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Verstopfung

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Hilfe bei Obstipation

Bei organischen Ursachen ist das Grundleiden zu behandeln. Ansonsten werden Naturheilverfahren wie Ernährungs-, Bewegungs- und Phytotherapie (pflanzliche Schleimstoffe) eingesetzt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Streik bei der Müllabfuhr

Verstopfung wird gerne mal belächelt, für die Betroffenen ist sie eine ernste Angelegenheit. Da plagt nicht nur Unwohlsein und Völlegefühl bis Übelkeit, die Symptome reichen von Gereiztheit bis Kopfschmerzen. Zum erstbesten Abführmittel sollte man aber nicht greifen. Laxativa wirken verbindlich, viele davon schädigen jedoch den Darm. Und in keinem Fall beseitigen sie die Ursachen. Weiter bringt einen nur eine individuelle Analyse der Situation: Meist ist Verstopfung keine Krankheit sondern durch den Lebensstil verursacht. Hier finden Sie einen Katalog sanfter Gegenmaßnahmen. Die Naturheilkunde möchte die Darmaktivität auf nachhaltige und ursächliche Weise stimulieren. Davon profitiert nicht nur der Darm, sondern der ganze Mensch.

Behandlung bei Verstopfung: Naturheilkunde und Hausmittel

Ihr Darm ist so aktiv wie Sie selbst

Der Darm ist ein Spiegel Ihres Lebens. Sind Sie ein Bewegungsmuffel, ist er es auch. Haben Sie Stress oder sind Sie ein Fast-Food-Fan? Ihr Darm teilt Ihre kleinen und großen Sünden. Und er mag es auch nicht, wenn sie ungeduldig auf seinen Output warten. Vorübergehende Verstopfung hat ihre Grundlage meist in der Lebensführung. Doch Achtung: Schwerer chronischer Verstopfung kann auch eine Krankheit zugrunde liegen, die vorrangig behandelt werden muss. Schieben Sie daher die ärztliche Kontrolle nicht zu lange hinaus (Wann zum Arzt).

Die Grundformel für einen gesunden Darm:

Bewegung + Ernährung + Flüssigkeit + Bakterien + Gelassenheit

Daneben kennt die Naturheilkunde aktivierende Tricks und es müssen nicht immer schädliche Laxanzien sein, die Phytotherapie hat auch Schonenderes im Angebot. Und auch die alten Hausmittel haben noch lange nicht ausgedient.

Achtung bei Abführmitteln

Wann immer Sie sich mit Laxanzien selbst helfen, müssen Sie wissen, dass schwere Durchfälle zu Wasser- und Mineralienverlust führen. Dauerhafte Darmreizungen mit Abführmitteln lösen das Grundproblem nicht und schädigen den Darm. Ab und zu kann man dazu greifen, um den Darm zu aktivieren, danach aber brauchen Sie eine Umstellung. Das Ziel sollte immer eine Anregung der Selbstregulation des Darms sein. Wenn man von diesen schädigenden Mitteln loskommen möchte, muss man schrittweise vorgehen.

Heilpflanzen

Unterstützend zur Ordnungstherapie gibt es harmlose Mittel, die die Gleitfähigkeit des Stuhlgangs unterstützen.

Schleimstoffe

Einige Pflanzenprodukte quellen im Wasser üppig auf und werden dabei schleimig. Man bezeichnet sie als „lösliche Ballaststoffe“. Sie wirken auf mehrere Arten positiv auf den Darm:

  • Sie halten das Wasser im Darm und erzeugen beim Quellen einen Dehnungsreiz, der die Darmbewegung in Gang setzt.
  • Daneben senken sie die Reibung und lassen den Stuhl gleiten.
  • Bakterien zersetzen lösliche Ballaststoffe und erzeugen Säuren daraus.
  • Säuren erhalten ein gesundes Darmklima und verhindern das Aufkommen von Krankheitserregern. Daneben nutzt die Darmschleimhaut Säuren zur Energiegewinnung. Das kommt auch der Darmbewegung und der Darmbarriere zu Gute.

