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Weitere Therapien: Tinnitus

Was sonst noch hilft

Mit einigen hilfreichen Tipps können Sie den Tinnitus loswerden. Neben der orthomolekularen Medizin besteht die Möglichkeit, Tinnitus mit anderen Naturheilverfahren zu behandeln. Darüberhinaus bietet auch die Schulmedizin Therapieansätze an.

Naturheilverfahren bei Tinnitus

...Ausgleich schaffen!

Als Gegengewicht zur Überreizung im Alltag sollte Entspannung stehen. Viele Tinnituspatienten klagen über Stress, Hilflosigkeit und negative Erwartungen. Sie erlauben sich kein Scheitern und haben häufig verlernt, zu genießen oder zu entspannen. Da gilt es, die individuellen Vorlieben neu zu wecken:

Entspannungsverfahren

Ganz wichtig: Alle diese Verfahren müssen – nein – „dürfen“ eingeübt werden…es handelt sich schließlich um die Neuentdeckung der Lebensfreude.

Psychotherapie

Nur das gesunde Gehör kann die Entscheidung treffen, was gehört und was ausgeblendet werden soll. Der leidende Tinnituspatient kann das nicht mehr und muss den Vorgang für sich neu erarbeiten. Oftmals führt ein Konflikt zu dem Dauerton. Ohne entsprechende Intervention kann sich daran nichts ändern.

Es zahlt sich bei Tinnitus aus, wenn Psychofaktoren wie Sorgen und Depression, Ängste und negative Erwartungen therapeutisch angegangen werden. Es muss aber keine Einzel-Psychotherapie sein, erfolgreich sind auch Gruppentherapie, kognitive Verhaltenstherapie oder körperorientierte Therapieverfahren. Dabei wird auch die Funktion bzw. Fehlfunktion des Hörens angesprochen. Viele Angebote gegen Tinnitus gibt es als Kompaktkurs oder Wochenendseminare.

Achtung: Selbsthilfegruppen sind wichtig, aber als alleinige Therapie nicht ausreichend. Gefragt ist bei Tinnitus tatsächlich eigene Körper- und Psychoarbeit.

Musiktherapie

Zunehmend mehr Studien belegen den Wert dieser Therapieform. Ob Schmerz, Angst, Demenz oder Krebs: Musik spricht jeden an und bessert Stimmung, Schmerz und Lebensqualität. Da ist es nicht erstaunlich, dass auch Tinnituspatienten punkten:

Tinnitus Retraining

Natürlich geht es hier auch um Genießen, der wesentliche Punkt dabei ist aber, die Tonwahrnehmung und -verarbeitung neu zu lernen: Musik dient hier als eine „Retraining-Strategie“. Je nach Vorlieben nutzt man bei Tinnitus verschiedene Ansätze:

  • Das Hören im Frequenzbereich des Tinnitustons ist eingeschränkt. So kann das Nachsingen von Tönen die Wahrnehmung von reellen Tönen fördern und die nur im Gehirn erzeugten Tonempfindungen unterdrücken.
  • Sprechen und Singen erzeugen im Körper Schwingungen, so genannte Resonanzen, das kann man an feinen Schwingungen beim Abtasten wahrnehmen, nicht nur im Bereich der Kehle, auch die Nebenhöhlen und die Schädelbasis vibrieren beispielsweise beim Wort „Zeitung“. Damit kommt der Patient wieder auf positive Weise mit sich selbst in Kontakt und die Wahrnehmung und Durchblutung der Regionen verbessert sich.
  • Auch Musikstücke, in denen die betroffenen Tinnitus - Frequenzen „gelöscht“ wurden, helfen dem Gehirn auf die Sprünge. Es bemerkt, dass „zeitweise“ ein Ton fehlt und dass ein Dauerton nicht in das Stück gehört. So soll den Nerven ermöglicht werden, den Ton als „überflüssig“ verschwinden zu lassen.
  • Der Tinnituston, den der Patient im Ohr hat, wird synthetisch hergestellt, so dass er in der Therapie damit „spielen“ kann. Dann übt der Tinnituspatient die Kontrolle über den Ton aus, statt seiner unbewussten Verarbeitungsvorgänge. Der Ton wird handhabbar und wird nicht mehr als feindlich erlebt.
  • Hilfsgeräte – unter den Namen Tinnitus-Noiser, Audiostimulator, Tinnitus Control Instrument, Tinnitus-Masker auf dem Markt – werden wie Hörgeräte getragen. Sie konfrontieren das Gehirn mit dem jeweiligen Geräusch und machen so die „interne“ Herstellung der Empfindung unnötig. Dabei ist das externe Geräusch immer leiser als das interne.
  • Hörgeräte verstärken den Frequenzbereich, der von den Personen nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden kann.

Mehrere Studien des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung in Heidelberg beschäftigen sich mit dem Thema. Die Effekte gegen Tinnitus sind messbar, aber leider profitiert nicht jeder, es käme aber auf einen Versuch an.

Akupunktur

Ob Akupunktur gegen Tinnitus hilft, wird lebhaft diskutiert. Es gibt Studien, die dafür sprechen und andere, die negativ ausfielen. So bleibt es weiterhin Glaubenssache.

Nach 15-20 Behandlungen kann es zu einer deutlichen Reduzierung der Ohrgeräusche kommen. Ein Wohlbefinden durch die Harmonisierung des gesamten Energiesystems des Patienten tritt jedoch früher ein. Wer Angst vor Nadeln hat, kann es mit Akupressur und „Laserakupunktur“ gegen den Tinnitus versuchen. Diese Verfahren gelten aber als weniger wirksam.

