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Weitere Therapien: Multiple Sklerose

Was sonst noch hilft

Neben der richtigen Lebensführung helfen Heilpflanzen sowie Homöopathie. Ergänzend dazu ist auch eine angemessene Ernährung zu beachten. Hier werden zudem Naturheilverfahren und Verfahren der Schulmedizin vorgestellt.

Ernährung

Fleisch- und Fettkontrolle

Es gibt Vermutungen, dass Multiple Sklerose bei hohem tierischen Fettverzehr häufiger auftritt. Das deuten Statistiken über die Ernärungssituation der Patienten an. Daraus werden verschiedene Diäten abgeleitet, die aber keine Erwähnung in den gültigen Leitlinien finden.

Es wird diskutiert, dass eine Diät reich an ungesättigten pflanzlichen Ölen positiv auf den Verlauf wirken könnte. Ausgenommen sind alle gesättigte Öle und Fette wie Kokosfett oder Palmöl. Parallel dazu empfiehlt man Vollmilch, Eier, fettes Fleisch und Wurstwaren zu senken zu Gunsten von Fisch, Meeresfrüchten, Magermilch, Huhn/Pute und proteinreichen Pflanzen (wie Bohnen, Soja). In einer amerikanischen Studie besserte sich mit diesen Ernährungsprinzipien der Verlauf. Am meisten hatten die Patienten im frühen Multiple Sklerose Stadium profitiert. Von offizieller Seite werden Diäten aber als unwirksam bewertet.

Stopp der Arachidonsäure

Hinter dem komplizierten Namen Arachidonsäure versteckt sich ein einfacher Stoff, der die Entzündungsneigung anheizt. Darum gibt es Medikamente gegen Multiple Sklerose, die sich gegen Entzündungsbotenstoffe aus dem Arachidonsäurestoffwechsel richten. Aber auch mit der Ernährung kann man regulierend eingreifen. Die Säure kommt nämlich über tierische Fette in den Körper. Pflanzenkost dagegen ist vollständig frei davon. So dürfte der Gegenspieler Omega-3-Fettsäure eine sinnvolle Ernährungskomponente sein (Fisch, Leinöl, Rapsöl, Hanföl). Genießen sie 2-3 mal in der Woche Fisch, es darf auch fetter sein. Sie sorgen damit für reichlich antientzündliche Stoffwechselprodukte und das wertvolle Vitamin D. Aber Achtung: Medikamente lassen sich dadurch nicht ersetzen.

Pflanzenkost ist Medizin

Pflanzen enthalten wichtige Antioxidantien und Vitamine, die oxidative Entzündungsschäden abfangen. Küchenkräuter ergänzen das Spektrum mit antiviralen und antibiotischen Inhaltsstoffen. Viele Polyphenole verhalten sich im Körper ausgesprochen anti-entzündlich. Wer mit „Polyphenol“ nichts anfangen kann, kommt damit weiter: KnoblauchZwiebel – Äpfel – Zitrusfrüchte – Grüner Tee – rote Trauben (Traubensaft/Rotwein) – Schokolade – Curcuma – Ingwer – Curry.

Ballaststoffe ändern die Darmflora vorteilhaft. Auch sie dürften Einfluss auf die Krankheit nehmen. Entdecken Sie daher die Vielfalt der Pflanzenprodukte von Ölen (als Fettersatz) über Hülsenfrüchte (als Fleischersatz), Nüsse (als Snackersatz) und Obst (als Zuckerersatz). Auch Nudeln gibt es ganz frei von Ei.

Übergewicht simuliert Entzündung

Wenn der Hosenbund kneift und der Waagenzeiger klettert, ist es Zeit zum Umdenken. Viel Körperfett im Bauchbereich lässt die Entzündungsneigung steigen. Grund ist eine unangenehme Eigenschaft von Bauchfettzellen: Sie geben Botenstoffe wie ein latenter Entzündungsherd ab. Wer sich für Abnehmen entscheidet, kann dabei die Ernährung gleich auf mehr Vollkorn und Pflanzenkost umstellen.

Nahrungsunverträglichkeiten beachten

Von Betroffenen wird das Problem immer wieder thematisiert. Durch die gestörte Blut-Hirnschranke wäre es theoretisch möglich, dass gewisse Stoffe ungewollt in der Nervenzentrale landen. Das Gehirn wird bei Multiple Sklerose-Kranken durch toxische Stoffe und Medikamente leichter gestört, das ist auch der Schulmedizin bekannt. Dieses Problem könnte auch Nahrungsmittel betreffen. Daneben wird ein Einfluss der Darmflora diskutiert. Auch bakterielle Stoffwechselprodukte landen nämlich häufig über das Blut im Gehirn.

