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Rooibos-Tee: Schluck für Schluck Gesundheit

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Das Multitalent Rooibos-Tee

Gegen Allergien, Herz-Kreislaufprobleme & Co: Rooibos - das Gesundheits-Multitalent aus den Zedernbergen Südafrikas.

Von: Eva Pantleon

Aus dem Süden Afrikas

Die Eingeborenen Südafrikas tränken Tee von einer „guten Pflanze“, die offenbar der Gesundheit „wohl täte“. Das notierte der schwedische Forscher Carl Thunberg bereits 1772. Allerdings war Thunberg nun mal Botaniker und kein Marketingexperte. Und so sollte es noch 130 Jahre dauern, bis Aspalathus linearis – besser bekannt als Rooibos – seinen Siegeszug um die Welt antrat.

Genauer gesagt war es das Jahr 1904, als der russische Immigrant und Kaufmann Benjamin Ginsberg einen Ausflug in die Zedernberge machte – ein Gebiet im Südwesten der Republik Südafrika. Dort bemerkte er, dass die Eingeborenen sich aus den Blättern und Zweigen eines unscheinbaren Strauches einen Aufguss brauten. Was ihm außerdem auffiel, war, dass die Männer und Frauen ungewöhnlich gesund und frisch aussahen. Ginsberg kostete von dem Gebräu. Und obwohl er als Spross einer alten Teehändlerdynastie eine überaus feine Zunge hatte, war er von dem fruchtigen Geschmack des Suds sofort begeistert. Und der Rest ist Geschichte - eigentlich.

Mit Rooibos Tee gegen Babys Bauchschmerzen

Denn bis in die 60er machte Rooibos-Tee vor allem als leckeres Getränk Karriere – und das mal mehr, mal weniger. Dann aber machte 1968 die Ärztin und junge Mutter Annique Theron aus Pretoria eine Entdeckung, die alles verändern sollte. Nur weil die Milch bereits wieder abgekühlt war, mischte sie eines Abends etwas warmen Rooibostee in das Fläschchen und gab es ihrem Baby. Dieses litt, seit es auf die Welt gekommen war, fast ununterbrochen unter Krämpfen und Koliken. Die Wirkung des Tees war frappierend: Fast umgehend ließen die Koliken nach. Diese Entdeckung ging durch die Presse. Auch andere Mütter testeten erfolgreich die krampflösende Wirkung des Tees an ihren Babys, und so schnellte die Nachfrage binnen kürzester Zeit in astronomische Höhen. Aus dem „Arme-Leute-Tee“ wurde ein begehrtes Heilmittel.

Und das offenbar zu Recht, wie die moderne Forschung nachweisen kann. So bestätigten Labor- und Tierstudien Anniqe Therons Beobachtungen: Bei Ratten löst Rooibos nicht nur Verkrampfungen in der Darmmuskulatur, sondern auch in den Blutgefäßen und den Atemwegen. Das Gewächs könnte daher auch bei Heuschnupfen und Neurodermatitis eine Hilfe sein. Daneben weisen Labor- und auch erste klinische Studien auf weitere Indikationen für den Rotbuschtee hin, die ihm in der Liga der gesundheitsfördernden Lebensmittel einen oberen Tabellenplatz sichern können. Denn sein Wirkungsspektrum reicht dank eines speziellen Wirkstoffes offenbar von Allergien bis hin zu Krebserkrankungen.

6 Tassen täglich: gut fürs Herz

Die neueste Überraschung lieferte dabei eine aktuelle klinische Studie der Technischen Universität Cape Peninsula in Belleville, Südafrika: Sie besagt, dass nur sechs Tassen Rooibos-Tee täglich prophylaktisch vor Arteriosklerose schützen - und damit vor Folgeschäden wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall. In der Studie unter der Leitung von Prof. Jeanine L. Marnewick tranken 40 Teilnehmer sechs Wochen lang täglich jeweils sechs Tassen Rooibos-Tee. Im Blut der Probanden konnte ein deutlicher Anstieg der Hauptinhaltsstoffe von Rooibos gemessen werden, den antioxidativ (= gegen Freie Radikale) wirkenden Polyphenolen. Diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe aktivieren im menschlichen Organismus wichtige entzündungshemmende und Gefäß schützende Prozesse.

