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Diabetische Polyneuropathie: Warnzeichen erkennen und behandeln

Arzt prüft mit einem Hämmerchen, wie empfindlich der Fußballen noch ist.

Warnzeichen Polyneuropathie

Die diabetische Polyneuropathie bezeichnet die Schädigung vieler Nerven (poly=mehrere). Sie entwickelt sich schleichend, wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist und ist eine Gefahr für jeden Diabetiker. Wenn Sie ein vermindertes Empfinden für Temperatur, Tasten oder Vibration wahrnehmen, heißt es, hellhörig werden.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Diabetische Polyneuropathie: Die wichtigsten Fakten

Warnzeichen prickelnde Gefühle

Kribbeln und Prickeln bedeutet für den Diabetiker nicht unbedingt stimulierende Spannung. Es könnte sich um ein Warnzeichen für Nervenschäden handeln, denn überhöhte Blutzuckerwerte beeinträchtigen auf die Dauer auch die Nerven. Man schätzt, dass 20 bis 30 % der Diabetiker polyneuropathische Beschwerden haben. Das Risiko nimmt außerdem mit steigender Krankheitsdauer zu. Alles in allem ist Polyneuropathie ein ernstzunehmendes Problem bei Diabetes.

Wie bemerkt man eine Polyneuropathie?

Polyneuropathie äußert sich mit Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen an Armen und Beinen. „Wie eine Socke oder ein Handschuh“ beschreiben die Betroffenen die Lokalisation der tauben Gefühle. Mitunter aber handelt es sich auch um brennende oder einschießende Schmerzen bis hin zu Lähmungen.

Selbsttest auf Polyneuropathie-Anzeichen:

  • Fühlen sich Metall und Kunststoff am Fuß unterschiedlich warm an? Eine Störung der Wahrnehmung von kalt-warm ist ein Frühzeichen einer diabetischen Polyneuropathie.
  • Spüren Sie feine Vibrationen an den Zehen? Sicherlich finden sich im Haushalt vibrierende Elektrogeräte zum Testen – wie eine elektrische Zahnbürste oder ein Rasierapparat.
  • Wie sieht es mit Ihrem Tastsinn aus? Nehmen Sie noch feine Strukturen wie die raue Oberfläche von Münzen wahr?
  • Haben Sie noch weitere Beschwerden? Polyneuropathie gefährdet nicht nur das bewusste Nervensystem, auch die „unbewussten“ (vegetativen) Nerven leiden. Damit sind prinzipiell alle Organfunktionen betroffen:
  • Eine fehlende Regulation der Gefäßweite führt zu kalten Händen und Füßen durch Durchblutungsstörungen.
  • Entsprechende Beschwerden im Verdauungstrakt sind Übelkeit, Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen. Die Nahrung wird nicht weiter transportiert. Mitunter droht eine Magenüberdehnung wegen Lähmung der Magenmuskeln. Auch gefangene Luft bläht den Darm auf.
  • Daneben funktionieren Tränen-, Speichel- und Verdauungsdrüsen nicht mehr normal. Die Nahrung wird schlecht eingespeichelt und unvollständig verdaut.
  • Wie umfangreich die Schäden werden können, zeigen auch Herzrhythmus- oder Kreislauf-, Blasenentleerungs- oder Sexualstörungen.

Was kann man gegen diabetische Polyneuropathie tun?

Faustregel: Je früher die Polyneuropathie erkannt wird, desto besser ist sie auch behandelbar.

Im Prinzip sollte man sofort aktiv werden und den Arzt ansprechen, bevor sich chronische Gefühlsstörungen, Missempfindungen, Schmerzen und Fehlfunktionen entwickeln.

Sehr gefährlich sind daneben Druckstellen und Wunden an den Beinen, sie werden schlichtweg nicht bemerkt. Dann entwickeln sich mitunter schlimme und schwer heilbare Wunden und Infektionen.

Bleiben Sie aufmerksam!

