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Ewige Jugend mit Omega-3?

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Das Geheimnis der Telomere

Auf der Suche nach dem Geheimnis von Alterung entdeckten Forscher die Telomere. Welche Aufgaben diese haben und welche Rolle ein hoher Omega-3-Index dabei spielt.

Von: Dr. med. Volker Schmiedel

Wundermittel der Verjüngung

Auf dem Markt gibt es allerlei, was dem geneigten Kunden (oder der Kundin!) Verjüngung verspricht – von Kollagencreme bis zur Botox-Spritze ist auf dem Basar der „Jugend-Industrie“ alles Mögliche zu erwerben. Vor einigen Jahren erlebten wir alle den Hype des Anti-Aging. Merkwürdigerweise habe ich diesen Begriff lange nicht mehr gehört und nichts mehr darüber gelesen. Dabei gab es doch so viele Protagonisten, die ihre Bücher, Rezepte und Produkte mit großer Verve in den Markt peitschten. Liegt es vielleicht daran, dass an all dem doch nicht so viel dran war und jetzt nach den nächsten angeblichen Wundermitteln gesucht wird?

Was unterliegt der Alterung?

Alle organischen und anorganischen Strukturen unterliegen der Alterung: Äpfel faulen, Eisen rostet und selbst Granit verwittert irgendwann einmal – sogar die Sonne altert und wird einmal nach vielen Milliarden Jahren verlöschen. Gibt es auf unserem Planeten denn irgendetwas wirklich Unsterbliches, was sich in hunderten von Millionen Jahren nicht verändert hat? Ja, es ist die DNA, die Erbsubstanz allen Lebens auf der Erde. Natürlich gibt es auch hier Veränderungen durch Mutationen, sonst wären keine neuen Arten entstanden. Aber es existieren auch heute noch Archäobakterien, Ur-Bakterien, die sich in mehreren hundert Millionen Jahren nicht verändert haben. Die Strukturen der Bakterien wurden immer wieder neu aufgebaut, die DNA verdoppelt sich auch bei jeder Teilung, aber sie ist völlig identisch mit derjenigen vor Äonen. Wenn wir also nach Unsterblichkeit suchen wollen, dann müssen wir im Bereich der Genetik suchen, denn die DNA ist (prinzipiell) unsterblich.

Was sind eigentlich Telomere?

Auf der Suche nach dem Geheimnis von Alterung entdeckten Forscher die so genannten Telomere. Die Telomere befinden sich am Chromosomenende (siehe Bild 2) und dienen somit quasi als Schutz der Erbinformationen. Im Laufe der fortlaufenden Zellteilung und -alterung werden die Telomere immer weiter verkürzt, so dass die Länge der Telomere als eine biologische Uhr betrachtet werden kann. Wenn die Telomere eine bestimmte Länge unterschreiten, was etwa nach 50 Teilungen der Fall ist, dann ist die Sanduhr des Lebens abgelaufen, es finden keine neuen Teilungen mehr statt und die Apoptose (Zelltod) wird bald eingeleitet.

Wenn wir einen Weg fänden, die Verkürzung der Telomerase zu stoppen, dann hätten wir den Stein der Weisen, der uns die Unsterblichkeit verheißt, gefunden. Diese Erfindung ist aber längst gelungen. Eine Zellart hat dieses Wunder vollbracht – und das sind die Krebszellen. Sie haben keine Telomerasenverkürzung, keine Alterung, sie sterben allerdings auch – und zwar dann, wenn sie ihren Wirt umgebracht haben. Die Suche nach Unsterblichkeit ist also vielleicht gar nicht so gesund. Können wir aber wenigstens die Telomerenverkürzung und damit die Alterung etwas abbremsen?

