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Morbus Crohn: Weitere Therapien

Was sonst noch hilft

Bei Morbus Crohn ist die Schulmedizin in akuten Phasen unabdingbar, jedoch können eine Umstellung der Ernährung sowie weitere Naturheilverfahren die beschwerdefreien Zeiträume deutlich verlängern! 

Ernährung

Morbus Crohn beeinträchtigt teils durch den verminderten Appetit, teils durch die schlechte Aufnahme von Nährstoffen und Durchfall oder Blut im Stuhl die Versorgungssituation. Es kommt schnell zu einem Verlust an Elektrolyten, zu Mängeln an Vitaminen und Eiweiß.

Eine statistische Erhebung an 2600 Personen mit einer entzündlichen Darmerkrankung lässt vermuten, dass eine fettreiche Ernährung mit viel Fleisch und Zucker das Risiko erhöht, dass dagegen natürliche Ballaststoffe aus Obst und Gemüse vor Morbus Crohn schützen.

Akut behandeln: Morbus Crohn Diät

Bei einem akuten Schub jedoch ist es sinnvoll, Ballaststoffe, vor allem Rohkost zu meiden. Weißes Mehl und Zucker sollten nur geringen Anteil an der Ernährung haben. Um den Verlust an Wasser und Mineralien zu ergänzen, soll viel getrunken werden (Gemüsebrühe, Tee). Besonders komplex ist die Situation bei Kindern mit Morbus Crohn, da hier schnell Wachstumsstörungen auftreten. Gelegentlich kann eine Ernährung über eine Nasensonde (chemisch definierte Elementardiät) oder die Venen notwendig sein bzw. eine nährstoffdefinierte Formeldiät (Nährstoffpulver). Mit einer Erholung ist nach 2-6 Wochen Therapiedauer zu rechen.

Achtung Intoleranzen!

Bei vielen Morbus Crohn Erkrankten (65 %) besteht eine Unverträglichkeit für bestimmte Nahrungsmittel. Angeführt wird die Liste von

  • Weizen (69 %),
  • Milch, Milchprodukte, Lactoseintoleranz (48 %),
  • Hefe (31 %),
  • Mais (24 %),
  • Eier (14 %),

Seltener sind scharfe Gewürze, Tomaten, Wein und Kaffee schuld an der Verschärfung der Problematik. Grundsätzlich ist es bei Darmkrankheiten sinnvoll, während des Kostaufbaus die Verträglichkeiten auszutesten.

Das beruhigt den entzündeten Darm

Reizarme Schonkost verschafft dem Darm eine Pause. Reisschleim, Haferschleim oder pürierte und gedünstete Karotten, Bananenpüree oder geriebene Äpfel sind gut verträglich.

Heilfasten bei Morbus Crohn

Ist der Darm akut entzündet, wird er auch durch ein kurzes Heilfasten entlastet. Auch zur Erhaltung der Heilung und zur Prävention von Rückfällen ist episodisches Heilfasten unter therapeutischer Überwachung eine sinnvolle Maßnahme. Allerdings ist auf Untergewicht zu achten und eventuell ist eine künstliche Ernährung notwendig.

Danach: Kost umstellen

Später ist ein vorsichtiger Aufbau der Kost sinnvoll mit Säften, gedünstetem Obst, Gemüse und Kartoffeln. Die Verträglichkeit kann verbessert werden, wenn man Obst und Getreide oder Obst und Gemüse getrennt voneinander verzehrt.

Wenn man das verträgt, nimmt man wenig leichtverdauliches Protein (Fisch) und naturbelassene Fette hinzu. Gehärtete und raffinierte Fette (Bratfett, Margarine) dagegen sollte man vermeiden. Bevorzugen sollte man natürliche Öle mit einem hohen Omega-3-Fettsäuregehalt.

Protein hat eine besondere Bedeutung bei der Mobus Crohn Ernährung, da es durch den schlechten Darmzustand verloren geht. Suppen aus Knochen und Knorpel sollten das Nährstoffangebot zur Nachbildung von Bindegewebe ergänzen. Generell ist eine vitamin- und mineralienreiche Ernährung notwendig, Rohkost ist bei Morbus Crohn aber nur sinnvoll, wenn sie vertragen wird. Die Liste mineralienreicher Lebensmittel ist lang: Bananen, Kirschen und Pflaumen, rote Beerenfrüchte, Pilze, Nüsse, Karotten, Spinat, Broccoli, Rosenkohl, Vollkornprodukte, Haferflocken, Hirse, ungeschälter Reis, Weizenkeime, Sojaprodukte, Bohnen, Kartoffeln, … Auch der Obstessig oder milchsauer vergorene Nahrung (wie Sauerkraut) ist ein Tipp, dem man nachgehen sollte.

