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Morbus Crohn: Die Erkrankung verstehen

Morbus Crohn - was ist das?

Definition

Das steckt dahinter

Morbus Crohn ist eine häufige, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die bislang als nicht heilbar gilt. Die Entzündung der Darmschleimhaut betrifft in den meisten Fällen den Übergang von Dünndarm zu Dickdarm und das Anfangsstück des Enddarms, im Prinzip kann es aber jeden Abschnitt des Verdauungstrakts treffen. Die Erkrankung hat wegen Bauchschmerzen, Durchfall, Blutverlust und Stuhldrang einen starken Einfluss auf das Leben der Betroffenen. Durchfall, Übelkeit und Erbrechen lösen mitunter einen starken Gewichtsverlust bei Morbus Crohn aus.

Morbus Crohn, ein modernes Leiden?

Seit der Nachkriegszeit nimmt die Häufigkeit von Morbus Crohn zu. Wie das zu interpretieren ist, darüber streitet sich die Wissenschaft. Erheblich geändert haben sich seit dieser Zeit sowohl die Hygiene als auch die Ernährung. So wird der Organismus heute in viel geringerem Maße mit harmlosen und krankheitserregenden Keimen konfrontiert, es werden heute viel mehr raffinierte Produkte mit Zucker, weißem Mehl und Fett verzehrt, weniger häufig stehen Obst und Gemüse auf dem Speiseplan. Allerdings haben sich die diagnostischen Möglichkeiten der Medizin verbessert, so dass auch eine bessere Erkennung bei der Zunahme der Morubs-Crohn-Häufigkeit mit hineinspielen dürfte.

Häufigkeit

Aktuell erkrankt an Morbus Crohn sind nach Schätzungen etwa 150 je 100.000 Einwohner (das sind umgerechnet 120.000 Personen), betroffen dürften aber mehr Menschen sein. Jährlich kommen in Deutschland etwa 6 bis 7 Neuerkrankungen je 100.000 Personen dazu.

Der Erkrankungsbeginn liegt meist im jungen Erwachsenenalter von 15 bis 35. Bei etwa 30 % Patienten breitet sich die Erkrankung auf andere Organe, häufig die Haut und Gelenke aus.

Die Kassen wenden pro Jahr 3 Milliarden € für die Versorgung von Patienten mit Morbus Crohn auf.

Ursachen

Bei Morbus Crohn ist die Immunantwort fehlgesteuert und greift die normale bakterielle Darmflora an, häufig sind Antikörper gegen harmlose Kolibakterien und Hefen nachweisbar. Darüber bilden 20 % der Betroffenen Antikörper gegen eigene Zellen. Bisher konnte nicht genau geklärt werden, wie es zu dieser Fehlregulation kommt. Vermutlich besteht eine genetische Veranlagung in Kombination mit bestimmten Umweltfaktoren, insbesondere zu geringer Kontakt mit Umweltkeimen. Dabei sind typischerweise die Barrierefunktion des Darms, die Darmflora und die Immunantwort gestört.

Umwelteinflüsse, denen eine Bedeutung zukommt, sind:

  • übermäßige Hygiene oder ein Leben in der Großstadt: Statistischen Daten zufolge schützten Stillen sowie das Leben in ländlicher Umgebung mit „natürlichen Keimen“.
  • Rauchen: Im Erwachsenenalter ist der blaue Dunst der wichtigste Risikofaktor.
  • wiederholter Antibiotikaeinsatz: Ein wichtiges Thema in der Diskussion um Morbus Crohn ist, dass man sich durch häufigen Antibiotikagebrauch auch eine schädliche Veränderung der Darmflora einkauft. Eine finnische Studie veranschlagt eine Verdopplung des Risikos, wenn der kindliche Organismus mehr als siebenmal mit Antibiotika belastet wurde. Besonders verdächtig ist die Gruppe der Cephalosporine. Ungeklärt bleibt dabei aber, ob eventuell dieser Personenkreis besonders anfällig für Darminfektionen war, und daher die Antibiotikabehandlungen erst notwendig wurden.
  • Infektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile und das Cytomegalievirus lösen schwere Verläufe aus, die therapeutisch schwer in den Griff zu bekommen sind.
  • Die Einnahme Nicht Steroidaler Antirheumatika (NSAR) unterhält häufig eine Colitis.
  • Statistisch gesehen verpflegen sich die Erkrankten häufig mit einer Kost reich an Zucker, Fett und weißem Mehl.
  • genetische Faktoren: Bisher stehen 30 Genorte im Verdacht, an der Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen beteiligt zu sein (wie der Polymorphismus CARD15/NOD2; FUT2). Man findet daher familiäre Häufungen von Morbus Crohn.
  • psychische Einflüsse: Gerade der Darm ist stark von der Psyche beeinflusst. So verschlimmert Stress die Beschwerden oder löst sogar einen Schub aus.
  • Wenn in der Kindheit der Blinddarm wegen einer „echten“ Blinddarmentzündung entfernt wurde, besteht ein erhöhtes Risiko für Morbus Crohn.

