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Die Erkrankung verstehen: Prostatavergrößerung

Wissenswertes zur Prostatavergrößerung

Was haben Hamster und Mensch gemeinsam?

Obwohl alle Säugetiere eine Prostata haben, bekommen nur ganz wenige Arten Probleme damit. Menschen und Hamster zählen nun mal dazu. Bevor Sie in Ihr alltägliches Hamsterrad zurückkehren, informieren Sie sich hier über die Hintergründe einer vergrößerten Prostata.

Definition

Das steckt dahinter

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein Drüsenorgan unterhalb der Harnblase, welches einen Teil der Samenflüssigkeit bildet. Sie hat etwa die Größe und Form einer Kastanie und umschließt die Harnröhre. Reguliert wird sie vorwiegend über die Hormone Testosteron, Dihydro-Testosteron und Östradiol.

Was passiert?

Im höheren Alter kommt es bei Männern häufig zu einer Vergrößerung, die zwar zumeist gutartig ist, d. h. es besteht kein direkter Zusammenhang zu Prostatakrebs, jedoch verursacht diese Vergrößerung durch die genannte anatomische Lage Probleme beim Wasserlassen (Symptome). Der Strahl verliert an Stärke und endet mit längerem Nachtröpfeln. Schlicht und ergreifend dauert das Wasserlassen länger als in jungen Jahren. Mit zunehmender Größe kommt auch die Blase in Bedrängnis, sie fasst dann weniger Urin.

Die Schwachstelle beim starken Geschlecht …

Zu den häufigsten Erkrankungen der Männer gehört neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch die Vergrößerung der Prostata. Das ist nicht zwangsläufig mit Symptomen verbunden, die Wahrscheinlichkeit dafür steigt aber mit dem Lebensalter. Die Größenzunahme der Drüse gehört in gewisser Weise zum „natürlichen“ Altersprozess dazu. Nur Kastraten bekommen die Krankheit nicht, aufgrund der ausbleibenden Hormonbildung. Wer seine männliche Kraft auslebt – körperlich arbeitet oder Sport treibt – hat einen gewissen Schutz, ein inaktiver Lebensstil nämlich verschlimmert die Problematik.

Mehr Informationen finden Sie unter Ursachen.

Häufigkeit

Die benigne Prostatahyperplasie ist eine Volkskrankheit. Ab dem 40. Lebensjahr steigt die Häufigkeit steil an: Etwa die Hälfte aller Männer über 50 Jahren ist betroffen, bei den 60-Jährigen sind es bereits 70 %. Nicht jeder leidet zwangsläufig unter Beschwerden beim Wasserlassen (Miktionsbeschwerden).

Welche Stadien können unterschieden werden?

Je nach der Schwere der Beeinträchtigung unterscheidet man 3 verschiedene Formen:

Stadium I

Der Patient erfährt Beschwerden beim Wasserlassen. Typischerweise verschiebt sich der Beginn des Wasserlassens („Startschwierigkeiten“), der Harnstrahl ist vermindert und es kommt zum Tröpfeln am Ende. Die Blase kann sich aber vollständig entleeren.

Stadium II:
Es entsteht das Gefühl, mehrfach hintereinander Wasser lassen zu müssen. Häufig ist nächtliches Wasserlassen (Nykturie) notwendig bzw. passiert häufiger als früher. Es bildet sich Restharn (über 60 ml bis 100 ml) und der Harndrang nach dem Urinieren nimmt nicht ab.

Stadium III:
Die Harnblase kann sich nicht mehr entleeren und ist ständig gefüllt. Dadurch kommt es zu unkontrolliertem Überlaufen und Inkontinenz („Überlaufblase“, „Überlaufinkontinenz“). Außerdem staut sich der Urin bis zur Niere (Stauungsniere). Der Harnverhalt oder die Harnsperre führt zu großen Schmerzen. Durch die flächendeckende medizinische Versorgung in Deutschland ist dieses Stadium selten.

Ursachen

Die Vergrößerung der Prostata entsteht durch eine Zunahme der Zellen (Hyperplasie) und eine teilweise Vergrößerung der Zellen (Hypertrophie). Offensichtlich wirken hier mehrere Faktoren ursächlich zusammen. Hormone spielen dabei als Ursache eine wichtige Rolle.

