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Artischocke

© C. Heyer/PhytoDoc

Artischocke hilft bei Völlegefühl

Die verdauungsfördernde Wirkung beruht auf speziellen Bitterstoffen und Säuren. In klinischen Studien sind auch protektive Wirkungen des Artischockenextrakts auf das Herz-Kreislauf-System und die inneren Organe nachgewiesen worden.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Die Artischocke (Cynara scolymus) ist mehr als nur ein beliebtes Gemüse – als Heilpflanze schätzt man sie wegen ihrer entgiftenden und verdauungsfördernden Wirkung. Artischocke regt die Gallen- und Leberfunktion an. Dies wirkt sich gerade bei Beschwerden wie funktionelle Dyspepsie und Reizdarm-Syndrom positiv aus. Da die Leber vermehrt Gallensäure produziert und ausscheidet, werden auch Cholesterinwerte in Balance gebracht. Besonders wertvoll ist die Artischocke wegen dieser Cholesterin-senkenden Eigenschaft. Zu medizinischen Zwecken wird die Artischocke meist in Form von Kapseln, Tabletten oder seltener als Tee verarbeitet. Für pharmazeutische Zwecke werden die Inhaltsstoffe der Artischockenblätter bei 80 bis 90°C extrahiert.

Wogegen hilft Artischocke?

Artischocke: im Labor getestet

Die Bitterstoffe der Blätter und Extrakte haben sich zur Behandlung verschiedener Verdauungsprobleme insbesondere im Bereich von Leber und Galle bewährt: Sie erhöhen den Gallenfluss, entgiften und schützen die Leber. Bitterstoffe regen den Appetit an und normalisieren die Fettverdauung. Vermutlich beugen sie auch der Bildung von Gallensteinen vor.

Laborversuche und Patientenstudien haben gezeigt, dass die Artischocke den Blutfettspiegel meist etwas erniedrigt. Zusätzlich ist eine deutliche antioxidative Wirkung nachgewiesen. Demnach könnten Artischockenblätter in der Arteriosklerosebehandlung positiv wirken. Ein erster kleiner Pilotversuch zeigte tatsächlich einen positiven Effekt auf die Aderwände. Für sichere Aussagen reichen die Daten jedoch nicht aus.

Hinweis: Gemüse ist weniger wirksam als definierte Extrakte.

Heilwirkung von Artischocke

- regt die Gallensaftsekretion an (cholagog)
- schützt die Leber (hepaprotektiv)
- senkt die Blutfette (lipidsenkend)

Artischocken-Extrakte sind Bestandteile zahlreicher Mono- und Kombinationspräparate, die bei Verdauungsstörungen, bedingt durch verminderte Gallensekretion, angewendet werden. Die verdauungsfördernde Wirkung beruht auf besonderen Inhaltsstoffen:

- den bitteren Sesquiterpenlactonen (besonders Cynaropicrin)
- und den Coffeoylchinasäuren.

Artischockenblätter werden in entsprechender Zubereitung als Cholereticum (= die Gallensaftproduktion anregend) bei Verdauungsbeschwerden, darüber hinaus aber auch zur Entwässerung (Diuretikum) und als Bitterstoff verwendet. Wie alle Choloretika fördern Artischockenblätter in entsprechender Zubereitung die Produktion und Ausscheidung von Cholesterin über Gallensäuren. Dadurch wird der Cholesterinspiegel gesenkt. Zubereitete Artischockenblätter werden daher auch zur Vorbeugung der Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verwendet. Artischockenblätter zeigen weiterhin eine schützende Wirkung auf die Leber.

Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt
Die Symptome bei Verdauungsstörungen (funktionelle Dyspepsie) und Reizmagen (Non-Ulcer-Dyspepsie) umfassen Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Unverträglichkeiten von fettreichen Mahlzeiten, Blähungen, Übelkeit oder sogar Erbrechen sowie unspezifische (eher rechtsseitige) Bauchschmerzen. Eine Therapieart dieser Beschwerden ist die Förderung der Ausscheidung von Gallensäuren aus der Leber (Cholerese). Artischocken-Extrakt fördert die Gallensaftproduktion. Dies wurde sowohl in Zellkulturen als auch in Tierversuchen und klinischen Studien am Menschen nachgewiesen. Bei Personen mit Verdauungsstörungen zeigte sich bei einer täglichen Verabreichung von 1,5 g Artischocken-Extrakt ein Rückgang der Beschwerden. Auch bei Patienten mit Reizdarm verbesserte der Artischocken-Extrakt die Symptome.

Gefäßerweiternde Wirkung
In Zellkulturen mit bestimmten menschlichen Zellen wurde festgestellt, dass Artischocken-Extrakt die Produktion eines Stickstoffmonoxid (NO) produzierenden Enzym (eNOS) anregt. Stickstoffmonoxid erweitert die Gefäße und trägt somit zur Blutdruckkontrolle bei. Weiterhin schützt Stickstoffmonoxid die Blutgefäße vor Blutpfropfbildung (Thrombose). In einem Tierexperiment konnte gezeigt werden, dass die Hemmung des Enzyms eNOS Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verursacht. Für die Stimulierung des Enzyms eNOS werden zwei im Artischocken-Extrakt enthaltene Flavonoide verantwortlich gemacht: Luteolin und Cynarosid (7-O-Glucosyl-Lutoelin).

Wirkung auf die Blutfette und Schutz vor Arteriosklerose
Folgende Wirkmechanismen des Artischocken-Extrakts (festgestellt in Zellkulturen, Tierversuchen und klinischen Studien) tragen zur Senkung der Blutfette und damit vor allem einer Vorbeugung vor Arteriosklerose bei:
- eine Hemmung der Cholesterinsynthese
- eine Senkung der Blutfette im Serum
- eine Hemmung der Oxidation von LDL-Cholesterin (erster Schritt bei der Entstehung der Arteriosklerose)
- eine antioxidative Wirkung.

Wie im Experiment mit gezüchteten Ratten-Leberzellen gefunden wurde, hemmt Artischocken-Extrakt die Herstellung von Cholesterin. Dies geschieht durch Hemmung des Schlüsselenzyms (der HMG-CoA-Reduktase). Vor einigen Jahren wurde festgestellt, dass die Substanzen Cynarosid und Luteolin für diesen Effekt verantwortlich sind und nicht - wie lange angenommen - Cynarin.
Patienten mit Verdauungsbeschwerden konnten durch eine tägliche Verabreichung von Artischocken-Extrakt ihre Gesamtcholesterin- und Triglyceridwerte senken. Die Konzentration an HDL-Cholesterin, welches das Risiko einer Arteriosklerose verringern kann, stieg leicht an. Auch bei gesunden Testpersonen mit hohen Cholesterinwerten konnte nach täglicher Verabreichung von Artischockenextrakt eine Senkung der Triglyceridkonzentration und ein leichter Anstieg der HDL-Fraktion beobachtet werden.

Wirkungen auf die Leber
Die Artischocke fördert die Stoffwechselleistung der Leberzellen, regt Zellwachstum und Zellteilung an, fördert Reparaturvorgänge, schützt gegen Zellgifte, hemmt Radikale, bewahrt den Glutathion-Pool (und somit das Redox-Gleichgewicht = Gleichgewicht von Oxidation und Redaktion in der Zelle) und fördert die Durchblutung der Leber. Die Schutzwirkung auf die Leber wurde durch Versuche mit Zellkulturen, Ratten und durch klinische Studien am Menschen bestätigt. Bei Arbeitern in der kunststoffverarbeitenden Industrie, die dauernd mit Schwefelkohlenstoff in Berührung kamen, und täglich 0,9 g Artischocken-Extrakt einnahmen, normalisierte sich nach einem Jahr bei 28 % der Personen das Elektroretinogramm (diagnostisches Hilfsmittel zur Untersuchung der Netzhautfunktion). Die Einnahme von Artischocken-Extrakt verbesserte in einer anderen Studie nach zwei Jahren auch eine anfängliche Verklumpung der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation).
Auch bei Malaria-Patienten, die mit Chinin (= Medikament gegen Malaria) als Basistherapie behandelt wurden, unterstützte der Artischocken-Extrakt die Rückbildung der Symptome. Dies wird damit erklärt, dass der Extrakt die Leber schützt und deren Funktion unterstützt.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Für diese Anwendungsgebiete liegen eindeutige klinische Studien vor, um von einer Wirksamkeit auszugehen. Die Wirksamkeit wurde von mindestens einer der maßgeblichen Bewertungskommissionen (Kommission E/ESCOP/HMPC/WHO) verbindlich festgestellt.

  • Verdauungsbeschwerden (vor allem wenn sie auf Störungen des Leber-Galle-Systems zurückzuführen sind)

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

Es liegen zahlreiche Hinweise aus einer langen Anwendungstradition in der Volksmedizin und in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde vor, die eine Wirksamkeit annehmen lassen. Dennoch sind bisher nicht alle Kriterien erfüllt, die für eine volle Beweiskraft notwendig sind. Falls es klinische Studien gibt, haben die Ergebnisse nicht zweifelsfrei überzeugt.

  • Appetitlosigkeit
  • Arterioskleros (Vorbeugung)
  • Gallensteine, vorbeugend
  • Gallenblasenentzündungen (ohne Verschluss der Wege)
  • Hypercholesterinämie (cholesterinsenkend)
  • Hepatitis (chronisch)
  • Reizdarm (Irritable Bowel Syndrome, IBS)
  • Rekonvaleszenz, Kräftigung
  • Schutz der Leber

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

Die Hinweise aus traditioneller Anwendung oder Laborversuchen sind zu wenig überzeugend und gehen über einen experimentellen Status nicht hinaus. Es gibt bisher keine korrekten oder positiven klinischen Studien.

- Bluthochdruck

- Thrombose (Vorbeugung)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Artischockenpräparate werden in unterschiedlichen Formen angeboten: als Kapseln, Dragees, Tablette, Pflanzensaft oder Tropfen. Als mittlere Tagesdosis werden 6 g getrocknete Artischockenblätter (z.B. als Tee) bzw. entsprechende Mengen anderer Zubereitungen empfohlen.

Dosierung

Artischockenblätter sollten in einem trockenen und dunklen Platz bei 15 - 20°C gelagert werden.

* Bei der Arzneimittelkommission E handelt es sich um eine deutsche Expertengruppe, die sich mit der Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneipflanzen befasst. Sie wurde vom Gesetzgeber eingerichtet, um den medizinischen Sachverstand pflanzlicher Arzneimittel in die Arbeit des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte einzubringen.

Wirkstoffe

Die Pflanze wird durch drei Inhaltsstoffgruppen gekennzeichnet:

  • 0,5 – 5 % Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe, darunter Cynaropicrin
  • 0,1 – 1,4 % Caffeoylchinasäuren, besonders Chlorogensäure und Cynarin, gebildet als Artefakt bei der Bereitung des wässrigen Extrakts durch Umesterung
  • Flavonoide vom Luteolin-Typ