Fazit: Bewiesen ist die These nicht, dass Nahrungsbestandteile Multiple Sklerose verschlimmern oder auslösen. Aber ganz abgesehen davon, ob nun tatsächlich eine Milch- oder weizenfreie Diät die Schubrate von Multiple Sklerose reduziert: Wer bestimmte Lebensmittel nicht verträgt (Laktoseintoleranz, Zöliakie), soll sie auch vermeiden.

Kochsalz greift vermutlich in die Immunantwort ein

Kochsalz (NaCl) könnte MS/Autoimmunerkrankungen erheblich anheizen, das belegen Tierversuche. Eine NaCl-arme Kost ist daher positiv zu bewerten. Die Menge von 6 g Kochsalz pro Tag sollte nicht überschritten werden. Gerade Fertigkost und Knabberwaren schlagen hier oft hoch zu Buche.

Naturheilverfahren

Bewegung: dehnen, kräftigen, koordinieren

Sport - am besten im Freien und bei Sonnenlicht - ist bei Multiple Sklerose eine der wichtigsten Begleitmaßnahmen. Man erreicht damit eine Symptomverbesserung. Erstes Ziel ist, gegen Einschränkungen in Mobilität und Lebensqualität anzukämpfen. Auch die Bewegungskoordination lässt sich verbessern. Es sprechen neben den körperlichen auch psychische und mentale Aspekte an, sodass Bewegung insgesamt die Lebensqualität der Multiple Sklerose-Kranken erhöht.

Beachten Sie die Regeln:

  • Möglichst früh im Krankheitsverlauf mit Bewegungstraining beginnen.
  • Erarbeiten Sie mit einem Therapeuten, was für Sie richtig ist und wie Sie die Intensität steigern.
  • Leichtes und mittleres Ausdauertraining (Walken, Wandern, Langlauf, Schwimmen, Fahrradfahren) passt für die meisten Fälle .
  • Leistungssport schwächt mehr als er nützt. Leistungssport und Überforderung ist für Multiple Sklerose-Patienten verboten.
  • Vermeiden Sie Überhitzung. Bei Wärmeempfindlichkeit verlegt man den Sport ins Wasser (Schwimmen, Wassergymnastik).
  • Bei einem Schub sprechen Sie erst mit ihrem Therapeuten ob und wie sie trainieren können.
  • Eine Physiotherapie hilft gezielt bei individuellen Einschränkungen. Reiten schult zum Beispiel die Koordination.
  • Bei Gleichgewichtsstörungen balanciert man auf einem Gleichgewichtstrainer (aus dem Sportfachgeschäft). Es gibt noch weit mehr Vorschläge als Radfahren wie etwa Musikgymnastik, Tanzen, Qigong und Yoga.
  • Die Chirotherapie oder Chiropraktik kommt immer dann ins Spiel, wenn es zu Haltungsschäden und Krämpfen gekommen ist.
  • Auch Massage ist eine Variante, über die man nachdenken sollte. Sie fördert das Wohlbefinden der Multiple-Sklerose-Patienten und erreicht auch die Psyche.
  • Hydro- und Balneotherapie sind bei verschiedenen Muskel und Skelettproblemen sowie bei Empfindungsstörungen bewährte Mittel. Kälte bessert gezielt spastische Probleme sowie die Müdigkeit.

Nerven krank? Psyche stärken!

Multiple Sklerose betrifft die Nerven und Betroffene haben nicht nur mit dem Körper sondern auch mit kognitiven Einschränkungen zu kämpfen. Eine ganz logische Folge davon ist eine depressive Neigung.

Zur Bewältigung des Alltags brauchen die Betroffenen eine ausgeglichene Psyche. Professionelle Hilfe gibt es in der Kunst-, Musiktherapie) kann man den Zugang zu den Gefühlen pflegen.

Die Fußreflexzonenmassage dürfte Empfindungsstörungen, Blasensymptome, Muskelstärke und Spastik ansprechen, das zeigen erste Untersuchungen mit einer Dauer von elf Wochen Behandlung.

Brain Jogging

Alle Funktionen, die man ständig trainiert, bleiben besser erhalten. Das gilt auch für die geistigen Fähigkeiten. Abhängig von den individuellen Problemen (wie Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen) sucht man sich Angebote. Computerspiele sind hochmodern und lassen auch das Vergnügen nicht beiseite liegen. Daneben hilft ein geschulter Psychologe mit kognitiven Einschränkungen im Alltag umzugehen, ohne dass sich eine Katastrophe anbahnt.