  • Jedem Diabetiker wird ein monatlicher Selbstcheck geraten. Sehen Sie Ihre Füße genau an, schlecht einsehbare Stellen auch im Spiegel. Achten Sie nicht nur auf Wunden sondern auch auf Druckstellen und Hautverfärbungen.
  • Der ärztliche Check empfiehlt sich mindestens halbjährlich - in schwereren Fällen und bei Menschen über 60 - vierteljährlich.

Werden Sie aktiv!

In der Naturheilkunde stehen bei Polyneuropathie verschiedene aktivierende Verfahren zur Auswahl, sie sollen den Stoffwechsel ankurbeln:

Durchblutung und Stoffwechsel anregen

Bei Kälte-Wärme-Behandlungen sind die Gefäße in besonderem Maße gefordert, sie ziehen sich bei Kälte zusammen und weiten sich bei Wärme. In der Folge verstärkt sich die Durchblutung. Da Wasser die Temperatur besonders intensiv auf die Haut überträgt, wählt man die Klassiker Hydrotherapie oder Kneipptherapie.ipp

Tipps:

  • Etwas Bewegung oder Sport im Vorfeld aktivieren den Kreislauf, dann ist ein kalter Reiz wesentlich angenehmer. Da heißt es: walken, wandern oder tanzen…
  • Der Kaltreiz kann kurz sein, der Warmreiz sollte länger und mild sein.
  • Weil bei Polyneuropathie die Wahrnehmung der Temperatur eingeschränkt sein kann, sollte man ein Thermometer zur Hand haben! Achten sie vor allem am Anfang auf sanfte – nicht extreme – Reize.

Besonders schonend sind ansteigende Armbäder. Man beginnt im Waschbecken mit 35°C und steigert die Temperatur langsam auf 40°C. Die Wirkung entfaltet sich weit über die Arme hinaus am ganzen Körper.

Auch Schröpfen stimuliert die Mikrozirkulation und fördert den Gewebestoffwechsel. Für fortgeschrittene Diabetiker ist die Methode aber gegen Polyneuropathie nicht geeignet.

In Bewegung bleiben: Physiotherapie

Trotz der Schmerzen durch die Polyneuropathie: Zu viel Ruhe schadet. Nervenschäden schwächen die Muskulatur, sie wird nicht mehr zum Stoffwechsel und Gewebeaufbau angeregt. Da heißt es bereits im Vorfeld gegen einen Verlust der Beweglichkeit anzutrainieren. Übrigens: Auch wenn die Funktionen durch die Polyneuropathie bereits gestört sind, sorgt intensives Üben für neue Nervennetze. Das Gehirn ist flexibel und kann tatsächlich Vernetzungen schnell wieder herstellen. Dieses Prinzip findet im Bobath-Konzept Anwendung.

Vitamine lieber im Vorteilspack

Künstliche Vitamintabletten sind nicht die erste Wahl in der Naturheilkunde, in der Regel empfiehlt man lieber frisches Obst und Gemüse. Darin enthalten ist das gesamte Vorteilspaket inclusive Antioxidantien und Ballaststoffen.

Sinnvoll sind aber bei nachgewiesenen Mängeln und bei Nervenproblemen die Vitamine der B-Gruppe (B1, B2,B6, B12). Bei erwiesenem Mangel oder in besonderen Belastungssituationen und bei anhaltenden Beschwerden sind nach ärztlicher Erfahrung weitere Vitamine wie Biotin oder Stoffe wie Coenzym Q10, L-Carnitin sowie Uridinmonophosphat nützlich. Auch Alfa-Liponsäure ist ein elementar wichtiges Molekül in den Zellkraftwerken (Coenzym). Es hilft nicht nur bei der Energieherstellung, es regeneriert auch verbrauchte Antioxidantien und bessert neuropathische Symptome. Das ist relativ gut mit Daten belegt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe sehr antioxidantien-reicher Heilpflanzen wie Aronia, Noni und Acai, um nur einige zu nennen. Sie sorgen für ein schützendes Klima im Stoffwechsel.

