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Jod-Versorgung: Des Guten zu viel?

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Zu viel Jod im Speisesalz?

Seit einigen Jahren wird u.a. Speisesalz häufig Jod zugesetzt. Viele Menschen haben deshalb Angst vor einer dadurch ausgelösten Schilddrüsenüberfunktion. PhytoDoc.de ging der Frage nach, ob diese Angst begründet ist.

Von: Johannes W. Steinbach

Jod-Überversorgung

Die Angst grassiert: Immer mehr Menschen befürchten eine Jod-Überversorgung, weil sie diesem Spurenelement im Ernährungsalltag kaum noch ausweichen können. Zu recht? Fakt ist jedenfalls, dass zahlreiche Speisesalze und viele andere Lebensmittel, ja sogar Tierfutter, seit vielen Jahren immer häufiger mit Jod angereichert werden. Die Folge: Relevante Jod-Mengen finden sich auch ohne unser direktes Zutun in Grundnahrungsmitteln wie Brot, Käse oder Milch. Etwas, das nicht einmal die Befürworter entsprechender Jod-Zugaben bestreiten – so weit, so (un)gut. Viel wichtiger ist jedoch, ob solche mit Jod versetzten Lebensmittel wirklich gesundheitsschädlich oder doch eher -fördernd sind und warum diese Jod-Anreicherungen überhaupt vorgenommen werden.

Jod: Der Treibstoff der Schilddrüse

Vielen Endverbrauchern stellen sich in diesem Zusammenhang zunächst einmal die Fragen, was Jod überhaupt ist und wie es im menschlichen Körper wirkt. Die Antwort in aller Kürze: Jod ist gewissermaßen der Treibstoff der Schilddrüse („Thyreoidea“), ohne den diese ihre Aufgaben nicht erfüllen kann. Eine dieser Aufgaben ist die Herstellung der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (Kurzbezeichnung T3) und Thyroxin (T4), die auch als „Peitsche des Organismus“ bezeichnet werden. Stimuliert wird die Schilddrüse dazu vom „Thyreoidea stimulierenden Hormon“ (besser bekannt unter der Abkürzung „TSH“), das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Ein komplexes System mehrerer Wirkfaktoren, die voneinander abhängig sind.

Keine Alternative zur Jod-Zufuhr, aber…

Aus Verbrauchersicht besonders wichtig ist dabei, dass der Körper selbst kein Jod bilden kann, sondern mit der Nahrung (jodiertes Speisesalz, jodhaltige Heilwässer, Seefisch, andere Meerestiere usw.) aufnehmen muss. Man spricht deshalb von einem „essentiellen“ Spurenelement. Kommt es zu einem Jod-Mangel, kann sich die Schilddrüse vergrößern und Knoten bilden sowie zu wenige Schilddrüsenhormone produzieren. Von einer solchen Schilddrüsenunterfunktion betroffene Personen merken das oft frühzeitig an Symptomen wie ständiger Müdigkeit und Antriebslosigkeit, unerklärlicher Gewichtszunahme oder niedergeschlagener Stimmung.

Um das zu vermeiden und weil deutsche Ackerböden kaum mehr Jod enthalten, wurde und wird einigen Lebensmitteln Jod zugesetzt. Grundsätzlich nachvollziehbar, wenn da nicht die Angst zahlreicher Verbraucher wäre, dass sie dadurch vielleicht schon zu viel Jod aufnehmen würden, was wiederum zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen könnte.

Dass diese Angst vielfach unbegründet ist, belegt ein Blick auf die Jod-Aufnahme-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Der tägliche Jod-Bedarf beträgt demnach 100 bis 200 Mikrogramm (μg) für Kinder, 180 μg für Senioren, 200 μg für Jugendliche und Erwachsene mittleren Alters sowie 230 bis 260 μg für Schwangere und Stillende.

Um diese Werte allein durch jodiertes Speisesalz gesundheitsrelevant zu überschreiten, müsste zum Beispiel ein Erwachsener ca. 15 Gramm Salz täglich verzehren. Eine Menge jenseits von Gut und Böse, da wir schon allein hinsichtlich häufig verbreiteter Kreislauferkrankungen nicht mehr als 2 bis 3 Gramm täglich konsumieren sollten.

Die Konsequenz: Gesunde Menschen mit intakter Schilddrüse, die sich halbwegs gesundheitsbewusst ernähren, laufen kaum Gefahr, auf Grund eines Jod-Überschusses in der Nahrung an einer Schilddrüsenüberfunktion zu erkranken. (Einmal ganz abgesehen davon, dass die ersten Experten bereits eine Rückentwicklung Deutschlands zum Jod-Mangelgebiet befürchten.)

Hashimoto durch zu viel Jod?

Anders ist dagegen die Situation bei Menschen, die bereits eine Schilddrüsenüberfunktion („Hyperthyreose“) haben, es eventuell aber noch gar nicht wissen. In solchen Fällen kann es selbst durch einmalige zu hohe Jod-Aufnahmen, die für einen Gesunden unbedenklich wären, zu weiteren Gesundheitsproblemen kommen. Etwa, wenn sie stark jodhaltigen Medizinpräparaten (Röntgenkontrast- oder Hautdesinfektionsmitteln usw.), Lebensmitteln (Sushi) oder Nahrungsergänzungsmitteln (Algentabletten) ausgesetzt werden. Ob man selbst zu dieser Personengruppe gehören könnte, erkennt man u.a. an Hyperthyreose-Symptomen wie Nervosität, Schwitzattacken, häufigem Zittern oder Gewichtsverlust ohne ersichtlichem Grund.

Fälschlicherweise ins Spiel gebracht wird in diesem Zusammenhang auch häufig das Leiden „Hashimoto“: Obwohl die Symptome denen einer Schilddrüsenüberfunktion zum Verwechseln ähnlich sind, handelt es sich beim Hashimoto nicht um eine solche, sondern viel mehr um eine autoimmun bedingte chronische Entzündung der Schilddrüse. Diese wird jedoch nicht durch eine falsche Ernährungsweise mit zu viel Jod ausgelöst, sondern ist – wie alle Autoimmunerkrankungen – genetisch bedingt.

Im Falle des Hashimotos bildet der Körper Abwehrzellen gegen die eigene Schilddrüse, die dann von diesen zerstört wird. Die Folge: T4 (ggf. auch T3), die normalerweise von der Schilddrüse gebildet werden, müssen in Medikamentenform von außen zugeführt werden. Nichtsdestotrotz sollten sich Hashimoto-Patienten an die bereits genannten Jod-Zufuhr-Empfehlungen halten, um die Entzündungssymptome nicht zusätzlich zu fördern.

Eine weitere Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung, die anders als der Hashimoto sogar durch Verabreichung des Jod-Isotop („Radiojodtherapie“) behandelt wird, ist der Morbus Basedow. Dieses häufig auch als „Basedow’sche Krankheit“ titulierte Leiden, wird nicht durch zu hohen Jod-Verzehr ausgelöst – wenngleich Patienten ihrer Jod-Aufnahme besonderes Augenmerk schenken sollten, um die Symptome der Erkrankung nicht zusätzlich von außen anzuheizen. Betroffene Patienten erkennt man häufig an vorstehenden großen Augen sowie einer Kropfbildung am Hals („Struma“).

Ab dem 09. März werden in einem 2. Teil zu diesem vielschichtigen Thema kontrovers diskutierte Aspekte näher beleuchtet.

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