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Wie viel Wasser ist gesund?

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Auf die Dosis kommt es an

Viele Menschen müssen immer wieder auf die Wichtigkeit des Wassertrinkens hingewiesen werden. Man kann aber auch zu viel des Guten trinken.

Von: Eva Pantleon

Wasser - ein Lifestyleprodukt?

Trinken ist lebenswichtig und gesund. Dennoch gilt auch hier: Es kommt auf die Dosis an. Was viele nicht wissen: Man kann auch zu viel Wasser trinken – so viel, dass es zu einer Wasservergiftung kommt. Besonders gefährdet sind Ausdauersportler und Babys.

Madonna soll 10.000 Dollar im Monat dafür ausgeben. David Beckham bald ein eigenes produzieren („Drink it like Beckham?“). Und das Kempinski in St. Moritz holt es für seine betuchteren Gäste angeblich sogar aus dem Gletscherstein: Wasser – ein lebenswichtiges Natur- und mittlerweile auch ein teuer bezahltes Lifestyleprodukt.

So kostet das „Kabbala-Wasser“, mit dem Madonna sogar ihren Pool füllt, stolze fünf Dollar die Flasche. Fast noch ein Schnäppchen verglichen mit dem Rolls Royce unter den Mineralwassern: dem in den Bergen von Tennessee geschöpften und laut Hersteller neunmal gefilterten Edelwasser namens „Bling H2O“. Hier schlägt die Flasche mit bis zu 80 Euro zu Buche.

Doch das ist es vielen offenbar wert. Nicht nur den Jung-Dynamikern im Nadelstreifen, bei denen die Wasserflasche inzwischen wie Blackberry und i-Pod zur Standardausrüstung gehört. Wer sich einmal in Bussen, U-Bahnen oder Fußgängerzonen umsieht, wird feststellen, wie viele Menschen mit Plastikflaschen unter dem Arm unterwegs sind: Wasser trinken gehört heute zum Lebensstil. Ein Boom, den Udo Pollmer, Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E.) gewohnt bissig kommentiert: „Früher nahm man ein Buch mit, um den Wissensdurst zu stillen. Heute füllt man sich den Kopf mit Wasser.“

Die Deutschen - ein Volk von Wassertrinkern?

Und die Zahlen geben ihm recht. Mehr als elf Milliarden Liter Mineral- und Heilwasser haben die Deutschen 2008 getrunken – das sind 138 Liter für jeden und elf Mal so viel wie 1970, als der Pro-Kopf-Verbrauch bei gerade einmal 12,5 Litern lag. Wasser ist das zweit beliebteste Getränk, gleich nach Kaffee und noch vor Bier, dessen Konsum seit Jahren rückläufig ist. Doch was hat diese nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu beobachtende Wasser-Euphorie ausgelöst?

Wulf Schiefenhövel, Mediziner am Max-Planck-Institut, steht dem Phänomen wie Udo Pollmer eher skeptisch gegenüber. Er meint, das Wasser-Trinken habe insbesondere in den westlichen Ländern einen philosophischen, quasi-religiösen Stellenwert angenommen. Physiologisch zu rechtfertigen sei dies keineswegs. So hat Schiefenhövel jahrelang einen Volksstamm in Neu-Guinea beobachtet, dessen Mitglieder maximal einen halben Liter pro Tag trinken und damit optimal versorgt sind.

Soll man über den Durst trinken?

Doch damit trifft er auf taube Ohren bei jenen Ernährungspäpsten in Fernsehen und Zeitschriften, die Jahr ein Jahr aus predigen: trinken trinken trinken - mindestens zwei, besser 2,5 Liter am Tag, sonst würde man „austrocknen“.

Um diesen Glaubenssatz, der auch in den USA weit verbreitet ist, auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen, haben Dan Negoianu und Stanley Goldfarb, zwei Nierenspezialisten von der Uni in Philadelphia, eine Vielzahl einschlägiger Studien gesichtet. Das 2008 publizierte Ergebnis ihrer Untersuchung lautete: „Es gibt keine Beweise dafür, dass es einen Nutzen bringt, größere Mengen Wasser zu trinken.“ Einzige Ausnahme sind Blasenentzündungen, Verstopfung und eine Veranlagung zu Nierensteinen. Hierbei kann, so die Forscher, ein erhöhter Wasserkonsum hilfreich sein. Für viele andere Glaubenssätze jedoch, wie etwa dass ein hoher Wasserkonsum die Haut aufpolstere oder Schadstoffe aus dem Körper spüle, gibt es keinerlei wissenschaftliche Anhaltspunkte. (Weitere Details ihrer Ergebnisse hier)

So bestätigt auch Hanns-Christian Gunga vom Institut für Physiologie der Berliner Charité: „Unter normalen Bedingungen reicht unser Durstgefühl aus, um uns zu signalisieren, wann wir etwas trinken sollten.“ Und starre Mengenangaben verböten sich schon deshalb, weil der Flüssigkeitsbedarf vom Gewicht abhängig sei.

Die Faustregel der Mediziner lautet stattdessen: Für jede im Stoffwechsel umgesetzte Kalorie braucht der Körper 1 ml Wasser. Eine leichtgewichtige Frau mit einem Büroarbeitsplatz braucht bei einem Tagesenergieverbrauch von vielleicht 1 800 Kalorien also in etwa 1 800 ml Wasser, ein muskulöser Schwerarbeiter bringt es dagegen locker auf das Doppelte oder Dreifache.

Das Wichtige dabei, was viele „Ernährungsexperten“ bei ihren Ratschlägen zu erwähnen vergessen: Diese Menge muss nur zum Teil getrunken werden. Denn mit einer normalen Ernährung werden mindestens 700 Milliliter Flüssigkeit pro Tag zugeführt. Bei Menschen mit einer gemüse- und obstbetonten Ernährung ist es sogar noch mehr. Schließlich enthält ein Apfel 85 Prozent Wasser, eine Gurke bringt es sogar auf 97 Prozent.

Wann Kontrolle sinnvoll ist

Alles in allem sind beim Thema Trinken starre Normtabellen also ziemlicher Unsinn, da jeder je nach Körpergewicht und Ernährung einen anderen Bedarf hat. Folglich braucht auch niemand literweise Wasser in sich hinein zwängen, wenn partout kein Durst besteht – solange es sich um einen normal aktiven Menschen in einem gemäßigten Klima handelt.

Anders sieht die Sache bei einem trockenen und heißen Klima aus, bei Leistungssportlern oder Menschen, deren Durstempfinden gestört ist (wie z.B. oft auch bei alten Menschen oder Demenzkranken). Hier ist eine Kontrolle der Flüssigkeitsaufnahme durchaus sinnvoll. Und zwar in jeder Richtung. Denn entgegen der gängigen Meinung, kann man durchaus zu viel Wasser trinken. So viel, dass es gefährlich wird.

Wie für jenen 22jährigen, der 2007 beim London-Marathon starb – und damit nicht das erste Opfer unter Ausdauersportlern ist. So lassen sich in der Fachliteratur laut Udo Pollmer an die 250 dokumentierte Fälle von Wasservergiftung bei Ausdauersportlern finden. Der Mechanismus ist dabei immer derselbe: Sportler trinken aus Angst vor Austrocknung hohe Mengen Wasser, was den Elektrolythaushalt im Körper durcheinanderbringt. Denn weder Leitungs- noch Mineralwasser haben die physiologische Zusammensetzung, die der Körper braucht. Daher kann die Überversorgung mit normalem Wasser zu einer Hyponaträmie (Natriummangel des Blutes) führen. Verstärkt wird dieser Vorgang oft noch durch Schwitzen, welches zusätzlich Salze aus dem Körper schwemmt.

Die Folge: Das aufgenommene Wasser verbleibt in den Blutgefäßen, dringt ins Gewebe vor und kann dadurch zu lebensbedrohlichen Gehirnödemen führen – wie es auch im Falle von Jennifer Strange geschah. Die junge Frau aus Kalifornien hatte 2007 am Wettbewerb eines Radiosenders teilgenommen: Wer kann am meisten trinken? Erster Preis: ein Spielkonsole. Sie trank in drei Stunden mehr als acht Liter, gewann dabei nicht einmal - und starb kurze Zeit später zu Hause. Diagnose: Wasservergiftung.

Auch Babys sind gefährdet

Das sind natürlich Extremfälle. Und als normaler Mensch muss man es mit der Wasser-Trinkerei schon sehr übertreiben, um sich zu vergiften: Ab zirka sechs bis sieben Litern am Tag wird es gefährlich.

Anders sieht es bei Babys aus: Hier kann schon eine weitaus geringere Menge dramatische Folgen haben. Da ihre Nieren im ersten Lebensjahr noch unterentwickelt sind, können Babys den Salz- und Wassergehalt im Körper noch nicht optimal auszubalancieren. Daher gilt: Selbst wenn die Hitze im Sommer noch so groß ist: Babys, die noch keine feste Nahrung erhalten, sollten neben der Muttermilch kein Extra-Wasser bekommen. Denn „eine extra Zugabe von Wasser kann den empfindlichen Natriumhaushalt des kleinen Körpers stören“, erklärt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Mögliche Folgen seien eine lebensgefährliche Wasservergiftung und Krampfanfälle.

Zwar brauchen auch Babys an heißen Tagen mehr Flüssigkeit. Aber zumindest in den ersten sechs Monaten sollten sie kein reines Wasser trinken. Häufigeres Stillen oder mehr Flaschenkost reichen aus, um den erhöhten Flüssigkeitsbedarf zu decken.

Welches Wasser ist gesund?

