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Weitere Therapien: Verstopfung

Was sonst noch hilft

Zur Bekämpfung von Verstopfung genügen zunächst pflanzlichen PräparateHausmittel und Verhaltensmaßnahmen. Ergänzen lassen sie sich durch Naturheilverfahren und Ernährung. Die Schulmedizin ist in diesem Fall die unnatürlichste Lösung, dennoch ist auch sie bei Verstopfung sehr wirksam.

Ernährung

Essen für den Darm

Ballast loswerden mit Ballaststoffen: Volumen schiebt

Ballaststoffe absorbieren Wasser und füllen den Darm. Das hohe Volumen erleichtert ihm den Transport und die Feuchtigkeit sorgt für die Weichheit. Da die „unlöslichen Ballaststoffe“ nicht verdaut werden, wirken sie von Anfang bis Darmende. Daneben ernähren „lösliche Ballaststoffe“ gewisse Darmbakterien. Damit lebt wieder eine gesunde, natürliche Darmflora auf. Ballaststoffe reinigen den Darm und nehmen Giftstoffe auf. Vollwert-Lebensmittel enthalten daneben mehr Vitamine und Mineralien, davon profitiert der ganze Körper.

Vermeiden sollte man alle Lebensmittel, die von Natur aus keine Ballaststoffe mitbringen: Zucker, Fett, raffinierte Stärke und Protein.

Das bedeutet schlussendlich folgende Umstellungen in Ihrem Leben:

Meiden

Alternative

Süßwaren, Schokolade, Kakao, Gebäck, Kuchen

Frisches Obst, Trockenobst, Ballaststoff-Müsli, Früchte Riegel

Knabberwaren, Chips, Flips, fettiges

Nüsse, Gemüse mit Dips und Soßen, Vollkornkräcker

Fleisch, Wurstwaren, Eier, Käse

 Hülsenfrüchte, Sauermilchprodukte

Butter, Bratfett (gesättigte Fette)

versteckte Fette

tierische Fette

Pflanzliche Öle, Omega-3 und Omega-6-ungesättigte Öle

Alkohol, Limonaden

Fruchtsäfte (in Maßen), Tee und Mineralwasser

Flüssig macht weich

Je länger der Darmtransit, umso trockener der Inhalt. Die einfachste Gegenmaßnahme ist viel Trinken, vorzugsweise Mineralwasser. Beim Volumen sollte man zwischen 1,5 und 2 Litern liegen. Damit verhindert man Darmträgheit durch Mineralienmangel. Auch Kaffee hilft nachweislich, Schwarzer Tee hingegen dürfte stopfen. Wer auf ihn nicht verzichten will ersetzt den Schwarzen Tee durch Grünen Tee.

Wie beginnen?

Eine plötzliche Ernährungsumstellung kann Probleme bereiten. Daher lässt man Obst und Gemüse einschleichen. Morgens Müsli, vormittags eine Obstpause und ein kleiner Rohkostsalat vor dem Mittagessen: Umstellung ist oft nur ein minimaler Aufwand. Sollte es zu Blähungen kommen, gibt es natürliche Hilfen. Gewürze machen das Essen bekömmlicher (Fenchel, Kümmel, Koriander, Ingwer und Galgant).

Am sinnvollsten ist es, die Umstellung mit Vollkornprodukten (Weizen/Roggenvollkorn) zu beginnen. Später nehmen Sie Obst und Rohkost hinzu.

  • Wer Probleme mit Rohkost hat, versucht es zunächst mit gedünstetem Obst und Gemüse.
  • Essen Sie dabei langsam und kauen Sie gründlich.
  • Planen sie mehrere kleine Zwischenmahlzeiten mit Ballaststoffen pro Tag.
  • Für die Mahlzeiten sollte ausreichend Zeit zur Verfügung stehen.
  • Essen Sie nicht nebenher. Essen ist eine Hauptbeschäftigung.
  • Nach der Hauptmahlzeit tut ein Spaziergang gut.
  • Trinken Sie viel, vor allem zwischen den Mahlzeiten.
  • Bei älteren Menschen muss man an die Kauprobleme denken. Zarter Salat, geriebene Karotten, gedünstetes Obst (Pflaumenmus, Apfelkompott) und Smoothies sind die verträglichen Klassiker.
  • Beschwerden durch Ballaststoffe sind meist vorübergehend. Versuchen Sie es zuerst mit Durchhalten.
  • Wer Ballaststoffe aus irgendeinem Grund überhaupt nicht verträgt, sollte auf andere Maßnahmen ausweichen.

