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Die Erkrankung verstehen: Rheuma

Rheuma betrifft nicht nur die Gelenke

Mit Rheuma meint man umgangssprachlich Gelenkbeschwerden, genau genommen ist Rheuma oder rheumatoide Arthritis (RA) eine entzündliche Erkrankung der Gelenke.

Die Rheumatologie ist heute sogar ein Spezialbereich in der Medizin. Mittlerweile kennt man mehr als 100 verschiedene rheumatische Krankheiten. Meist betreffen sie das Bewegungssystem (Gelenke, Wirbelsäule, Knochen, Muskeln und Sehnen), es können auch die Haut, die inneren Organe oder das Nervensystem beteiligt sein.

Definition

Das steckt dahinter

Seit 1950 ist Rheuma bei uns auf dem Vormarsch. Warum ist das so? Fachleute haben die einzelnen Lebens-Faktoren unter die Lupe genommen und Hypothesen formuliert. So ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Konsum fetter tierischer Lebensmittel kontinuierlich zugenommen hat. Diese Nahrungsmittel transportieren entzündungs-anheizende Stoffe. Ein Blick über unsere Grenzen zeigt, dass bei Völkern, die viel Fisch konsumieren (wie bei den Japanern oder Eskimos), die Rheumarate niedriger ist. Das ergibt Sinn, sagen die Biochemiker: Aus den Omega-3-Fettsäuren stellt der Körper antientzündliche Botenstoffe her. Aber sicher ist das nicht die vollständige Erklärung. Bei den Auslösern für die Autoimmunerkrankung Rheuma sind noch andere Faktoren im Spiel. Wie etwa eine genetische Neigung oder Infektionskrankheiten (Ursachen).

Formen

Rheuma wird je nach der Ursache in folgende Hauptgruppen unterteilt:

  1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen der Gelenke wie Rheumatoide Arthritis (RA) der Wirbelsäulengelenke (Morbus Bechterew), des Bindegewebes und der Blutgefäße (Kollagenosen und Gefäßentzündungen = Vaskulitiden).
  2. Degenerative, primär nicht entzündliche Erkrankungen durch Abnutzung (Arthrose), die in einem späten Krankheitsstadium in eine entzündliche Form übergehen.
  3. Stoffwechselstörungen und dadurch ausgelöste Erkrankungen- z. B. Osteoporose, Gicht oder Diabetes.
  4. Unspezifische Schmerzkrankheiten („Weichteilrheumatismus“) - wie Fibromyalgie.

Häufigkeit

Etwa 1 % der Bevölkerung ist von Rheuma betroffen, Frauen zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Prinzipiell kann die Krankheit in jedem Alter auftreten, am häufigsten ab dem 35. Lebensjahr. Es können jedoch auch Kinder erkranken. Dieses Krankheitsbild nennt man „juvenile rheumatoide Arthritis“.

Ursachen

Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) ist wahrscheinlich eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem ist gegen körpereigene Proteine gerichtet und verursacht eine Entzündung der Gelenke. Der Auslöser ist unbekannt, es gibt Hinweise, dass viele Faktoren beim Krankheitsprozess zusammenwirken. Mit Sicherheit spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle, sowie vorausgehende virale Erkrankungen. Auch Lebensgewohnheiten (z. B. Rauchen) und psychische Faktoren wie Dauerstress mit Daueranspannung der Muskeln und damit Dauerbelastung von Gelenken könnten eine Rolle spielen.

Rheuma ist ein Selbstangriff

Rheuma ist auf alle Fälle ein entzündlicher Prozess und es sind Antikörper nachweisbar, die sich gegen eigene Proteine richten. Es bilden sich große Antikörper-Protein-Komplexe, die sich im Körper, vor allem den Gelenken ablagern. Davon angezogen wandern Immunzellen in das Gelenk. Sie versuchen, die abgelagerten Komplexe durch auflösende Enzyme zu entfernen und greifen dabei auch das Gelenk an. Das führt zu einer Zerstörung der Knorpelsubstanz. Mit der Zeit breitet sich der Herd aus und es droht eine Auflösung des Knochens, der Gelenkkapsel und Bänder. Die Gelenke werden instabil, zusätzlich führen die großen Schmerzen zu Schonhaltungen. Im Extremfall kann dies die Gelenke versteifen.

Auflösen und Wuchern

Die Immunzellen im Gelenk produzieren auch zahlreiche Botenstoffe. Eigentlich dienen diese Botenstoffe dazu, eine Infektion zu bekämpfen. Hier aber wirkt die Reaktion zerstörerisch. Entzündungsprozesse, die von den Gefäßen und der Innenhaut der Gelenke ausgehen, greifen auf das ganze Gelenk über. Die Gelenkinnenhaut wuchert in das Gelenk hinein, so dass die Beweglichkeit eingeschränkt wird.

Rheumaknoten

Besonders schwerwiegend ist das Absterben von Körpergewebe (Nekrose). Um das abgestorbene Gewebe sammeln sich Fresszellen (Makrophagen) und andere Immunzellen. Es bildet sich ein Rheumaknoten. Er kann überall auftreten, auch in der Haut und den Ohren.

