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Die Erkrankung verstehen: Gicht

Abfall im Körper

Gicht ist eine klassische Stoffwechselstörung. Es reichert sich dabei ein Abfallprodukt des Stoffwechsels an – die Harnsäure. Der Stoff entsteht aus den in der Nahrung enthaltenen Erbsubstanz-Bausteinen (DNA). Sie werden zu Purinen abgebaut, die wiederum als Harnsäure enden. Das an sich ist ein natürlicher Vorgang. Der Stoff selbst wäre auch nicht giftig, wenn da nicht die geringe Löslichkeit wäre. Ist zu viel Harnsäure vorhanden (über 6,8 mg/dl), bilden sich Kristalle. Und das wird zum Problem: Kristalle sind Fremdkörper und haben eine zerstörerische Wirkung.

Definition

Das steckt dahinter

Der Kristall im Gelenk

Im Prinzip lagern sich bei Gicht die Kristalle überall im Gewebe ab, bevorzugt im Bereich der Gelenke. Es wandern dann weiße Blutkörperchen (Leukozyten) in das Gelenk und "fressen" die vermeintlichen Fremdkörper und setzen danach entzündliche Botenstoffe unkontrolliert frei. Dies ruft noch mehr Immunzellen in das Gichtgelenk, es beginnt ein sich selbst verstärkender Kreislauf. Unter anderem werden Enzyme freigesetzt, die dann auch das Gewebe angreifen. Damit verbunden sind heftigste Schmerzen. Auch wenn die Entzündung wieder abklingt können die Kristalle weiterhin im Gelenk bleiben und am Knorpel scheuern.

Nachts arbeitet die Immunpolizei

Gichtschmerzen treten anfallsweise auf, besonders in der Nacht und am frühen Morgen. Das sind die Zeiten, in denen das Immunsystem besonders aktiv ist und sich auf der Suche nach Eindringlingen begibt. Einzige Lösung ist, im Blut die Harnsäurewerte unter 6,0 mg/dl zu senken. Dann hat man eine Chance, dass sich die Kristalle ganz langsam wieder auflösen. Damit könnte man beschwerdefrei leben, wenn man am Ball bleibt.

Wer die Gicht nicht bekämpft, dem drohen umfangreiche Schäden wie Arthrose und Arthritis. Neben den Gelenken sind andere Strukturen gefährdet: Harnsäure fällt auch in den gelenknahen Umgebungen wie Schleimbeuteln und Sehnen aus. Auch in der Haut oder den Ohrknorpel bilden sich sichtbare Knötchen, sogenannte Gichttophi. Gichtablagerungen bedrohen im Extremfall auch die Niere und fördern Kreislauferkrankungen.

Häufigkeit

Gichtgefahr

Das Risiko für Gicht steigt mit den Harnsäurewerten. Eine Hyperurikämie besteht heute bei 20–25 % der westeuropäischen Bevölkerung. Zwar sind hohe Harnsäurewerte erblich mitbedingt, interessant ist aber die Tatsache, dass Gicht nur bei geschätzten 10 % aus diesem Personenkreis ausbricht, je nachdem wie hoch die Werte steigen. Bei über 9 mg/dl Harnsäure zum Beispiel, erwartet man eine Erkrankungsrate von 90 %. Dabei trifft es Männer deutlich häufiger als Frauen (9:1). Im Schnitt sind die Gichtpatienten beim ersten Anfall 40-60 Jahre alt. Erst nach den Wechseljahren trifft es vermehrt auch die Frauen.

Notzeiten machen gesund?

Auf wenige Krankheiten trifft das zu, Gicht ist eine davon. In Kriegs- und Notzeiten liegt die Gichtrate mit 0,1-0,2 % der Bevölkerung wesentlich niedriger.

Ursachen

Ursache für die Gichtschmerzen ist die Bildung von Harnsäure-Kristallen, vor allem in den Gelenken. Harnsäure ist ein „normales“ Stoffwechselprodukt. Problematisch wird es nur, wenn die Werte zu hoch steigen (über > 6,5 mg/dl). Die Harnsäure ist nämlich schwer löslich und fällt ab einer gewissen Konzentration als Kristall aus. Die Anreicherung von Harnsäure im Organismus kann verschiedene Ursachen haben.

Wenn das interne Recycling gestört ist

Entweder wird Harnsäure über absterbende Zellen im Körper vermehrt hergestellt, was eher selten ist, oder die Niere scheidet die Harnsäure nicht ausreichend aus. Dies ist die häufigste Ursache und trifft in 75-80 Prozent der Fälle zu. Schuld sind die Gene. Man spricht dann von primärer oder erblicher Gicht. Für den Körper sind Purine nicht nur Abfallstoffe. Er kann sie wiederverwerten. Bei einigen genetischen Defekten ist dieses Recycling gestört, mit problematischen Folgen für das Gichtrisiko.

Das Verhalten und die Lebensführung spielen bei der Auslösung eines Gichtanfalls trotz genetischer Neigung eine entscheidende Rolle:

Wichtige Auslöser sind:

Sekundäre Gicht

Sind andere Erkrankungen Auslöser, spricht man von einer sekundären Gicht.

