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Unlösbare Probleme in Partnerschaften und ihre verborgenen Träume

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Manche Eheprobleme haben es in sich, weil sie unlösbar scheinen. Dennoch sollten diese angegangen werden, auch wenn es keine "Lösung" gibt.

Von: Mädy Verwied

Ein ist kein seltenes Phänomen in meiner Eheberatungspraxis, dass unlösbare Probleme auf den Tisch kommen.

Diese haben es in sich, weil die Themen, die dahinterstecken, hartnäckig sind und Paare häufig nicht die Geduld und das Geld aufbringen, diese anzugehen. Sie anzugehen und damit meine ich nicht, sie zu lösen! Das "sie anzugehen" wäre ein erster Schritt. Ein Schritt, der sie tiefer in ihre Beziehung hineinzieht. Ein Schritt, der jedoch nicht gleich am Anfang einer Beratungssituation gemacht werden kann, sondern erst, wenn Vertrauen zwischen der Beraterin und den beiden Partnern besteht. Vertrauen wird hergestellt, wenn zunächst die lösbaren Probleme besprochen werden. Meist hören danach Beratungsgespräche auf oder es läuft auf eine Trennung hinaus, weil der eine Partner nicht mehr kann oder will. Was auch okay ist.

Wofür ich jedoch in diesem Blog eine Lanze brechen will, ist, sich zumindest für einen Moment Gedanken darüber zu machen, was hinter den unlösbaren Problemen stecken könnte und warum sie so schwer zu knacken sind. Was tun?

John M. Gottman, ein amerikanischer Wissenschaftler und Eheberater, hat sich in seinem „Ehelabor“ in Seattle, diesem Thema ausführlicher gewidmet.

Er schreibt: „Um den Weg aus einer Pattsituation zu finden, müssen Sie zuerst einmal begreifen, wo die Ursachen liegen... Pattsituationen sind Hinweise, dass Sie Träume für Ihr Leben haben, die in der Ehe nicht beachtet oder respektiert werden. Mit Träumen meine ich die Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche, die ein Teil Ihrer Identität sind und Ihrem Leben Sinn und Ziel geben.“ (S.257f)

Selbst als Eheberaterin fand ich es bei einem Paar verblüffend, dass hinter der übertriebenen Ordnungsliebe der Partnerin und hinter dem hartnäckigen Schweigen ihres Partners verborgene Träume liegen sollten.

Gottman zeigt in seinem Buch „Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe“, wie er sich dem Thema annähert. In seinem „Ehelabor“ bittet er, jeden Einzelnen seinen Traum zu erzählen, weshalb er diese Einstellung oder jenes Verhalten so vehement vertritt, was ihn bewegt hat, keine Kompromisse zuzulassen. Der andere hört einfach nur zu. Dann erzählt er seinen Traum, der hinter seinem Verhalten steht.

Allein durch das Erzählen und dem Zuhören kann hinter dem Problem „Schweigen“ ein tiefes Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Freiheit erscheinen, das für alle Seiten sichtbar wird. Ein Beispiel soll dies zeigen: Der Ehemann erzählt von seinen schmerzhaften kindlichen Erinnerungen, dass er, immer wenn er seine Meinung sagte, auch wenn er dazu aufgefordert wurde, eine Ohrfeige bekam, weil sie von dem abwich, was sein Gegenüber/Mutter hören wollte. Deswegen hat er für sein Leben geschworen, niemals seine Meinung zu sagen und erst recht nicht einem geliebten Menschen. Für ihn war es eine Freiheit, die Freiheit zu haben, seine Gedanken für sich zu behalten.

Die „Ordnungsliebe“ seiner Frau resultierte aus einer Familiensituation, in der Beliebigkeit und Chaos herrschte. Diese Situation hat ihr viele Unsicherheiten und Nachteile in der Schule gebracht, sodass sie sich geschworen hat, niemals durch mangelnde Ordnung Nachteile im Leben zu haben, und sie bei der kleinsten Unordnung Angst bekommt, es könnte etwas Unvorhergesehenes passieren. Deshalb duldet sie auch keinen Widerspruch und keine Abweichung.

Weitere Beispiele für „tiefere“ Träume hinter unlösbaren Problemen können sein: Gefühl von Freiheit, Abenteuer, sich ausleben, Sicherheit, Kämpfen um jeden Preis, niemals schwach sein, etwas Bedeutendes zu leisten...

Diese verinnerlichten Schwüre, Glaubenssätze haben sich tief eingegraben in dem jeweiligen Menschen und sind zur zweiten Haut geworden, zu einem Teil seiner Identität und somit schwer zu knacken. Sie prallen manchmal bei simplen Dingen des Alltags, wie das Liegenlassen von gelesenen Zeitungen, aufeinander oder bei wichtigen Lebensthemen wie Kinderwunsch, - Erziehung, Anschaffungen etc. Und es ist schwer in einer Ehe, die eigenen Träume zu erkennen, zuzulassen und dafür einzustehen. Eine Pattsituation stellt einen Gegensatz dar, der den jeweils anderen in seinen Grundfesten zu erschüttern droht, „deshalb hat sich jeder ganz stark in seine Position vertieft und fürchtet sich davor, den Einfluss des anderen zuzulassen und Zugeständnisse zu machen.“ (S.265)

Nach Gottman geht es auch nicht darum, das Problem zu lösen, weil es, wie oben beschrieben, in der Natur des Problems liegt, hartnäckig zu sein, aber es geht darum zu versuchen, den anderen zu verstehen und zu respektieren, wieso er sich so verhält. Dies ist der große Wurf, den ein Eheberater mit seinen Klienten erreichen kann. Damit sie Frieden schließen können und sich nicht weiter, manchmal bis aufs Messer, bekämpfen müssen.

Jedes Paar kann dann weiter entscheiden, ob und wann es einen Schritt weiter gehen will. Der nächste Schritt nach Gottman wäre, dass jeder sich hinsetzt und aufschreibt, was auf keinen Fall verhandelbar ist und wo Möglichkeiten des Entgegenkommens wären. Nur so können Paare aufeinander zugehen, Machtkämpfe vermeiden und miteinander wachsen.

Gottman schreibt den Paaren ins Stammbuch:

„Hören Sie nicht auf, an Ihren unlösbaren Konflikten zu arbeiten. Paare, die Forderungen an ihre Ehe stellen, haben meist eine befriedigendere Beziehung als solche, die ihre Erwartungen herunterschrauben.“

Dem gibt es meinerseits nichts weiter hinzuzufügen, als Geduld zu haben, Freude am anderen, Humor und sich auf ein lebenslanges Lernen einzulassen. Bleiben Sie im Gespräch.

Die Autorin
Dipl.-Päd. Mädy Verwied ist Paar- und Familienberaterin in Berlin.