Ein beliebter Zankapfel ist nicht nur die Frage nach der Menge, sondern auch nach der Herkunft des zu empfehlenden Wassers. Was ist nun also besser - Leitung oder Vichy? Mit oder ohne Kohlensäure? Und was war da noch mit dem gefährlichen Gehalt an Blei und Uran in manchen Mineralwässern?

"Ob Wasser nun mit oder ohne Kohlensäure getrunken wird, ist letztendlich Geschmackssache und auch eine Frage der Verträglichkeit", meint die Ökotrophologin Dr. Gunda Backes.

Und bei der Frage nach der Herkunft, so Dr. Backes weiter, sei Leitungswasser eine genau so gute Alternative wie Mineralwasser. Schließlich werde es in Deutschland bei der Abgabe genau so streng kontrolliert wie Mineralwasser – enthalte nur eben weniger Mineralien. Aber davon, so die Expertin, würden wir über die Nahrung ohnehin genug aufnehmen. Eines allerdings gilt es noch zu beachten: Wer auf die Marke Wasserhahn setzt, sollte vor dem Verzehr sicher stellen, dass die Wasserrohre im Haus weder Blei noch Kupfer enthalten.

Darum muss man sich bei natürlichem Mineralwasser natürlich nicht sorgen. Schließlich muss dieses, um sich überhaupt so nennen zu dürfen, direkt aus der Quelle abgefüllt sein – und zwar einer unterirdischen und vor Verunreinigungen geschützten Quelle. Außerdem muss Mineralwasser einen bestimmten Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen aufweisen, der durch ein amtliches Gutachten belegt ist.

Anders sieht es beim Quellwasser aus: Dieses wird zwar – nomen est omen – auch an der Quelle abgefüllt, muss aber von der Zusammensetzung her nur den Anforderungen für ganz normales Trinkwasser genügen.

Weitaus höhere Ansprüche hat dagegen das Heilwasser zu erfüllen. Ebenfalls an der Quelle abgefüllt, muss es außerdem eine wissenschaftlich nachgewiesene und amtlich anerkannte gesundheitliche Wirkung haben – ob nun zur Heilung, Linderung oder Vorbeugung.

Wesentlich schlichter sind die Anforderungen, wenn eine Flasche mit der Aufschrift „Tafelwasser“ auf den Tisch kommt: Dieses ist kein Naturprodukt, sondern kann an jedem beliebigen Ort hergestellt werden – und zwar aus verschiedenen Wasserarten und anderen Zutaten wie etwa Mineralsalzen oder Sole. Für das Mischungsverhältnis gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen. Wie Mineralwasser und Quellwasser unterliegt aber auch Tafelwasser der deutschen Verordnung für Mineral-, Quell und Tafelwasser. (Weitere Informationen hierzu finden Sie hier)

Lautet das Fazit somit also: Eigentlich ist jedes Wasser gesund – nur manches noch einen Tick gesünder? Nicht ganz …

Klassiker liegen vorn

Hinsichtlich der Qualität verschiedener Mineralwässer hat die Stiftung Warentest 2008 eine umfassende Testreihe durchgeführt. Fazit der Studie war, dass die „Klassiker“, also bekannte Markenwässer, den billigeren Discountersprudeln deutlich überlegen waren – sowohl hinsichtlich des Mineralstoffgehalts als auch der Freiheit von Schadstoffen. Viele Billigwässer wiesen einen hohen Gehalt an Acetaldehyd auf, jenem Stoff, der bei der Produktion von PET-Flaschen entsteht. Der ist nach aktuellem Wissenstand zwar nicht gesundheitsschädlich, beeinträchtigt aber den Geschmack. (Einzelheiten finden Sie hier).

Etwas strenger fiel 2007 das Urteil der Ökotest-Redaktion aus. Zwar seien über zwei Drittel der getesteten Mineralwässer rundum empfehlenswerte Durstlöscher. Doch in sechs Fällen seien Belastungen mit Schwermetallen wie Arsen und Uran zu monieren. (Weitere Einzelheiten: hier).

Hohe Wellen wegen einer zu hohen Uran-Belastung sowohl in Mineral- als auch Leitungswasser schlug im Mai 2009 die Aktion von foodwatch: Die Organisation stellte einen Antrag an die Bundesregierung, zwei Mikrogramm Uran pro Liter als Grenzwert festzulegen - für Mineralwasser ebenso wie für Trinkwasser.

Zum Vergleich: Bei einer Studie im Sommer 2008 lag fast jeder achte der rund 8200 von den Behörden übermittelten Werte aus allen 16 Bundesländern bei über zwei Mikrogramm, rund 150 davon über zehn Mikrogramm. Werte, bei denen zumindest für Babys nach einer Einschätzung von EU-Behörden eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Gefährlich ist das Schwermetall Uran weniger wegen seiner Radioaktivität als wegen seiner chemischen Giftigkeit. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern können hohe Uranbelastungen im Wasser zu einer Schädigung der Nieren führen. (Weitere Informationen inklusive einer Liste mit Messdaten von 435 Mineralwassermarken finden Sie hier).