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Acai – die Wunderfrucht aus dem Regenwald?

Die Frucht der Kohlpalme

Die Acai-Frucht von der Kohlpalme gilt als Vitalstoff-Wunder. Ob unsere Recherchen das bestätigen können?

Von: Dr. Andrea Flemmer

Die Heilkraft der Acai-Frucht

Die Acai-Frucht stammt von der Kohlpalme (Euterpe oleracea), die auch Jucara- oder Assaipalme bzw. Açaí (sprich Assa-Ï) genannt wird. Das ist eine Palmenart, die vor allem am unteren Amazonas in Südamerika vorkommt. Diese wächst sehr schnell bis 25 m hoch und zählt zu den wichtigsten der 232 Palmenarten Brasiliens – nicht zuletzt aufgrund ihrer Früchte. Der Namensbestandteil „oleracea“ stammt von lateinisch „olis“ = „Kohl“ und erklärt die Bezeichnung „Kohlpalme“, ebenso wie die an Kohl erinnernden Palmherzen.

Lesen Sie hier, welche heilkräftigen Wirkungen der Acai-Frucht nachgesagt werden und welche Inhaltsstoffe sie sonst noch so besonders macht.

Die Kohlpalme: Ein bisschen Botanik

Die Acai-Palme ist eine mehrstämmige, immergrüne, fiederblättrige Palme. Jede entwickelt acht bis 14 Palmwedel und einen deutlich abgehobenen, grünen bis gelblichen, glatten Kronenschaft. Die gleichförmig schlanken Stämme haben nur 7-30 cm Durchmesser. Vom Setzling bis zur ersten Blüte dauert es mindestens vier Jahre – je nach Sonnenexposition. An den bis zu sechs Blütenständen pro Stamm reifen jeweils 700 bis 900 Früchte, die gesamt etwa 3-6 kg wiegen und jeweils nur einen Durchmesser von 1-2 cm aufweisen. Sie werden vorwiegend zwischen Juli und Dezember geerntet. Reif sind sie tief purpur gefärbt und von einem weißen Pulver überzogen. Von jedem Stamm können etwa 24 kg Früchte geerntet werden.

Die Frucht besteht vor allem aus dem Samen, der von einer dünnen, grobfaserigen Hülle umgeben ist. Darüber findet man das leicht ölige Fruchtfleisch. In der Natur verbreiten Turkane, Papageien und andere Vögel sowie Spießhirsche und Fische die Samen. Aufgrund der periodischen Überschwemmungen ihres Standortes bilden Acai-Palmen warzige Luftwurzeln.

Nachhaltige Nutzung der Acai-Palme

Die Kohlpalme lässt sich äußerst vielfältig nutzen. Die essbaren Palmherzen und das Fruchtmark oder die Pulpe stehen dabei an erster Stelle. Darüber hinaus kennt man nahezu zwei Dutzend anderer Möglichkeiten. So haben die Stämme Bedeutung für den Hausbau, auch Schweineställe zimmert man daraus. Die Palmwedel werden zum Decken von Häusern verwendet, ihre Fasern werden zu Hüten, Matten, Taschen und Körbe geflochten. Herabgefallene Palmwedel sowie die abgeernteten Fruchtstände werden gemulcht, die Abfälle aus Palmherzfabriken werden kompostiert. Die Fruchtstände werden auch zum Ausstopfen von Puppen oder als Streu für Schweine verwendet. Der blaue Acai-Farbstoff dient als Naturfarbstoff oder -tinte, und sogar als Lebensmittelfarbe für eine natürlich gesunde Farbe von Joghurt.

Die Pulpe eignet sich sogar als gut verträgliches Kontrastmittel in der Magnetresonanztomografie! Extrakte aus den Früchten kann man auch noch gemeinsam mit denen des Keuschbaumes und des Maulbeerbaumes als Ersatz künstlicher Farbstoffe für Solarzellen einsetzen und konnte damit tatsächlich schon elektrischen Strom erzeugen!

