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Heuschnupfen: Prophylaxe statt chemische Keule

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Behandlungswege bei Pollenallergien

Der Pollenflug startet immer früher. Die Regenerationsphasen für Allergiker verkürzen sich stetig. Wie hilft die Naturheilkunde?

Von: Johannes W. Steinbach

Vorübergehende oder dauerhafte Beschwerden?

Von der vorübergehenden zur dauerhaften Belastung: Während sich Heuschnupfengeplagte in früheren Jahren relativ gut auf saisonale Spitzen einstellen konnten, gerät das bewährte Modell des Pollenflugkalenders zunehmend aus den Fugen. Solche Kalender, wie es sie meist kostenlos in Apotheken, dem Internet usw. gibt, zeigen zwar immer noch die Hauptflugphasen einzelner Pollenarten.

Problematisch ist dabei aber, dass viele Pollenarten gewissermaßen Zwischenphasen einlegen, in denen sie laut Pollenflugkalender eigentlich gar keine „Saison“ haben, aber dennoch immer häufiger in der Atemluft nachweisbar sind. Einmal ganz abgesehen davon, dass auch die in den Kalendern ausgewiesenen Flugphasen der Pollen immer früher beginnen und zudem länger dauern. Pollenflug vom Januar bis in den Spätsommer hinein ist mittlerweile die Regel. Regenerationsphasen werden demnach immer kürzer.

Pollenkalender gerät aus den Fugen

Eine Hauptursache dafür dürfte zum einen in den starken Temperatur-Schwankungen der vergangenen Jahre liegen. So gab es auch in diesem Winter wieder einige Tage, an denen das Thermometer auf nahezu 15 °C kletterte – Anlass genug für zahlreiche Pollen, ihren „Winterschlaf“ vorübergehend zu unterbrechen und sich auf den Weg in unsere Atemluft zu machen. Zum anderen kommen neue Pollen hinzu, die noch in keinem Kalender zu finden sind und sich auch an keine saisonalen Spielregeln halten

Weitaus aggressivere Pollen als hier zu Lande üblich: Etwa das aus den USA stammende Traubenkraut, auch Ambrosia genannt, das u. a. in Deutschland auf dem Vormarsch ist und ein weitaus höheres allergenes Potenzial aufweist als zum Beispiel heimische Birken- oder Gräserpollen. Angesiedelt hat sich Ambrosia mittlerweile schon in einigen milden Küstenregionen sowie in Berlin und Teilen des Rhein-Main-Gebiets. Die Folge: noch stärkere Allergiebeschwerden und noch mehr Allergiker.

Zusätzliches Problem: Kreuzallergien

Erschwerend hinzu kommt, dass zahlreiche Allergiker nicht nur auf bestimmte Pollen reagieren, sondern auch auf Lebensmittel, die mit diesen Pollen in einem allergischen Kontext stehen. Ist das der Fall, spricht man von einer Kreuzallergie. So gilt zum Beispiel für jeden zweiten Birkenpollen-Allergiker, dass er keine Nüsse, Äpfel, Birnen, Kiwis, Pflaumen, Kirschen, Pfirsiche und/oder Mandeln verträgt. Beifuß, gegen dessen Pollen ebenfalls viele Menschen allergisch sind, gilt dagegen als Leitallergen für Kräuter- und Gewürzallergien: Problematisch sind deshalb Sellerie, Fenchel, Anis, Koriander, Karotte, Liebstöckel, Kümmel, Basilikum, Mayoran, Petersilie, Oregano und Thymian. Gräserpollen-Allergiker haben häufig Schwierigkeiten mit Tomaten, Pfefferminze, Sojabohnen, Erdnüssen und/oder einigen Getreidesorten.

Zumindest für solche individuell problematischen Lebensmittel gilt zwar immerhin, dass man sie meiden kann. Vorausgesetzt, man weiß, worauf man reagiert. Pollenflug auszuweichen funktioniert jedoch nur bedingt. Schließlich können nur die wenigsten eine gesamte Pollensaison über Urlaub in einer pollenflugfreien Höhenregion bzw. einem entsprechenden Land machen. Und eine Pollenmaske zu tragen, ist auch nicht gerade wünschenswert.

Immunsystem: regulieren statt unterdrücken

Naturheilkundliche Therapieverfahren setzen deshalb meist darauf, nicht den einzelnen Pollen auszuweichen, sondern stattdessen das Immunsystem dahingehend zu beeinflussen, dass es „toleranter“ gegenüber diesen Pollen wird. Denn die Pollen sind ja nicht das eigentliche Problem, sondern das ist vielmehr die überschießende Reaktion unserer Immunabwehr, die sich gegen eigentlich harmlose Pollen zur Wehr setzt und so die allergischen Beschwerden wie verstopfte bzw. ständig laufende Nase, Niesanfälle, juckende Augen usw. auslöst.

Eine solche naturheilkundliche Therapie stellt zum Beispiel die Eigenbluttherapie dar, bei der es sich um eine sogenannte unspezifische Reiztherapie handelt: Der Therapeut entnimmt dem Patienten mit einer Spritze ein wenig Blut aus einer Armvene, das er anschließend nach einem bestimmten Ablaufschema in den Gesäßmuskel zurückspritzt: entweder unverdünnt und unbehandelt oder strukturell aufbereitet (ggf. gemischt mit einem entsprechenden Arzneimittel). Sinnvoll sein können aber auch Therapiemaßnahmen aus dem Bereich der Körper- oder Ohr-Akupunktur – sowohl vorbeugend als auch bei bereits vorliegenden Allergiebeschwerden.

Selbstmedikation und ihre Grenzen

Auch phytotherapeutische oder homöopathische Präparate können helfen: Die Liste entsprechender Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zur Selbstmedikation ist lang. Neu ist zum Beispiel „Allvent“ zur diätetischen Behandlung von Heuschnupfen: Das pflanzliche Präparat enthält einen Extrakt der Tragantwurzel (Astragalus membranaceus) und sollte im Idealfall bereits vier Wochen vor der zu erwartenden Pollenbelastung eingenommen werden.

Daneben gibt es zahlreiche für das Krankheitsbild allergische Rhinitis („Heuschnupfen“) bzw. einzelne darunter fallende Symptome zugelassene homöopathische Komplexmittel, die mehrere Einzelmittel niedrigerer Potenzen enthalten: vom Nasenspray (zum Beispiel „Weleda Heuschnupfenspray“) über Augentropfen („WALA Euphrasia Augentropfen“ usw.) bis zur Tablette („Heuschnupfenmittel DHU“ u. a.). Ziel dieser Komplexmittel: die aufwändige Auswahl des geeigneten Einzelmittels – Fachbegriff Homöopathische Repertorisation – zu umgehen. Im Gegensatz zur klassischen Homöopathie, die Komplexmittel ablehnt und in der Regel nur Einzelmittel berücksichtigt. Die Auswahl eines solchen Einzelmittels fällt jedoch weniger unter die Selbstmedikation und sollte einem auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt bzw. Heilpraktiker überlassen werden.

Egal für welche Therapie man sich auch entscheidet: Das reine Lindern der allergischen Symptome hilft nicht dauerhaft weiter. Vielmehr sollte im Mittelpunkt stehen, einen „Etagenwechsel“ zu vermeiden. Das heißt das Übergreifen der allergischen Belastung von den oberen Atemwegen (Nase, Rachen etc.) auf die unteren (Bronchien, Lunge). Merkt man also, dass die Beschwerden trotz Anwendung der bevorzugten Therapie immer stärker werden, sollte man auch weitere Möglichkeiten in Betracht ziehen.