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Die Erkrankung verstehen: Neurodermitis

Gestörtes Hautbild

Trockene und juckende Haut ist das Hauptmerkmal für Neurodermitis. Bei Säuglingen ist die Erscheinung besonders häufig, man spricht dann von Milchschorf. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, das atopische Ekzem ist nicht ansteckend, sofern gerade keine Infektion vorliegt. Aber selbst da sind Unbetroffene weit besser geschützt. So ist es eher umgekehrt, dass Neurodermitiker Ansteckung von Hautkeimen der Gesunden fürchten müssen.

Definition

Das steckt dahinter

Schon lange hat man spekuliert, wodurch die Erkrankung ausgelöst wird. Zunächst dachte man an ein Nervenleiden, die Beschwerden werden schließlich unter Stress schlimmer. Das hat auch den alten Namen „Neurodermitis“ geprägt. Das Synonym "Endogenes Ekzem" weist daraufhin, dass die Erkrankung offensichtlich "von innen" zu kommen scheint, also im menschlichen Körper selbst entsteht. Die Medizin favorisiert heute die Bezeichnung "Atopische Dermatitis", was wörtlich übersetzt „ortlose Hautentzündung“ heißt. Es reicht nämlich ein Reiz oder Anstoß, um die Rötung irgendwo auf der Haut erscheinen zu lassen. Dann besteht sie eine ganze Weile fort, auch ohne Irritation von außen.

Ungeregelte Entzündung

Heute weiß man, dass eine Überreaktion des Immunsystems wesentlich beteiligt ist und auch der Zusammenhang mit Allergien wird immer deutlicher. Während es bei einem Kontaktekzem eben nur an der Berührungsstelle zu einer Hautreaktion kommt, kann die atopische Dermatitis irgendwo am Körper entstehen, egal, ob das Allergen ein Kontaktstoff, Nahrungsmittel oder Schwebstoff ist (Milbe oder Pollen). Die Erkrankung tritt bei sehr vielen Patienten in Kombination mit verschiedenen anderen allergischen Reaktionen auf (Heuschnupfen oder allergischem Asthma). Auf diesen Aspekt – „Allergieentstehung und überschießende Immunantwort“ – konzentrieren sich daher eine Reihe von Forschungsarbeiten, hier sind in Zukunft neue Lösungen zu erwarten.

Häufigkeit

Neurodermitis ist zu einer der häufigsten Hauterkrankungen in Deutschland geworden - es gibt mehr als 3 Millionen Erkrankte. Etwa 20 % der Kinder und 1 bis 3 % der Erwachsenen sind dafür anfällig, was nicht heißt, dass die Betroffenen immer krank sind. Tritt die Erkrankung zum Beispiel in der Kindheit auf, bestehen gute Chancen, dass sie im Laufe des Lebens wieder verschwindet.

Nach statistischen Untersuchungen nimmt die Krankheit weiter zu, jedoch wurde bisher nicht geklärt, ob diese Dermatitisform tatsächlich häufiger wird, oder ob Ärzte und Bevölkerung inzwischen sensibilisiert sind.

Ursachen

Neurodermitis ist ein komplexes Krankheitsbild, noch heute kann man keine einfache Ursache ausmachen. Die neuen Untersuchungen lassen immer klarer erkennen, dass es sich hier um mehrere Faktoren handelt.

Genetische Untersuchungen an 50 000 Menschen haben gezeigt, dass bei Neurodermitikern immer wieder bestimmte Gene von Mutationen betroffen sind. Sie regulieren

  • die „Reifung“ der neu gebildeten Haut („Filaggrinmutationen“)
  • die Durchlässigkeit der Haut (30 % der Patienten)
  • das Feuchthalten/Fetten der Haut (Defekt in der δ-6-Desaturase-Defekt)
  • die Produktion entzündlicher Botenstoffe.

Damit wird sowohl die Hautbarriere als auch die Darmdurchlässigkeit gestört. Begünstigt wird das Eindringen von Allergenen/Krankheitserreger in Haut, Lunge und Darm sowie die Entwicklung einer überschießenden Immunantwort.