Klassiker sind die Leinsamen (45g/Tag) oder Indische Flohsamen (10– 30 g/Tag). Die Tagesdosis wird über den Tag verteilt vor den Mahlzeiten eingenommen. Man kann sie leicht schlucken, wenn man sie einige Minuten in einer Tasse Wasser einweicht. Danach zwei Gläser Wasser/Tee/Suppe nachtrinken. Daneben findet man Kleie und Zitrusfruchtfasern im Angebot der Drogerien, weniger häufig bekommt man Mariendistelsamen. Quellstoffe sollen regelmäßig eingenommen werden und wirken nicht sofort.

Vorteile: Diese sanften Mittel eignen sich für den Dauereinsatz und eignen sich auch für schwangere Frauen oder bei Reizdarm! Es gibt bei richtiger Anwendung keine Nebenwirkungen oder Gewöhnung.

Zielgruppe: Langsame Darmbewegung lässt sich damit gut behandeln. Wer Muskelprobleme am Enddarm- oder Beckenboden hat, spricht auf Füllstoffe weniger an.

Laxanzien wirken schnell, aber schnell auch negativ

Als Laxanzien im engeren Sinne gelten Pflanzen, die auf den Darm reizend wirken. Eine Wirkung setzt nach wenigen Stunden ein. Laxanzien stehen bei der Selbstmedikation gegen Obstipation an erster Stelle. Wissen muss man aber, dass Anthrachinon-Verbindungen und Cucurbitacin giftig sind. Sie dürfen nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden (etwa 1-2 Wochen). Wer sich nicht daran hält, erfährt eine Verschlimmerung der Verstopfung. Der Darm wird noch träger.

Laxanzien gibt es viele, sie unterscheiden sich aber in Wirkung und Nebenwirkungen.

Beispiel in Reihenfolge abnehmender Verträglichkeit:

  • Rharbarberwurzel (Rheum palmatum): Mindestdosis 1 TL, Wirkung nach 6-10 h
  • Faulbaumrinde (Rhamnus frangula): Wirkung nach 8 h
  • Sennesfrüchte (Cassia angustifolia): Wirkung nach 8-10 h
  • Sennesblätter: Wirkung nach 8-10 h
  • Kreuzdornbeeren (Rhamnus catharticus): Wegen Nebenwirkungen nicht zu empfehlen!
  • Koloquintenfrüchte: Wirkung nach 6-10 h
  • Kap Aloe (Aloe ferox): Wirkung nach 8-10 h

Laxanzien sind dann sinnvoll, wenn der Stuhlgang Schmerzen bereitet (wie bei Analfissuren oder Hämorrhoiden) oder wenn der Darm schnell gelehrt werden muss (vor Operationen und diagnostischen Maßnahmen). Die Dosierung muss hier genau eingestellt werden und sollte möglichst gering sein.

Anregung der Verdauung

In der traditionellen Heilkunde verwendet man Mittel, die die Gallenproduktion anregen, wie Schöllkraut und Artischocke. Dadurch wird auch ein lahmer Darm in Schwung gebracht. Gerade bei Symptomen wie Übelkeit und Völlegefühl sind Bitterstoffe gut geeignet:

Anregung aus China

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es bewährte Kräutermischungen, die den Darm in Schwung bringen. Sie enthalten Hanfsamen, Ingwer und Ginseng. Diese Heilpflanzen kann man auch bei uns leicht beziehen.

Homöopathie

Bei Verstopfung ist es besonders wichtig, dass die Begleiterscheinungen bei einer homöopathischen Behandlung mit berücksichtigt werden. In der klassischen Homöopathie wird das Mittel passend für jeden einzelnen Patienten ausgewählt.