Zum Beispiel führen Erkrankungen, bei denen Zellen sterben, zu hohen Harnsäurewerten und Gichtsymptomen. Zu nennen wären die Glykogen-Speicherkrankheit, Bluterkrankungen wie verschiedene Leukämien und hämolytische Anämien, sowie Krebstherapien. Chemotherapie und Bestrahlung sollen ja Zellen töten, das lässt aber auch die Harnsäure-Abfälle anfluten. Daneben sind Nierenfunktionsstörungen schuld an der mangelnden Harnsäure-Ausscheidung. Diese Nierenschäden folgen oft im Schlepptau von Diabetes.

Prävention

Gicht ist eine genetisch vererbte Neigung zu Gelenkbeschwerden, die aber nicht unbedingt ausbrechen muss. Man kann sich mit der richtigen Vorbeugung selbst schützen.

Das sind die wichtigsten Punkte:

  • Vorsorgeuntersuchungen: Ab dem 35. Lebensjahr haben Sie Anspruch auf eine kostenlose gesundheitliche Untersuchung. Dabei testet man prophylaktisch auch die Harnsäurewerte. Bei hohen Werten über 6 mg/dl Blut tut ein neuer Lebenswandel not.
  • Gesunde Lebensführung: Erste und wichtigste Maßnahme bei der Vorbeugung gegen Gicht ist die richtige Ernährung, gefolgt von einer langsamen und nachhaltigen Gewichtskontrolle.
  • Sport: Optimiert den Stoffwechsel, erleichtert das Abnehmen und stärkt die Gelenke.
  • Informieren: Nicht jedes Medikament ist bei hoher Harnsäure geeignet. Wer zwei Tage hintereinander geringe Mengen Aspirin schluckt (100 mg), erhöht die Gefahr eines Gichtanfalls um ganze 95 %. Bei höheren Mengen überwiegt dann der antientzündliche Effekt die Gefahr. Auch Diuretika verschlimmern die Gefahr. Bei Gichtgefahr sollten Sie mit Ihrem Arzt über alle eingenommenen Medikamente sprechen.
  • Warm halten: Vor allem in Winter muss man sich vor Unterkühlung schützen. Dann heißt es: Abhärten (Kneipptherapie), damit der Körper sich nach Kälte zügig erwärmt. Damit sollte man bereits im Herbst beginnen.

Verlauf und Komplikationen

Falls eine genetische Neigung besteht, beginnen die ersten Anzeichen beim Mann zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr, bei der Frau in der Menopause. Die hohe Harnsäurekonzentration im Körper führt allmählich zur Bildung von Kristallen in den Gelenken. Die Ursache kann aber jahrzehntelang bestehen, ohne dass es zu einem Gichtanfall kommt. Ein aktueller Auslöser – wie Überanstrengung, ein Ernährungsfehler oder Alkoholexcess – bringt dann den Stein ins Rollen.

Man unterscheidet vier Stadien der Gicht:

  • Stadium I: Anfangs findet man erhöhte Harnsäurewerte ohne krankhafte Beschwerden (kann Jahrzehnte bestehen).
  • Stadium II: Irgendwann ereignet sich darauf ein akuter Gichtanfall. Er dauert unbehandelt wenige Tage bis drei Wochen.
  • interkritische Gicht: Ein symptomloses Intervall kann Jahre anhalten.
  • Stadium III: Bei einer chronischen Gicht sind sowohl die Gelenke als auch die Weichteile wie die Niere oder Haut zunehmend geschädigt. Oft kommt es auch zu Knötchen in der Haut. Sie treten am Ohrläppchen, an Händen, Ellenbogen, außerhalb der Kniegelenke und den Füßen auf. Beim wiederholten Auftreten ist der Gichtanfall hinsichtlich der Folgen schwerer, das heißt, mehrere Gelenke werden in Mitleidenschaft gezogen und die Anfälle dauern länger.

Komplikationen

Im Prinzip fördert zu viel Harnsäure entzündliche Vorgänge im Körper und schädigt die Gefäße. Gichtpatienten haben daher ein um 25 % höheres Risiko zu versterben.

Die Entzündung des Gelenks kann auf andere Strukturen, wie etwa die Sehnen und Schleimbeutel, übergreifen. In chronischen Fällen wird nach und nach der Knorpel sowie das Gelenk zerstört. Gichttophi brechen mitunter nach außen auf und es bilden sich Gichtgeschwüre.

Sogar innere Organe wie das Herz oder die Niere werden durch die Ablagerungen geschädigt: Typisch ist eine Gichtniere mit Harnsäuresteinen. Die chronische Nierenentzündung bedroht die Nierenfunktion. Nach und nach geht die Nierenfunktion verloren, auch das Risiko einer Nierenbeckenentzündung steigt. Arteriosklerose ist eine häufige Begleiterkrankung von Gicht. Sehr wahrscheinlich erhöht Harnsäure den Blutdruck und die Sterblichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen. Gicht ist bei Männern häufig mit Potenzproblemen verbunden.

Formen

  • Gicht kann ererbt (primäre Gicht) oder durch eine Krankheit versursacht werden (sekundäre Gicht).
  • Befallen werden meist die Extremitäten, nur sehr selten die Wirbelsäule. Auch die Weichteile können zum Ablagerungsort werden (Gichttophi).
  • Unterschiede gibt es auch bei der Herkunft der Harnsäure: Sie kommt entweder aus der Nahrung, wird im Körper vermehrt gebildet oder kann über die kranke Niere nicht ausgeschieden werden.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen