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Die Erkrankung verstehen: Zahnstein

Feuchter Mund: Einladung für Bakterien

Der Mund ist für Bakterien ein idealer Lebensraum. Es ist immer feucht und kuschelig warm und auch hochwertige Nahrung wird regelmäßig angeliefert. Warum also nicht Dauergast werden? Der Körper kann die Mitbewohner zwar nicht ausschalten, doch versucht er es mit strikter Kontrolle.

Definition

Zahnstein und die Aufrüstungsspirale

Die meisten Bakterien werden kurzer Hand in Speichelschleim verpackt verschluckt. Dagegen haben sie jedoch einen Trick entwickelt: Sie sorgen für reichlich Klebstoff, um sich an Oberflächen festzuhalten. Der Körper kontert und stößt die Schleimhaut ständig ab, sodass sich in der Regel dort Bakterien nicht dauerhaft ansiedeln können. Im Speichel sind zusätzlich Enzyme enthalten, die Bakterien zerstören (Lysozym, Lactoperoxidase). Daneben enthält er Antikörper und antibakterielle Stoffe. Die Schleimhaut ist außerdem mit vielen Immunzellen ausgestattet, die eine wirksame Barriere gegen das Eindringen von Mikroorganismen bilden. So sind im Mund alle Strukturen vor Zahnstein geschützt, die sich beständig erneuern können. Nur einer kann nicht mithalten:

„Tote“ Zähne

Zähne sind aus totem Material, das nicht erneuert werden kann. Zwar gehört der Zahnschmelz zu den härtesten Materialien, die die Natur hervor gebracht hat, aber die Oberfläche kann sich nicht selbst reinigen oder erneuern. Lediglich eine geringe Remineralisation über den Speichel ist möglich. Alle Bakterien, die am Schmelz kleben, haben einen Fuß in der Tür. Umso besser für sie, wenn die Mineralien im Speichel den Zahnbelag auch noch härten. Im Zahnstein finden sie dauerhafte Unterkunft. Oder doch nicht?

Putzende Mahlzeiten

Säuren aus Früchten zusammen mit einem groben Putzkörper aus Pflanzenfasern sind der natürliche Feind von Zahnbelag. In der Urzeit des Menschen enthielt die Nahrung reichlich davon. Antibiotische Pflanzenstoffe helfen weiter nach. Zähne sind von Natur aus sehr glatt und erhalten ihre Glattheit so etwa 30 Jahre lang. So lange dauerte im Durchschnitt ein steinzeitliches Leben. Allerdings hat sich heute einiges geändert. Darum leiden wir vermehrt an Zahnstein.

Zu faul zum Kauen

Industrieller Nahrung fehlt diese reinigende Komponente, sie ist grundsätzlich weichgekocht und klebrig. Und hohe Dichte an leicht verwertbarem Zucker macht es den Eindringlingen leicht, sich in kurzer Zeit explosionsartig zu vermehren. Mit der Zunge fühlt man schon die Rauheit der Zähne, auch morgens im Spiegel sieht man manchmal den Belag. Darum gab es im letzten Jahrhundert große Kampagnen, um die ganze Bevölkerung über den Nutzen einer Zahnbürste aufzuklären. Die Kariesepidemie ließ sich dadurch etwas eindämmen. Klar ist aber auch, dass die Zahnbürste nicht überall hinkommt. Ist der Zahnstein erst mal da, ist es zu spät für die Bürste.

Endstation: Zahnfleischrand

Bakterien, die es unter den Zahnfleischrand schaffen, haben ausgesorgt. Dorthin reichen kein Putzkörper, kein Antikörper und kein Antibiotikum. Der Übergang von Zahn zum Zahnfleisch ist der Punkt, den die Evolution nicht hinreichend gelöst hat. Der Kampf unter dem Zahnfleischrand wird zu einer ständig schwelenden Entzündung, die auf die Dauer die eigenen Strukturen angreift. Bakterien steuern Toxine und reizende Stoffwechselprodukte bei. So entsteht meist unbemerkt nach vielen Jahren aus Zahnstein Parodontose.

Medizinische Lösung in Sicht?

Noch ist auch die Medizin in diesem Punkt überfragt. Noch sind Vorbeugung und Hygiene die einzigen Waffen gegen Zahnstein und Parodontitis. Vielleicht wird es in Zukunft andere Lösungen geben. Auf alle Fälle gelingt schon eine Verlangsamung des Prozesses. Heute verlieren wesentlich weniger Leute ihre Zähne durch Karies oder Parodontose als vor 50 Jahren. Ganz klar: Bei Zahnstein zahlt sich Eigenaktivität aus.

Formen

Die Eskalation Zahnstein

Man unterscheidet heute drei Formen von Zahnbelag:

Natürliche Ablagerungen: Aus dem eiweißreichen Speichel und den abgestoßenen Schleimhautzellen bilden sich ganz natürliche Beläge auf den Zähnen. Dieses schleimige opake Häutchen wird aber leicht weggeschwemmt und ist nicht schädlich. Hier ist noch keine Spur von Zahnstein zu sehen.

Bakterielle Ablagerungen: der Biofilm: In die natürlichen Beläge dringen Bakterien ein. Sie selbst stellen aktiv Klebesubstanzen her, die an glatten Oberflächen haften. Diese gelblichen Biofilme sind für den Körper schwer bekämpfbare Infektionsherde. Biofilme sind auch in Zeiten von Antibiotika und Desinfektionsmitteln nicht vollständig beherrschbar!

Mineralisierte Ablagerungen: Weiß-Gelb-Graubraun: Normalerweise ist Zahnstein an der Basis weißlich oder gelblich gefärbt. Eine Variante davon bildet sich direkt an der Zahnwurzel bei zurückweichendem Zahnfleisch. Er nimmt auch die Mineralien aus dem Blutserum beim Zahnfleischbluten auf. Er ist meist braun bis dunkelbraungrau.

Häufigkeit

Der Zahn der Zeit nagt auch am Gebiss

Mehr als 80 % der Erwachsenen in den Industrieländern haben Zahnstein. Mit höherem Alter verstärkt sich der Prozess.

Die Zahnstein-begünstigten Parodontalerkrankungen sind weit verbreitet. Insgesamt leiden 25 Millionen Deutsche an mehr oder weniger starker Parodontitis. Unter den Erwachsenen kämpfen 52,7 % mit mittelschweren und 20,5 % mit schweren Formen der Parodontitis. Bei den Senioren treten die schweren Fälle deutlich häufiger auf.

Übrigens: Zahnstein bildet sich auch auf Prothesen und Zahnersatz!

Ursachen

Zahnstein entsteht mit der Zeit aus Zahnbelag, der nach und nach durch die Mineralien im Speichel „aushärtet“. Wie rasch sich Zahnstein bildet oder aushärtet, hängt von vielen Faktoren ab.

  • Eine große Rolle spielt die Veranlagung: Zusammensetzung und Menge des Speichels sind wichtig.
  • Natürlich schlägt sich auch die Ernährung auf den Zähnen nieder. Rauchen, Stress, Rotwein und hoher Kaffee-/Teegenuss erkennt der Zahnarzt schnell, auch ohne viel zu fragen, am Zahnbelag.
  • Entscheidend trägt das eigene Hygieneverhalten gegen Zahnstein bei. Aber auch wer regelmäßig putzt, kommt nicht immer an sein Ziel: Enge und verschachtelte Zahnstellungen erschweren die Pflege. Daneben fangen alle Unebenheiten durch Schmelzabnutzung oder Vorsprünge an Zahnfüllungen Biofilme ein.
  • Daneben „sieht“ man den aktuellen Zustand des Immunsystems auch am Zahnfleisch. Ein geschwächter Körper wehrt Bakterien nur unbefriedigend ab.

Zahnstein ist im Grunde eine bakterielle Krankheit, die sich je nach Bedingungen und Genen unterschiedlich entwickelt oder Komplikationen nach sich zieht.

Prävention

Putzkörper schlägt Belag

Die beste Vorbeugung gegen Zahnstein sind alle Maßnahmen, die den Zahnschmelz blank scheuern. Eine faserreiche Ernährung und tägliche Zahnhygiene ergänzen sich. Daneben muss bei Erwachsenen der Zahnarzt den Zahnstein entfernen.

Gute Noten für den Putzfimmel

Die Zähne sollten mindestens zweimal pro Tag gründlich geputzt werden. Auch hier lauert Zahnstein: In den Zahnzwischenräumen. Sehr eng stehende Zähne oder krumme Zähne brauchen besondere Pflege, da nicht alle Stellen mit der Bürste zu erreichen sind. Hierzu gibt es im Handel besonders geformte Hilfsmittel, z. B. Zahnzwischenraumbürsten und Zahnseide verschiedenster Art. Es eignen sich auch Einmal- „Zahnstocher“ aus weichem Plastik. Zwei- bis dreimal die Woche sollte man sich dafür Zeit nehmen. Lassen Sie sich vom Zahnarzt oder der Zahnhygieniker beraten und besuchen Sie die Präventionstermine.

Vorsichtig pflegen: Prävention nutzt ab

Allerdings gilt es bei der Pflege einiges zu beachten. Wenn direkt nach der Mahlzeit die Zähne zu heftig geputzt werden, wird nach und nach etwas Zahnschmelz abgetragen, bis schließlich das Zahnbein freiliegt und die Zahnhälse empfindlich schmerzen. Zwischen der Zahnpflege und der letzten Mahlzeit sollte also ein Zeitraum von 30-40 Minuten liegen. Aber auch dann sollte man Gefühl walten lassen: Zu heftiges Schrubben und aggressive Schleifkörper in der Zahnpasta entfernen zwar Zahnstein, nutzen aber auch den Schmelz ab und führen zu unschönen Rillen am Zahnfleischrand.

Schleimhaut nicht vergessen

Auch auf der Schleimhaut siedeln Bakterien, die gleich nach dem Putzen wieder auf den Zähnen sitzen. Deshalb sollte jeder mit einer weichen Bürste neben dem Zahnfleisch auch Zunge und die Innenseiten der Backen und Lippen reinigen.

Die Bürste bürsten: Hygiene für die Zahnbürste

Und noch eine Hochburg nutzen Bakterien neben dem Zahnstein: die Bürste. Nach dem Putzen sollte man die Bürste mit warmem Wasser reinigen und zum Trocknen mit dem Kopf nach oben in den Becher stellen. Zwischendurch kann man sie in einem Becher mit kochendem Wasser entkeimen. Zahnbürsten können auch bei 65°C in den Geschirrspüler. Spätestens nach drei Monaten muss die Bürste in Rente!

Insgesamt hat die Prävention bei Zahnstein absoluten Vorrang.

Verlauf und Komplikationen

Freigelegt und schmerzhaft

Im Zahnstein geschützt leben die Bakterien von den Bestandteilen des Essens, insbesondere von Zucker und Stärkeprodukten. Sie sickern über feine Kanälchen beständig von außen ein. Zersetzungsprodukte sind die Zuckersäuren, die wiederum den Zahnschmelz angreifen und ihm Mineralien entziehen. Gleichzeitig blockt der Zahnbelag die Remineralisierung der Zähne durch den neutralisierenden Speichel ab. Es entstehen zunächst kreideweiße Flecken an den Zähnen, die schnell in Zahnhalskaries übergehen. Auch durch die Zahnbürste werden sie leicht abgetragen. Wenn das Zahnbein verletzt ist oder gar die Zahnhälse freiliegen, kommt es zu Schmerzen. Dann plagt nur der Kontakt mit Süßem, Heißem oder Kaltem.

Super Plus: Eigenleistung

Bei konsequenter Mitwirkung des Patienten ist Zahnstein unter Kontrolle zu bringen. Aber Zähne müssen ständig gepflegt und gut versorgt werden. Wenn die Parodontose bereits eingesetzt hat, ist Zahnstein eine „Dauerbaustelle“, die vom Fachmann permanent versorgt werden muss. Parodontitis kann nicht immer gestoppt werden, dennoch verläuft die Krankheit bei der richtigen Behandlung deutlich langsamer. Zahnverluste treten meist erst in einem Lebensalter zwischen 40 und 50 Jahren auf. Die Fälle sehr aggressiver Parodontitis sind zum Glück sehr selten.

Komplikationen

Zahnverlust: Giftcocktail im eigenen Mund

Toxine im Zahnstein führen dazu, dass der Knochen und der Zahnhalteapparat angegriffen und aufgelöst werden. Auch der Körper hat einen Anteil am Gewebeschwund: Eine schwelende Entzündung führt zu Schäden auch am eigenen Gewebe. Wenn die Komplikation nicht gestoppt wird, dringen die Bakterien entlang der Wurzel unter das Zahnfleisch und greifen schließlich den Zahnhalteapparat an. Alarmsymptome sind Zahnfleischbluten und Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Wenn man dann nicht handelt, riskiert man die Lockerung und sogar Zahnverlust. Den Zahnfleischrückgang sieht man meist nicht, weil das Zahnfleisch auch anschwillt.

Zähne sind Eintrittspforten für Bakterien

Die Mundgesundheit ist auch für die allgemeine körperliche Gesundheit wichtig, denn Bakterien und Entzündungsbotenstoffe können von den Zähnen in den gesamten Körper gelangen. Mit dem Blutstrom lassen sie sich verbreiten und lassen sich an neuen Orten nieder. Das fördert die Bildung von Thrombosen. Personen mit Parodontose leiden daher öfter an Komplikationen wie Herzerkrankungen (z. B. Herzklappenentzündungen, Koronare Herzkrankheit) sowie Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose, Bluthochdruck) und Schlaganfällen, Demenz (zerebrovaskuläre Erkrankungen). Außerdem wurde ein Zusammenhang mit Lungenentzündung bei Bettlägerigen und Nierenschäden (bis hin zum chronischen Nierenversagen) gezeigt. Auch entzündliche Erkrankungen, wie Rheuma und Autoimmunerkrankungen wie Diabetes werden dadurch gefördert. Manche Arten von Krebs hängen vermutlich mit Streptococcen aus dem Mund zusammen. Parodontitis erschwert die Behandlung des Diabetes und reizt den Magen (Gastritis).

Schwache Immunantwort – gefährlicher Verlauf

Besonders gründlich sollten Personen mit gestörter Wundheilung für ihre Zähne sorgen, zum Beispiel Patienten mit Diabetes. Gefährdet durch Zahnstein sind auch Personen mit Organtransplantaten, Medikamenten, die das Immunsystem schwächen (Immunsuppressiva, Chemotherapie) und HIV.

Vorsicht ist auch bei bestimmten Medikamenten wie Psychopharmaka, Mittel gegen Blasenschwäche, Durchfall, Parkinson-Erkrankung u. a. geboten. Viele dieser Medikamente erzeugen einen trockenen Mund. Dann verbleiben Speisereste im Mund und die Zahnbeläge wachsen.

Schwangerschaft: Jedes Kind kostet einen Zahn

Schwangerschaften zehren an Zahnfleisch und Zähnen. Das Sprichwort enthält einen wahren Kern. In der Schwangerschaft wird das Gewebe lockerer und schwillt (Ödeme), was einen guten Bakterienunterschlupf erzeugt. Auch die Immunantwort wird schwächer, damit der Körper das neue Leben nicht abstößt. Schwangerschaften hinterlassen daher ihre Spuren an Zahnfleisch und Zähnen. Darum droht bei Zahnstein schneller auch Parodontose. Das wiederum hat negative Auswirkungen auf die Schwangerschaft. Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht und Schwangerschaftshypertonie werden durch Parodontose begünstigt. Wegen drohender Komplikationen muss Zahnstein in der Schwangerschaft besonders gründlich bekämpft werden.

Quellen/Weitere Informationen

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