Neuraltherapie

In vielen Fällen kann eine zusätzlich durchgeführte Neuraltherapie gegen den Tinnitus helfen. Bei dieser Methode werden lokale Betäubungsmittel in die Haut oder in Nervenknoten (Ganglion Stellatum) gespritzt, auch in Quaddeln um den Schädel. Das Lokalanästethikum soll die überaktiven Nerven blockieren und die Durchblutung fördern. Bei Injektion in das Ganglion Stellatum scheinen sich bei korrekter Durchführung (unter Sicherheitsmaßnahmen) Erfolge einzustellen.

Manuelle Therapie (Chirotherapie oder Osteopathie, HWS-Therapie)

Eine Verkrampfung im Nacken oder Verschiebung von Wirbeln führen oft zu verschiedenen Störungen, entweder am Ort der Verkrampfung, aber auch weit entfernt davon, da die Nervenbahnen aus dem Rückenmark große Bereiche versorgen. Diese Verfahren können eine wertvolle Hilfe gegen Tinnitus leisten

Ausleitende Verfahren

Aderlässe, Blutegel, blutiges oder trockenes Schröpfen, Baunscheidtieren, Cantharidenpflaster sind die etwas archaischen Methoden der traditionellen Medizin. Es liegen keine statistischen Werte vor und sicher sind die Verfahren nicht für jeden geeignet, jedoch können solche Reize in Einzelfällen eine Umstimmung bei Tinnitus-Beschwerden einleiten.

Sonstiges

Ob eine Gleichstrombehandlung (Elektrotherapie), Kurzwellenbestrahlung, Salzinhalation oder Ohrkerzen den Tinnitus bessern, ist nicht ausreichend untersucht.

Schulmedizin

Früher galten Tinnituspatienten als schwierig, was dazu führte, dass sie sich noch mehr unverstanden zurückzogen. Heute kennt man das Problem und das Gebiet wird auch aktiv beforscht. Bereits eine Aufklärung über die Tinnitusauslöser trägt meist zu einer erheblichen Minderung des Leidensdrucks bei.

Für die Schulmedizin gehört akuter Tinnitus in den Bereich Hörsturz. Die Arzneimittelbehandlung erfolgt analog wie die Therapie des Hörsturzes. So sollte am besten umgehend einsetzen, d. h. innerhalb der ersten Tage nach Auftreten der Beschwerden. Ein Erfolg ist nicht sicher: Eine wirksame und spezifische Arzneimitteltherapie gegen Tinnitus ist derzeit nicht verfügbar.

Die Behandlung erfolgt durch Blutverdünnung oder durchblutungsfördernde Medikamente. Durch tägliche Infusionen mit Plasmaersatzstoffen wird das Blut verdünnt; bei einer Blutwäsche (Hämapherese) werden Blutfette und andere Stoffe entfernt, um somit die Fließeigenschaften des Blutes positiv zu beeinflussen. In einer Sauerstoffüberdruckkammer kann ein erhöhtes Angebot an Sauerstoff im Blut erzielt werden. Allerdings stellt sich hier oft nur ein mäßiger Erfolg bei Tinnitus ein, der zudem oft nicht von Dauer ist. Auch die Überdruck-Sauerstofftherapie setzt auf eine verbesserte Sauerstoffversorgung des Ohrs. Beobachtet wird meist nur eine vorübergehende Linderung der Tinnitusbeschwerden. Großer Nachteil: die Therapie ist teuer.

Des Weiteren werden mehr oder weniger erfolgreich Glukokortikoide (Cortison) eingesetzt, sowie Medikamente mit beruhigendem und antidepressivem Effekt. Das soll die negativen Gefühle beim Tinnitus dämpfen.

Mangel an GABA (γ-Amino-Buttersäure) im Gehirn soll eine Mitursache von Tinnitus sein. Man kann den Botenstoff indirekt durch Angstlöser aus der Gruppe der Benzodiazepine erhöhen (z.B. Diazepam, „Valium“). Wegen einer raschen Gewöhnung, Abhängigkeit und vieler Nebenwirkungen kommen Benzodiazepine höchstens bei Tinnitus für 10 Tage in Frage.

Im hausärztlichen Bereich haben sich bei Tinnitus eine kurze Krankschreibung und die Einleitung einer multimodalen Betreuung mit Ginkgo, psychischen Maßnahmen, Ordnungstherapie, Neuraltherapie und Gesprächen bewährt. Nur bei einem akuten Hörsturz ist ein stationärer Krankenhausaufenthalt oder eine Kur sinnvoll, um Stress und Belastungsfaktoren abzuschalten. Zu berücksichtigen ist, dass eine stationäre Behandlung mit Herausnahme aus familiärem, beruflichen und sozialem Umfeld nicht alle Patienten entlastet. Macher empfindet es als zusätzlichen Stressor.

Aber es wird weiter an der Thematik geforscht. Im Forschungszentrum Jülich beispielsweise arbeitet man an einem Neurostimulator, der die fehlgeleitete Nervenaktivität stören soll. Dabei erzeugt ein kleines tragbares Gerät akustische Signale, die direkt ins Ohr geleitet werden. Allerdings zahlt die Krankenkasse die Neurostimulation derzeit nicht.

Fazit:

Den Tinnitus heilen kann man nicht immer, es gibt aber viele Optionen, die einen Versuch wert sind.