  • Die Entgleisung der Botenstoffe führt mitunter dazu, dass auf der Haut gegen ganz alltägliche Stoffe aus der Nahrung oder Mikroorganismen Antikörper produziert werden, obwohl eigentlich eine Toleranz bestehen müsste. Im Extremfall kann es auch zu einem Angriff gegen körpereigene Proteine kommen (Autoimmunkrankheit).
  • Direkte Folge sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien. Dabei können Allergien vom Soforttyp oder vom Spättyp auftreten, die erst Stunden oder sogar 2-3 Tage später zu allergischen Symptomen wie Dermatitis führen. Allergien bei kleinen Kindern sind häufig gegen Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Weizen, Fisch oder Nüsse (häufigste Auslöser in 90 % der Fälle). Interessant ist, dass in vielen Fällen die Unverträglichkeit später wieder verschwinden kann. Bei Erwachsenen mit Neurodermitis herrschen Allergien gegen Birkenpollen, Haselnuss, Karotte, Sellerie, Apfel vor.
  • Die Allergien beim atopischen Ekzem sind nicht auf Nahrungsmittel beschränkt, auch Heuschnupfen gegen Gräserpollen, Hausstaubmilben, Frühblüherpollen kann sich einstellen. Allergien und Entzündungen lösen in heftigen Fällen Asthma aus.
  • In der Haut ist bei Neurodermitis die Neigung zu Entzündungen durch die aktivierten Entzündungswege sehr hoch. Der erstbeste negative Reiz bringt diese angespannte Situation zum Kippen. Und auch das Abklingen der Entzündung ist ein langwieriger Prozess. Die „Reize“ erscheinen vergleichsweise harmlos. Dazu zählen zum Beispiel Schadstoffe: Rauchen oder Abgase, Staub, Lösungsmittel oder Chemikalien im Beruf.
  • Die geschädigte Haut ist anfällig für Bakterien, Pilze und Viren. Infektionen irritieren die Haut zusätzlich.
  • Stress wirkt sehr stark auf das Immunsystem ein, vier verschiedene Wege kennt man bereits. Das Krankheitsbild wird durch psychische Faktoren stark beeinflusst.

Prävention

Pflegen - jeden Tag

Wichtigste Maßnahme bei Ekzemneigung ist die konsequente Hautpflege. Bei der Wahl des Präparates muss man aber genau hinsehen: Entscheidend ist das augenblickliche Hautbild nach folgenderFaustregel:

  • Nässende, rote, akut entzündete Formen behandelt man eher mit wasserhaltigen Präparaten (Gele, Lotionen oder Cremes) oder wässrig-alkoholischen, gerbstoffhaltigen Auszüge (Phytotherapie). Die Regel „Nass auf nass“ lässt sich leicht merken. Man kann auch eine Creme auftragen und darauf einen nassen, kühlen Umschlag legen. Auf keinen Fall darf man die Stelle luftdicht abdecken.
  • Wichtig ist auch, bei heiß-entzündlichen Formen Fett zu meiden. Es behindert die Hautkühlung über die Verdunstung.
  • Trockene Stellen werden mit fettenden Produkten gepflegt.
  • Krusten bekommen eine Intervalltherapie - mal nass mal fett.
  • Gesunde Haut kann man mit Cremes (wässrig/fettige Anteile) erhalten.

Den Fett-/Wassergehalt im Präparat erkennt man an der Präparatbezeichnung:

Hydrogele (kein Fett) > Lotionen > Cremes > Cremesalben > Salben > Fettsalben und Öle (nur fettende Bestandteile)

Die Pflegeprodukte für Hautekzeme sollten einen leicht sauren pH haben, Zusätze mit Harnstoffen und Glycerin erleichtern, bei der Basispflege der trockenen Haut, das Wasser besser zu halten. Achtung: Bei wässernden Formen brennt Harnstoff, häufig auch auf empfindlicher Kinderhaut.