Rheuma als Folgekrankheit

Entzündliche Gelenkbeschwerden folgen oft auf andere entzündliche Krankheiten:

  • Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis)
  • Morbus Bechterew (entzündlich-rheumatische Erkrankung vor allem der Wirbelsäule und des Kreuzbeins)
  • Morbus Reiter (postinfektiöse Gelenkserkrankung durch Darm- oder Harnwegsinfektionen mit Bakterien)
  • Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung)
  • Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmerkrankung)
  • Morbus Behçet (Gefäßentzündung unbekannter Ursache)
  • Lupus erythematodes (Autoimmunerkrankungen mit Befall vorwiegend des Bindegewebes und der Blutgefäße)
  • Gefäßentzündung (Vaskulitis)
  • allergische Reaktionen
  • Gicht
  • Bluterkrankheit (Hämophilie)

Prävention

Keine Ursache aber Auslöser

Noch ist die Ursache nicht dingfest gemacht worden, wohl aber weiß man, dass Stress und entzündliche Erkrankungen zum Auslöser werden können.

Auf sich achten

  1. Am besten kann man Rheuma vorbeugen, wenn man auf seinen Körper achtet. Ein naturnahes Leben mit vielen verschieden Reizen stabilisiert die gesamten Regelkreise des Körpers. Damit verhindert man, dass das Gleichgewicht Richtung „Entzündung“ kippt.
  2. Werden Sie zu ihrem Stressmanager. Jede Belastung braucht einen Ausgleich. Finden Sie Ihre persönlichen Ruheinseln. Auch Schlafstörungen und Müdigkeit kann man naturheilkundlich angehen.
  3. Daneben muss man darauf achten, dass jede Entzündung ausheilt, das gilt gerade auch für die Zähne, die Haut und den Darm.
  4. Mit der Ernährung hat man einiges in der Hand, die Balance zwischen entzündlichen und antientzündlichen Stoffen zu halten.
  5. Auch der Darm braucht eine gesunde Besiedelung. Konservierungsstoffe, einseitige Nahrung, Antibiotika und viele Medikamente bringen die Darmflora in Unordnung. Prä- und Probiotika können einiges (nicht alles) richten.

Verlauf und Komplikationen

Die Krankheit beginnt schleichend und ist chronisch. Sie kann individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Der Verlauf ist in der Regel nicht vorherzusehen, jedoch schreitet Rheuma in den ersten sechs Jahren am schnellsten voran.

Typisch ist die Schwellung der Gelenke an Fingergrund- und Fingermittelgelenken. Innerhalb von 10 Jahren verändern sich die Gelenke:

  • Manche Gelenke überstrecken sich, andere werden in Beugefehlhaltung fixiert. Damit wird der Bewegungsapparat deformiert, oft deutlich sichtbar an den Fingern.
  • An der Streckseite der Gelenke wächst häufig ein gummiartiger Knoten (Rheumaknoten)
  • In der Nähe der Gelenke entsteht Osteoporose. Damit verliert der Knochen seine Festigkeit.
  • Knochendefekte entwickeln sich am Rand der Gelenkflächen (so genannte Erosionen).

Die medizinische Behandlung kann die Krankheit oft nur verlangsamen und die Beschwerden lindern.

Komplikationen

Die Rheumaknoten und entzündlichen Gefäßveränderungen breiten sich auch oft in den Eingeweiden aus. Rheumaknoten können schmerzlos oder schmerzhaft sein (z. B. an sehr beanspruchten Körperbereichen).

Beim fortgeschrittenen Rheuma verschlechtert sich die Greiffunktion der Hände, so dass die Personen pflegebedürftig werden. Etwa 10 % der Patienten sind daher schwerbehindert. Im extremen Fall führt Rheuma zu einer Zerstörung der betroffenen Gelenke.

Auf der Unterseite des Handgelenkes läuft ein für die Handbewegung wichtiger Nerv (Nervus medianus). Durch Rheuma kann es zu einer Einengung und Druckschädigung der Nerven kommen (Karpaltunnelsyndrom). Die Folgen sind neben nächtlichen Schmerzen die Gefahr von Lähmungen der Handmuskulatur. Dann kann eine Operation den eingeengten Nerv befreien (so genannte Karpaltunnelspaltung).

Baker-Zyste: Besteht Rheumaaktivität im Kniegelenk, kann es zu einer Aussackung der Gelenkkapsel in der Kniekehle Richtung Unterschenkel kommen. Wird die Zyste zu groß, entstehen Schmerzen sowie eine Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit. In diesem Fall ist ein operativer Eingriff notwendig, wenn die Zyste nicht spontan platzt.

Gefäßentzündung (Vaskulitis) kann eine Begleiterscheinung rheumatischer Erkrankungen sein. Die Entzündung der Gefäße kann praktisch überall zu Störungen der Durchblutung und zu offenen Geschwüren, insbesondere an den Füßen (z. B. Ulcus cruris), führen. Eine Gefäßentzündung (Vaskulitis) muss häufig behandelt werden (Kortison). Von Entzündungen sind auch die Augen betroffen, die Speichel- und Tränendrüsen. Die Folge ist Trockenheit von Mund und Augen.

Es kann eine Bindegewebsvermehrung in der Lunge auftreten (Lungenfibrose) oder auch eine Rippenfellentzündung (Pleuritis). Rheumapatienten sind anfällig für Herzerkrankungen (Perikardergüsse, Peri-Myokarditis), Infektionen, Tumore und Magen-Darm-Blutungen.

Diese Faktoren können die Prognose verschlechtern

  • weiblich, weiß
  • Rheumaknoten vorhanden
  • hohes Alter bei Beginn der Erkrankung
  • Befall von mehr als 20 Gelenken
  • Rauchen
  • hohe Blutentzündungswerte (BSG Blutsenkungsreaktion, Entzündungsanzeichen)
  • hoher RF-Titer (Rheumafaktor, Antikörper gegen Antikörper vom Typ IgG)
  • Einschränkung der Leberfunktion (medikamentöse Behandlung schwierig)
  • Diabetes und andere Nebenerkrankungen

Quellen/Weitere Informationen

Quellen