Als Endergebnis der Studie stellte sich heraus, dass durch den Genuss von Rooibos-Tee die Werte von Blutfetten und oxidativem Stress (= eine Stoffwechsellage, die zur Zellschädigung führt) deutlich sinken. „Diese Parameter werden für die Entwicklung von Herz-Kreislauferkrankungen mit verantwortlich gemacht“, erläutert Prof. Marnewick. Darüber hinaus zeigten die Probanden der Rooibos-Studie auch ein besseres Verhältnis zwischen dem als ungünstig betrachteten LDL-Cholesterin und dem als schützend angesehenen HDL-Cholesterin. Dr. Mathias Schmidt, Wissenschaftler und Geschäftsführer von „Herbresearch Deutschland“ bestätigt: „Diese neuen klinischen Daten deuten darauf hin, dass regelmäßiger Genuss von Rooibos-Tee langfristig vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt“.

Rooibos in der Krebstherapie

Die stark antioxidative Wirkung des Rooibos ist es auch, die ihn als Kandidat für die Krebstherapie qualifiziert. Das „South African Medical Research Council“ untersucht derzeit diverse volksmedizinisch überlieferte Heilwirkungen des Tees. Dabei deuten erste Studien eine mögliche krebs-vorbeugende Wirkung an: Offenbar verhindern die im Rooibos enthaltenen Polyphenole Schäden an der DNA, die man heutzutage für eine der häufigsten Ursachen von Krebs hält. In Versuchen mit Mäusen ließ sich feststellen, dass sowohl Hautkrebs wie auch Leberkrebs positiv auf eine Behandlung mit Rooibos-Extrakt reagierten: Die Tumore waren weniger, kleiner und wuchsen deutlich langsamer als in den Vergleichsgruppen.

Trotz aller Begeisterung über solche Ergebnisse bleibt aber zu bedenken, dass es sich um Tierversuche handelt, betont Dr. Richard Sullivan, Leiter der klinischen Programme bei “Cancer Research UK”. Es gebe Unmengen von Substanzen, die bei Ratten Krebs kurieren, aber bei Menschen nichts ausrichten könnten. Weitere und vor allem klinische Studien seien von Nöten, aber durchaus sinnvoll. Zwar seien, so Sullivan, auch grüner und schwarzer Tee reich an Antioxidantien. Doch gegenüber diesen habe Rooibos den großen Vorteil frei von Koffein und Gerbstoffen zu sein – und damit eine noch sanftere Form der Vorbeugung.

Aspalathin – was Rooibos so besonders macht

Abgesehen davon enthält Rooibos ein spezielles Polyphenol, das bisher in keiner anderen Pflanze nachgewiesen werden konnte und von dessen weiterer Erforschung sich Wissenschaftler viel versprechen: das Aspalathin. Dieses ist besonders im grünen, noch unfermentierten Rooibostee enthalten, der sich daher gerade zum neuen Star am Teehimmel entwickelt. Und das nicht unbedingt wegen seines Geschmacks, den Kenner als „herb, leicht rauchig“ bezeichnen, ignorantere Zeitgenossen aber auch schon mal als „muffig“.

Trotzdem lohnt sich die geschmackliche Eingewöhnung: Grüner Rooibos enthält nämlich weitaus höhere Mengen an Polyphenolen – insbesondere an Aspalathin – als sein „roter Bruder“, wie Professor Elizabeth Joubert vom Landwirtschaftsforschungsinstitut in Stellenbosch nachwies.

Und das will schon etwas heißen: Schließlich ist Aspalathin ein Flavonoid und aktiver Radikalenfänger, der bisher weltweit nur in der Rooibospflanze nachgewiesen werden konnte. Diesem „Wunderstoff“ wird nicht nur die krampflösende Wirkung des Rooibos zugeschrieben, sondern auch etliche andere Indikationen – wie etwa Hilfe bei Allergien. "Bei längerer Anwendung entsprechender Präparate wurde in Einzelfällen sogar eine Desensibilisierung gegenüber einigen Allergie auslösenden Substanzen beobachtet", sagt Franz-Christian Czygan, Professor für Pharmazeutische Biologie an der Universität Würzburg. Gleichzeitig betont er aber, dass dieser Effekt noch nicht durch klinische Studien belegt sei.

Rooibos gegen HIV?

Dasselbe gilt für die Tierversuche der japanischen Aichi-Medical-Universität. Diesen zufolge soll die tägliche Einnahme eines alkalischen Rooibostee-Auszuges bei Ratten Infektionen mit HIV verhindern. Die japanischen Wissenschaftler führen den von ihnen beobachteten Effekt auf die im Rotbusch-Tee enthaltenen sauren Zuckerverbindungen zurück. Doch auch hier bleibt die Frage: Inwieweit lässt sich vom Tier auf den Menschen schließen? Weitere klinische Studien sind also notwendig – und werden auch immer häufiger durchgeführt, wie die hier zu findende Übersicht zeigt.

Was die Volksmedizin empfiehlt …

Bis weitere Studien ausgewertet sind, gilt Rooibos somit vor allem als gesundes Getränk, das nachweislich die Gefäße schützt und jede Menge Mineralien und Spurenelemente aufweist – darunter Eisen, Kalzium, Kupfer, Magnesium, Mangan und Zink. Zudem ist der Tee bestens für Kinder und Babys sowie als Getränk während der Stillzeit geeignet: Er enthält weder Bitter- und Gerbstoffe noch Oxalsäure und belastet somit den Magen nicht (Durch zuviel säurehaltigen Früchtetee können Kleinkinder Magenschmerzen gekommen).

Daneben schwört die Volksmedizin in Südafrika auch auf Anwendungen bei Hautproblemen wie Akne, Ekzemen und Sonnenbrand – wofür vor allem der hohe Zinkgehalt des Tees spricht. Und wer möchte, kann sich den Exportschlager aus Südafrika auch einfach über den Kopf gießen: So eine Rotbuschspülung ist billiger als Henna, noch gesünder für Haare und Kopfhaut und ergibt – nomen est omen - eine zarte rostrote Tönung.

Einkaufs-Tipp:

Setzt man auf hochwertige Qualität, empfiehlt es sich, Rooibos-Tee aus biologischem Anbau zu kaufen. Im Gegensatz zum kommerziellen Anbau wird hier noch per Sichel, also mit der Hand, geerntet. Daher kommen wirklich nur die Blätter und Triebspitzen in die Verarbeitung und keine groben Stängelanteile. Außerdem wird die natürliche Vegetation zwischen den Sträuchern nicht durch Maschinen zerstört. So behalten Nutzinsekten ihren natürlichen Lebensraum und man kann auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten.

Zusätzlich wird der auf ungeschützten Flächen verheerenden Winderosion entgegen gewirkt – was offenbar das Gebot der Stunde ist. Wie eine Reportage von Leonie Joubert dokumentiert, sind die Rooibos-Farmen vom Vordringen der Wüsten infolge der weltweiten Klima-Erwärmung zunehmend in ihrer Existenz bedroht. Die mittlere Lebensdauer der Sträucher ist von zwölf auf fünf Jahre zurückgegangen. Was an sich schon bedenklich ist - aber umso mehr angesichts der Tatsache, dass die Zedernberge etwa 200 km nördlich von Kapstadt das weltweit einzige Anbaugebiet des Roobois sind.