Vorsichtig reinigen:

  • Vorsicht ist geraten bei zu aggressiven Seifen und Waschmitteln. Sicherer sind nicht schäumende Mittel mit leicht saurem pH.
  • Auch Duftstoffe können Probleme bereiten. Die Trägerstoffe in den Produkten sind in manchen Fällen reizend, da heißt es ausprobieren und verträgliche Inhaltsstoffe merken. Relativ unproblematisch sind Pflegeprodukte der Naturkosmetik (EU-Qualitätsnorm).
  • Nasse Haut sollte man zum Trocknen nicht abreiben sondern abtupfen.

Gleich nach dem Waschen trägt man auf die noch feuchte (gesunde) Haut fetthaltige Pflege auf.

Reize konsequent meiden

Wichtigstes Standbein während der Therapie von Ekzemen ist neben der Hautpflege das Vermeiden auslösender Faktoren, besonders bei Patienten mit allergischer Anlage. Dies setzt die Meidung häufiger Allergene voraus. Wichtig ist die Schaffung einer entsprechenden allergenarmen Umgebung (Hausstaubmilben, pelzige Haustiere, insbesondere Katzen und Nager, Schimmelpilze) und Vermeidung von Putzmitteln und Schadstoffen am Arbeitsplatz. So sollte beispielsweise auf das Rauchen in der Wohnung und im Auto verzichtet werden.

Prävention in „Kinderschuhen“

Bei allergischen Eltern beginnt die Prävention idealerweise bereits in der Schwangerschaft. Die Expertengruppe der S3-Leitliniengruppe „Allergieprävention“ hat für Schwangere und Kleinkinder einige Empfehlungen herausgegeben:

  • Wenn möglich sollten die Säuglinge gestillt werden, das betrifft insbesondere Kinder aus Risikofamilien.
  • Die Beikost soll nicht vor Ende des 4. Lebensmonats eingeführt werden.
  • Wenn das nicht möglich ist, empfiehlt sich eine „allergenarme Ernährung“ bis zum 4. Lebensmonat. Hydrolysierte Säuglingsnahrungen enthalten keine „Allergene“ mehr, nur noch Bruchstücke davon. Verfügbar ist hydrolysierte Säuglingsnahrung auf Kuhmilch- oder Molkebasis. Sojabasierte Nahrung wird nicht empfohlen.
  • Schwangere und Stillende sollten regelmäßig Fisch verzehren. Auch bei Einführung der Beikost bei Säuglingen ist Fisch sinnvoll. Er enthält Omega-3-Fettsäuren, welche nach Studien die Allergie- und Neurodermitisentwicklung des Kindes nach der Geburt bis zum 1. Lebensjahr deutlich vermindert.
  • Bei Säuglingen mit hohem Risiko oder Ekzem-Erkrankung hat es sich bewährt, ein Tagebuch über die Nahrung und die Symptome zu führen.
  • Die Hautpflege der Säuglinge sollte gewissenhaft verfolgt werden. Wesentlich ist das tägliche Eincremen.
  • Zigarettenrauch sollte schon während der Schwangerschaft gemieden werden.
  • Feuchtes, schimmelbelastetes Innenraumklima und Innenraumschadstoffe (wie Formaldehyd und Lösungsmittel aus Farben) und Autoabgase sind nicht zuträglich.

Immunsystem: herausfordern oder nicht?

Untersuchungen zeigen, dass Kinder auf bewirtschafteten Bauernhöfen von Allergien weniger belastet sind. Man folgert daraus, dass eine Beschäftigung des Immunsystems mit „Dreck“, Keimen/Infektionen, Parasiten (Würmer) wesentlich zur Vermeidung von Allergien und Neurodermitis beiträgt. Aber so einfach sind die Verhältnisse hier nicht. Neuere Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass viele betroffene Personen Mutationen in Genen für den Hautstoffwechsel tragen. Umweltstoffe dringen so leicht durch die geschwächte Haut, Schleimhaut und Lunge ein. Das führt dann vermehrt zu Allergien.

