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Cayennepfeffer

© C. Heyer/PhytoDoc

Cayennepfeffer: Schärfe gegen den Schmerz

Das Pulver aus getrockneten Chili-Früchten der Sorte "Cayenne", enthält das Alkaloid Capsaicin. Dieses ist nicht nur für die Schärfe verantwortlich, sondern hilft auch bei schmerzhafter Muskelhärte.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Schmerzbehandlung durch Gegenreiz

Der Cayennepfeffer (Capsicum frutescens) wird aus den gemahlenen Früchten der Chili-Sorte Cayenne gewonnen. Die Wirkungen des Cayennpfeffers beruhen auf dem scharf-brennenden Inhaltsstoff Capsaicin, der bei Verdauungsbeschwerden die Säfte fließen lässt. Auch auf der Haut löst er brennende Schmerzen aus, was Schmerzen dämpft. Dies funktioniert auf Grundlage des Counterirritans Effekts, einem scheinbaren Paradoxon: Schmerz spricht auf einen schmerzhaften Gegenreiz an. Eine positive Wirkung des Cayennepfeffers ließ sich nachweislich bei der Behandlung von Arthritis, eines Hexenschusses, Juckreiz sowie Krämpfen in Armen und Beinen als auch bei Rheuma und Nervenschmerzen zeigen. Bei der Schmerztherapie wird Cayennepfeffer äußerlich, entweder als Salbe oder Extrakt angewendet. Die Behandlung mit Capsaicin-haltigen Produkten sollte wegen der Nebenwirkungen eine Dauer von zwei Tagen nicht überschreiten.

Wogegen hilft Cayennepfeffer?

Die scharfe Heilpflanze Cayennepfeffer

Der Stoff Capsaicin aus Chili ist für viele Schmerzpatienten, die auf keine andere Behandlung ansprechen oder andere Behandlungen nicht vertragen, eine Alternative. Am besten belegt ist die äußerliche Wirkung bei schmerzhafter Muskelhärte im Schulter-Arm- und Wirbelsäulen- Bereich.

Auf eine Schmerzbehandlung mit Capsaicin sprechen in klinischen Studien etwa 50% der Patienten an. Dabei leiden etwa 30% unter den Nebenwirkungen und jeder 10. verträgt die Behandlung nicht. Die Wirksamkeit wird als moderat bis gering bewertet.

Bei Unverträglichkeit von Capsaicin können auch z.B. Lidocain-haltige Zubereitungen (wie Emla-Creme) verwendet werden.

Neuere Untersuchungen legen die Vermutung nahe, dass die Schmerzen durch Chili-Salbe auch bei schmerzhaften Herzbeschwerden zur Reduktion des Schmerzes, Linderung der Beschwerden und Vorbeugung von Schäden eingesetzt werden könnte.

Heilwirkung von Cayennepfeffer

Traditionellerweise verzehrt man Chili zur Behebung von Verdauungsstörungen, Koliken und Blähungen. Es gibt auch alte Rezepte für Gurgel-Mittel zur Behandlung von Halsschmerzen und chronischer Kehlkopfentzündung.

Chili erzeugt Hitzegefühl

Der Inhaltsstoff Capsaicin ist für die Schärfe verantwortlich. Er reizt im Gewebe einen Rezeptor, der eigentlich auf Hitze und Schmerz anspricht. Man empfindet das Essen daher als besonders heiß. Auch beim Auftragen auf die Haut kommt es zu einer Rötung begleitet von einem brennenden Schmerz. Danach folgt eine Unempfindlichkeit, die je nach Dauer und Häufigkeit der Anwendung einige Stunden bis mehrere Wochen andauern kann.

Prinzip Schmerz gegen Schmerz

Es klingt zunächst paradox, jedoch gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass es tatsächlich funktioniert. Dabei gibt es vermutlich verschieden Prinzipien, die dabei wirksam sind.

  • Ein schwaches Schmerzsignal (unterschwelliger Schmerz) kann über das Rückenmark vorübergehend die Schmerzwahrnehmung in den Bereichen des Körpers ausschalten, die von demselben Rückenmarksabschnitt versorgt werden. Klassische Therapien wie die Akupunktur basieren vermutlich auf diesem Prinzip. Diese Beobachtungen wurden unter der Bezeichnung Segmenttheorie oder „Gate control“-Theorie bekannt.
  • Schmerzhafte Reize (welche über der Schmerzschwelle liegen) können in allen anderen Teilen des Körpers Schmerzen unterdrücken. Diesen betäubenden Effekt nennt man auch „Gegenirritation“ (oder Counterirritans-Effekt).