Verlauf und Komplikationen

Verlauf

Das chronische Krankheitsbild tritt meist im frühen Erwachsenenalter zum ersten Mal auf, aber auch Kinder und alte Menschen kann die Krankheit treffen. Da die Aufnahme der Nahrung im Darm gestört ist, kommt es zu Malabsorption. Die Symptome zeigen sich schubweise und mit zeitweilig beschwerdearmen Zeiten. Sehr selten sind Verläufe mit dauernden Beschwerden oder mit nur einem einmaligen Schub.

Komplikationen

Unbehandelt und über längere Zeit kommt es zu Mangelerkrankungen, eventuell Anämie und Osteoporose. Es entsteht häufig Mangel an Gallensäuren, den Vitaminen A, C, D, E, B12, K, Fe, Ca, Mg, Zn, seltener Folsäure und Selen. Auch die Spiegel der wichtigen körpereigenen Stoffe Albumin, von Transporteiweißen und Gerinnungsfaktoren können absinken.

Es kann zu starkem Flüssigkeitsverlust mit Austrocknung des Körpers (Dehydratation), zu Druck auf Körperorgane und Zerstörung benachbarter Organe, zum möglicherweise lebensgefährlichen Wachstum von Keimen in der Blutbahn (Bakteriämie) und zu verringerter Fruchtbarkeit (Fertilität) kommen.

Eine chronische Entzündung zieht häufig Narbenbildung nach sich, wodurch die Darmwand verdickt und das Darmrohr verengt. Da der Stuhlgang dann schlechter passieren kann, kann es zu einem Darmverschluss kommen. Im schlimmsten Fall entleert sich der Stuhl durch einen Riss in der Darmwand in die Bauchhöhle. Dann besteht akuter Handlungsbedarf. Ebenso macht hoher Blutverlust ein operatives Eingreifen nötig. Wenn größere Darmabschnitte entnommen wurden, droht ein Kurzdarm- oder Blind-Loopsyndrom.

Eine Entzündungsneigung bleibt häufig nicht an einen Ort beschränkt. So breitet sie sich auf Mund, Haut, Gelenke oder Augen, seltener Leber, Lunge, Herz, Knochen, Blut, Niere u.a. aus. Bei einer Fistelbildung bricht die Entzündung zu anderen Organen (Vagina, Blase oder anderen Darmteilen) oder nach außen durch. Am After führt dies zu Abszessen und starken Schmerzen. Auch eine erhöhte Rate an Thrombosen und Gefäßerkrankungen ist statistisch belegt.

Patienten mit Morbus Crohn trifft ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko, umso höher, je schwerer der Befall und besonders hoch, wenn auch Pseudopolypen vorhanden sind und die Erkrankung lange (> 20 Jahre) andauert. Dagegen schützt eine Behandlung mit Immunsuppressiva oder mit synthetischen Antikörpern gegen den „Tumornekrosefaktor-alpha“ (TNFα-Blockern).

Formen

Je nach Schwere der Symptome unterscheidet man leichte und schwere Verläufe. Dabei ist die jeweilige Lokalisation therapieentscheidend. Im Enddarmbereich arbeitet man mit Suppositorien, Klysmen oder Schäumen, ansonsten mit systemisch wirkenden Medikamenten.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen