Kamille

Gewinnung

Angebaut wird meist Kamille vom Wildtyp, jedoch gibt es auch Zuchtsorten für hochwertige Kamillen-Produkte. Den höchsten Gehalt an ätherischen Ölen findet man kurz vor der Blüte. Daher wird die Kamille im April/Mai per Hand oder maschinell gepflückt. Die Blüten werden frisch extrahiert oder schonend getrocknet.

Da beim Trocknen und während der Lagerung ein Teil der Wirkstoffe verloren geht, ist eine zügige Verarbeitung nötig. Die getrockneten Blüten werden mit Wasser, Alkohol, Isopropanol oder Erdnussöl extrahiert.

Wirkstoffe

Ätherisches Öl (0,3 bis 1,5%): Sesquiterpene sind wesentlicher Bestandteil des Kamillenöls:  Bisabolol, Bisabololoxid A, B, C, Bisabolonoxid, trans-β-Farnesen.  Das Chamazulen entsteht erst bei der Wasserdampfdestillation aus der farblosen Vorstufe  Matricin. Das Öl ist daher blau bis blaugrün gefärbt.

Polyine: Öle können bis zu 25% chemisch reaktive Spiroether (En-In-Dicycloether) enthalten. Dies sind labile Substanzen und daher in technisch gewonnenem Öl nicht oder nur in Spuren enthalten.

Flavonoide: Für die Kamillenwirkung sind Flavonoid- und -monoglykoside, acetylierte Flavonmonoglykoside und ihre Aglyka von Bedeutung (0,5% Apigenin-7-glucosid).

Polysaccharide: Die Schleimstoffe (verschiedene Zuckerverbindungen; Polysaccharide) sind in den Kamillenblüten lokalisiert.

Anwendungsgebiete
Produkt
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Kamillenextrakte weisen eine ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung auf. Sie können äußerlich und innerlich mit gutem Erfolg bei Entzündungen von Haut und Schleimhaut - wie Mund, Darm und Genitalbereich - eingesetzt werden. Auch bei milderen Magen-/Darmbeschwerden wie Krämpfen und Blähungen ist Kamille nützlich. Eine beruhigende Wirkung wurde ebenfalls nachgewiesen.

Kamille ist sehr gut verträglich und Nebenwirkungen sind bei Pflanzenzubereitungen mit guter Qualität sehr selten. Die Kamille ist wegen der Breite ihres möglichen Einsatzes, ihrer guten Wirkung und des guten Nutzen-Risiko-Verhältnisses eine der wertvollsten Heilpflanzen.

Anwendungen unterteilt nach Wirksamkeit Gesicherte Wirkung (nach Einschätzung Kommission E/ESCOP) Hier gibt es gute wissenschaftliche Studien, die in ausreichender Zahl vorhanden sind und die Wirksamkeit der Heilpflanze bei dem genannten Anwendungsgebiet bestätigt. Die Bewertung der Daten nahm die Kommission E von 1978 bis 1995 vor und erstellte so genannte Positiv-Monographien.
  • Erkrankungen und Entzündungen im Anal-/Genitalbereich (Sitzbäder)
  • Haut- und Schleimhauterkrankungen (incl. Mundhöhle und Zahnfleisch),
  • bakterielle Hauterkrankungen (Akne vulgaris, Dermatitis, Ekzeme, Furunkel, Entzündungen und Wunden allgemein): Förderung der Heilung
  • Luftwege, entzündliche Erkrankungen und Reizzustände der
  • Magen-Darmkrämpfe
  • Magen-Darmtrakt, Entzündungen

Laut Volksmedizin und Ärzte-Erfahrung hilft Kamille bei

Die Wirksamkeit wird vermutet, ist aber noch nicht ausreichend belegt. Das heißt, bei diesen Anwendungsgebieten waren die Ergebnisse der bisherigen klinischen Studien nicht eindeutig oder es sind zu wenige Studien oder aus Kostengründen noch keine wissenschaftlichen Studien durchgeführt worden. Das Fehlen überzeugender Beweise für die Wirksamkeit der Heilpflanze bei diesem Anwendungsgebiet ist aber nicht gleichbedeutend mit deren Unwirksamkeit. Es kann durchaus sein, dass weitere Untersuchungen die Wirksamkeit in Zukunft belegen.
  • Durchfall
  • Hautverletzungen, oberflächliche
  • Insektenbisse
  • Körpergeruch: geruchneutralisierend
  • Leichte Magen-Darmbeschwerden: Dyspepsie, Darmgeräusche, Blähungen
  • Menstruationsbeschwerden, Dysmenorrhoe
  • Pflege der Brustdrüse in der Schwangerschaft und Stillzeit, Brustdrüsenentzündung
  • Säuglingspflege
  • Schutz vor Magen-/Zwölffingerdarmgeschwüren und Übersäuerung des Magens
  • Unruhe, leichte, Schlafstörungen: beruhigend
  • Ulcus cruris, Decubitus, Operationswunden, Dermabrasio
Links zu den Erkrankungen, bei denen Kamille helfen kann