Dihydrotestosteron-Hypothese

Die Testosteronsynthese beim Mann erfolgt in den Hodenzwischenzellen. Bei Prostatahyperplasie wird das Hormon Testosteron durch das Enzym 5-alpha-Reduktase vermehrt in das besonders wirksame Dihydrotestosteron ungewandelt. Es löst eine Wucherung des Drüsengewebes aus.

Östrogen - Hypothese

Im Alter führt das zunehmende Fettgewebe zu einer vermehrten Östrogenbildung. Fett in der Leber hemmt zusätzlich noch den Östrogenabbau. Das hormonelle Gleichgewicht verändert sich so zugunsten der weiblichen Östrogene. Dieses Hormon regt die Zellen in der Drüse zum Wachstum an und bewirkt, dass die Zellen länger leben.

Übergewicht

Daneben werden noch zahlreiche weitere Hormone verantwortlich gemacht. Bei Übergewichtigen mit metabolischem Syndrom ist der Insulinüberschuss (Hyperinsulinämie) und das Cholesterin (Hypercholesterinämie) Ursache für eine vermehrte Zellteilung in der Prostata.

Entzündung

Viele andere Prozesse spielen in die Entstehung mit hinein. Diskutiert werden augenblicklich auch entzündliche Vorgänge (Prostatisis), die zu einer Zunahme des Drüsengewebes führen.

Vater, Sohn und Bruder

Die genetische Veranlagung ist unbestritten. So steigt das Risiko, wenn ein Verwandter ersten Grades erkrankt ist. Bei einer erblichen Neigung beginnt das Problem meist in jüngeren Jahren (< 60). Das lässt aber Art und Ausmaß der Beschwerden noch nicht abschätzen.

Prävention

Wirklich spezifische Maßnahmen gibt es leider nicht. Der beste Rat ist:

Bleiben Sie jung!

Selbstverständlich kann man das Altern nicht abstellen, aber einige altersbedingte Veränderungen lassen sich durch Prävention günstig beeinflussen (Anti-Aging). Gesagt ist es einfach – Bewegung und gesunde Ernährung – bei der Umsetzung zählt aber knallhartes Durchhalten. Dabei hat man auch einen Vorteil, wenn man in jungen Jahren sportlich war.

Daneben sollten die Begleiterkrankungen konsequent angegangen werden (Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit).

Bei hohem Risiko kann auch die Gabe vorbeugender Medikamente sinnvoll sein (Schulmedizin).

Verlauf und Komplikationen

Verlauf

Wie schnell die Beschwerden fortschreiten, welche und wann sie auftreten, ist individuell verschieden. Es hängt von der Veranlagung ab (Ursachen) sowie der Lebensführung. Verschiedene Vorerkrankungen wirken beschleunigend (Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit).

Typischerweise schwanken die Beschwerden. Mal geht „es“ besser, mal schlechter, daher wertet man nicht nur einen Tag aus, sondern etwa vier Wochen. Um den Verlauf zu beurteilen, muss dieser Test immer wieder durchgeführt werden.

Komplikationen

Wird die Krankheit schlecht behandelt, droht eine unkontrollierte Zunahme der Symptomatik sowie weitere Komplikationen. Die Probleme beim Wasserlassen werden schlimmer:

  • Es kann kein Harn abgeben werden: Harnverhalt.
  • Der Harn geht ungewollt ab: Inkontinenz.
  • Mitunter breiten sich Infektionen aus: Harnwegsinfekte.

Bei Schmerzen, insbesondere beim Wasserlassen und Ejakulieren, könnte zusätzlich eine Entzündung der Prostata vorliegen (Prostatitis).

Es treten (ab dem Stadium II) vermehrt Harnwegsentzündungen durch Restharn auf sowie Blasensteine (Struvitsteine). Eine Stauungsniere im Stadium III und die Infektionen können zum Nierenversagen führen. Ebenso entstehen unter Umständen Blutungen.

Lebensgefährlich ist die Komplikation durch eine Blutvergiftung (Urosepsis) aufgrund einer Harnwegsinfektion, die besonders bei Männern über 60 Jahren mit schlechterem Allgemein- und Infektabwehrzustand vorkommt. Sie muss rasch intensivmedizinisch behandelt werden.

In sehr seltenen Fällen entwickelt sich Prostatakrebs. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 65.000 Männer an dieser Krebsform.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen