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Neues zum Essverhalten der Deutschen: Zu viel Limonade, zu wenig Folsäure

© Pixelio/Konstantin Gastmann

2. Teil der Nationalen Verzehrsstudie

Die Studie enthüllt: Wie sieht die Ernährung der Deutschen im Detail aus? Essen wir genügend Obst? Trinken wir ausreichend? Und wie viel Fleisch liegt auf unseren Tellern?

Von: Dr. Gunda Backes

Nationaler Aktionsplan

Dass die Deutschen zu dick sind und sich zu wenig bewegen ist nichts Neues. Mit gutem Grund wurde in Berlin gerade ein Nationaler Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten vorgestellt. Unter dem Namen "IN FORM - Deutschlands Initiative für gesündere Ernährung und mehr Bewegung" soll bis zum Jahr 2020 erreicht werden, dass Kinder und Erwachsene gesünder leben. Doch wie sieht die Ernährung der Deutschen im Detail aus?

Brot und Backwaren

Frauen aus den neuen Bundesländern essen mehr Brot als Frauen aus den alten Bundesländern: In Brandenburg werden etwa 150 g/Tag verzehrt, in Bayern sind es nur 120 g/Tag. Bei den Männern zeigen sich größere Unterschiede in den verzehrten Mengen: Wenig Brot wird im Saarland (154 g/Tag) gegessen, am meisten in Bremen (231 g/Tag). Insgesamt werden die meisten Backwaren in Sachsen-Anhalt gegessen (Frauen: 38 g/Tag; Männer 56 g/Tag).

Streichfette

In den neuen Bundesländern kommt im Vergleich zu den alten Bundesländern viel Streichfett (z.B. Butter, Margarine) aufs Brot. Bei den Frauen ist Brandenburg mit 31 g/Tag Spitzenreiter, bei den Männern Mecklenburg-Vorpommern mit 52 g/Tag. Am sparsamsten sind die Frauen aus Nordrhein-Westfalen mit den Streichfetten (17 g/Tag).

Männer lieben Fleisch

Männer essen doppelt soviel Fleisch und Wurstwaren wie Frauen – ganze 103 g am Tag. Bei Frauen landen täglich nur 53 g auf dem Teller. Bei den Männern sinkt der Verzehr von Fleisch, Wurstwaren und Fleischerzeugnissen ab der Altersgruppe von 19 bis 24 Jahren. Bei Frauen ist der Anteil an Personen, die in den letzten vier Wochen vor der Befragung kein Fleisch verzehrt haben mit 3,4 % mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern. Männer der Oberschicht essen 20 Prozent weniger als die männlichen Befragten der Unterschicht. Bei den Frauen macht der Unterschied zwischen den Schichten nur sieben Gramm täglich aus.

Fisch ist Mangelware

Die Deutschen essen kaum Fisch: Durchschnittlich verspeisen Männer nur 29 g Fisch/Tag und Frauen 23 g/Tag. 16 % der Studienteilnehmer haben in den letzten vier Wochen vor der Befragung überhaupt keine Fischgerichte verzehrt. Spitzenreiter beim Verzehr von Fisch, Fischerzeugnissen und Krustentieren sind die Hamburger. Allerdings ließ sich die Tendenz, dass im Norden grundsätzlich mehr Fisch gegessen wird, nicht generell nachweisen.

Zu wenig Obst 

Obwohl wir alle auf ein vielfältiges Obstangebot zurückgreifen können, essen immer noch 59 % aller Deutschen zu wenig Obst – nämlich weniger als 250 g/Tag (Empfehlung der DGE). Frauen essen zwar mit 270 g/Tag durchschnittlich mehr Obst als Männer (222 g/ Tag). Trotzdem erreichen 54 % der Frauen die Empfehlung nicht, bei den Männern sind es sogar 65 %. Bemerkenswert: Das meiste Obst aßen die Studienteilnehmer nicht im Sommer oder Herbst, sondern in den Wintermonaten von November bis Januar.