Das Blasenproblem

Wenn die Blase einen eigenen Willen entwickelt, helfen zwar Windeln, besser wäre es aber die Kontrolle zurück zu gewinnen. Die offiziellen Leitlinien sehen hier Beckenbodentraining, Elektrostimulation und Biofeedback vor. Auch medikamentöse Kombi-Maßnahmen sind möglich (Antimuskarinergika). Zur Not ist das Legen eines Katheters eine sichere Lösung, sie kann erlernt und vom Patienten selbst durchgeführt werden.

Sex gehört zum Leben

Sex ist Lebensqualität, vielen ist es peinlich, darüber zu sprechen. So beeinträchtig das Problem unmerklich die Partnerschaft, manchmal zerbricht sie auch darüber. Neben medikamentösen Hilfen (Männer: Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil, Frauen: hormonhaltige Cremes für die Scheide) entwickelt ein Sexualtherapeut mit den Klienten alternative Wege. In einer Paartherapie, Sexualtherapie oder auch einer Verhaltenstherapie werden für alle Beteiligten zufriedenstellende Konzepte erarbeitet.

Elektromagnetische Wellen

Einige positive Versuche liegen vor (Spastik), die Schulmedizin aber ist davon nicht überzeugt. Die Ergebnisse sind nicht einhellig.

Hygiene macht krank?

Nach der Hygienehypothese entstehen durch übertriebene Hygiene Immunkrankheiten wie Allergien, Multiple Sklerose und Morbus Crohn. Dann nämlich sucht sich das unterbeschäftigte Immunsystem eine neue Aufgabe und beginnt den eigenen Körper zu bekämpfen. In früheren Zeiten war das Immunsystem nämlich beständig mit diversen Parasiten und Keimen belastet. So hat man mit Parasiten experimentiert und die Eier des Schweinepeitschenwurms versuchsweise verabreicht. Der Parasit kann sich im menschlichen Darm nicht halten und so muss der Vorgang alle 14 Tage wiederholt werden.

Erste Versuche aus dem Jahr 2007 zeigen ein langsameres Fortschreiten der Krankheit. US Amerikanische Forscher zeigen jetzt, dass die Schäden im Gehirn mit der Wurmtherapie zurückgehen. Das Ergebnis was so ermutigend, dass jetzt reguläre klinische Studien folgen werden. Professor Ralf Gold, Vorstandsmitglied des Kompetenznetzes Multiple Sklerose, rät aber zum Abwarten, bis die Sicherheitsaspekte geklärt sind. Noch ist daraus keine Standardbehandlung geworden, zu denken gibt das Ergebnis aber doch. Übertriebene Hygiene im Haushalt kann auch negativ sein.

Akupunktur

Akupunktur kann heilen was gestört ist, aber nichts zurückbringen, was zerstört ist. Es kann also gegen nervliche Symptome, nicht aber gegen die Krankheit selbst angewendet werden. Bei Spastik, Schmerzen und Müdigkeit ist Akupunktur einen Versuch wert. Auch die Neuraltherapie mag positiv anschlagen. Dafür gibt es Hinweise.

Sonstiges: Von Gift bis Sauerstoff

Tiergifte haben viele Komponenten und wirken im Körper auf zahlreichen Wegen. So kennt die Naturheilkunde die Bienen- und Schlangengifttherapie. Die Therapien sind derzeit bei Multiple Sklerose nicht empfehlenswert, da man die Folgen zu wenig kennt. Die Amerikanische Akademie für Neurologie bewertet die Bienengifttherapie als „vermutlich unwirksam“ in Bezug auf Rückfallrate, Behinderung, Müdigkeit, Läsionsdichte und Lebensqualität.

Die Hyperbare Sauerstofftherapie ist für die Behandlung von Multiple Sklerose umstritten, da die Studien zu wenige handfeste Verbesserungen belegen. Dabei sind die Methoden sehr aufwändig und teuer (Hochdruckkammer).

Nach einer Hypothese entsteht Multiple Sklerose durch Schwermetalle im Körper. Einige Heiler empfehlen die Entfernung von metallischen Zahnfüllungen. Die Chelattherapie möchte mit Komplexbildnern die Schwermetalle aus dem Körper ausleiten. Zwar ist gezeigt worden, dass die Therapie Schwermetalle bei Multiple Sklerose Patienten in den Urin bringt, eine Wirkung auf die Symptome wurde aber bisher zu wenig dokumentiert.

Schulmedizin

Eine ursächliche Heilungsmethode ist noch nicht bekannt, der Krankheitsverlauf kann jedoch verlangsamt werden. Darüber hinaus gibt es kontrollierte Studien mit verschiedenen immunsuppressiven und immunmodulierenden Medikamenten. Die begleitenden Symptome sind mit allopathischen und naturheilkundlichen Mitteln teilweise sehr gut zu lindern (symptomatische Therapie).