Omega-3-Fettsäuren und Telomere

Eine kalifornische Studie aus dem Jahre 2010 zeigte einen verlangsamten Abbau der Telomere bei Probanden mit einem hohen Omega-3-Index (= Spiegel der marinen Omega-3 Fettsäuren EPA und DHA im Körper) im Vergleich zu Probanden mit einem niedrigen Omega-3-Index (1). Die Veränderungen wurden über einen Zeitraum von 5 Jahren gemessen.
Der Hauptgrund für die positive Einwirkung von Omega-3 Fettsäuren auf den Alterungsprozess könnte deren entzündungshemmende Eigenschaft sein. Dies wird auch unterstützt von einer zweiten aktuellen Studie aus Ohio, wo der Einfluss nicht nur von Omega-3-Fettsäuren, sondern auch vom Omega-6/3-Verhältnis auf die Telomerenlänge betrachtet wurde (2). Das Omega-6/3-Verhältnis ist ein Faktor für stille Entzündungen (silent inflammation) im Körper und somit war es nicht überraschend, dass ein niedrigeres Omega-6/3-Verhältnis positive Effekte auf die Telomerenlänge aufzeigte (sogar eine leichte Verlängerung wurde beobachtet). Die Studie aus Ohio dauerte aber nur 4 Monate, und die Ergebnisse waren daher nicht signifikant – im Gegensatz zu der 5-jährigen Studie aus Kalifornien.

Omega-3-Fettsäuren verzögern Telomerenverkürzung

Die Studie aus Kalifornien zeigte folgendes: Während sich die Telomerenlänge bei den Probanden mit einem niedrigen Omega-3-Index relativ um mehr als 8 % verkürzte, betrug der Abbau der Telomere in der gleichen 5-Jahre-Periode bei den Probanden mit einem hohen Omega-3-Index nur 2 % (siehe Bild 4) – die Verkürzungsgeschwindigkeit der Telomere als Maß für das Altern wurde also auf ein Viertel reduziert!

Konsequenzen dieser Studie

Die Wirkungsweise des Alterns ist komplex und wird von psychologischen, physiologischen sowie genetischen Faktoren beeinflusst. Mit unserer Ernährung und dem Anteil an Omega-3-Fettsäuren daran können wir aber offensichtlich vorgegebene Alterungsprozesse beeinflussen.

Die wichtigsten Omega-3-Quellen sind Fische, Fischöle sowie einige Pflanzenöle wie Leinöl, Hanföl oder Rapsöl. Bei einer Umstellung der Ernährung zu mehr Omega-3 sind folgende Fakten wichtig:

Leinöl: Beinhaltet über 50 % Alpha-Linolensäure (ALA) Omega-3. Beinhaltet aber keine der wichtigen marinen Omega-3-Fettsäuren EPA oder DHA. Eine Umwandlung von ALA kann nur zu einer gewissen Grade in EPA und DHA erfolgen (max. 10 % zu EPA und 0,5 % zu DHA).

Fische: Die natürlichste Quelle für Omega-3 Fettsäuren EPA und DHA stellt der marine Fischkonsum dar. Eine therapeutische Dosierung von täglich über 2 Gramm Omega-3 erfordert den Verzehr von 100-300 Gramm Hering, Lachs, Thunfisch oder Makrele. Bei anderen Fischarten ist sogar ein noch höherer Verzehr für die gleiche Dosis erforderlich (z. B. etwa 3 kg Kabeljau – täglich!).

Natürliches Fischöl: Normale Fischöl-Kapseln beinhalten ca. 0,15 Gramm Omega-3, d. h., ca. 15 Kapseln sind notwendig für eine Dosierung von 2 Gramm. Bei Fischöl-Kapseln sollte man allerdings besonders auf die Qualität achten, da oxidierte Öle (ranziges Fett) unerwünschte Nebenwirkungen haben. Unangenehmer Fischgeruch des Öles, fischiges Aufstoßen und schlechte Bekömmlichkeit bei der Verdauung sind Anzeichen für eine schlechte Qualität des Öles. Ein Fischöl guter Qualität, welches nicht aufkonzentriert oder verestert wurde, ist gegenüber Kapseln zu bevorzugen.

Fischöl-Konzentrat: Durch eine chemische Veränderung der Triglyzeride können Öle mit einem sehr hohen Anteil von Omega-3 hergestellt werden. Es ist wenig erforscht, wie sich diese Öle im Körper verhalten und es bleibt die Frage ob mögliche unerwünschte Nebeneffekte bei Konzentraten die positiven Effekte von Omega-3 übersteigen.

