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Die Erkrankung verstehen: Nackenschmerzen

Lassen Sie gerade den Kopf hängen?

Ob der Nacken nun gebeugt oder stolz und gerade ist, an der Haltung kann man das Empfinden erkennen. Wir empfinden den Hals als eine unserer verletzlichsten Stellen. Der Nacken ist ein psychosomatischer Gradmesser. Da verwundert es nicht, wenn er sich mit Verspannungen meldet, wenn wir uns unwohl fühlen. Aber auch in mechanischer Hinsicht ist der Nacken ein empfindliches Gebiet:

Definition

Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied

Der Nacken ist der schwächste Teil der Wirbelsäule. Genau genommen muss er nur den Kopf balancieren. Bei Verletzungen und Überbelastungen ist der Nacken leicht das Opfer. Bisweilen ziehen sie auch die Wirbel aus ihrer natürlichen Lage, so dass gewisse Bewegungen blockiert sind. Zusammen mit dem Schmerz führt dies dazu, dass man seinen Nacken schont und auf andere Bewegungen ausweicht. Zusammen lösen Nackenschmerzen gründliche Missempfindungen aus. Die korrekte medizinische Bezeichnung lautet Zervikalsyndrom, auf Deutsch spricht man von Halswirbelsäulenkrankheit, Halswirbelsäulensyndrom oder kurz HWS-Syndrom.

Schiefstand und Nervenstörung

Nicht selten wirken Abweichungen am Skelett, angefangen mit Fußfehlstellungen bis hoch über die Knöchel, Knie, Hüften, LWS etc. bis auf die HWS. Daher schauen gute Orthopäden und Physiotherapeuten bei Nackenschmerzen auf das gesamte Skelett. Daneben verursachen Störungen im Kopf selbst eine falsche Nackenstellung. Zu nennen wären Problem wie zum Beispiel Kiefergelenks-, Zahn-, Nasennebenhöhlenprobleme oder Tinnitus.

Was kann im Nacken „kaputt“ gehen?

In den meisten Fällen und in jungen Jahren ist der Nacken mechanisch gesehen vollkommen intakt. Gestört sind dann die Regelkreise von Entspannung und Anspannung, sowie die natürlichen Ausgleichsbewegungen des Nackens. Echte Schäden sind bei jungen Menschen selten und oft auf einen Unfall zurückzuführen. Dabei kann es zu Rissen in Muskeln und den Haltebändern kommen, was empfindlich schmerzt. Extrem schmerzhaft sind auch alle Zustände, bei denen Nerven unter Druck geraten oder abgeklemmt werden. Sie melden sich erst mit Nackenschmerzen und Kribbeln, im schlimmsten Fall folgen Taubheitsgefühle und Lähmungen. Wenn schnell gehandelt wird, wird der Nerv aber nicht dauerhaft geschädigt.

So altert Ihr Nacken

Mit zunehmendem Alter drohen dauerhafte Schäden im Nacken: Meist spricht man von „Abnutzungserscheinungen“. Nicht immer kann der Körper regenerieren. Das Knorpelgewebe und die Bandscheiben werden nur einmal im Leben gebildet. Knorpel reiben ab und die Bandscheiben verlieren an Elastizität. Zu allem Überfluss sinkt im Alter die Regenerationsleistung. Es fehlen nämlich „anabole“ (aufbauende) Hormone, insbesondere Östrogen und Testosteron. Sie sind nicht nur für die Sexualität zuständig, sondern auch für starke Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder. Im Gesicht bekommt man Falten, im Nacken Nackenschmerzen. Fatal auch die höhere Neigung zu anhaltenden Entzündungen, die schwere Gewebsschäden in den Gelenken hinterlassen. Daneben zeigt sich Fehlernährung mit einer schlechten Versorgung an Vitaminen und Mineralstoffen; im Alter stärker als in jüngeren Jahren.