Capsaicin-haltige Hautcremes haben in verschieden Studien erfolgreich ganz verschiedene Schmerzen lindern können. Dazu zählen z. B. Arthritis, Hexenschuss, Juckreiz, Krämpfe (Arm, Schulter, Wirbelsäule) sowie Nervenschmerzen und Rheuma.

Schmerzen gegen Herzerkrankungen?

Bei Herzerkrankungen treten durch die verminderte Versorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff Schmerzen auf. Hier hat man versucht, die Schmerzen durch elektrische Reizung der Nerven in den Brustwirbeln zu lindern. Mehrere kleine Studien belegen eindeutige Effekte: Es verbesserte sich nicht nur die Lebensqualität der Probanden, sondern auch die Leistungsparameter.

Es wäre möglich, dass eine im Brust-Bauchbereich aufgetragene Chili-Salbe beim Menschen eine ähnliche Wirkung haben könnte.

Schützende Schmerzen?

Es klingt schon sehr provokant, aber es gibt hierfür tatsächlich Belege. Der Körper aktiviert bei Traumen Alarmreaktionen, die dann aber dabei helfen, weitere Verletzungen zu bewältigen.

Bei einem Herzinfarkt verstopfen die Herzkranzgefäße. In Tierversuchen hat man festgestellt, dass die Schwere des Infarkts geringer ausfällt, wenn das Tier bereits einen Infarkt oder eine Verletzung vor dem Infarkt hatte. Bereits der brennende Schmerz durch eine Chili-Salbe ist ausreichend, um die molekularen Vorgänge auszulösen.

Vielleicht ist Chili also eine neue Therapieoption bei Herzkrankheiten. In Mäusen konnte die Größe des abgestorbenen Infarktgebietes immerhin um 80-85% reduziert werden.

Studien direkt zu dieser Frage am Menschen gibt es leider noch nicht. Bauchschnitte, also eine schmerzauslösende Prozedur, hatten aber beim Menschen ebenso eine eindrucksvolle Wirkung auf die Schwere des Infarkts.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • äußerliches, lokales Schmerzmittel bei Muskelschmerzen, insbesondere schmerzhafter Muskelhärte im Schulter-, Arm- und Wirbelsäulen- Bereich

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Arthrose, Gelenkschmerzen, Schmerzlinderung
  • Angina Pectoris, Schmerzlinderung
  • Juckreiz, lindernd
  • Nervenschmerzen, Neuralgien, diabetische Polyneuropathie, Postzoster-Neuralgie
  • Verdauungsstörungen, Blähungen, anregend
  • rheumatische Erkrankungen, Rheuma, Arthritis, Schmerzlinderung
  • Schuppenflechte, Psoriasis vulgaris

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Herzinfarkt - Vorbeugung der Schäden (experimentell)
  • Heiserkeit, Halsschmerzen, Kehlkopfentzündungen und eitrige Halsentzündungen
  • Libido- und Potenzsteigerung

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Erhältlich sind Hautcremes mit Chili-Extrakten und andere Zubereitungen. Halbflüssige Produkte sollten 0,02–0,05% und flüssige 0,005–0,01% Capsaicinoide enthalten. Bei Umschlägen verwendet man 10–40 mg Extrakt pro cm² Haut.

Dosierung

Capsaicin-haltige Produkte sollte man nicht länger als 2 Tage anwenden und bei Wiederanwendung eine Wartezeit von 14 Tagen einhalten. In klinischen Studien wurden die Präparate teilweise 4-9 Wochen eingesetzt. Dabei traten außer den Nebenwirkungen keine dauerhaften Schäden auf.

Wirkstoffe

  • scharfe Capsaicinoide: 0,4–1% bei C. frutescens und 0,1–0,5% bei C. annuum. Capsaicin, Dihydrocapsaicin, Nordihydrocapsaicin und weitere Capsaicinoide
  • fettes Öl
  • Carotinoide (sind für die Färbung verantwortlich)
  • Ascorbinsäure
  • Saponine
  • Pyrazine
  • komplexes Gemisch leicht flüchtiger Verbindungen

Die schärfsten Teile sind vorwiegend die Samen und das Gewebe, das die Samen trägt.