Vor die Therapie haben die Götter die Diagnostik gesetzt

Wenn man also beispielsweise einen Esslöffel eines guten Fischöles täglich im Essen zu sich nimmt (pur, in Quark, Suppe, Sauce, Salat oder auf dem Brot), dann macht niemand etwas falsch damit. Optimal ist natürlich eine vorherige Messung der Omega-3-Fettsäuren im Blut. Eine kostengünstige Analyse einer Blutprobe aus der Fingerbeere ergibt Informationen zum Omega-3-Index und andere gesundheitliche Indikatoren wie Omega-6/3-Verhältnis und Transfettsäurenanteil. Die norwegische Firma San Omega bietet ein Analyse-KIT an, bei der mit der Blutprobe beim führenden unabhängigen deutschen Labor die Fettsäure-Werte ausgewertet werden. Der erfahrene Therapeut kann daraus die benötigte Dosis für die zu erzielenden Werte errechnen.

Grau ist alle Theorie…

Die dargestellten Folgerungen der interessanten Forschungsergebnisse sind plausibel, aber sie sind bisher nur spekulativ. Eine kontrollierte, randomisierte Doppel-Blindstudie zum Einfluss von Omega-3 auf Alterungsprozesse fehlt noch (nebenbei: Keine Firma, die Omega-3 herstellt oder vertreibt, hätte die finanziellen Mittel für eine solch aufwändige Studie). Aber immerhin gibt es Populationen, wo wir eine erstaunliche Langlebigkeit sehen. So gibt es japanische Inseln, auf denen die Rate von über 100 Jahre alten Menschen im Weltvergleich exorbitant hoch ist. Dabei sind diese Alten sowohl körperlich als auch geistig ungewöhnlich rüstig. Befragt man diese nach ihren Ernährungsgewohnheiten, so verzehren die „fitten Alten“ sehr wenig Fleisch und viel Fisch. Diese Beobachtung ist natürlich allein kein Beweis für eine Jugend erhaltene Wirkung von Omega-3. Bei solchen epidemiologischen Untersuchungen kommen ja stets noch weitere Einflussfaktoren vor. Diese Japaner trinken meist Grüntee statt Kaffee, psychosoziale Faktoren wie Gelassenheit und Gemeinschaft und nicht zuletzt auch genetische Gründe kommen möglicherweise hinzu. Aber eine hohe Dosis Omega-3 durch Sushi und andere Meeresprodukte ist immer mit dabei.

Ewige Jugend mit Omega-3?

Greifen wir diese Frage vom Anfang noch einmal auf. Ich schildere jetzt meine ganz persönliche subjektive Meinung: Ich glaube nicht, dass Omega-3 ein Verjüngungsmittel darstellt. Ich glaube auch nicht, dass es überhaupt irgendein Verjüngungsmittel gibt – und wer dies behauptet, ist bis zum Beweis für seine Behauptung ein Scharlatan, der seinen arglosen Kunden das Geld für ein haltloses Versprechen aus der Tasche zieht. Was ich aber auch ernsthaft glaube, ist, dass eine optimale Zufuhr von Omega-3 vermutlich über die verringerte Entzündung die Telomerenverkürzung hemmt und damit ein längeres und vermutlich auch gesünderes Leben ermöglichen kann.

Die Ayurvedamedizin sagt seit 5000 Jahren, dass ein Alter von 120 Jahren für den Menschen möglich ist. Moderne Genetiker behaupten aufgrund von Berechnungen der Telomerenverkürzung erstaunlicherweise dasselbe. Und die ältesten Menschen der Welt (sei es in Frankreich oder in Japan) werden tatsächlich etwa 120 Jahre alt.

Ich glaube, dass Omega-3 kein Geheimnis für ewige Jugend darstellt, aber es kann eine Bremse für die natürlichen Alterungsprozesse sein. Omega-3 erzwingt kein unnatürliches, unphysiologisches Altern, aber es hilft vermutlich das biologisch mögliche Potential des Menschen auszuschöpfen. Und das ist doch schon etwas.

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein langes und erfülltes Leben

Dr. Volker Schmiedel, M.A.

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