Verwendet werden z. B:

  • Zaunrübe (Bryonia): Erkrankungen von und Leber, Verstopfung und harter trockener Stuhl, trockene Schleimhäute, belegte Zunge, Reizbarkeit.
  • Mariendistel (Carduus marianus): Verstopfung bei Leberleiden, Leibschmerzen rechter Oberbauch, Völlegefühl, Übelkeit.
  • Opium: Bettlägerigkeit, Bewegungsarmut, spannungsloser Darm (atonische Obstipation).
  • Brechnuss (Nux vomica): Hämorrhoiden, verkrampfte Verstopfung (spastische Obstipation), Gefühl unvollständiger Entleerung, blutende Hämorrhoiden.
  • Schwefel (Sulfur): Stuhl hart und trocken, nach dem Stuhlgang brennender After, Afterjucken, vergeblicher Drang.

Schüßler-Salze

  • chronische Verstopfung: Graphites (D6, D12), Magnesium chloratum (D6), Natrium chloratum (D6), Plumbum metallicum (D6)
  • Kinder: Acidum silicium (D6, D12)
  • ältere Menschen: Aluminium oxidatum (D6, D12)

Die Wirkung von Schüßler-Salzen und Homöopathie ist bei Verstopfung nicht wissenschaftlich belegt.

Nahrungsergänzung und probiotische Arzneimittel

Neue Mieter gesucht: gesunde Darmkeime

Bei Verstopfung ändert sich die Darmflora und Fäulnis überwiegt. Der Darm braucht dann eine neue Chance für gesunde Besiedlung. Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften nennen zur Symbioselenkung derzeit drei Bakterienarten:

- E. coli Stamm Nissle 1917

- Bifidobacterium animalis

- Lactobacillus casei Shirota

Sie werden als Nahrungsergänzungsmittel oder probiotische Arzneimittel vertrieben. Letztere sind auf ihre Wirksamkeit geprüft und werden als hochdosierte Kapseln angeboten. Diese sehr natürliche und schonende Methode eignet sich ausdrücklich auch für die Schwangerschaft und Reizdarmpatienten.

Achtung: Bakterien können sich nur dauerhaft halten, wenn das Milieu und das Nahrungsangebot stimmen. Sie erreichen dies mit einer Kombination aus Bakterien plus dem geeigneten „Dünger“. Bei Milchsäurebakterien sind dies Milchprodukte, andere Bakterien brauchen lösliche Ballaststoffe. Daneben muss man die Maßnahme bei Bedarf wiederholen.

Konzentrierter Ballast

Die geforderten 30 g Ballaststoffe sind manchmal schwer zu erreichen. Sind sie einmal zu kurz gekommen, kann man sie auch in konzentrierter Form kaufen und zusätzlich einnehmen. (Trinken nicht vergessen!) Folgende Produkte bieten sich an:

  • Kleie aus der Schale des Getreidekorns
  • Fruchtfasern aus Äpfeln oder Zitrusfrüchten
  • Guar aus der Guarbohne

Salz und Mineralien

Mineralienmangel löst Darmträgheit aus. Wer zu lange auf Laxanzien vertraut hat, muss für einen Ausgleich sorgen. Eine ausreichende Magnesium- und Kaliumversorgung muss immer gewährleistet sein. Außerdem wirken Magnesiumsalze in höheren Mengen abführend. Zusätzlich müssen Sie für Ballaststoffe, Wasser und Schleime sorgen.

Hausmittel und Tipps für den Alltag

Hausmittel

Aus Omas Apotheke stammen die salzigen Abführmittel Glaubersalz (Natriumsulfat) und Bittersalz (Magnesiumsulfat). Auch heute noch führen Apotheken und Drogerien diese Mittel. Sie wirken verlässlich auf das Symptom „Verstopfung“, für die Daueranwendung sind Salze nicht geeignet.

- So geht es: Man nehme einen Teelöffel bis zu zwei Esslöffel Salz auf einen halben Liter Wasser. Es ist vernünftig mit einer eher kleinen Dosis zu beginnen, die individuelle Reaktion ist nämlich unterschiedlich.

- Nach dem Erfolg sollte man sein Ess- und Alltagsverhalten ändern, sonst wird der Darm träge bleiben.

