Ihr Portal für Gesundheit,
Naturheilkunde und Heilpflanzen

natürlich gesund

Nahrungsergänzungsmittel – Pillen gegen das schlechte Gewissen?

Nahrungsergänzung: Das sollten Sie wissen

Der Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln boomt: Jährlich werden Vitamine und Mineralstoffe im Wert von 1,1 Milliarden Euro verkauft. Nur, welche Vitalstoffe sind wirklich sinnvoll, worauf ist bei der Einnahme zu achten? Die wichtigsten Fakten haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Von: Dr. Gunda Backes

Sinnvoll oder nur beruhigend für das Gewissen?

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie essen ein paar Tage lang ziemlich „ungesund“ mit wenig Obst und Gemüse, weil Sie einfach keine Zeit oder Lust hatten, sich über Ihre Ernährung Gedanken zu machen. Und ganz schnell ist sie da, die Angst, zu wenige gesunde Vitamine zu essen. Ein Griff in die Schublade mit der sprudelnden Brausetablette kann das Gewissen ungemein erleichtern, denn Nahrungsergänzungsmittel versprechen viel Gutes. Und damit sind Sie nicht alleine – fast ein Drittel der Deutschen nimmt regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein. Aber wie sinnvoll ist es, unser Essen damit aufzupeppen? Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten zusammengestellt und Argumente für oder gegen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gefunden.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel (keine Arzneimittel!), die die allgemeine Ernährung ergänzen sollen. Sie werden folgendermaßen definiert:

Nahrungsergänzungsmittel

  • sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung zu ergänzen (Zweckbestimmung),
  • bestehen aus Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung und liegen in konzentrierter Form vor (Zusammensetzung) und
  • werden in dosierter Form zur Aufnahme in abgemessenen kleinen Mengen in den Verkehr gebracht (Darreichungsform).

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln

Kriterien

Nahrungsergänzungsmittel

Arzneimittel

Dosierung

eher gering, meist empfohlene Tagesdosis

Höher, therapeutische Wirkung

Rechtliche Einordnung

Unterliegen den rechtlichen Vorschriften des Lebensmittelrechts

Unterliegen dem Arzneimittelgesetz

Anforderungen

Produkte müssen Anforderungen der Nahrungsergänzungs-mittelverordnung (NemV) entsprechen

Zulassung durch das BfArM nach Prüfung in klinischen Studien (Wirkung, Nebenwirkung etc)

Zweck

Ergänzung der allgemeinen Ernährung

Heilung, Linderung oder Vorbeugung von Krankheiten

Werbung

Aussagen zur Linderung oder Verhütung von Krankheiten sind verboten

Wissenschaftlich belegbare Aussagen zur Linderung oder Verhütung von Krankheiten sind innerhalb der Grenzen des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) erlaubt

Welche Substanzen kommen in Nahrungsergänzungsmitteln vor?

Nahrungsergänzungsmittel bestehen meist aus einem Konzentrat verschiedener Nährstoffe und sind in dosierter Form als Tabletten, Kapseln, Pulver oder Ampullen erhältlich. Welche Substanzen das sein können, sehen Sie hier:

SubstanzgruppeBeispiele
Aminosäuren, PeptideL-Cystein, L-Carnitin, Gluthation
Fettsäuren und PhospholipideOmega-3-Fettsäuren (Fischöle), Omega-6-Fettsäuren (Nachtkerzenöl), Lecithin
KohlenhydrateInulin, Oligofructose
Mengen- und SpurenelementeCalcium, Magnesium, Eisen, Zink, Jod, Selen, Chrom
Pflanzenextrakte, Produkte tierischen UrsprungsObst- und Gemüsekonzentrate, Haifischknorpel
Sekundäre PflanzenstoffeCarotinoide
Vitamine Vitamin C, Vitamin E, Folsäure, ß-Carotin
SonstigeBierhefe, Algen

Natürliche oder synthetische Vitamine?

Nicht immer werden synthetische Vitamine schlechter resorbiert als natürliche. Ein Beispiel: Die Bioverfügbarkeit von Folaten aus Lebensmitteln entspricht nur etwa 80% der Resorption von synthetischer Folsäure. Hier ist also besonders für Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere eine Supplementierung mit synthetischer Folsäure angebracht.

Tipps für eine gesunde Ernährung & richtigen Umgang mit Ergänzungen

Bei folgenden Vitalstoffen kommt es häufiger zu einem Mangel: 

Doktor Blatt

Fest steht, dass Obst und Gemüse immer besser sind als Nahrungsergänzungsmittel. Der Grund: Sie liefern nicht nur wichtige Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch andere Stoffe (z. B. sekundäre Pflanzenstoffe), deren Funktionen im Körper zum Teil noch gar nicht bekannt sind. Zudem ist besonders die Kombination verschiedener Inhaltsstoffe vorteilhaft für die Gesundheit. Im Gegensatz dazu enthalten Nahrungsergänzungsmittel meist nur einige isolierte Stoffe.

Waren die Lebensmittel früher besser?

Übrigens: Manche Menschen glauben, unsere Lebensmittel enthielten früher mehr gesunde Inhaltsstoffe als heute. Diese Angst ist aber unbegründet. Zwar können die Vitamingehalte in Lebensmitteln stark schwanken, da viele verschiedene Faktoren den Vitamingehalt unserer Lebensmittel beeinflussen - z.B. Reifezustand, geographische Herkunft, Lagerung, Verarbeitung oder Kochvorgang. Unsere Lebensmittel enthalten heute aber genau so viele Inhaltsstoffe wie früher.

Darauf sollten Sie achten, wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen

  • Kombinieren Sie nicht mehrere Präparate, es könnte eine Überdosierung eintreten
  • Beachten Sie mögliche Wechselwirkungen einzelner Substanzen, z.B. Magnesium und Calcium können sich gegenseitig in ihrer Absorption hemmen, daher sollten Sie beide Mineralstoffe zeitlich etwas versetzt einnehmen
    Vitamin C fördert die Resorption von Eisen; Orangensaft kann die Aufnahme von Eisen (z.B. aus Haferflocken oder Fleisch) fördern
    Eine hohe Zinkzufuhr (über 50 mg/Tag) kann zu Wechselwirkungen mit dem Eisen- und Kupferstoffwechsel führen
  • Beachten Sie mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten (z.B. Zytostatika, Antieleptika, Antimalariamittel können langfristig die Folsäureversorgung gefährden)
  • Viele Lebensmittel (z.B. Cornflakes oder Säfte) sind schon mit Vitaminen angereichert. Vermeiden Sie zu hohe Dosierungen
  • Auch zu viele Vitamine und Mineralstoffe können dem Körper schaden. Ein Beispiel: Schwangere, die in den ersten Wochen zu viel Vitamin A aufnehmen, gefährden das Kind in seiner Entwicklung