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Wenn der Storch nicht klappern will: Natürliche Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch

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Dem Babyglück auf natürlichem Weg nachhelfen

Hilfe bei Kinderwunsch: Mit diesen natürlichen Mitteln helfen Sie der Fruchtbarkeit auf die Sprünge!

Von: Eva Pantleon

Wenn der Klapperstorch Betriebspause macht

Die meisten Paare trifft es völlig unerwartet. Da hat man jahrelang peinlichst genau verhütet, die Pille geschluckt oder sich wegen eines geplatzten Kondoms tagelang den Kopf zerbrochen – nur um dann festzustellen: Wenn man es darauf anlegt, ist schwanger werden gar nicht so einfach. Und in manchen Fällen scheint der Klapperstorch leider regelrecht Betriebspause zu haben. Schätzungen zufolge ist in Deutschland mittlerweile jedes siebte Paar ungewollt kinderlos. Insgesamt sind das in Deutschland etwa zwei Millionen Paare, weltweit sogar 400 Millionen – Tendenz steigend.

Umweltgifte schaden Fruchtbarkeit

Was dabei die wenigsten wissen: Die Gründe für die Unfruchtbarkeit liegen statistisch zu gleichen Anteilen bei Mann und Frau. Bei den Frauen ist es meist ein Hormon- oder Eileiterproblem, bei den Männern eine schlechte Spermienqualität. Als Ursachen hierfür werden, so Prof. Wolfgang Würfel vom Kinderwunsch-Centrum München, "in zunehmendem Maße Insektizide und Pestizide, also Umweltschadstoffe, diskutiert“. Andere Forscher, wie etwa Susan Duty und Russ Hauser von der Harvard School of Public Health, halten Weichmacher – die so genannten Phthalate – für die Schuldigen.

Jeder Fünfte ist betroffen

Duty und Hauser untersuchten Urin und Spermien von 168 unfruchtbaren Männern. Das Ergebnis: Je mehr Phthalat-Abbauprodukte sie im Urin fanden, desto geringer war die Spermienkonzentration. Außerdem bewegten sich die Samen langsamer und ihre Erbsubstanz war geschädigt. Das Vertrackte daran: Es ist so gut wie unmöglich, sich vor Weichmachern zu schützen. Sie sind unter anderem in Cremes, After Shaves, Shampoos aber auch Plastik, Klebstoffen und Lacken enthalten. Mit niederschmetternden Folgen. Eine unlängst publizierte Studie bei Bundeswehrsoldaten zwischen 20 und 25 Jahren hat gezeigt, dass jeder Fünfte eine eingeschränkte Sperma-Qualität hat.

Per High-Tech zum Wunschkind?

Kein Wunder also, dass heute nicht nur ältere, sondern bereits viele junge Paare Probleme mit der Fruchtbarkeit haben. Und noch weniger verwunderlich, dass Kinderwunsch-Praxen in Deutschland wie die Pilze aus dem Boden schießen. Hier werden die fortpflanzungswilligen Paare dann durch die Mühlen der High-Tech-Medizin gedreht. Angefangen vor der noch relativ harmlosen Insemination, bei der das gereinigte und aufbereitete Sperma direkt in die Gebärmutter gespritzt wird, bis hin zur großen Kunst der Reproduktionsmedizin: der ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion). Dieses Verfahren ermöglicht es auch Männern, deren Sperma zu wenige, zu träge oder gar keine Spermien enthält, ein Kind zu zeugen. Denn für eine ICSI können Spermien sogar direkt aus den Hoden entnommen werden. Das kräftigste Spermium spritzt der Arzt dann direkt in die zuvor der Frau entnommene Eizelle. Entwickeln sich daraus im Reagenzglas (= in vitro) Embryonen, werden diese in die Gebärmutter der Frau eingesetzt – und fertig ist mit ein bisschen Glück das Wunschkind.

Die Risiken von In-Vitro. & Co.

Doch nicht alle Paare sind gewillt, sich derart hoch technisierten Verfahren auszusetzen. Zumal diese nicht nur psychisch, sondern auch physisch eine enorme Belastung darstellen können. Bei In-Vitro-Behandlungen wird zum Beispiel vielfach das Präparat Clomifen eingesetzt, um die Eizellbildung zu stimulieren. Einer aktuellen Studie der kanadischen McMaster-Universität zufolge aber erhöht Clomifen bei längerfristigem Gebrauch das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Wenig erfreulich sind auch die Folgen, welche die Reproduktionsmedizin für die daraus entstehenden Kinder haben kann. Eine Studie der Universitäts-Frauenklinik Lübeck ergab eine um zwei Prozent erhöhte Fehlbildungsrate nach einer ICSI. Viele Ärzte meinen allerdings, dass dies schlicht am durchschnittlich höheren Alter der Eltern liege. Abgesehen davon sind „Frosties“ – so der etwas ironische englische Begriff für In-Vitro entstandene Kinder – bei der Geburt aber auch deutlich leichter als Babys, die nicht im Reagenzglas gezeugt wurden.

