Man hat gelernt „Begleitumstände“ zu berücksichtigen. So haben die Kaffeetrinker damals begleitend oftmals geraucht. Dass Rauchen Herz und Gefäße schädigt, darüber besteht heute kein Zweifel mehr. Mit diesen Korrekturen zeichnet sich heute ein vollständig anderes Bild für den Kaffee ab:

Die Neubewertung von Kaffee

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen herrscht Entwarnung für Kaffeekonsum. Seit 2002 entdeckt man zunehmend positive Eigenschaften des aromatischen Getränks. Über den ganzen Erdball verteilt liegen Studien vor, die eine verringerte Diabetesgefahr (Typ2) durch Kaffee annehmen lassen. Die Effekte sind umso größer, je mehr man von dem bitteren Getränk konsumiert:

  • Rein rechnerisch ergibt sich pro Tasse täglich genossenen Kaffees ein um 7 % geringeres Diabetesrisiko. Bei 7 Tassen pro Tag liegen die Messwerte bei 50 % unter dem Durchschnitt.
  • Mehr noch: Selbst wenn es bereits zu einer gestörten Zuckerverarbeitung gekommen ist, senkt Kaffeekonsum den Blutzucker in den Normalbereich.
  • Auch Personen mit ausgebrochenem Diabetes (Typ2) schützt der Kaffee vor Komplikationen etwa durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Daneben fällt den Kaffeetrinkern offensichtlich die Gewichtskontrolle leichter.
  • Übrigens sinkt durch Kaffee auch das Krebsrisiko für viele Krebsarten um bis zu 5 % (pro täglicher Tasse).

Einige Menschen mit sehr niedrigem Blutdruck oder Schnarchneigung schlafen sogar mit dem "Aufreger" Kaffee am Abend deutlich besser.

Geheimnisvolle Mischung

Sicher ist auch, dass nicht nur ein einziger Wirkstoff des Kaffees für die positive Wirkung verantwortlich ist. Zwar kann man stimulierendem Koffein nachweisen, dass es die Zuckeraufnahme im Darm verlangsamt und den Fettabbau fördert. Andere Bestandteile dürften jedoch ebenfalls heftig mitmischen, denn auch entkoffeinierter Kaffee zeigt Wirkung. Kaffee reduziert den oxidativen Stress und beruhigt die Entzündungswerte. Er liefert Mineralien wie Magnesium, die für den Zuckerstoffwechsel und die Insulinproduktion von Bedeutung sind.

Und was ist mit Tee?

Übrigens deuten Studien eine ähnliche Tendenz bei schwarzem Tee an, er ist aber offensichtlich weniger wirksam.

  • Vier Tassen Tee senken das Diabetesrisiko um 16 %. Weniger als vier Tassen fallen jedoch nur wenig ins Gewicht.
  • Wenn der Genuss fünf Tassen überschreitet, gibt es keine zusätzliche Wirkung.

Verantwortlich gemacht werden die Flavonoide mit den wohlklingenden Namen Catechine, gelbe Theaflavine oder rötliche Thearubigine. Sie entfalten ihre Wirkung optimal bei langen Zugzeiten. Milch würde übrigens die Verfügbarkeit der Flavonoide herabsetzen. Echte Teetrinker lassen auch den Zucker weg, dann entfaltet sich das Aroma besser.

Anleitung zum Kaffeegenuss

Kaffee sollte am besten nach der Mahlzeit genossen werden, Studien zu Folge ist die Wirkung dann am günstigsten. Wie viel man trinkt, hängt vom Wohlbefinden ab. Wer Schlafstörungen hat, sollte Kaffee nur in der ersten Tageshälfte trinken und sich auf 1-3 Tassen beschränken. Mehr als 7 Tassen sind sicher nicht zuträglich. Zum Kaffee gehört immer ein Glas Mineralwasser, um Flüssigkeitsverlust durch Koffein zu ersetzen. Das hilft auch gegen unschöne Zahnverfärbungen durch das braune Getränk.

Ein Diabetiker sollte natürlich auf Zucker verzichten. Bei Zuckerersatz wie Süßstoff und Fruktose sieht man heute auch ernsthafte Probleme. Fettarme Milch, wahlweise Soja-Milch ist erlaubt, nur Dosenmilch und Sahne sollte man sich bei Übergewicht verkneifen.

Wer würde auf Kaffee verzichten?

Die bisherigen Daten sind nur aus Beobachtungsstudien erbracht worden. Dabei wird der Verbrauch in der Vergangenheit ausgewertet. Doch wer erinnert sich immer richtig? Oder zählten gar die Begleitumstände? Der letzte schlüssige Beweis wären Interventionsstudien mit Placebo… Dann würde man unter kontrollierten Bedingungen Kaffee erlauben oder gegen Placebo ersetzen und das Verhalten (auch Fehler und Abbrüche) beständig begleiten. Aber welcher Kaffee- oder Teefan würde sich mit einem Placebo zufrieden geben? Selbst ein Nichtfachmann würde mit Leichtigkeit das Placebo-Produkt enttarnen. So muss man am Ende des Tages mit einer kleinen Unsicherheit leben.

Die dunkle Seite von dunklen Getränken…

Kaffee und Tee haben auch Schattenseiten, das sollte man nicht verschweigen. Koffein erzeugt eine gewisse Abhängigkeit, die leichte Entzugssymptome zur Folge haben kann, wenn man auf sein tägliches Schlückchen verzichten muss: Kopfschmerzen, schlechte Laune und Müdigkeit kennzeichnen den Kaffee-Fan auf Entzug. Auch ist Koffein nicht jedermanns Sache. Es kann auf lange Sicht bei empfindlichen Menschen den Schlaf stören. Magenkranke und viele Menschen mit Sodbrennen verweigern das Getränk. Achten Sie also auf Ihr individuelles Wohlbefinden, es zählt mehr als jede Statistik.

Kaffee ist kein Freibrief für Diätsünden

Klar sollte auch sein: Kaffee und Tee machen nicht unverwundbar. Man kann trotz der Vorliebe für die beiden Koffeingetränke an Diabetes erkranken oder ohne sie gesund sein. Es zählen eben mehr Faktoren im Lebensstil als ein wenig braunes Wasser…

Aber: Es bleibt spannend, was über den Muselmanentrank noch so alles an’s Licht kommen wird.

Quellen

Literatur:

  1. InterAct Consortium, van Woudenbergh GJ et al: Tea consumption and incidence of type 2 diabetes in Europe: the EPIC-InterAct case-cohort study. PLoSOne. 2012;7(5):e36910
  2. Kempf K undMartin S: Kaffee und Diabetes. MedKlin 2010;105:910–5 (Nr. 12)