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Die Erkrankung verstehen: Psoriasis (Schuppenflechte)

Psoriasis: ein Leben mit Schuppen

Psoriasis vulgaris ist in der Regel keine lebensbedrohliche Erkrankung, beeinträchtigt aber die Lebensqualität oft erheblich. Gerade bei jungen Menschen ist dieses auffällige Hautleiden ein Problem. So wird ein Besuch im Schwimmbad eine echte Herausforderung. Besonders die Ausgrenzung durch Mitmenschen ist psychisch zu bewältigen. Sie fürchten meist eine ansteckende Hauterkrankung. Dabei sind die roten Flecken nachweislich nicht ansteckend. Aber die ständigen Rechtfertigungen nerven die Betroffenen.

Definition

Das steckt dahinter

Schuppenflechte (= Psoriasis) ist eine meist chronische Erkrankung der Haut. An den befallenen Hautbereichen bilden sich rote Flecken, die wegen einer starken Vermehrung von Hautzellen stark schuppen. Das alleine wäre nur kosmetisch störend, doch die Bereiche sind zusätzlich entzündet und das ohne ersichtlichen äußeren Grund. Psoriasis zählt daher auch zu den immunologischen Systemerkrankungen. In einigen Fällen bleibt die Entzündung auf die Haut beschränkt, in anderen greift sie auf Gelenke, Bänder sowie die angrenzenden Weichteile oder die Augen und die Blutgefäße über. Schuppenflechte betrifft daher ganz umfassen den ganzen Körper und die Psyche.

Was ist die Ursache von Schuppenflechte?

Dabei tappt man leider noch im Dunklen. Bekannt sind einige begünstigende Faktoren (Ursachen). Ganz gewiss spielt eine ganze Armada an Botenstoffen eine Rolle. Sie regulieren und vernetzen Nerven, das Immunsystem und die Gefäße. So spielen die Nerven über ihre „Neuropeptide“ ganz klar eine Rolle bei Entzündung, Schmerz und Juckreiz. Das erklärt, warum die Psyche einen so hohen Einfluss auf die Krankheit nimmt. Daher darf die Therapie auch die Seele nicht vernachlässigen.

Formen

Unterschieden werden nach dem Auftrittszeitpunkt

  • Typ 1 betrifft Kinder oder junge Menschen, mit einer familiären Häufung der Erkrankung. Hier verläuft die Erkrankung oft sehr schwer.
  • Wenn die Erkrankung nach dem 40. Lebensjahr auftritt und keine Verwandten erkrankt sind, liegt Typ 2 vor. Hier ist die Prognose eher positiv. Man vermutet, dass hier überwiegend die Lebensumstände auslösend wirken.

Beim Aussehen unterscheidet man diverse Formen, wie zum Beispiel

  • Psoriasis vulgaris zeigt sich mit scharf begrenzten ovalen oder unregelmäßigen roten Flecken. Sie sind mit dichten, silbrig-weißen Schuppen überzogen. Die Form gehört zu den häufigsten Typen.
  • Selten ist Psoriasis pustulosa, hier bilden sich Bläschen.
  • Psoriasis capitis betrifft die Kopfhaut, erstreckt sich aber auch hinter die Ohren und in den Nacken.
  • Psoriasis palmaris oder plantaris entwickelt sich an Handflächen oder Fußsohlen.

Bezüglich des Auftretens gibt es Formen mit:

  • akuten Schüben (eruptive Variante)
  • und chronisch-stationären (am gleichen Ort bleibenden) Verläufen.

Die Erkrankungsschwere wird nach dem Ausmaß der betroffenen Körperfläche eingeteilt:

  • leicht: unter 10 %
  • mittel: 10-20 %
  • schwer: über 20 % Körperfläche

Häufigkeit

Teure Erkrankung

Psoriasis ist mit 2-3 % eine der häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. In Deutschland leiden 1,6 Millionen Menschen darunter. Die Behandlung ist für die Krankenkasse eine erhebliche Belastung, kostet doch ein stationärer Patient fast 3000-15 000 € im Jahr. Die Erkrankung kann eine Berufsunfähigkeit verursachen oder einen Berufswechsel nötig machen.

Häufig früh gezeichnet

Bei 30 % der Patienten zeigt sich die Erkrankung vor dem 20. Lebensjahr, bei 60-70 % vor dem 40. Lebensjahr (sog. Typ I). Bei der Erkrankung besteht eine erhebliche erbliche Komponente, sie tritt daher familiär gehäuft auf. Bei einem betroffenen Elternteil erkranken die Kinder 5 bis 7-mal häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt. Oft ist der Verlauf hier schwerwiegend. Bei eineiigen Zwillingen leiden mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit beide daran, ein deutliches Zeichen für die hohe erbliche Komponente. Dabei ist sicher nicht ein Gen, sondern eine ganze Reihe von Genorten beteiligt.

Typisch „weiß“

Erstaunlicherweise erkranken dunkelhäutige Menschen aus Afrika oder Australien, Inuit und Indianer äußerst selten an Schuppenflechte.

Ursachen

Wodurch Schuppenflechte entsteht, ist nicht genau geklärt. Sicher ist eine erhebliche erbliche Komponente. Daneben bestehen vermutlich auch eine entzündliche Neigung sowie eine Autoimmunerkrankung. Dabei greift das Immunsystem eigenes Gewebe wie einen infektiösen Keim an. Daraufhin entsteht ein entzündliches Milieu mit Röte, Juckreiz, Brennen und Schwellung.