Fazit:

  • Alle „gesunden“ Menschen (ohne erblich bedingte Allergieneigung) schützt offensichtlich der Kontakt mit Tieren und Keimen vor Allergien.
  • Felltragende Haustiere (vor allem Katzen) sind für Neurodermitiker und Personen der Hochrisikogruppe – insbesondere Säuglinge - nicht geeignet. Ausnahme: Eine Haltung von Hunden ist vermutlich ungefährlich.
  • Allgemeingültige Empfehlungen ohne Blick auf die Neigung sind hier schwierig.

Verlauf und Komplikationen

Verlauf

Typisch für Neurodermitis ist ein wechselhaftes Bild. Krankheitsschübe unterschiedlicher Dauer und Schwere folgen aufeinander.

  • Die kindliche Form der Dermatitis verschwindet häufig im Verlauf der Kindheit. Bis in das Alter um die 30 Jahre werden Spontanheilungen beobachtet. Bei ausgeprägtem Wechsel des Körpermilieus (wie bei einer Schwangerschaft, Infektionen oder Lebensstiländerungen) können überraschende, zum Teil auch dauerhafte, Änderungen in der Krankheitsausprägung vorkommen. Das heißt, das Ekzem kann abheilen, sich verschlimmern, den Ort wechseln oder in anderer Form in Erscheinung treten.
  • Generell wird beobachtet, dass mit zunehmendem Alter die Intensität des Ekzems abnimmt, weil auch der allgemeine Aktivierungslevel des Immunsystems nachlässt.

Komplikationen

Besonders gefährlich beim Ekzem sind Sekundärinfektionen mit Krankheitserregern, denn die Haut hat bei Vorschädigung nur wenig entgegenzusetzen.

  • Bakterienwachstum kann zur Bildung von Pusteln, starkem Nässen und gelblichen Krustenauflagerungen führen (Impetiginisierung). Im Verlauf reagiert der Körper unter Umständen mit Fieber und Lymphknotenschwellung. Bei Neurodermitikern treten häufig (teilweise multiresistente) Staphylokokken auf (S. aureus, MRSA).
  • Virale Sekundärinfektionen der vorgeschädigten Haut durch das Herpes-Simplex Virus (HSV-1) breiten sich manchmal zu großflächigen Hautveränderungen aus, meist begleitet mit hohem Fieber und Lymphknotenschwellung (Eczema herpeticatum).
  • Ähnliches gilt für Pilzinfektionen.
  • Wenn der Körper durch die Infektion überfordert ist, folgt eine generalisierte Entzündungsreaktion, man bezeichnet das auch als Sepsis. Dann muss man schnell eingreifen, damit die Infektion nicht tödlich endet.

Zu typischen Komplikationen zählen auch

  • Augenerkrankungen (Glaukom, Keratokonus, Netzhautablösung),
  • kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata),
  • Minderwuchs (u.a. durch Fehl- oder Mangelernährung).

Formen

Die Ausprägung von Neurodermitis ist zum Glück meist gering, bei 84 % der betroffenen Kinder ist die Stärke moderat, nur in 2 % der Fälle liegen schwerwiegende Symptome vor.

Auch das Erscheinungsbild variiert: Es gibt:

  • trockene Verlaufsformen mit Schuppung oder
  • nässende Hautstellen, die so genannte Prurigo-Form. Kennzeichen sind stark juckende Knötchen, auf deren Spitze Bläschen mit wässrigem Inhalt sitzen.

Oft liegen die Bläschen an den Streckseiten und seitlichen Flächen der Finger, auf der Handinnenseite und am Fuß. Diese Minimalform der Neurodermitis heißt „dyshidrotisches Ekzem“. Früher nahm man an, es handle sich um eine Schweißdrüsenstörung.

Je nach Erscheinungsort unterscheidet man einige Sonderformen des Ekzems:

  • Entzündungen der Lippen (Cheilitis),
  • Risse in den Mundwinkel (Perlèche),
  • am Ansatz der Ohrläppchen (Rhagaden),
  • Ekzeme der Brustwarzen oder
  • schuppende Rötung und Einrisse im Bereich der Finger- und/oder Zehenkuppen (Pulpitis sicca).

Quellen/Weitere Informationen

Quellen