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Sind es wirklich Wechseljahre oder Symptome einer anderen Krankheit?

Frau in den Welchseljahren beim Arztgespräch.
© Jeanette Dietl - Fotolia.com

Wechseljahre - andere Krankheiten ausschließen, Teil 2

Handelt es sich wirklich um Symptome der Wechseljahre? Wie der Arzt seine Diagnose stellt.

Von: Berthold Musselmann

Wechseljahre oder Symptome einer Krankheit?

Wie sich die sog. „Wechseljahre“ anfühlen und woher die vielen Beschwerden herrühren, haben Sie im Teil 1 gelesen.

Der/m verantwortlichen Ärztin/Arzt stellt sich anfangs immer die Frage: Handelt es sich wirklich um Symptome der Wechseljahre, also des Klimakteriums?

"Klimakterische Beschwerden" - Eine Ausschlussdiagnose

Hinter der Fülle der genannten Beschwerden und Symptome können unzählige Erkrankungen stehen. Daher ist die Diagnose „Klimakterische Beschwerden“ eine „Ausschlussdiagnose“, d.h., erst wenn sicher ist, dass keine anderen Ursachen oder Erkrankungen dahinter stecken, kann diese „Diagnose“ (eigentlich ist das Klimakterium keine Krankheit) gestellt werden und bei hohem Leidensdruck oder nach ausführlicher Aufklärung mit Einverständnis der Patientinnen und Patienten eine Behandlung eingeleitet werden.

Insbesondere müssen Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Änderung der Lebens- oder Ernährungsgewohnheiten, partnerschaftliche Krisen und andere Hinweise auf einen psychosomatischen Ursprung der Symptome, chronische Erkrankungen der Leber, der Niere uvam., Entzündungen, Magen-Darm-Störungen, Depressionen (primäre, nicht sekundäre durch das Abfallen der körpereigenen Hormone), Vitaminmängel, Osteoporose-auslösende Krankheiten, Krebs usw. ausgeschlossen werden.

Es ist aus Erfahrungen in der Praxis die Kombination der Symptome, die die Diagnose im Alltag doch relativ einfach stellen lässt.

Es gibt jedoch Fälle, bei denen dies schwieriger ist:

Wenn kein vermehrtes Schwitzen vorliegt, sondern wenn Gelenkbeschwerden vorherrschend sind (dann wird oft an „Rheuma“Borreliose o.Ä. gedacht), wenn seelische Beschwerden im Vordergrund stehen und nicht an eine hormonelle Genese gedacht wird. Schwieriger ist es auch bei jüngeren Menschen, die früh in die Wechseljahre kommen.

Bauchbeschwerden und Schwellungen am Körper sind recht häufig und doch unter Patienten und Ärzten nicht so gut als Symptome des biologischen Wechsels der Hormonspiegel bekannt.

Im Zweifel ist immer eine hormonelle Analyse im Labor sinnvoll.

Natürlich muss man dabei bedenken: Laborwerte sind biologische Parameter, die individuell unterschiedlich ausfallen („Normwerte“ sind nicht überzubewerten). Sie unterliegen starken Schwankungen in Abhängigkeit von dem einzelnen Patienten mit seiner Genetik und Geschichte, der Zyklusphase (bei Frauen), von Jahreszeit, psychischer/körperlicher Belastung und von anderen Faktoren.

Zudem erklärt ein auffälliger Wert nie sicher die Beschwerden. Es könnten z.B. zwei oder mehr Ursachen für diese bestehen, die dann alle berücksichtigt werden müssen.

Umgekehrt bedeutet das Vorhandensein schwerer und oder chronischer Krankheiten nicht, dass die bei jedem irgendwann eintretende hormonelle Umstellung nicht zusätzlich zu Symptomen beiträgt.

Es ist also an „Läuse und Flöhe“ zu denken, ein medizinisches Bonmot für die Schwierigkeit, gemeinsam auftretende Phänomene als durch verschiedene Erkrankungen verursacht zu erkennen und eine Ursächlichkeit für Beschwerden bzw. die jeweiligen Anteile daran zu sichern. Oft bestehen Scheinzusammenhänge bei medizinischen Phänomen, die als „Confounder“ (zufällig zusammen beobachtete Befunde) auch in wissenschaftlichen Studien häufig zu Fehlschlüssen, teilweise mit fatalen Auswirkungen, führen. Solche „Confounder“ werden dann fälschlicherweise als ursächlich füreinander verknüpft und Zusammenhänge hergestellt, die nicht wirklich, sondern nur zufällig auftreten. So wurde z.B. der gesundheitsfördernde Effekt von Alkohol überschätzt, weil Schwerkranke häufig keinen Alkohol mehr trinken können. D.h., Menschen leben teilweise nicht deshalb kürzer, weil sie keinen Alkohol trinken, sondern der Anteil von Schwerkranken, die keinen Alkohol trinken können, ist besonders am Ende des Lebens groß. Bekanntermaßen hat dennoch der richtige Alkohol (Rotwein mit hohen Anteilen an Resveratrol) in Maßen genossen durchaus (milde) gesundheitsfördernde Wirkung.

Verzweifeln Sie nicht an der Komplexität der Medizin – Das geht schon uns Ärzten oft so. Am besten bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung ist eine gelungene Mischung aus Wissenschaft (externer Evidenz), Arzterfahrung (interner Evidenz) und Patientenwerten, -präferenzen und Wissen des Patienten als Experte für seinen eigenen Körper.

Ist sich der Arzt endlich mit seiner Diagnose sicher genug, kann im Gespräch mit den Patienten eine mögliche Therapie besprochen werden.

Wie diese aussehen könnte und welche Fehler dabei oft gemacht werden, wird im Teil 3 erörtert. Teil 4 widmet sich dann dem Stand zur Behandlung mit Heilpflanzen.

Ihr

Berthold Musselmann