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Finasterid: Tausche Haarwuchs gegen Potenz

Mann mit beginnender Glatzenbildung in der Scheitelmitte.

Gegen Glatze und vergrößerte Prostata, aber mit Nebenwirkungen

Größer werdende Geheimratsecken und eine fortschreitende Glatzenbildung können den Blick in den Spiegel für Männer zum täglichen Schrecken machen. Mit Finasterid gibt es ein Mittel, das zwar effektiv Abhilfe schafft, aber ein hohes Risiko an schwerwiegenden Nebenwirkungen mit sich bringt.

Von: Benjamin Honda

Was ist Finasterid?

Finasterid ist ein Wirkstoff der gegen erblichen Haarausfall (androgenetische Alopezie, AGA) hilft, aber auch drastische Nebenwirkungen hat. Dazu zählen Erektionsstörungen, Impotenz und Depressionen bis hin zu Suizidgedanken. In Deutschland ist das Medikament seit 1998 zugelassen und wird unter diversen Handelsnamen wie zum Beispiel Propecia, Finapil oder Finasterid-ratiopharm vertrieben. Allein im Jahr 2017 verkauften Apotheker 120.000 Packungen [12]. In Deutschland greifen Zehntausende von Haarverlust geplagte Männer zur vermeintlich harmlosen Tablette.

Entwickelt wurde Finasterid als neues Arzneimittel (Proscar) zur Behandlung der Benignen Prostatahyperplasie (BPH – gutartige Prostatavergrößerung). Es zeigte sich während der Therapie, dass bei Männern mit erblich bedingtem Haarverlust nicht nur die Prostatabeschwerden zurückgingen, sondern auch die Haare wieder zu sprießen begannen. Bingo, dachte sich der Hersteller MSD und brachte einige Jahre später noch das Haarwuchsmittel Propecia auf den Markt. Dieses unterscheidet sich einzig in einer geringeren Dosierung pro Tablette und in der Ansprache einer anderen Altersgruppe.

Indikationen und Dosierung von Finasterid auf einen Blick:

  1. benigne Prostatahyperplasie, Dosierung: 5 mg/Tag, Altersgruppe: Männer ab 50 Jahren
  2. hormonell bedingter Haarausfall, Dosierung: 1 mg/Tag, Altersgruppe: Männer im Alter von 18 bis 41 Jahren

Wer verschreibt Finasterid?

Finasterid ist rezeptpflichtig und wird je nach vorliegendem Beratungsanlass von Ihrem Hausarzt, Hautarzt oder Urologen verschrieben. Vor der Einnahme sollten Sie sich aber über mögliche Nebenwirkungen informieren oder gezielt Ihren Arzt fragen, denn die Nebenwirkungen können beträchtlich sein. Vor allem bei jungen Männern, die Finasterid gegen androgenetische Alopezie verschrieben bekamen, häufen sich negative Berichterstattungen.

Für Frauen und Männer unter 18 Jahren ist das Medikament nicht zugelassen.

Wie wirkt Finasterid?

Finasterid greift als 5-Alpha-Reduktasehemmer inden Stoffwechsel der männlichen Sexualhormone aus. Das Enzym 5-Alpha-Reduktase wandelt das Prohormon Testosteron in das fünfmal stärker wirksame Sexualhormon (Androgen) Dihydrotestosteron (DHT) um. Finasterid verhindert als Reduktasehemmer die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron und so wird auch der nachfolgend beschriebene Wirkungsmechanismus unterbunden.

Dihydrotestosteron (DHT) hat folgenden Wirkungsmechanismus:

  1. Bei der gutartigen Prostatahyperplasie stimuliert DHT das Wachstum bestimmter Prostatazellen und verursacht so eine vergrößerte Prostata.
  2. Weiterhin verändert DHT den Wachstumszyklus der Haarfollikel und sorgt so für reduzierte Haarpracht und im schlimmsten Fall Glatzenbildung.

Ergo werden Haarfollikel, die die Haarwurzeln umgeben, wieder aktiv, ebenso wird das weitere Prostatawachstum gehemmt.

Die Wirkung gegen Haarausfall ist klar belegt [1]. Das gilt allerdings nur dann, wenn der Haarausfall tatsächlich erblich bedingt ist. Ob man unter erblichem oder anders bedingtem Haarausfall leidet, kann ein Arzt feststellen.

DHT sorgt als wichtiges Sexualhormon neben der Ausbildung der Männlichkeit unter anderem auch für Antrieb und generelle Lebenslust.

Was passiert, wenn man Finasterid absetzt?

Der positive Effekt, dass wieder mehr Haare wachsen, verschwindet, sobald man aufhört, die Tabletten einzunehmen. Mann kann dann quasi zuschauen, wie die Haare wieder dünner und weniger werden. 

Nebenwirkungen können aber sogar nach Absetzen des Produktes bestehen bleiben, was mit dem Begriff Post-Finasterid-Syndrom beschrieben wird.

Welche Nebenwirkungen hat Finasterid?

Die Palette von möglichen Nebenwirkungen ist lang und in den Medien findet man immer mehr Berichte, dass Finasterid zu persistenter erektiler Dysfunktion (PED) führen kann oder auch zu Depressionen. Viele betroffene Männer sind der Meinung, dass nicht ausreichend vor diesen schweren und zum Teil sogar dauerhaften Nebenwirkungen gewarnt wurde. Wie die "Zeit" berichtete, klagen erste Patienten gegen die Pharmaindustrie.