Die Pflücker müssen die Palme hochklettern und nutzen dafür eine aus Acai-Palmwedeln gefertigte Kletterhilfe. Sie schneiden den vollständigen Fruchtstand ab, der auf den Boden fällt. Dort wird das Obst von den Fruchtständen abgeschüttelt oder abgestreift und in Körben gesammelt.

Die Palmherzen

Für die Küche nutzt man auch die Palmherzen. Die „Palmitos“ werden aus dem oberen Stammbereich herausgeschält. Da die Kohlpalme eine sehr elegante Palme mit dünnen Stämmen ist, sind die Palmherzen auch nur 2-3 cm dick. Man findet sie direkt oberhalb der Wachstumszone im Knochenschaft. Sie bestehen aus den zarten, blassen Sprossspitzen der unreifen Blattanlagen. Besonders in Frankreich werden sie als Delikatesse geschätzt. Ein Viertel der dort produzierten Menge wird in die USA exportiert. Roh schmecken sie eher mild. Durch die Konservierung erhalten sie einen leicht säuerlichen Geschmack. In den Fabriken werden sie in etwa 10 cm lange Stücke zerteilt und kommen nach einem Bad aus Zitronensäure und Salz in die Konserven. Man kann sie in etwa mit Artischockenherzen vergleichen. Ursprünglich wurde eine Verwandte der Acai-Palme als Palmherzlieferant verwendet. Diese besteht im Gegensatz zur Kohlpalme jedoch nur aus einem einzigen Stamm während die Acai-Palme aus mehreren Stämmen besteht. Wird einer davon gefällt, fördert dies das Wachstum neuer Stämme sowie die Fruchtbildung der anderen, so dass durch die Verwendung der Palmherzen die wertvolle Pflanze nicht ausgerottet wird.

Die Acai-Frucht

Der Geschmack der Frucht wird als cremig bis leicht ölig, etwas säuerlich nussartig beschrieben und erinnert ein wenig an Brombeeren. Sie erinnert in ihrem Aussehen an eine kleine, dunkle Weintraube. Man nutzt die Früchte der Kohlpalme zur Herstellung eines nährstoffreichen Saftes (vinho), der einen wichtigen Nahrungsbestandteil für die Landbevölkerung in den Überschwemmungsbereichen des Amazonas darstellt. Die Palme ist dort eine wichtige Einkommensquelle. Bis Ende der 90er Jahre war Acai auch fast nur dort bekannt. Dies liegt auch daran, dass die gepflückte Frucht nur 24 Stunden haltbar ist. Neue Techniken wie Gefriertrocknung und die Möglichkeit das Fruchtmark tiefgefroren über weite Strecken zu transportieren, eröffneten neue Vermarktungsmöglichkeiten.

Plötzlich tauchten die Früchte der Palme in Form von Eiscrème, Sorbets und Fruchtcocktails an den Stränden der brasilianischen Großstädte auf. „Bezeichnend für Brasilien war es die Fernsehserie Malhação, die dem Açaísaft zur nationalen Anerkennung verhalf“, so Ekkehard Gutjahr vom Deutschen Austauschdienst (DED). Er begleitete die erfolgreichen Versuche Acai nachhaltig zu nutzen und die indigene Bevölkerung mit einem Einkommen zu versorgen, dass ihr Überleben sichert. Das Problem der einseitigen Nutzung war, dass eine Ernte zwischen Januar und Juni nicht möglich war. Um in dieser Zeit ein Einkommen für die Flussanrainer zu ermöglichen, unterstützte der DED eine Kulturmischung mit Kakao, Gummi und Andiroba. „In solchen Mischbeständen wächst Acai harmonisch über dem Kakao, aber unter Gummi und Andiroba“, so Gutjahr. Damit kann die Bevölkerung das ganze Jahr über ausreichend mit landwirtschaftlichen Produkten versorgt werden, die ihnen ein Einkommen liefern.

Inzwischen ist Acai eines der wichtigsten Exportgüter der Überschwemmungsgebiete des Amazonas. „Der Marktpreis unterliegt saisonalen, ja sogar tageszeitlichen Schwankungen“, so Josef Pies (s. Quellen).

Von Brasilien aus trat sie ihren Siegeszug auf dem amerikanischen Kontinent an. „Die verschiedenen Acai-Produkte sind aus der Ernährung der genuss- und lifestyleorientierten Bevölkerung Brasiliens nicht mehr wegzudenken“, so von der Linden (s. Quellen). Der Grund: Die Früchte schmecken nicht nur exotisch, sie haben auch einen hohen Nährstoffgehalt. Als der Acai-Saft von den Medien Brasiliens entdeckt wurde, löste er dort einen regelrechten „Gesundheits-Boom“ aus.

Medizinische Wirkungen der Acai-Palme

Medizinisch wird die Wurzel der Palme von den indigenen Völkern zur Behandlung von Blutungen, zur Blutbildung und gegen Würmer genutzt. Einen Wurzelaufguss setzt man sogar bei Gelbsucht ein. Ein Dekokt der Wurzel wendet man gegen Malaria, Diabetes, Hepatitis, Haarausfall, Menstruationsschmerzen, Leber- und Nierenerkrankungen sowie gegen Muskelschmerzen an.

Die gerösteten und zerstoßenen Samen der Früchte setzt man gegen Fieber ein.

Das Öl der Frucht wird als pflanzliche Arznei gegen Durchfall verwendet.

Ein Aufguss der geriebenen Fruchtschale wird zum Waschen von Hautgeschwüren eingesetzt.

In einer Untersuchung zum Krebsvermeidungspotential fand man zumindest bei einem Zellmodell menschlicher Leukämiezellen Hinweise auf eine krebshemmende Wirkung von Acai.

Ernährungsphysiologische Wirkungen

Das Fruchtmark der Acai enthält Kalzium und Eisen (11,8 mg/100 g, Spinat enthält gerade mal 3,1 mg in derselben Menge!) und ist reich an Eiweiß. Außerdem findet man große Mengen an Ballaststoffen, ungesättigte Fettsäuren und viele Vitamine in ihr. Etwa 30 g Ballaststoffe soll man täglich zu sich nehmen. Diese Menge fand man in nur 100 g Acai-Mark. Damit übertrifft die Frucht Haferkleie und -flocken, die ebenfalls ballaststoffreich sind.

Die Frucht enthält wertvolle ungesättigte Fettsäuren und stellt eine reichhaltige Quelle für Anthocyanine (durchschnittlich 400 mg/100 g Fruchtpüree, abhängig von der Ausgangsprobe) dar, die der Frucht die dunkelviolette Färbung verleihen. Diese Inhaltsstoffe sind starke Antioxidantien und schützen vor den zellschädigenden freien Radikalen. Bei diesen Substanzen handelt es sich um sehr reaktionsfreudige, aggressive, instabile Verbindungen, die in der Regel sauerstoffhaltig sind und im Körper Zellwand, -bestandteile und Erbsubstanz schädigen oder sogar zerstören können. Sie verursachen und/oder verschlimmern viele Krankheiten. Acai übertrifft sogar die antioxidative Kapazität des Granatapfels, der als sehr potenter Radikalfänger gilt. Zu den gesundheitsfördernden Wirkungen der Anthocyanine zählen Schutz vor Krebs, Magenschutz, Senkung des schlechten LDL-Cholesterins und Entzündungshemmung. Acai übertrumpft Obst und Gemüse, welches als besonders reich daran gilt, um ein Vielfaches. So enthalten Auberginen 750 mg/100 g, Blutorangen 200 mg, Brombeeren 115, Heidelbeeren und Schwarze Johannisbeeren zwischen 80 und 420, rote Trauben zwischen 30 und 750 mg. Dagegen fand man in Acai auch schon mal Werte über 1.800 mg/100 g!

Bei uns kann man Acai als Saft im Internet bestellen. Auch mancher Naturkost- oder Bioladen führt ihn. Als Nahrungsergänzungsmittel findet man die Frucht, häufig in Kombination mit Goji und Granatapfel, in Apotheken oder im Reformhaus.

Fazit:

Die Acai mag keine Wunderfrucht sein, aber sie gehört mit Sicherheit zu den wertvollsten Lebensmitteln unseres Planeten.