Gut gemeint und schief gelaufen…

Einige Schäden repariert der Körper mit Zubildungen an den Wirbeln, die Wülste und Sporne sind aber häufig nicht funktional und bereiten ihrerseits Probleme, insbesondere durch Druck auf Nerven. Wenn die Bänder und Sehnen verkalken, verlieren Sie ihre Flexibilität. Bei der Knochenentkalkung werden die Wirbel anfällig für Risse. So wird die Halswirbelsäule mit dem Alter weniger flexibel und anfällig für Instabilitäten, Fehlhaltungen und Krampfzustände. Nackenschmerzen sind eine der vielfältigen Folgen.

Formen

Nackenschmerzen teilt man je nach Ursache in Kategorien ein.

  • Krampfschmerzen
  • Abnutzungschäden
  • Unfallfolgen
  • Chronische Schmerzstörungen
  • Entzündungsschmerzen
  • Psychische Auslöser
  • Übertragungsschmerzen

Wenn ein anderes Organ erkrankt ist, übertragen sich die Schmerzen mitunter auf andere Körperteile (sog. „Übertragener Schmerz“, Head’sche Zonen). Nacken und Schulter sind beispielsweise Orte, die selten sogar einen Herzinfarkt anzeigen können. Auch Lungenerkrankungen, Infektionen, Erkrankungen andere innerer Organe und Tumore uvm. melden sich so, auch Infektionen wie Abszesse und Zahnherde.

Häufigkeit

Nackenschmerzen? Sie sind kein Einzelfall…

Nackenprobleme gehören nach den Rückenschmerzen nicht nur zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates, sondern sogar zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Arztpraxis. Etwa 9-22 % der Bevölkerung leiden darunter. Im Laufe eines Lebens machen etwa 33 % der Menschen Bekanntschaft mit dem Symptom. Aber nur bei 5-10 % entwickeln sich chronische Schmerzen.

Ursache

Nackenschmerzen haben ganz unterschiedliche Auslöser. Zur Festlegung der geeigneten Therapie ist die Analyse der Situation gefragt. Finden Sie Ihren wunden Punkt:

Bild 1: Überbelastung

Ganz manifeste Auslöser sind körperliche Arbeitsbelastungen wie Heben schwerer Lasten und Erschütterungen. Besonders problematisch sind einseitige Arbeitsbewegungen und erzwungene Haltungspositionen (wie etwa starkes Beugen im Nacken). Beispielsweise Malerarbeiten an der Decke zählen zu den sehr problematischen Bewegungsmustern bei Nackenschmerzen.

Bild 2: Monotonie

Aber nicht nur die Überlastung ist eine Ursache, auch Bewegungsstarre. Im Einerlei der Bewegungslosigkeit verlernen die Muskeln das Spiel von Spannung und Entspannung. Hartnäckige Nackenschmerzen können folgen. Auch Haltungsschäden nehmen zu. Der Köper vergisst die „natürliche“ Haltung und die Muskeln bauen ab. Nach langen Jahren kann der Muskel die richtige Position nicht mehr halten und auch das Skelett verändert sich.

Bild 3: Kummer und Stress

Schnell schlagen sich psychische Beschwerden auf die Muskulatur des Nackens. Haben Sie es schon mal an sich beobachtet? Wenn man einen Schlag erwartet, zieht man automatisch den Kopf zwischen die Schultern. Dabei reagieren die Muskeln nicht nur auf einen angedeuteten Schlag, auch ganz unsichtbare Stressoren wie etwa Termindruck, hohe Anforderungen und mangelnder Zuspruch wirken sich aus. Dann stellen sich schnell Spannungskopfschmerzen oder Nackenschmerzen ein.

Bild 4: Zugluft

Natürlich, ein Cabriolet oder ein Motorrad können cool sein … wenn der Nacken keinen Zug bekommt. Die Kälte kühlt die Muskeln aus und führt zu Störungen des Muskelspiels. Das äußert sich dann am nächsten Tag mit einem steifen Hals und Nackenschmerzen. Da heißt es warm halten und das nächste Mal Vorkehrungen treffen.