Die Jungen mögen's süß

Junge Menschen essen deutlich mehr Süßigkeiten als die älteren. Die 14- bis 18-jährigen Teilnehmer der Studie naschen rund 35 g/Tag. Bei den Teilnehmern über 65 Jahre sind es nur noch 10 g/Tag. Allerdings verzehren diese mehr süße Brotaufstriche als die Jungen. Insgesamt werden mit zunehmendem Alter weniger Süßigkeiten gegessen.


Getränke – Frauen liegen beim Wasser vorn

Die empfohlenen 1,5 Liter am Tag werden von beiden Geschlechtern mehr als erreicht. Positiv: Wasser macht etwa die Hälfte des Getränkeverzehrs aus. Kaffee, schwarzer und grüner Tee nehmen mit etwa einem Viertel den zweithöchsten Anteil der alkoholfreien Getränke ein. Ansonsten trinken Frauen mehr Kräuter- und Früchtetees, während Männer häufiger zu Limonade greifen. Beim Wasser liegen die Frauen vorn – zumindest die mit guter Ausbildung, beruflicher Stellung und höherem Einkommen. Wenn es um Limonade geht, gibt es große Unterschiede: Männer der Oberschicht trinken knapp 100 g Limonade pro Tag, Männer der Unterschicht sogar durchschnittlich 365 g/Tag. Bei Frauen zeigt sich ein ähnliches Bild auf geringerem Niveau.

Bierkonsum: Sachsen schlägt Bayern

Männer trinken mit rund 300 Gramm alkoholischen Getränken am Tag fast 4-mal mehr als Frauen. Dabei werden 80 % der alkoholischen Getränke als Bier getrunken und nur etwa 15 % als Wein. Bei den Frauen sind jeweils etwa 50 % der alkoholischen Getränke Bier und Wein. Spirituosen werden besonders von jungen Männern zwischen 19-24 Jahren getrunken. Wein wird tendenziell mehr in den westlichen als in den östlichen Bundesländern getrunken. Allerdings unterscheiden sich Männer und Frauen erheblich im Weinkonsum. Am meisten Wein trinken Männer aus Rheinland-Pfalz (75 g/Tag) und Baden-Württemberg (69 g/Tag), während in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen nur gut 20 g/Tag getrunken werden. Bei den Frauen hingegen nimmt Bremen den zweiten Platz hinter dem Saarland ein mit knapp 50 g/Tag. Am Ende der Skala rangiert überraschenderweise das Weinland Rheinland-Pfalz mit 33 g/Tag. Das meiste Bier in Deutschland trinken übrigens Männer aus Sachsen (385 g/Tag), dicht gefolgt von den Bayern. Das wenigste Bier trinken die Männer in Schleswig Holstein mit 150 g/Tag. Bei den Frauen liegen die Thüringerinnen und Bayerinnen vorn.

Wie gut sind wir mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt?

Bei den meisten Vitaminen entspricht die mittlere Zufuhr dem empfohlenen Wert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Nährstoffzufuhr. Deutlich unter den empfohlenen Werten liegt jedoch die Aufnahme von Vitamin D und Folsäure. Auch die tägliche Aufnahme von Vitamin C liegt bei einem Drittel aller Männer und Frauen unter dem Referenzwert. Kritisch ist besonders die Versorgung mit Folsäure: 79 % der befragten Männer und 86 % der Frauen unterschreiten die empfohlenen Mengen.

Übrigens: Besonders die 35- bis 50-Jährigen nehmen Supplemente ein. An der Spitze liegen Magnesium- und Calcium-Präparate, bei Vitaminen steht Vitamin C an erster Stelle, gefolgt von Vitamin E und den B-Vitaminen.

Mehr Informationen zur Studie finden Sie unter:

  1. www.was-esse-ich.de
  2. www.bmelv.de