Aber im Prinzip gilt auch bei Morbus Crohn:

Keine Dogmen, sondern das, was man verträgt!

Bei Beschwerdefreiheit im Anschluss kann eine mikrobiologische Therapie mit Darmsymbioselenkung kombiniert werden.

Naturheilverfahren bei Morbus Crohn

Mikrobiologische Therapie: abwägen und ausprobieren

Bei der entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa ist die mikrobiologische Therapie bereits in den offiziellen Leitlinien verankert. Gezielte Studien haben herausgefunden, dass auch die Darmflora von Morbus Crohn-Patienten andere Bakterien enthält als die gesunder Menschen. So ist ein Therapieversuch mit Probiotika eine rationale Therapie. Ein Forscherteam der Technischen Universität München gelang es mit Lactobacillus casei, Entzündungsproteine im Darm zu reduzieren. Im Tierversuch hatte Lactobacillus fermentum einen positiven Effekt.

Kompliziert wird die Situation dadurch, dass viele Morbus Crohn-Patienten Antikörper gegen die „gesunde“ Darmflora gebildet haben. Ein Zusammenhang mit der Krankheit gilt als unwahrscheinlich, doch ist in diesem Licht eine pauschale Empfehlung zur Therapie schwierig. Eventuell muss man hier verschiedene Organismen in ihrer Wirkung austesten (Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus GG, L. casei, L. plantarum, L. bulgaricum, Bifidobakterium longum, B. breve, B. infantis und Streptococcus thermophilus, Saccharomyces boulardii, Escherichia coli Stamm Nissle 1917) und zwar in einer Zeit, in der der Darm durch die Morbus Crohn Symptome nicht überreizt ist.

Auf den Wurm gekommen

Bei einfachen hygienischen Verhältnissen wie auf dem Land oder in den Entwicklungsländern tritt Morbus Crohn seltener auf. Forscher haben diesen Zusammenhang schon häufiger bei Autoimmunerkrankungen und Allergien beobachtet. Sie argumentieren damit, dass das Immunsystem, unter diesen Bedingungen schlicht und ergreifend „beschäftigt“ ist – zum Beispiel mit der Abwehr von Würmern. Riskant war es schon, Darmwürmer für Morbus Crohn zu testen, daher verwendete man zur Sicherheit Eier von Schweine-Peitschenwürmern. Sie können sich im menschlichen Darm nicht dauerhaft halten und werden ganz natürlich ausgeschieden.

24 Wochen nach der mehrmaligen Einnahme der Eier verzeichneten die Studienleiter einen deutlichen Rückgang der Beschwerden bis hin zur Symptomfreiheit. Offensichtlich konnte die fehlgeleitete Abwehrreaktion gezielt in die Bahnen der Verteidigung geleitet werden. Entsprechende Präparate für Morbus Crohn gibt es noch nicht auf dem Markt.

Die Informationen, auch zum Thema Mikrobiologische Therapie sollten Anlass sein, über nötige und unnötige Hygiene und insbesondere über den Einsatz von Antibiotika nachzudenken.

Psychotherapie: psychische Balance

Morbus Crohn hat nicht nur einen heftigen Einfluss auf die Lebensqualität, auch Stress und psychische Belastungen verschlimmern die Darmerkrankung. So kommen sowohl den psychotherapeutischen als auch den entspannenden Verfahren besondere Bedeutung zu. Muskelkrämpfe lassen sich mit Progressiver Muskelrelaxation, Autogenem Training, Atemtherapie, Meditation, Yoga, Qigong und anderen körperorientierten Therapieverfahren lindern.

Entspannung kann auch Spaß machen: Kunst- und Musiktherapie oder Therapien mit Partnerübungen. Entspannend wirken auch Aromatherapie, Kosmetik, Shiatsu, Fußreflexzonenmassage oder Massage.

Kompliziert wird das Krankheitsbild, wenn Angst vor dem Essen und Ekel hinzutreten. Häufig assoziiert ist das Krankheitsbild mit vermehrter psychischer Symptombelastung wie Depressivität und Bindungsproblemen. In den Familien mit Morbus Crohn betroffenen Kindern werden häufig erhebliche Probleme festgestellt. Helfen kann hier eine Familientherapie, Psychotherapie, Verhaltenstherapie, gegebenenfalls auch Traumatherapie oder Hypnose

Bewegungstherapie

Bei einem akuten Morbus Crohn Schub empfiehlt sich körperliche Schonung, danach ist Bewegung angesagt, insbesondere Gymnastik oder leichter Ausdauersport. Bewegungstherapie beugt Osteoporose und Gelenkbeschwerden vor, häufige Komplikationen bei Morbus Crohn. Bei akuten Beschwerden ergreift man Maßnahmen wie Entlastung und Ruhigstellung betroffener Gelenke, auf Dauer aber zahlt sich leichte Physiotherapie aus.

Physikalische Therapie

Wärme ist wohltuend bei Krampfschmerzen. Leibwickel (2 x täglich), feuchtwarme Kompressen und Heublumensäcke werden direkt auf den Bauch gelegt. Auch Sitzbäder mit ansteigender Temperatur sind geeignet (2-mal pro Woche).

Akupunktur - Moxibustion

Die Traditionelle Chinesische Medizin hat ihre eigenen Methoden, die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn zu behandeln. Das Thema wird aktuell lebhaft untersucht und erste Erfolge werden berichtet. Akupunktur wirkt auf den Schmerz, die unwillkürlichen Reflexe der Eingeweide sowie die Säuresekretion im Magen. Auch bei Moxibustion scheint es Erfolge zu geben, die Therapeuten schätzen die Ansprechrate auf 75 %.

Zu den Verfahren Elektro-Neuraltherapie, Reflexzonenmassage, Phototherapie mit UV, hyperbare Sauerstofftherapie muss man noch genauere Studien abwarten.

Schulmedizin

Die Behandlung von Morbus Crohn zielt auf die Hemmung der Entzündungsprozesse. Die gewählte Behandlung sollte innerhalb von 1 bis 2 Wochen ansprechen, sonst muss eine Alternativbehandlung gesucht werden.

Bei leichten Beschwerden ist eine Therapie der Symptome mit Budesonid erste Wahl, 5-Aminosalicylate und Mesalazin sind bei Morbus Crohn nur begrenzt wirksam.

Klassische Begleitmedikamente gehören zur Gruppe der Glucokortikoide (Kortison), wie etwa Budesonid oder Prednisolon. Sollte diese Maßnahme nicht greifen, dämmt man die Entzündung mit Immunsuppressiva ein (Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat). Man erkauft sich damit aber eine Abwehrschwäche gegen Infektionskrankheiten. Aber bei Morbus Crohn ist das das geringere Übel.

Bei Crohn Komplikationen wie entzündlichen Fisteln hilft man sich mit Antibiotika (Metronidazol Ceftriaxon oder Ciprofloxacin). Wird der Versorgungszustand kritisch, überbrückt eine künstliche Ernährung die kritische Zeit.

Chirurgische Maßnahmen bei Morbus Crohn

Stellt sich der Therapieerfolg nicht ein, bei mechanischen Blockaden (Fisteln, Abszesse) und narbiger Darmverengung (Stenose) oder bei schweren Komplikationen wie Blutungen und Durchbruch (Perforation), hilft nur noch der Griff zum Skalpell. Dabei entfernt man einen Teil des betroffenen Darms. Von außen erreichbare Verengungen können außerdem bei Morbus Crohn gedehnt werden.

Biologicals, die neuen Medikamente gegen Morbus Crohn

Für die Entzündung ist der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) entscheidend und kam ins Visier der Wissenschaftler: Das Protein ist die Drehscheibe bei Entzündungsprozessen. Mittlerweile kann der Faktor mit synthetischen Antikörpern gezielt ausgeschaltet werden (Infliximab und Adalimumab). So lässt sich auch bei Morbus Crohn die körpereigene Entzündungsreaktion eindämmen. Die Behandlung kommt aber wegen der möglichen Gefahren und des hohen Preises nur nach Ausschöpfen der herkömmlichen Methoden in Betracht.

Auch Kombinationstherapien dürften bei Morbus Crohn sehr wirksam sein und werden zunehmend Gegenstand klinischer Studien (Antikörper Infliximab zusammen mit dem Immunsuppressivum).

Schmerztherapie

Besonders belastend für den Patienten sind die für Morbus Crohn typischen Bauchschmerzen. Dann erfolgt eine symptomatische Schmerztherapie mit Metamizol oder in Extremfällen auch mit Opioiden. Wegen der Suchtgefahr ist dies aber nur eine vorübergehende Maßnahme. Bei Therapieresistenz kann medizinischer Hanf (Cannabis) bei einzelnen Morbus Crohn Patienten segensreich sein und in Ausnahmefällen als Dronabinol sogar auf speziellen Rezepten (BtM) verordnet werden. Die vielen Nebenwirkungen und die Suchtgefahr sind jedoch zu bedenken.

Vor Beginn der Schmerztherapie ist eine genaue Aufnahme der Symptomatik und der Schmerzursachen notwendig (biologische, psychische und soziale Komponenten). Schmerzen bei Morbus Crohn sind darüber hinaus durch Optimierung der entzündungshemmenden Therapie, chirurgische Maßnahmen oder durch Absetzen von schmerzverstärkenden Medikamenten behandelbar.