Bild 5: Schleudertrauma (HWS-Distorsion) und Verletzung

Gebräuchlich sind auch die Begriffe Beschleunigungstrauma oder Peitschenschlagtrauma. Bei schnellen Abbremsbewegungen ist die Halswirbelsäule erheblichen Belastungen ausgesetzt: Der schwere Kopf bewegt sich ganz schnell nach vorne und hinten. Dabei überbiegt die Wirbelsäule. Das verursacht Verletzungen an Muskeln und Bändern, selten der Halswirbelsäule. Bis diese HWS-Distorsion heilt, muss man lange mit den Nackenschmerzen zu Recht kommen.

Bild 6: Verschleiß

Der Zahn der Zeit, irgendwann schlägt er zu. Nicht nur im Gesicht bekommen wir Falten, auch das Skelett altert. Dann kommt es auch im Nackenbereich zu Abnutzungserscheinungen. Das betrifft nicht nur die Bandscheiben im Hals, auch Wirbelkörper, Sehnen. Bänder und Bandscheiben werden alt. Daneben sinkt die Regenerationsleistung. Auch die Knochenentkalkung (Osteoporose) macht vor dem Nacken nicht halt. Bei Nackenschmerzen ist oft das „Alter“ die eigentliche Ursache.

Bild 7: Entzündungen

Genauso wie rheumatische Entzündungen von Händen und Füßen entstehen, kann der Entzündungsherd auch in den Wirbelgelenken liegen. Charakteristisch sind die „Anlaufschmerzen“ nach Ruhephasen.

Bild 8: Infektion

Infektionen im Kopf-Bereich können auch in den Nacken ausstrahlen. Und wer bei einer Grippe neben Kopf-und Gliederschmerzen auch Nackenschmerzen spürt, wird sich wohl kaum wundern. Problematisch wird es bei einer Hirnhautentzündung, auch hier verkrampft die Nackenmuskulatur und wird steif, begleitend zu den starken Kopfschmerzen und häufigem Erbrechen. Ohne Arzt kann das lebensgefährlich werden.

Bild 9: Schiefhals und Wirbelsäulenverkrümmung

Hier ziehen die Muskeln den Nacken in eine schiefe Position. Das kann angeboren sein oder durch eine Störung passieren, wie etwa durch eine Fehlbeanspruchung oder massive Schmerzen. Auch eine Fehlsichtigkeit oder einseitige Schwerhörigkeit kompensieren die Nerven mit einem schiefen Hals. Wann wurden Ihre Augen zum letzten Mal überprüft? Nackenschmerz kann ein Grund für eine umfangreiche Inventur sein.

Bild 10: Gewebeneubildung

Ein gut- oder bösartiger Tumor im Gewebe engt mitunter Nerven ein und löst Beschwerden im Nacken aus. Daneben reagiert der Körper manchmal auf Abnutzung und Fehlhaltung mit Knochenumbau, Wülsten oder Sporne. Sie sind meist wenig funktional und bereiten Schmerzen, je nach Lage auch im Nacken.

Meist treffen bei Nackenschmerzen eine oder mehrere der vorgenannten Kategorien zu.

Prävention

Faustregel: Aufrecht und dynamisch

Genau wie für die Therapie gilt für die Vorbeugung von Nackenschmerzen: Eine Übung allein ist wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Was zählt ist der tägliche Lebensstil.

Die Evolution hat dazu geführt, dass der Kopf auf einer beweglichen Wirbelsäule balanciert wird. Danach müssen wir uns richten. Knien oder Überkopfarbeiten mag der Körper genauso wenig wie starre Anspannung.