Wie die Phytotherapie bei unerfülltem Kinderwunsch weiterhelfen kann

Wer solche Risiken nicht in Kauf nehmen möchte, muss aber nicht ohne Hilfe bleiben. Schließlich gibt es Probleme mit dem Kinderkriegen nicht erst seit heute. Nur ist das Wissen über die Vorgänge im Körper heute glücklicherweise weitaus fundierter als in jenen Tagen vor mehr als 2500 Jahren - als die griechischen Ärzte meinten, dass der Samen im Gehirn entstünde.

Viele traditionell als „Frauenkräuter“ bekannte Heilpflanzen können daher heute bei Kinderwunsch noch gezielter eingesetzt werden. Und nicht selten sind sie dabei ebenso wirkungsvoll wie jene „Chemiekeulen“, mit denen die Ärzte so schnell zur Hand sind – nur ohne deren Nebenwirkungen. Voraussetzung ist allerdings, dass keine manifesten physischen Ursachen vorliegen wie etwa verklebte Eileiter. Organische Ursachen sollten daher in einem ersten Schritt immer medizinisch abgeklärt werden.

Wer aber gesund ist und einfach der Fruchtbarkeit ein bisschen auf die Sprünge helfen will, der ist mit folgenden Heilpflanzen gut beraten:

Heilpflanzen für die Frau

Für den Mann geht es hier weiter

Übersicht

  • Mönchspfeffer (Standardisierte Präparate z.B. von Ardeypharm oder Bionorica, Dosierung: 4 mg Trockenextrakt pro Tag),
  • Frauenmantel, als Tee oder Urtinktur (z.B. von Ceres, Dosierung: zweimal täglich 7 Tropfen)
  • Tee-Mischungen für die 1. und 2. Zyklushälfte

Mönchspfeffer

Der Geheimtipp, der längst keiner mehr ist – auch naturheilkundlich aufgeschlossene Frauenärzte empfehlen die Früchte des Keuschlammbaumes mittlerweile als sanfte Therapie bei Zyklusproblemen und prämenstruellem Syndrom (PMS). Mönchspfeffer, lateinisch Vitex agnus castus, wächst in mediterranen Ländern und in Asien. Das Extrakt seiner Früchte enthält keine eigenen Phyto-Hormone. Es wirkt aber, wie klinische Studien belegen, ausgleichend auf den weiblichen Hormonhaushalt. Besonders hilfreich ist Mönchspfeffer für Frauen, die eine Gelbkörperschwäche und daher eine zu kurze Lutealphase (2. Zyklushälfte) haben. „Möpf“, wie seine Fans ihn nennen, hat nämlich eine Dopamin anregende Wirkung und drosselt dadurch einen zu hohen Prolaktinspiegel, welcher der Hauptverantwortliche für lästige PMS (Prä Menstruelles Symptom) -Symptome wie Brustspannen oder Depressionen ist. Ein niedriger Prolaktinwert kurbelt dann wiederum die Produktion des Gelbkörperhormons (Progesteron) in den Eierstöcken an – eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen stabilen Zyklus und damit auch für die Fruchtbarkeit. Mönchspfeffer sollte nicht als Tee, sondern immer in Tablettenform eingenommen werden, da die Wirkstoffe aus der Pflanze schlecht löslich sind.

Achtung: Da Mönchspfeffer eine dopaminerge Wirkung besitzt, sollte er nicht bei hormonabhängigen Krankheiten wie Endometriose (eine Gebärmuttererkrankung), Brust-, Gebärmutter- oder Eierstockkrebs und auch nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit eingenommen werden! Außerdem sind Wechselwirkungen mit Medikamenten denkbar, die ebenfalls an Dopaminrezeptoren angreifen, wie z.B. bestimmte Antiemetika oder Neuroleptika. Wenn Sie solche Arzneimittel nehmen, so ist vor der Anwendung von Mönchspfeffer der behandelnde Arzt zu befragen.