Bei der Behandlung unterscheidet man zwischen leichten und hochaktiven Verlaufsformen. Geht die Krankheit in ein anderes Stadium über, kann die Therapie angepasst werden.

Basistherapie:

  • Interferon Beta wird nun schon seit 20 Jahren in der Multiple-Sklerose-Therapie eingesetzt, hat aber Nebenwirkungen. Die Symptome am Anfang der Therapie ähneln einer Grippe (Fieber Schüttelforst, Muskelschmerzen). Das Nutzen-Risikoverhältnis rechtfertigt aber die Therapie. Ziel ist es die aggressiven Entzündungszellen in den Herden zu inaktivieren. Interferon muss gespritzt werden (unter die Haut oder in die Muskeln), denn im Verdauungstrakt würde das Mittel verdaut werden. Die Therapie ist sehr teuer.
  • Glatirameracetat ist ein Peptidgemisch, das den Bestandteilen der Nervenscheide ähnelt. Möglicher Weise lenkt es die Immunzellen von ihrem eigentlichen Ziel ab. Das Mittel reduziert die Schubzahl. Schubdauer, -schwere und Fortschreiten der Multiple Sklerose sprechen nicht an. Das Präparat ist ebenfalls teuer.
  • Teriflunomid – es kommt eigentlich aus der Rheumatherapie - ist ein orales Basistherapeutikum, welches umfangreich untersucht ist. Es hemmt vermutlich die Vermehrung von Immunzellen, indem es ihnen die Energie entzieht.
  • Auch mit Dimethylfumarat hat man Erfahrungen. Das Mittel wird seit langem in der Therapie der Schuppenflechte verwendet. Es kann aber seltene Nebenwirkungen geben. Der Ärztliche Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft mahnt daher engmaschige Kontrolluntersuchungen an (alle 6-8 Wochen). Die Europäische Arzneimittel-Agentur hält als Kontrollintervall 3 Monate für ausreichend.

Schubtherapie

Reicht die Basistherapie nicht mehr aus, geht man zu spezifischeren Mitteln über. Ein versierter Therapeut muss abhängig von der Verträglichkeit die passende Strategie finden. Die Leitlinien nennen hier verschiedene Mittel.

Glucokortikoide unterdrücken relativ unspezifisch alle entzündlichen Vorgänge im Körper. Damit soll die Entzündung unterbrochen werden. Dennoch hilft das nicht immer, sind doch zahlreiche der entzündlichen Botenstoffe im Umlauf. Die Plasmapherese ist dann eine weitere Maßnahme. Sie tauscht das Blutplasma mit den gefährlichen Botenstoffen aus.

  • Alemtuzumab aus der Krebstherapie zerstört weiße Blutzellen (B- und T-Lymphozyten),
  • Fingolimod unterdrückt das Immunsystem (Immunsuppression),
  • Natalizumab hemmt das Einwandern von weißen Blutzellen in die Entzündungsherde,
  • Mitoxantron ist ein Zytostatikum, das die Zellteilung hemmt (2. Wahl). Auch dieses Medikament kommt aus der Krebstherapie. Es wird nur eingesetzt, wenn die anderen Versuche nicht angeschlagen haben.
  • Unter Umständen entscheidet sich der Therapeut auch für experimentelle, neue Verfahren, zum Beispiel wenn gerade Probanden für ein neues Medikament gesucht werden (3.Wahl).

Zukunftsmusik

Therapeutische Antikörper kommen aus der Gentechnik und sind hoch spezialisierte Moleküle, die die gefährlichen Immunzellen oder Stoffe ganz gezielt angreifen und aus dem Verkehr ziehen. Daher bezeichnet man diese Antikörper auch als „neutralisierende Antikörper“. Das Immunsystem wird dadurch wieder umgelenkt. Es sind verschiedene dieser Antikörper auf dem Weg zur Zulassung. Das lässt hoffen, dass man in Zukunft die Krankheit viel zielgenauer behandeln kann.

Fazit

Insgesamt ist die aktuelle MS-Therapie der konventionellen Medizin nicht zufriedenstellend wirksam. Die Kosten steigen und die Nebenwirkungen belasten. Zwar wird am Thema geforscht, ob aber die neuen Wirkstoffe auf dem Markt auch halten, was sie versprechen, ist unsicher. Das müssen große Nach-Beobachtungsstudien zeigen. Viele Ärzte vertrauen daher eher auf die alt bewährten Medikamente. Die Industrie jedoch investiert nicht mehr in diese Mittel, da sie wegen der Generikasituation damit kein Geld mehr verdienen kann. Sie produziert vorzugsweise neue Stoffe, mit denen man (natürlich) kaum Erfahrung hat. So bleibt die Gesamtsituation der MS-Behandlung für Arzt und Patient unbefriedigend.