- Bei hoher Dosierung drohen Vergiftungen. Vorsicht ist bei Herz und Nierenschäden geboten.

Rizinusöl regt ebenfalls sicher die Darmbewegung an. Dabei ist der Stuhl weich bis flüssig. Man darf es nicht mehr als ein bis zwei Wochen verwenden. Bei Durchfall gehen Flüssigkeit und Elektrolyte (Salze) verloren. Für Schwangere ist das Mittel nicht geeignet, es könnte vorzeitige Wehen auslösen.

Zucker und Zuckeralkohole:

Haushaltszucker ist hier nicht gemeint, hier geht es um schlecht verdauliche Zucker wie Milchzucker (Laktose). Der Darm spaltet ihn nur langsam, wenn zuviel aufgenommen wird, bleibt er sogar liegen. Dabei zieht er viel Wasser an und macht den Stuhl weich. Viele andere natürliche und unnatürliche „Zucker und Zuckeralkohole“ wirken ganz ähnlich: Lactulose und Sorbit sind bewährte Beispiele. Wegen der sanften Wirkung sind diese Mittel auch für den Dauereinsatz geeignet. Unangenehm sind aber die Blähungen: die Bakterien im Darm lieben diese Kost und stellen reichlich Gas daraus her.

Lebensführung

Alles nur Training? Der Darmkanal besteht aus Muskeln, die trainiert werden können, so dass der Stuhlgang zu gewissen Zeiten erfolgt. In der Regel ist der Darm morgens und vormittags aktiver als zu anderen Zeiten. Zeit, die natürlichen Rhythmen zu stärken. Achten Sie die Tag-Nachtgrenzen und rhythmische Mahlzeiten.

Reflexauslösen: Ein Glas Wasser oder Saft direkt nach dem Aufstehen weckt den Darm auf. Optimal auch der morgendliche Koffeingenuss. Stellen Sie sicher, dass sie bei der nächsten natürlichen Regung auch Gelegenheit haben. Das kann auch bedeuten, dass Sie früher aufstehen müssen! Denn eines darf nicht passieren:

Nie unterdrücken: Wenn man den Drang verspürt, muss man ihm folgen. Zu dumm, wenn man dann gerade auf dem Weg zur Arbeit steckt.

Unbewusst funktioniert besser: Lesen am „stillen Örtchen“ fördert vor allem bei psychosomatischen Beschwerden die Entleerung und das natürliche Zusammenspiel der Enddarmmuskulatur. Es entspannt und nimmt den Leistungsdruck. Mit etwasTraining funktioniert der Griff zur Lektüre ganz automatisch.

Kein Druck: Starkes Pressen beim Stuhlgang kann zusätzlichen Schaden anrichten (Hämorrhoiden).

Passiv mitbewegt: Immer wenn Sie in Aktion treten, wird der Darm passiv mitbewegt. Das betrifft die Atmung, die Muskulatur und die Erschütterung bei jedem Schritt den sie laufen.

Sanfte Hilfe: Nehmen Sie sanfte Abführmittel wie Leinsamen zu festen Zeiten und planen Sie Zeit für den Stuhlgang ein.

Stuhl-Tagebuch: Ein Tagebuch gibt Ihnen Rückmeldung über Ihre Maßnahmen und Erfolge. Auch ein Arzt profitiert bei der Diagnose davon.

Enddarm-Probleme: Besinnen Sie sich auf natürliche Positionen. Vor der Zivilisation vollbrachten Menschen hockend ihr Geschäft. Dafür ist die Enddarmmuskulatur auch ausgelegt. Mit einem Nachttopf oder einem Hocker vor dem WC-Sitz kommt man der Situation sehr nahe.

Weitere Therapien

Am effektivsten behandeln Sie Verstopfung, wenn Sie auf allen Ebenen aktiv werden. Nach den Mitteln zum Einnehmen finden Sie auf der nächsten Seite noch viel mehr Methoden wie Naturheilverfahren und Ernährungsmaßnahmen gegen hartnäckige Verstopfung.