Folgende Nebenwirkungen sind bekannt:

  • Verminderte Libido
  • Erektile Dysfunktion
  • Unfruchtbarkeit
  • Depressionen und Suizidgedanken
  • Ejakulationsstörungen und vermindertes Ejakulationsvolumen
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Vergrößerung der Brust
  • Hodenschmerzen
  • Herzunruhe
  • Überempfindlichkeitsreaktionen wie Ausschlag, Pruritus, Urtikaria und Angioödem (einschließlich Schwellung der Lippen, der Zunge, des Halses und des Gesichts) [2]

Betroffene berichten außerdem immer wieder von Konzentrations- und Schlafstörungen.

Das Risiko, dauerhaft impotent zu werden, scheint vor allem mit der Einnahmedauer und nicht so sehr mit der Dosierung zusammenzuhängen, in der man Finasterid einnimmt. Laut einer Studie haben Männer, die Finasterid länger als 205 Tage einnehmen, bereits ein 5fach so hohes Risiko, an persistenter erektiler Dysfunktion (PED) zu erkranken als kürzer behandelte Männer [3].

Auch wenn Finasterid abgesetzt wird, besteht die Möglichkeit, dass die Nebenwirkungen wie sexuelle Unlust, erektile Dysfunktion und Depressionen über Monate und sogar Jahre bestehen bleiben [4]. Jeder 20. Mann, der bis zum Alter von 41 Jahren länger als 9 Monate Finasterid oder Dutasterid einnimmt, leidet im Schnitt 3,5 Jahre daran.

Fazit: Nimmt man Wirkstoffe wie Finasterid oder das verwandte Dutasterid zu sich, geht man das Risiko ein, an immensen Nebenwirkungen zu leiden. Der Nutzen einer wieder sprießenden Haarpracht ist im Vergleich dazu eindeutig zu vernachlässigen.

Es gibt auch pflanzliche Alternativen, die gut gegen BPH helfen und kaum Nebenwirkungen haben.

Wirkt Finasterid bei Frauen?

Auch rund ein Viertel aller Frauen leidet unter der androgenetischen Alopecia. Gerade in den Wechseljahren nimmt der Haarausfall zu. Die Kahlheit breitet sich insbesondere im Bereich des Mittelscheitels aus, ist aber selten komplett, wie es oft bei Männern der Fall ist.

Eine Wirksamkeit von Finasterid konnte bei Frauen nicht nachgewiesen werden. Zudem führt das Medikament bei schwangeren Frauen zu Fehlbildungen der Geschlechtsorgane bei männlichen Föten, weshalb es keine Zulassung des Reductase-Hemmers für Frauen gibt.

Dagegen wird dem Mittel Minoxidil eine positive Wirkung auf das Haarwachstum bei Frauen bescheinigt [5]. Häufige Nebenwirkungen sind Blutdrucksenkung und überschießendes Haarwachstum.

Welche natürlichen Mittel helfen gegen Prostatavergrößerung?

Bestbelegtes und wirksames pflanzliches Arzneimittel ist ein Kombinationspräparat aus den Heilpflanzen Sägepalme und Brennnessel.

Die Wirksamkeit wurde in Studien nachgewiesen und war dort mit synthetischen Medikamenten wie Finasterid vergleichbar. Dabei ging die Prostatahyperplasie unter Sägepalmen-Extrakt um 37 %, unter Finasterid um 39 % zurück.

Weitere hilfreiche Heilpflanzen sind Kürbissamen, Roggenpollen oder die Afrikanische Pflaume.

Welche natürlichen Mittel helfen gegen Haarausfall?

Erste Studien geben Hinweise darauf, dass KürbiskernölSulforaphan und Traubenkerne natürliche Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall sein könnten. 

Die Wirkung von Kürbiskernöl untersuchte eine placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 76 Männern zwischen 20 und 65 Jahren, die an androgenetischer Alpezie leiden. Die Testgruppe nahm 24 Wochen lang 400mg des Öls zu sich. Im Vergleich zur Kontrollgruppe stiegen Dichte und Menge der Haare in der Testgruppe deutlich an. Die Forscher gehen davon aus, dass das Kürbiskernöl wie Finasterid die 5-alpha-reductase hemmt. Während der 24-wöchigen Studie wurden keine negativen Veränderungen bezüglich der sexuellen Lust der Versuchsteilnehmer festgestellt [6].

Sulforaphan ist ein sekundärer Pflanzenstoff in Kreuzblütlern wie Kohl oder Radieschen. Eine besonders hohe Konzentration haben Brokkoli und vor allem Brokkolisprossen. Sulforaphan hat zahlreiche positive Effekte bei Krankheiten wie Krebs oder Diabetes. Eine japanische Studie an Mäusen gab außerdem Hinweise, dass es auch gegen Haarausfall wirken könnte [7].

Kleinere Studien gibt es auch zur Wirkung der Sägepalme. Ob diese hilft, scheint aber fraglich [8]. Zumindest dürfte das Risiko der Nebenwirkungen recht gering sein. Allerdings kam es in seltenen Fällen zu Kopf- und Bauchschmerzen. Schwangere und Stillende sollten auf Präparate mit Sägepalmenextrakt verzichten. 

Helfen könnten außerdem Traubenkerne, indem sie die Durchblutung der Kopfhaut anregen [9].