  1. Achten Sie auf einen rückenfreundlichen Arbeitsplatz. Der Schreibtisch, Stuhl und Bildschirm sollten optimal aufeinander abgestimmt werden. Für körperlich arbeitende Menschen gilt: Optimieren Sie mit Ihrem Arbeitgeber die Arbeitsschritte. Sorgen Sie für Pausen, Ausgleichsgymnastik und Ablösung, dann bessern sich nicht nur die Nackenschmerzen sondern womöglich auch das Betriebsklima.
  2. Bleiben Sie in Bewegung: Monotonie schadet dem Nacken. Ändern Sie daher die Sitzpositionen oder besorgen sich einen Schreibtischstuhl, dessen Sitzfläche kippt. Die Wirbelsäure reagiert darauf. Auch ein Steharbeitsplatz, ein Sitzball und andere Abwechslungen können als Ergänzung sinnvoll sein.
  3. Gesundes Zusammenspiel erhalten: Muskeln brauchen tägliche körperliche Aktivität und Ausgleichssport. Das Muskelspiel aus Anspannung und Entspannung muss ständig trainiert werden, sonst „rosten“ die Elemente des Bewegungsapparates praktisch ein. Jeder Muskel hat einen Gegenspieler. Was passiert, wenn der Gegenspieler verkümmert, kann man sich leicht vorstellen.
  4. Tägliche Psychohygiene: Körperpflege ist selbstverständlich, aber pflegen Sie auch Ihre Seele? Nur dann haben Dauerstress und Ärger keine Chance. Da heißt es schon mal, nach Hilfe zu fragen oder Ungerechtigkeiten anzusprechen. Absolvieren Sie aktiv ein Entspannungsprogramm! Ändern Sie etwas!

Verlauf und Komplikationen

Nur manchmal kann der Patient einen eindeutigen Startpunkt der Beschwerden nennen, in der Regel entwickeln sich Nackenschmerzen langsam und über einen langen Zeitraum. Manchmal verschwinden sie so heimlich wie sie gekommen sind. Leider ist das nicht immer der Fall, etwa bei jedem zweiten werden die Beschwerden chronisch, dann dauern sie länger als zwölf Wochen am Stück oder sie kommen nach einer kurzen Besserung zurück.

Einige Faktoren wirken sich ungünstig auf den Verlauf aus:

  • Hohes Alter, schlechte Haltung, Übergewicht und Bewegungsarmut sind die typischen Risikofaktoren für chronische Nackenschmerzen.
  • Selten ist Schmerz so schlimm, wie wenn Angst und Depression mitspielen. Patienten, die an die Kräfte der Selbstheilung glauben und positiv in die Zukunft sehen, haben eindeutig die besseren Heilungschancen.
  • Ein hoher Schmerzpegel oder schon mal durchgemachte Episoden mit Nackenschmerzen sind Faktoren, welche sich besonders ungünstig auf die Prognose auswirken.
  • Manifeste Schäden können, aber müssen nicht zu dauerhaften Beschwerden beitragen.
Insgesamt können über 90 % der Betroffenen lernen, mit dem Symptom umzugehen, schwere Behinderungen erleiden die wenigsten.

Komplikationen

Wenn man durch die Schmerzhaltung gewisse Muskeln nicht bewegt, bauen sie ab und stehen schlichtweg nicht mehr zur Verfügung. Das führt zu dauerhaften Haltungsschäden und Überlastungen in anderen Teilen des Bewegungsapparates. Ein „steifer Nacken“ stellt sich schnell ein. Das behindert im Alltag (wie dem Straßenverkehr) und verursacht Unfälle.

Schwere degenerative Schäden der Halswirbelsäule lösen dauerhafte Beschwerden aus. Der Körper kann diese Schäden nicht heilen, nur kompensieren. Auch rheumatische Erkrankungen der Wirbelsäule schädigen die Strukturen und sind nicht leicht zu behandeln. Immer dann, wenn die Nerven eingeengt werden, wird die Situation kritisch. Das muss häufig operativ beseitigt werden. Aber auch Operationen sind keine Garantie für Schmerzfreiheit, so zieht sich der Genesungsprozess oft über Jahre hin. Auch verschiebt sich das Problem häufig lediglich auf einen anderen Bereich. Es ist zu erwarten, dass die Krankenkassen die Erstattungspraxis bei Operationen wesentlich strikter handhaben werden. Bei der Indikation Nackenschmerz sollte man vor einer OP im Zweifelsfall eine weitere Meinung einholen.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen