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Multitasking: Eine der Unsinnigkeiten des modernen Lebens

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Achtsamkeitspraxis

Bedeutet Multitasking nicht einfach nur, dass "mit Herzblut bei der Sache sein" nicht stattfindet? Weitere Gedanken zur Achtsamkeit.

Von: Kirsten Hinrichsen

Achtsamkeit teilt sich ein in zwei Teile: Die formale Achtsamkeitspraxis und die informelle Achtsamkeitspraxis.

Den formalen Teil erwähnte ich schon, nämlich die Sitz-und Geh-Meditation, Körperübungen in Form von Yoga, die Körpermeditation (Body-Scan).

Informelle Achtsamkeitspraxis heißt nichts anderes, als dass wir lernen, bei jeder noch so kleinen Tätigkeit wirklich Bewusstheit darüber zu entwickeln, was wir gerade tun, wie wir es tun, was wir dabei fühlen, im Körper empfinden oder denken. Es bedeutet auch, dass wir nur EINE Sache zur Zeit tun.

Mal ehrlich:

Wer von Ihnen liest beim Frühstück die Zeitung? Raucht zum Kaffee, isst und unterhält sich dabei, wäscht ab und hört Radio dazu, isst Abendbrot und sieht dazu fern, telefoniert und spielt dabei Solitaire auf dem PC und ...und ...und ...Sie können die Liste sicher selbst noch weiterführen. Dies betrifft natürlich das Stichwort „Multitasking“, das ich erwähnt habe.

Multitasking ist eine Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, die heutzutage sehr hoch bewertet wird, was eine der Unsinnigkeiten des modernen Lebens ist. Multitasking bedeutet einfach nur, dass man nichts wirklich mit Konzentration macht, dass „mit Herzblut bei der Sache sein“ nicht stattfindet.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass wir mehrere Dinge gleichzeitig tun können. Aus der Hirnforschung wissen wir, dass das Gehirn immer nur eins zurzeit tut. Zugegeben, beim Multitasking sieht es so aus, als würden mehrere Dinge gleichzeitig getan, was aber nur daran liegt, dass das Gehirn sehr schnell von einer Sache zur anderen springt, in manchen Fällen denke ich an „oszillieren“, so schnell geht es hin und her, von einem zum anderen und wieder zurück. Das ist Stress! In diesem Fall setze ich Achtsamkeit beinahe gleich mit Aufmerksamkeit, was sonst natürlich viel zu wenig ist ...

Der erste Schritt zu einem achtsam gelebten Leben kann also sein, mindestens eine Sache am Tag achtsam zu tun, also wirklich nur diese eine Sache, mit voller Konzentration und unter Beteiligung aller Sinne, deren Wahrnehmungen wir bemerken. Ein praktisches Beispiel ist das achtsame Essen.

Also ohne Unterhaltung, Fernsehen, Buch oder Radio ...dabei dann

  • die Mahlzeit sehen und wissen, wer und was an der Entstehung beteiligt war, vom Bauern bis zum Ich oder dem Koch
  • den Geruch wahrnehmen und wie dieser bereits in mir etwas auslöst – ein „MMMMhhh“ vielleicht, oder sogar schon Speichelfluss
  • einen Bissen nehmen und im Mund spüren: Wie genau fühlt sich das an, ist es warm oder kalt, hart oder weich, oder etwas anderes
  • was denke ich dazu
  • dann erst kauen, spüren, wie sich die Konsistenz verändert, Speichel fließt
  • wahrnehmen, wenn der Schluckreflex einsetzt
  • spüren, was geschieht, wenn ich heruntergeschluckt habe ...nächster Bissen, nächste Gabel, voll.

Das reduziert natürlich das Tempo und wirkt sich positiv auf die Zerkleinerung, Verdauung, Aufnahme der Vitalstoffe aus der Nahrung und die Arbeit von allen an der Verdauung beteiligten Organe aus. Ja, ich weiß, keine Zeit ...keine Zeit ...die Zeit ist um ...wer keine Zeit hat, hat andere Prioritäten und gerade im Falle des Essens kann das der Beginn einer Stresserkrankung sein, vor allem dann, wenn noch viele andere kleine Achtlosigkeiten dem eigenen Sein gegenüber stattfinden.

So, beim nächsten Mal ist der Autopilot dran und bis dahin können Sie ja erforschen, wo Sie in Ihrem Leben achtsamer und aufmerksamer sein können, fürsorglich für die eigene Gesundheit oder die Partnerschaft.

Die Autorin
Kirsten Hinrichsen ist Heilpraktikerin und MBSR-Trainerin mit Praxis in Plön. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Achtsamkeits basierte Stressreduktion.