Selen

Wirkungsweise

Selen ist lebensnotwendig
Früher dachte man, dass Selen giftig ist, da in Nordamerika in selenreichen Gebieten Vergiftungen beim Vieh auftraten. Aber die Dosis macht das Gift. Heute wird es sogar in der industriellen Tierzucht (z. B. Hühner und Rinder) in winzigen Mengen gezielt eingesetzt: Es fördert Gedeihen, Leistung und Fortpflanzung der Tiere.

 

Selen schützt vermutlich
Man kennt nicht die Funktionen aller selenhaltigen Proteine. Die bereits untersuchten Selen-Proteine regulieren meist das oxidative Gleichgewicht in den Zellen. Diese Enzyme sind unter anderem für die DNA-Synthese, für die Genexpression und für die Regulation von Zellwachstum und Zelltod wichtig.

Es gibt ausreichend Experimente aus der Grundlagenforschung, die zeigen, warum Selen unter Laborbedingungen nützlich ist und schützt. Ebenso eindeutig ist die Erkenntnis, dass Selenmangel und eine Mutation von Selen-Enzymen Krankheiten zur Folge hat. Leider sind die Ergebnisse mit verschiedenen Selenpräparaten in großen Studien uneinheitlich und der Einsatz ist immer noch umstritten.

 

Selen gegen Alter und Entzündungen?
Selen ist an der Beseitigung von „oxidativen Stress“ beteiligt. Die Schäden durch Oxidation machen sich im Laufe eines Lebens als Alterungserscheinungen bemerkbar. Rein theoretisch sollte Selen damit geeignet sein auch den Alterungsprozess und altersassoziierte Krankheiten zu vermindern, was zu prüfen wäre.

Alle entzündlichen Erkrankungen, die mit oxidativem Stress einhergehen, könnten durch Selengaben leichter verlaufen. So vermuten Experten, dass Patienten mit Krankheiten wie Arteriosklerose, Asthma, Herzkreislauferkrankungen, Rheuma, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Gelenkentzündungen oder Pankreatitis von Selen profitieren könnten. Diese Patienten, haben womöglich auch einen höheren Selenbedarf.

 

Eine große Studie (SELECT) weist allerdings darauf hin, dass Selen (als Selenomethionin) Typ II Diabetes nicht zu verhindern, sondern eher zu begünstigen scheint.

 

Selen und Schilddrüse

Besonders wichtig ist der Schutz vor oxidativem Stress für die Schilddrüse, da hier im Stoffwechsel gefährliche Stoffe entstehen. Selenhaltige Enzyme helfen Schilddrüsenhormon aufzubauen und abzubauen.

Eventuell könnte Selen auch in der Kropf (Struma) -Therapie in Zukunft eine Rolle spielen.  Eine aktuelle Arbeitshypothese stellt zur Diskussion, ob Selen eventuell die Autoimmunprozesse bei der Hashimoto-Thyreoiditis positiv beeinflussen könnte sowie die postpartale Thyreoiditis bei Frauen.

 

Entgiftet Selen?
Seit langer Zeit diskutiert man, ob Selen dazu beitragen könnte, die Giftigkeit von Schwermetallen wie Quecksilber abzumildern. Das BfR hält die entgiftende Wirkung für nicht eindeutig geklärt. In Tierversuchen hatte es widersprüchliche Ergebnisse gegeben.

 

Selen und Krebsvorbeugung

Selen ist indirekt auch an der DNS-Synthese, Zellwachstum und reguliertem Zelltod beteiligt. Da bei Krebs das Zellwachstum entgleist, lag eine Untersuchung von Selen auf Krebserkrankungen nahe. In 18 von 72 Studien hatte man außerdem festgestellt, dass Krebskranke oft geringere Selenwerte im Blut aufweisen.

Die Studien, welche die Gabe von Selen auf das Krebsrisiko untersuchen, kommen allerdings zu keinem einheitlichen Ergebnis. Die aktuelle Hypothese schlägt vor, dass nur Personen mit Selenmangel (und Mangelernährung) von einer zusätzlichen Selengabe profitieren.