Frauenmantel

Im Gegensatz zum gut erforschten Mönchspfeffer fehlen hier die Studien. Die Schulmedizin konnte an dem Kraut bisher nicht viel Gutes finden außer einer gewissen Heilwirkung gegen Magen- und Darmbeschwerden. In der Volksheilkunde ist „Alchemilla vulgaris“ dafür fest verankert als traditionelles Heilmittel bei „Frauenleiden“ jeder Art. Im Mittelalter gab es sogar den Glauben, dass ein Bad in Frauenmanteltee die Jungfräulichkeit wiederherstellen könne. Obwohl letzteres angezweifelt werden muss, soll dem Frauenmantel seine Wirkung nicht abgesprochen werden: Aufgrund seiner Wirkweise nimmt man heute an, dass der Frauenmantel progesteronartige Substanzen enthält. In der Kinderwunschbehandlung lassen sich die besten Wirkungen mit der langfristigen Einnahme von Zubereitungen aus der Frischpflanze erzielen (z.B. frisch gesammeltes Teekraut oder Urtinktur). Die Heilpraktikerin Margret Madejsky, die der Alchemilla sogar ein ganzes Buch gewidmet hat, gibt dem Kraut in puncto Zyklusregulierung sogar den Vorzug gegenüber dem Mönchspfeffer: „Während die Symptome nach Absetzen von Mönchspfeffer-Präparaten oft schon nach kurzer Zeit wiederkehren, harmonisiert Alchemilla die hormonelle Achse dauerhafter und ohne Nebenwirkungen“.

Himbeerblätter

Himbeeren sind nicht nur lecker, sondern auch gut geeignet, um die 1. Zyklushälfte zu unterstützen – vorausgesetzt, man hält sich dabei an die Blätter der „Rubi idaei“. Tee daraus haben nämlich generell eine krampflösende, entspannende Wirkung. Im Rahmen der Kinderwunschbehandlung kann dies zu einer besseren Durchblutung der Gebärmutter und dadurch einen besseren Aufbau der Gebärmutterschleimhaut führen. Diese muss nämlich mindestens 8 mm dick sein, damit sich etwa 5-7 Tage nach dem Eisprung das befruchtete Ei dort einnisten kann. Zur Anregung von Eizellreifung und Eisprung empfehlen sich in der 1. Zyklushälfte außerdem Beifuß, Salbei und Holunderblüten, am besten als Teemischung wie folgt eingenommen:

Teemischungen zur Harmonisierung des Zyklus

Zyklustee für die 1. Zyklushälfte

  • Himbeerblätter (östrogenähnliche Anteile)
  • Rosmarin (regt die Keimdrüsentätigkeit an, fördert den Eisprung)
  • Beifuß (fördert den Eisprung und die Entschlackung)
  • Holunderblüten (unterstützen das follikelstimulierende Hormon aus der Hirnanhangdrüse)
  • Salbei (östrogenartig)

Jeweils 40 g zu gleichen Teilen mischen lassen. Täglich bis zum Eisprung 2 Tassen trinken. Ca. 1 EL pro Tasse 10 Minuten ziehen lassen.

Zyklustee für 2. Zyklushälfte

  • Frauenmantel (gelbkörperregulierend)
  • Schafgarbe (gestagenartig)
  • Brennnessel (Schlackenabtransport)

Jeweils 40 g zu gleichen Teilen mischen lassen. Täglich bis zum Einsetzen der Regel 2 Tassen trinken. Ca. 1 EL pro Tasse 10 Minuten ziehen lassen.

Homöopathische/anthroposophische Mittel (alle frei verkäuflich in der Apotheke erhältlich)

  • Ovaria Comp. von Wala: in der 1. Zyklushälfte, bei Fruchtbarkeitsstörungen (ovarielle Insuffizienz) und bei Zyklusschwankungen nach der Antibabypille; soll die körpereigene Hormonproduktion anregen und östrogenisierend wirken. ( 3 x 5 Globuli täglich) Achtung Allergiker – enthält Bienenextrakt, nicht nehmen, wenn man auf Bienengift allergisch reagiert!
  • Follikelhormon synth. D 12 von Staufen Pharma: zur Anregung des Eisprungs am 8./10./12. Tag nüchtern morgens 10 Globuli
  • Bryophyllum von Weleda: das Mittel aus der Pflanze mit dem schönen Namen „Keimzumpe“ wird oft in der Frühschwangerschaft gegeben, aber auch zur Einnistung des Embryos in der 2. Zyklushälfte ( täglich 2 Messerspitzen)
  • Phyto L Tropfen von Steierl Pharma: ein Mönchspfeffer, Schöllkraut und Mariendistel enthaltendes Präparat. Es soll einen anregenden Effekt auf die Hirnanhangdrüse haben, welche die Sexualhormone reguliert. (3 x 10 Tropfen täglich)


Lesen Sie im 2. Teil
Kräuter für den Mann – oder was müde Spermien munter macht

Und im 3. Teil geht es um
Luna-Yoga, Akupunktur und Moorbad – die sanften Alternativen bei Kinderwunsch (für Frauen & Männer)

Bücher:

  • König, Uta: Wir wollen ein Baby. Von Mönchspfeffer bis In-vitro. Alternativ- und Schulmedizin auf einen Blick. Rowohlt 2003
  • Madejsky, Margret: Alchemilla: Eine ganzheitliche Kräuterkunde für Frauen. Goldmann 2008