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Schwitzen: Was ist normal, was ist übermäßiges Schwitzen?

© Robert Kneschke - Fotolia.com

Ständig schweißgebadet?

Schweiß dient vor allem der Wärmeregulation des Organismus. Übermäßiges Schwitzen kann aber auch ein Hinweis auf bisher nicht erkannte Krankheiten oder seelische Probleme sein.

Von: Jörg Pantel

Schwitzen: eigentlich eine normale Reaktion

Heiße Tage bringen die meisten Menschen kräftig ins Schwitzen. Durch mehr als zwei Millionen Drüsen gibt unser Körper Schweiß ab. Das ist eine völlig normale Reaktion unseres körpereigenen Kühlsystems auf hohe Temperaturen. Wird es dem Organismus zu warm, gibt er Schweiß an die Haut ab, der beim Verdunsten eine kühlende Wirkung erzielt.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Schweißproduktion in Gang bringen

Manche Menschen leiden plötzlich unter starkem Schwitzen ohne erkennbare Ursache. Sie quälen sich ständig mit schweißnassen Händen oder Füßen herum. Dieses übermäßige Schwitzen ist nicht nur körperlich unangenehm, sondern hat auch soziale Folgen. Aus Angst vor unangenehmem Körpergeruch oder vor dem berüchtigten „feuchten Händedruck“ sind viele Schweißpatienten gehemmt und ziehen sich zurück.

Geruch gibt Hinweise

Durch mehr als zwei Millionen Drüsen gibt unser Körper Schweiß ab. Er dient nicht nur der Wärmeregulation bei warmem Wetter oder bei starker körperlicher Belastung, sondern bildet auf der Haut auch einen Säureschutzmantel, der das Wachstum von Keimen hemmt. Besonders viele Schweißdrüsen befinden sich in den Handinnenflächen und an den Fußsohlen. Danach folgen Kopf und Rumpf. Männer schwitzen stärker an Händen und Füßen, während Frauen vermehrt in den Achselhöhlen schwitzen.

Schweiß besteht hauptsächlich aus Wasser, Harnstoff, Harnsäure und einigen anderen Stoffen. Normalerweise ist das leicht saure Körpersekret bei gesunden Menschen geruchlos. Krankheiten können die Zusammensetzung des Schweißes verändern. Für den Heilpraktiker ist dieser veränderte Geruch ein wichtiges Leitsymptom, das ihm Hinweise auf die Erkrankung des Patienten und deren Behandlung gibt. Durch die Aktivität von Bakterien werden stark riechende Buttersäuren gebildet, und der Schweiß bekommt eine unangenehme Duftnote.

Suche nach Ursachen

Bei starker Anstrengung kann der Körper über die Schweißdrüsen bis zu zwei Liter Flüssigkeit pro Stunde an die Haut abgeben. Gesteuert wird dieser Vorgang unbewusst über Zentren im Zwischenhirn und im Rückenmark. Im Zwischenhirn findet auch ein Wechselspiel zwischen Körper und Psyche statt. Das heißt:

Bestimmte Stressfaktoren und Gefühle wie Wut, Ärger oder Angst bekommen hier einen direkten Einfluss auf die Funktionen unseres Körpers, eben auch auf die Schweißproduktion. So kann Schwitzen auch durch Aufregung, Angst, Kränkung oder andere Gefühle ausgelöst werden.

Der Heilpraktiker wird seinen Patienten also fragen, in welchen Situationen er ins Schwitzen kommt und wie stark die Schweißausbrüche sind. Außerdem können sowohl starkes Übergewicht als auch die hormonelle Umstellung bei Frauen in den Wechseljahren starkes Schwitzen auslösen.

Bestimmte Erkrankungen sind mit der Neigung zu starkem Schwitzen verbunden. Dazu zählen Hormon­störungen, Nerven- und Stoffwechselstörungen, außerdem Gicht oder Schilddrüsenüberfunktion, Rheumatismus und auch Tuberkulose. Starke Nachtschweiße treten zum Beispiel insbesondere bei Lungentuberkulose auf. Tritt starkes Schwitzen plötzlich auf, kann das ein Anzeichen für eine bisher nicht erkannte Krankheit sein. Patienten mit diesen Beschwerden sollten ihren Hausarzt oder Heilpraktiker darauf ansprechen und das Symptom abklären lassen.