Trockenobst

Gedörrtes Obst enthält unverdauliches Pektin und osmotisch wirksame Zucker und Fruchtsäuren, optimal für das Darmklima. Wer hier mit starken Blähungen reagiert, versucht „ungeschwefelte“ Ware oder einfach eine andere Frucht. Die Auswahl ist groß, Backpflaumen, Dörrbirnen („Kletzen“), Aprikosen und Feigen sind die Klassiker. Auch Pflaumensaft zum Frühstück tut oft seine Wirkung.

Aktivierung der Darmflora – Prä- und probiotische Nahrungsmittel

Günstig auf den Darm wirkt eine natürliche Keimzusammensetzung, denn bei Darmträgheit und Laxanzieneinnahme ist die Darmflora oft gestört. Sauermilchprodukte, Sauerkraut sowie fermentierte Produkte mit Bifidobakterien sowie Lactobacillen sorgen für ein leicht saures Milieu im Darm und verhindern damit das Ansiedeln von krankmachenden Keimen. Durchschlagenden Erfolg haben häufig „lebendige“ Lebensmittel wie Sauerkrautsaft oder Federweißer.

Der Zufuhrstopp: Fastenzeit

Die alternative Medizin empfiehlt zur Darmsanierung häufig eine Fastenkur. Dann wird der Körper umfassend entgiftet und entschlackt und der Darm hat Gelegenheit neue Kräfte zu sammeln. Auch die Ansiedlung neuer Bakterien hat dann die besseren Chancen. Aber nur die Ernährungsumstellung danach sichert dauerhaften Erfolg.

Naturheilverfahren bei Verstopfung

Erschütternd und bewegend: Sport

Regelmäßig eingeplante Bewegung bringt auch die Darmbewegung in Schwung. Jeder Schritt erschüttert das Gewebe, beim Laufen noch mehr als beim Gehen. Rumpfübungen für die Bauchmuskeln sind hier ebenso gefragt. Sie walken den Bauch durch und lösen Festgesetztes von der Darmwand.

Der Griff an den Bauch – die Bauchmassage

Auch eine leichte Bauchmassage mit ätherischen Ölen ist geeignet, die Darmbewegung anzuregen. Der gesunde Darm reagiert auf Berührung mit einer Gegenbewegung. Geeignet ist diese sanfte Maßnahme auch für Säuglinge. Dabei streicht man den Bauch leicht gegen den Urzeiger-Sinn. Der Enddarm zieht sich von der linken Leiste hoch und über den Rippenbogen zur rechten Leiste. Beginnen Sie rechts und streichen Sie nach links immer Richtung Ausgang. Spezialisten kennen die Kniffe der Bindegewebsmassage (viszerale Osteopathie) und Vibrationstherapie.

Die Atmung massiert den Darm

Das klingt zunächst sehr fremd, leuchtet aber schnell ein: Das Zwerchfell trennt die Lunge vom Darm und jeder Atemzug bewegt es auf und ab. Beim Sport zum Beispiel muss es heftig arbeiten, um für Sauerstoff zu sorgen. Aber auch unabhängig von der Bewegung lässt sich das Zwerchfell durch die Atemtherapie stimulieren.

Dabei hilft die Bauchatmung:

  • Sie heben also nicht die Schultern oder den Brustkorb beim Einatmen, sondern atmen in den Bauch. Atmen Sie, als hätten sie Nasenlöcher am Nabel. Drücken sie mit dem Finger gegen die Bauchdecke und atmen gegen den Druck der Finger an. Ziel ist eine vertiefte Bauchatmung mit einer Kräftigung der Muskulatur im Bauchraum.
  • Dann üben Sie das Gegenteil: Ziehen Sie beim Ausatmen den Bauch Richtung Wirbelsäule, so fest sie können. Halten sie die Spannung. Mit plötzlichem Einatmen lassen sie den Bauch dann wie ein Gummiband wieder nach außen schnellen. Wiederholen Sie die Übung mehrfach hintereinander.