Phytotherapie: Schmerzen gegen Schmerzen

Um die Schmerzverarbeitung des Körpers neu anzustoßen, greift die Naturheilkunde bei Polyneuropathie zu drastischen Mitteln, die aber nachweislich nützen: Das Capsaicin aus der Chili verursacht auch auf der Haut ein Brennen, das aber nach und nach einer Schmerzlinderung weicht.

Tipp:

Zur Linderung des starken Brennens empfiehlt sich, vor der Anwendung der Chilisalbe erst Lidocain als Schmerzlinderer aufzutragen (Pflaster oder Salbe). Zwei bis drei Tage danach ist diese Vorkehrung dann nicht mehr nötig: Das Capsaicin hemmt dann die Funktion der Schmerznerven gut und dauerhaft.

Bewährt hat sich bei Polyneuropathie auch das Gift aus dem Eisenhut. Die Homöopathie verarbeitet es stark verdünnt in Schmerzölen zum Einreiben (Aconitum Nervenöl). Verfügbar sind auch Tabletten (Aconitum D4; schwächer: D5 oder D6), die man dreimal täglich einnimmt. Der Wirkstoff Aconitin ist ein potentes Nervengift, das aber in homöopathischer Verdünnung wirksam Schmerzen lindert und daneben auch sicher in der Anwendung ist. Daneben kommen die Schmerzklassiker der Phytotherapie in Frage: Extrakte aus Weiden-, Eschen-, Zitterpappelrinde (Phytodolor) sowie der Teufelskralle oder der Echten Goldrute.

Mit Strom behandeln

Verschiedene elektrotherapeutische Verfahren, darunter die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), greifen in die Schmerzwahrnehmung ein. Die Schmerzlinderung tritt sofort nach der Behandlung ein, allerdings hält der Effekt nicht recht lange an. So empfiehlt sich eine wiederholte Anwendung in Kombination mit anderen Verfahren.

Übrigens: auch viele Polyneuropathie-Patienten, die auf die Pharmakotherapie nicht reagieren, sprechen auf eine Behandlung mit Strom an (wie die periphere Nerven-, Nervenwurzel-, Rückenmarks- oder tiefe Hirnstimulation).

Schulmedizin

Das Fortschreiten der Polyneuropathie bremsen am besten: eine optimale Blutzuckereinstellung, Abnehmen und eine Kontrolle der Fettwerte (Hypercholesterinämie). Zur Not nutzt man die klassischen Schmerzmittel. Überraschender Weise helfen auch Wirkstoffe aus ganz anderen Gebieten: Antidepressiva oder Antiepileptika (insbesondere Gabapentin) haben zu einer deutlichen Verbesserung der Behandelbarkeit geführt.

Insgesamt sind Nervenprobleme bei Diabetes durch gezielte Therapie linderbar, jedoch kann die Polyneuropathie nicht immer geheilt werden, insbesondere nicht, wenn sie lange andauert und bereits irreversible Schäden an den Nerven entstanden sind.

Leben mit Polyneuropathie: Tipps für den Alltag

Auch mit Polyneuropathie kann man Leben, man muss aber auf verschiedene Dinge achten, wie zum Beispiel auf die Fußpflege und richtiges Schuhwerk. Für den Alltag gibt es Hilfen, welche die herabgesetzte Sensibilität ausgleichen helfen. Zum Beispiel gibt es spezielle Flaschen- und Dosenöffner oder Plastikschläuche, die man über Griffe schiebt. Besteck, Kochlöffel oder Schreibgeräte lassen sich dann leichter greifen. 

Bei der Kleidung sind Gummizüge leichter handhabbar als Knöpfe und Reißverschlüsse. Das Internet bietet auch zahlreiche Anzieh- und Alltagshilfen. Auch die Wohnung braucht etwas Anpassung: Beseitigen Sie rutschige Teppiche und Stolperfallen. Haltegriffe und Geländer sowie gute Belichtung sorgen für ein sicheres Bewegen im Alltag. Wichtigste Maßnahme ist die Disziplin gegenüber der Therapie, denn damit lässt sich das Fortschreiten der Polyneuropathie wesentlich verlangsamen. Nur so kann lange eine gute Lebensqualität erhalten werden.

Quellen/Weitere Informationen

Literatur