Übermäßiges Schwitzen (medizinischer Fachbegriff: Hyperhidrose) tritt auch bei Einnahme verschiedener Arzneimittel auf. Zu nennen sind hier insbesondere Cortisone und Salicylsäure. Auch Alkohol und Rauchen kurbeln die Schweißproduktion an.

Tipps zur Selbsthilfe

Manchmal lässt sich die übermäßige Schweißproduktion durch Veränderungen der Lebensgewohnheiten mindern. Übergewichtige sollten abnehmen. Bei der Auswahl der Speisen und Getränke sind stark gewürzte Gerichte sowie Alkohol möglichst einzuschränken. Die Medikamenteneinnahme ist kritisch zu prüfen und lässt sich in Absprache mit dem Arzt möglicherweise umstellen. Wichtig ist luftige Kleidung aus Baumwolle oder Mikrofasern, die den Schweiß aufsaugt. Das gilt auch für die Socken. Lederschuhe und -sandalen sind Schuhen aus Kunststoff oder Gummistiefeln vorzuziehen. Regelmäßige Kneipp‘sche Anwendungen sowie Sport wirken sich sehr positiv aus. Fußschweiß lässt sich durch Bäder mit Eichenrindenextrakt (in der Apotheke erhältlich) lindern.

Patienten, die unter nervös bedingtem Schwitzen leiden, ist zu empfehlen, Entspannungsverfahren zu erlernen. Dazu zählt beispielsweise Autogenes Training. Manchen Patienten sind beruhigende Tees mit Baldrian, Hopfen, Melisse oder Johanniskraut anzuraten.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei übermäßigem Schwitzen ohne eindeutige behandelbare Ursache setzt die Schulmedizin Behandlungsverfahren mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen ein. Dazu zählt die Therapie mit Medikamenten, um die Steuerung der Schweißproduktion über das vegetative Nervensystem zu beeinflussen. Nebenwirkungen dabei sind beispielsweise Mundtrockenheit, Verstopfung, Blasenentleerungsstörungen und Störungen der An­passungsfähigkeit der Augen.

Schlägt die medikamentöse Behandlung nicht an, werden bei manchen Patienten Schweißdrüsen operativ entfernt oder bestimmte Nervenfasern im Rückenmark durchtrennt, was jedoch nicht ungefährlich ist.

In der Naturheilkunde sind zur Behandlung des übermäßigen Schwitzens verschiedene Heilverfahren und -mittel bekannt. Dazu zählt beispielsweise die Gewürzpflanze Salbei. Salbei in Form von Tee oder Kapseln hat eine schweißhemmende Wirkung und ist gut verträglich.

Übermäßiges Schwitzen lässt sich sehr gut homöopathisch behandeln. Dabei wählt der Heilpraktiker das Mittel in Abhängigkeit von der Grunderkrankung oder Grundverfassung des Patienten aus. Die nebenstehende Tabelle gibt einen Überblick über häufig eingesetzte homöopathische Mittel bei übermäßigem Schwitzen.
Hinweis: Potenzierung (Wirkungsgrad) und Dosierung des Mittels muss vom Behandler individuell festgelegt werden

Grunderkrankung/Beschwerden

Homöopathisches Mittel

hormonell bedingt (durch Wechseljahre, Schilddrüsenerkrankungen, andere Hormonstörungen)

Jaborandi (Jaborandistrauch)

ständiges Schwitzen, Haut ist wie von Wasserfilm überzogen, übel riechender Schweiß, Patient geschwächt

Mercurius solubilis (Quecksilber)

starkes Schwitzen direkt nach dem Einschlafen

Conium (Schierling)

Schwitzen nur im wachen Zustand

Sambucus (schwarzer Holunder)

starkes Schwitzen bei geringsten Bewegungen, Patient ist berührungsempfindlich, oftmals schlechte Erholung von einer Erkrankung

China (Chinarinde)

Patient ist blass, blutarm, schwach, Nachtschweiß mit Erschöpfung

Ferrum phosphoricum (Eisenphosphat)

Schweiß an unbedeckten Körperteilen

Thuja (Lebensbaum)

Schweiß nur auf einer Körperhälfte

Pulsatilla (Küchenschelle)

Patient schwitzt, obwohl er eigentlich friert

Veratrum album (weiße Nieswurz)

urinartiger Schweißgeruch

Cantharis (Spanische Fliege)

Schweißgeruch wie Pferdeurin

Acidum nitricum (Salpetersäure)