Prickelnder Strom

Richtig angewendet aktiviert Strom den Stoffwechsel, Muskeln und Nerven. So legt man Stromimpulse im Bauchraum an, um den Darm bei einer chronischen Obstipation zu aktivieren. Die entsprechende Fachrichtung nennt man Elektrotherapie.

Gifte müssen raus: Ausleitung

Die klassischen Ausleitungsverfahren sind die Antwort traditioneller Heilkunde auf Verstopfung. Idee dahinter war, die anhäufenden Giftstoffe über alternative Wege auszuleiten. Richtig ist immer noch, dass diese Verfahren mehr oder weniger starke Reize ausüben, die eine Reaktion provozieren. An die Ausleitung der Gifte glaubt man heute nicht mehr. Während Baunscheidtierung nur noch selten Anwendung findet, nutzt man immer noch Angebote zum Schröpfen. Dabei konzentriert man sich auf den unteren Rücken und Bauch. Eine Reizung des Rückenmarks über gezielte Hautreize kann durchaus eine Wirkung auf andere Nerven desselben Segments haben.

Colon-Hydrotherapie

Die Colon-Hydrotherapie ist eine moderne Methode zur Darmspülung. In mehreren aufeinander folgenden Behandlungen werden angesammelte Stuhl- und Fäulnisstoffe entfernt. Dadurch soll eine generelle Entgiftung des Körpers erfolgen und der gesamte Stoffwechsel aktiviert werden. Die Symptome wie das allgemeine Unwohlsein sollen durch die Behandlung verschwinden. Auch in modernen Fastenkliniken und bei Ayurveda-Kuren gehört die Darmreinigung dazu, um eine Umstimmung des gesamten Stoffwechsels anzustoßen.

Akupunktur: aktivierende Nadelstiche

Lange war die Akupunktur ein Außenseiter in der Naturmedizin. Aber neuere Studien lassen durchaus eine Wirkung annehmen bei allen Zuständen, an denen Muskel- und Nervenfunktionen mitwirken. Erste klinische Studien zur Akupunktur und Elektroakupunktur bei Verstopfung waren ermutigend, derzeit aber sind die Ergebnisse nicht gänzlich eindeutig. Übrigens gibt es auch bei Kindern erfolgreiche Berichte.

Physik im Darm

Der Darm reagiert auf einen dehnenden Füllreiz mit Aktivität. Nach dem Prinzip funktionieren auch Zäpfchen, die Gas im Enddarm freisetzen. Das Verfahren wirkt schnell (15-30 Minuten) und schädigt den Darm nicht. Kohlendioxid (CO) ist unschädlich, es entsteht natürlicherweise auch bei normaler Darmtätigkeit. Man muss dann aber mit Blähungen rechnen.

Alles nur psychisch?

Verstopfung hat auch psychische Auslöser. Zeit sich um die Seele zu kümmern. Was tragen Sie mich sich herum? Wollen Sie etwas nicht loslassen? Ein Therapeut ist gerne behilflich (Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, psychologische Beratung).

Direkter helfen ganz einfache Maßnahmen zur Entspannung (Progressive Muskelrelaxation, AutogenesTraining, Yoga, Qigong). Entwickeln Sie ein unbefangenes Verhältnis zu Ihrem Körper. Wer immer nur „darauf“ wartet verkrampft leicht. Auch bei Essstörungen wäre eine einfühlsame seelische Unterstützung besser als jedes Laxan (Informationen bei ANAD e.V.)

Entleeren neu Lernen

Manchmal ist die Zusammenarbeit der Beckenbodenmuskulatur gründlich gestört. Nur wie bringt man wieder die natürlichen Zyklen in Gang? Den einen hilft das Abschalten durch Lektüre am stillen Ort, den anderen Biofeedback. Hier sollen die Nerven bewusst lernen, was sie unbewusst nicht mehr tun. Eine Sonde im Anus zeichnet die Muskelaktivität auf. Der Patient bekommt die Signale optisch dargestellt. Nun muss er versuchen, mit seinem Willen diese Funktionen zu kontrollieren. Auch in den offiziellen Leitlinien für Verstopfung wird Biofeedback als erfolgreiche Option genannt.

Auch Beckenboden- und Stuhltraining helfen die Muskeln zu stärken. Mit einem Ballon im Rektum wird der Stuhldrang stimuliert undt rainiert.

Den Darm in die Kur schicken

Mineralienreiche Trinkkuren mit Natrium und Magnesiumsulfat-Wasser aktivieren den Darm. Auch die Temperatur ist ein intensiver Reiz, der den Körper zu intensiven Reaktionen zwingt. Zusätzlich regen Wasseranwendungen und kalte Güsse die Lebensgeister an (Kneipp, wechselwarme Anwendungen oder 3 x täglich kalte Leibwaschungen).

Bei Krämpfen behandelt man mit Wärme wie feuchtwarmen Auflagen oder Wärmflaschen.

Schulmedizin

Bevor die Medizin tätig wird, sollen erst alle natürlichenMaßnahmen ausgeschöpft sein. Ärzte verordnen häufig Einläufe, Klistiere,Zäpfchen oder Trinklösungen. Sie enthalten Stoffe wie

  • Gleitmittel: Glycerin, Mineralöl, Olivenöl in Form von Zäpfchen oder kleinen Einläufen (Klistier), Paraffinöl (zum Einnehmen)
  • Stuhlaufweichende Mittel wie Bisacodyl (Dragées, Zäpfchen), Seifenlauge und Natriumlaurylsulfoacetat (Klistier)
  • Wasseranziehende Salze wie Magnesiumsulfat, Natriumsulfat (Lösung zum Trinken), osmotische wirksame Substanzen (Laktulose, Laktose, Galaktose, Sorbitol, Macrogol)
  • Synthetische Ballaststoffe: Methylcellulose, Calciumpolycarbophil
  • Gasbildende Mittel: Natriumhydrogencarbonatphosphat (Klistier)
  • Reizstoffe: Bisacodyl (Zäpfchen, Klistier), Natriumpicosulfat (Dragées, Zäpfchen, Tropfen), Anthrachinone/Anthranoide: Siehe Heilpflanzen
  • Neue Medikamente: Linaclotid, Prucaloprid

Die neuen Medikamente wirken zielgerichtet auf bestimmte Signale im Darm. Allerdings setzt man sie nur als letzte Wahl ein.

Zäpfchen, die Gase freisetzen wirken im Enddarm als Dehnungsreiz, wie es bei natürlichem Stuhlgang passieren würde. Auch dies ist eine schonende Methode, den Darm zu aktivieren. Gleitmittel wie Paraffinöl haben den gleichen Effekt.

Hat der Patient Laxanzien eingenommen, ist der erste Schritt eine Entwöhnung des Darms sowie eine Regeneration der Darmschleimhaut. Sinnvoller Weise wird dieser Schritt ärztlich begleitet. Auf lange Sicht fahren Sie mit der Naturheilkunde besser.

Schrittmacher für den Darm: Sakralnervenstimulation

In verfahrenen Situationen weicht man auf neue Verfahren aus, wie etwa Stromimpulse. Auch der Darm wird über Nerven reguliert, sie treten im Sakralbereich (Becken) aus der Wirbelsäule aus. Mit einer Sonde kann dorthin ein Kabel angelegt werden, das wie bei einem Herzschrittmacher die Nerven bei Bedarf elektrisch anregt. Die Erfahrungen mit der Methode sind noch nicht sehr hoch und auch die Erfolgsrate liegt nur bei 50 %.

Letzte Wahl: Skalpell

Ein chirurgischer Eingriff erfolgt nur bei einigen Ausnahmefällen (wie bei einem Tumor oder Darmausstülpungen und krankhafte Gewebeerschlaffungen wie Rektozele, Enterozele Rektumprolaps). Dabei erreicht man nicht immer einen Erfolg, denn Operationen hinterlassen verletztes Gewebe und Nerven. Nur in ganz seltenen Fällen von Verstopfung werden funktionslose Teile des Darms entfernt, wenn kein anderes Verfahren anschlägt.