 

Selen während der Krebsbehandlung
Die Gesellschaft für biologische Krebsabwehr empfiehlt die Einnahme von Selen vor, während und nach einer Krebstherapie. Es liegen viele Daten aus der Grundlagenforschung vor, die im Labor eine positive Wirkung selektiv auf Krebszellen zeigen konnten. Selen als Selenit soll die Wirkung der Chemotherapie verstärken und den Schaden durch Strahlentherapie verringern. Daneben hat man einen positiven Effekt auf das Immunsystem von Krebspatienten feststellen können sowie eine Verringerung der Lymphödeme nach Operationen.

Die offiziellen Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften sehen bisher keine Selenbehandlung in der Standardtherapie bei Krebs vor.

 

Stärkung des Immunsystems
Es ist bekannt, dass im Immunsystem Enzyme tätig sind, die Selen enthalten. Bei akutem Selenmangel verlaufen einige virale Erkrankungen sehr schwer. Es kommt unter Mangel an Selen vermutlich häufiger zu gefährlichen Virus-Mutationen. Laborversuche und Versuche an Menschen zeigen deutlich, dass Selen die Aktivität des Immunsystems unterstützt. Daher gilt Selen als immunstimulierendes Spurenelement.

Anwendungsgebiete

Die Gabe von Selen ist umstritten, möglicher Weise ist sie in bestimmten Situationen positiv.

Sicher ist: Selen ist lebenswichtig. Selenmangel führt zu Krankheiten. Die Einnahme von zusätzlichem Selen in Form von Selenpräparaten ist jedoch umstritten. Die Gesellschaft für biologische Krebsabwehr empfiehlt die Einnahme von Selen vor, während und nach einer Krebstherapie. Wissenschaftlich abgesichert ist eine therapeutische Gabe von Selen nur bei wenigen Erkrankungen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat daher in einer Stellungnahme bekannt gegeben, dass Selen in Form von Selenomethionin und Selenhefe vorerst nicht präventiv eingesetzt werden soll. In entsprechenden Studien sei ein Nutzen bisher nicht belegt.

Nach einer geltenden europäischen Richtlinie dürfen in Nahrungsergänzungsmitteln die anorganischen Selenverbindungen Selenit und Selenat verwendet werden (Beispiel: Natriumselenit, Natriumhydrogenselenit und Natriumselenat). Organisches Selen in Form von Selenomethionin oder Selenhefe werden nicht befürwortet.

Bisher wird die Behandlung mit Selen in den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften nicht empfohlen, es wird aber auf einen möglichen Nutzen hingewiesen.

Anwendungen unterteilt nach Wirksamkeit
Gesicherte Wirksamkeit
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Für diese Anwendungsgebiete liegen eindeutige klinische Studien vor, um von einer Wirksamkeit auszugehen. Die Wirksamkeit wurde von mindestens einer der maßgeblichen Bewertungskommissionen (Kommission E/ESCOP/HMPC/WHO) verbindlich festgestellt.
  • Ausgleich des Bedarfs bei verschiedenen Erkrankungen (Nierenersatztherapie, Leberzirrhose)
  • Autoimmun-Schilddrüsenerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis)
  • Fruchtbarkeit
  • intravenöse Ernährung

Wirksamkeit laut Erfahrung

Blatt Blatt
Es liegen zahlreiche Hinweise aus einer langen Anwendungstradition in der Volksmedizin und in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde vor, die eine Wirksamkeit annehmen lassen. Dennoch sind bisher nicht alle Kriterien erfüllt, die für eine volle Beweiskraft notwendig sind. Falls es klinische Studien gibt, haben die Ergebnisse nicht zweifelsfrei überzeugt.
  • Absorptionsstörungen (chron. Diarrhöen, Mukoviszidose, Kurzdarmsyndrom, etc.) Ausgleich des Bedarfs
  • akute Pankreatitis
  • Arthrose mit Osteochondropathie
  • Bluthochdruck
  • Colitis ulcerosa
  • Immunschwäche, Infektionen (unsicher)
  • Krebserkrankung/Krebsvorbeugung (Studienlage noch unsicher)
  • Lebererkrankungen
  • Muskeldystrophie
  • Rheuma
  • Strahlentherapie oder Zytostatikagaben
  • Ulcus cruris
  • Vergiftungen und Schwermetallbelastung
Links zu den Erkrankungen, bei denen Selen helfen kann