Begünstigend wirken einige Faktoren der Lebensweise:

  • Rauchen: Mit steigendem Nikotinkonsum besteht ein höheres Risiko. Das Problem dabei: Wer mit dem Rauchen aufhört, muss 20 Jahre weiter leiden, bis der Körper den Fehler verzeiht.
  • 22-32 % der Patienten haben Suchtprobleme oder Auffälligkeiten im Umgang mit Alkohol.
  • Übergewicht (Adipositas), insbesondere bei einer Ernährung reich an tierischen Fetten (mit hohem Gehalt an entzündungsverstärkenden Omega-6-Fettsäuren) ist häufig mit Psoriasis kombiniert.
  • Vielen Psoriasis-Patienten ist die Genvariante HLA-Cw6 gemeinsam, ein bestimmter Rezeptortyp auf weißen Blutzellen. Er hat große Bedeutung für die Identifikation von „Selbst“ (wie Körperbestandteile) und „Fremd“ (wie Bakterien). Der Körper kann also „Feind“ und „Freund“ schlecht unterscheiden.
  • Noch nicht ganz gesichert ist, ob bestimmte Medikamente wie β-Blocker, Lithium oder Antimalariamittel (Chloroquin), das wasserausschwemmende Blutdruckmittel Chlortalidon sowie Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) das Risiko für Psoriasis steigern.
  • Auch Umweltfaktoren, die die Krankheit begünstigen oder verstärken, sind bekannt: Infektionskrankheiten, Stress, Verletzungen, mechanische Beanspruchung, chemische Reizung und Klimafaktoren.

Prävention

Vorbeugen gegen Psoriasis?

Bisher weiß man nicht, warum es zur Erkrankung kommt. Daher tut man sich schwer mit Empfehlungen gegen einen Ausbruch. Bei familiärer Neigung sind wohl konsequente Hautpflege und Ausgeglichenheit die besten Ratschläge.

Vorbeugen bei Psoriasis

Diverse Statistiken liefern Anhaltspunkte, worauf die Erkrankten achten müssen, um Schübe zu meiden:

  • Stress, psychische Belastungen und Angst vor Stigmatisierung sind Faktoren die Psoriasis-Patienten aktiv meistern müssen. Dabei helfen entspannende Verfahren, spirituelle Techniken (Qigong, Yoga, Meditation) oder/und psychotherapeutisch geschulter Fachmann (Psychotherapie, Verhaltenstherapie).
  • Auch die Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung braucht manchmal therapeutische Aufarbeitung. Auch Selbsthilfegruppen bieten vielseitige Unterstützung.
  • Trockene Haut muss konsequent gepflegt werden.
  • Mit einer gesunden Ernährung und einem vernünftigen Körpergewicht können Sie ihren Stoffwechsel positiv stimmen.
  • Stärken Sie - wann immer möglich - Körper und Seele mit Bewegung am Sonnenlicht.
  • Schwitzen regt zwar den Stoffwechsel an, aber danach heißt es pflegen.

Verlauf und Komplikationen

Psoriasis tritt häufig in jungen Jahren auf, aber auch ein Beginn jenseits des 40. Lebensjahres ist möglich, bis ins Alter von 50 oder 60 Jahren. Generell ist der Verlauf leichter, wenn die Erkrankung erst spät auftritt.

Ist Psoriasis heilbar?

Meist verläuft Psoriasis in Schüben, mit beschwerdefreien Intervallen, die Monate bis Jahre andauern. Manche Personen erleben nur einen Psoriasis-Schub, sie bleiben später beschwerdefrei. Leider ist die Hauterkrankung bei 90 % der Patienten chronisch, therapeutisch kann aber fast immer eine Linderung erzielt werden. Eine ursächliche Heilung ist derzeit nicht möglich.

Riskantes Fett

Interessant auch die Beobachtung, dass Psoriasis oft mit der Entwicklung eines Übergewichts erstmals auftritt (nach der „Nurses Health Study II“ aus den USA). Fettgewebe zeigt viele Charakteristika von entzündetem Gewebe. So produziert es aktiv entzündliche Botenstoffe. Daher besteht hier eine erhöhte Tendenz, dass die Entzündung auf andere Organe übergreift, wie eben die Haut, Gelenke oder die Adern. Es entwickeln sich mitunter Arthritis oder Arteriosklerose mit einer Neigung zu Herz-Kreislauferkrankungen.

Komplikationen

Bei 20 bis 30 % der Patienten folgen entzündliche Gelenkerkrankungen (im Mittel nach dem 42. Lebensjahr). Sie treten deutlich nach Beginn der Hauterkrankung auf. Dann sind meist gelenknahe Knochen, Sehnen und Bänder oder die Gelenkkapsel betroffen. Sehr häufig beeinträchtigt die Krankheit auch die Wirbelsäule.

Leider dauert es immer noch 2-6 Jahre, bis die Patienten eine fachkundige Therapie erhalten. Sie kann hier schwere Gelenkschäden deutlich vermindern.

Wer Jahrzehnte unter Psoriasis leidet, ist auch oft von anderen Erkrankungen betroffen. Man bezeichnet sie auch als Komorbiditäten:

  • Diabetes mellitus, Insulinresistenz
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Arteriosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen (wie z. B. Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Myokardinfarkt und Schlaganfall)
  • psychiatrische Erkrankungen (Depressionen und Angststörungen, bipolare Störung, Sucht)
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn)

Wegen der Begleiterkrankungen ist die Lebenserwartung von Psoriasispatienten schätzungsweise aber nur um etwa 3-4 Jahre verkürzt.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen