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Das Baby verstehen, wenn es schreit

© Robert Kneschke - Fotolia.com

Wenn Sie schon alles versucht haben, um ihr Kind zur Ruhe zu bringen oder vom Schreien abzulenken, dann könnte Ihnen dieser Artikel helfen...

Von: Barbara Trübner

Beim Thema "Schreibabys" fällt mir ein Cartoon ein, der sich um das Thema junge Familie dreht.

Es war eine Hinterhausszene und es war Nacht. Rundum Fenster, dahinter sieht man müde Gesichter. Ein Fenster war hell erleuchtet. Man sieht eine übernächtigte Mutter mit einem Baby im Arm, das die Stillbrust anschreit und einen hektisch wirkenden Vater, der die dritte Reihe Backsteine aufsetzt und das Fenster zumauert.

Mir ging sofort mein Hebammenherz für diese junge Familie auf. Ich kenne diese Szene aus vielen Besuchen. Am liebsten möchten sich Eltern verkriechen, wenn ihr Kind immer genau nachts schreit, alle stört und keine Strategie dagegen hilft.

Es gibt unzählige Ratgeber darüber, wie ein Baby schlafen lernt oder wie man mit einem Schreibaby umgehen sollte. Häufig sind Mütter schon einschlägig vorbereitet und haben eine Vorstellung, wie es sein soll. Sie berichten mir, was sie alles schon versucht haben, um ihr Kind zur Ruhe zu bringen, vom Schreien abzulenken oder eben in den Schlaf zu wiegen. Nichts hat geholfen.

Es gilt die Eltern da abzuholen, wo sie sich hilflos erleben mit einem kleinen Menschlein, das noch nicht sagen kann, was ihm fehlt, und das sie um jeden Preis „retten“ wollen.

Dafür gibt es die vielen Versuche: Stillen sooft das Baby es verlangt, tragen, schaukeln, auf den eigenen Bauch legen, einen Fencheltee kochen, erneut und nun zum dritten Mal wickeln, den Bauch massieren, eine Wärmflasche, schockeln auf dem Pezziball …

Als erstes bitte ich die Eltern, einfachmal bei sich zu schauen, wie es ihnen gerade geht, bitte sie, in sich zu spüren, wahrzunehmen, wie unsicher und hilflos ihr weinendes Baby sie macht. Augenblicklich wird das Baby ruhiger und öffnet kurz die Augen.

Und ganz ehrlich, wie würdet ihr Euch fühlen, wenn ihr das Baby wärt?

Stellt euch nur vor, es geht euch nicht gut. Würde es helfen, wenn euer Partner so viele Angebote in weniger als fünf Minuten machen würde?

Die Antwort ist einfach…Ihr würdet Euch noch angestrengter fühlen, wärt vermutlich überreizt und genervt. „Kann er nicht mal einfach nur nett sein? Einfach da sein? Mich nur mal in den Arm nehmen und halten?" Aber Nein, das fällt ihm nicht ein. Zu sehr beschäftigt mit dem Nachdenken und Suchen nach einer Lösung. Er könnte mich ja auch einfach mal fragen, was mit mir los ist - und dann zuhören …

Das gilt für Babys ebenso. Auch sie wollen, dass wir ihnen zuhören. Sie wollen genau wie du und ich angenommen werden. Wie kann ich mein Annehmen dem anderen zeigen? Indem ich ihn ansehe, während ich zuhöre, einfach da bin und dem anderen erlaube da zu sein mit allem, was ihn gerade beschäftigt.

Aber junge Eltern sind oft damit beschäftigt all das auszuprobieren, was schlaue Stimmen eingeben. Eltern stellen sich vor, was gut sein könnte, ohne das Baby dabei zu berücksichtigen.

Hören wir doch dem Baby einfach zu und bestätigen wir, dass wir hören, dass es etwas gibt, das gerade zum Schreien ist, was es davon abhält entspannt in den Schlaf zu sinken.

Der nächste Schritt ist das Rückbestätigen, das Spiegeln dessen, was wir wahrnehmen. Ja, Baby ich höre dein Schreien. Ich höre, wie verzweifelt du bist. Ich kann das Problem, das zu deinem Schreien führt, vielleicht nicht verhindern, aber ich bin da und du bist nicht allein. Ich bin da und steh dir bei, ich kümmere mich.

Das alles und mehr erkläre ich den Eltern und dem Baby und zeige ihnen, wie ich dem Baby aktiv zuhöre. Ich bestätige ihm seinen Kummer und bleibe in Kontakt mit ihm und dem schmerzhaften Gefühl, das es zum Weinen bringt. Oft hält es da schon inne und schaut mich an. Ich lasse dann die Mutter mit dem Baby sprechen. Sie wird ihm sagen, dass sie es beschützen und ihm beistehen wird. Oft ist es gar nicht so schwer zu verstehen, was ein Baby weinen lässt. Bloß können wir uns gar nicht vorstellen, dass auch ein Baby „erzählen“ möchte, was ihm z. B. unter der Geburt widerfahren ist. Wenn das Baby ausreichend über seine Not „geredet“ hat und wir ihm dabei ebenso oft zugehört haben, kann es aufhören zu schreien.

Intuition statt Aktivismus

Wenn es mir gelingt, die jungen Eltern so zu stärken, dass sie aus ihrer Hilflosigkeit heraus nicht mit Aktivismus agieren, sondern an ihre Intuition anknüpfen, dann geht das Herz auf und die Liebe kann wieder fließen.

So gelingt es mir, die Eltern an ihre Intuition zu erinnern und sich wahrhaftig dem Baby zuzuwenden.

Das Baby ist inzwischen ganz entspannt in den Armen der Mutter eingeschlafen. Ohne Brust, ohne rumtragen und ohne Fenster zuzumauern.

Die Autorin
Barbara Trübner ist Psychotherapeutin für Frauenleiden in Reinheim. Ihre Schwerpunkte sind Traumatherapie, Geburtsverarbeitung für Mutter und Kind und Schreibabytherapie.