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Fenchel

© C. Heyer

Fenchel: Heilpflanze seit der Antike

Fenchel beruhigt Magen und Darm und wirkt schleimlösend bei Atemwegserkrankungen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Wogegen hilft Fenchel?

Fenchel: eine alte Heilpflanze – immer noch aktuell?

Fenchel ist in Europa, den Mittelmeerländern und der chinesischen Heilkunde eine bekannte Heilpflanze. Sie wird seit langer Zeit in der Erfahrungsheilkunde erfolgreich genutzt. Klinische Studien gibt es zwar nicht, aber die tradierten Anwendungsgebiete werden durch pharmakologische Daten gestützt. Nach der Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte wirkt Fenchelöl gegen leichte, krampfartige Magen-Darmbeschwerden sowie Dyspepsie und Katarrhe der oberen Luftwege. Fenchelhonig und -sirup wird gerade auch bei Kindern eingesetzt.

Fenchel ist mit anderen Gewürzen wie Basilikum, Anis und Estragon in die Schlagzeilen geraten, da diese Nutzpflanzen Estragol enthalten, einen Stoff, der im Tierversuch krebserregend ist. So wird die Unbedenklichkeit von Fenchel wieder diskutiert. Neuere Untersuchungen stellen dieses Ergebnis wieder in Frage, da komplexe Pflanzenextrakte offensichtlich ganz anders reagieren als gereinigte Einzelstoffe. Demgegenüber steht auch die lange Anwendungstradition des Fenchels, die bisher keine offensichtliche Gefährdung gezeigt hat. Letztendlich ist die Problematik aber nicht abschließend geklärt. Produkte mit Fenchel eignen sich als Arzneimittel nicht für einen Dauergebrauch (nicht länger als 1-2 Wochen).

Heilwirkung von Fenchel

Die fettlöslichen Phenylpropane und Terpene beeinflussen Zellmembranen. In höherer Konzentration werden Membranen zunehmend durchlässig, was Bakterien schädigt. Auf menschlichen Zelloberflächen hemmen die Stoffe Calziumkanäle. Das löst Verkrampfung der glatten Muskulatur.

Magen und Darm

Besonders willkommen ist die entspannende Eigenschaft bei Bauchschmerzen oder entzündlichen Darmerkrankungen. Auch bei menstrualen Krampfschmerzen oder Krämpfen durch einen Leistenbruch soll Fenchelöl beruhigend wirken. Seit der Antike wird Fenchel bei Verdauungsstörungen und Blähungen eingesetzt, er lindert auch Koliken durch Abführmittelgebrauch. Die Traditionsheilkunde nutzt Fenchel daneben bei Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Belegt ist außerdem ein schmerzlindernder und entzündungshemmender Effekt des Öls sowie eines alkoholischen Extrakts der Fenchelsamen.

Fenchelöl und Fenchelsamen normalisieren die Darmbewegung, was den Darm bei Verstopfung aktiviert.

Im Laborversuch ist eine antibiotische Wirkung gegen Pilze und Bakterien direkt gezeigt worden. Das Öl hemmt auch das Wachstum des Keims, der für Gastritis verantwortlich ist (Helicobacter pylori).

Achtung: reines und unverdünntes Fenchel-Öl darf nicht eingesetzt werden, es irritiert den Darm und führt zu Entzündungen.

Mutter und Kind

Fencheltee wird seit langer Zeit in Europa und mediterranen Ländern auch bei Stillenden und Säuglingen eingesetzt. Die klassischen Beruhigungstees zum Lösen von Blähungen und Bauchkrämpfen bei Säuglingen enthalten traditionell Fenchelfrüchte. Die Wirkstoffe gehen bei Stillenden außerdem in die Muttermilch über und erreichen so auch das Baby. Kinderärzte und Kliniken empfehlen häufig Fencheltee, dennoch ist Fenchel nicht für einen dauerhaften Einsatz vorgesehen. Schwangere sollten ganz darauf verzichten, da Anethol und Estragol erbgutverändernd (mutagen) sein können. Reines Fenchelöl ist weder für Schwangere noch für kleine Kinder (unter vier Jahren) geeignet.

Die Tradition berichtet von einer Anregung des Milchflusses durch Fenchel, was im Tierversuch mit ätherischem Fenchelöl auch belegt ist. Experimentell wirken Extrakte aus Fenchelsamen wie Östrogene und steigern das Wachstum der Brust. Vermutlich trägt diese Wirkung auch zur Förderung der Menstruation bei. Dieser Einsatz wird von der Tradition bei ausbleibender Regel empfohlen. Bei Säuglingen kann zu viel Fencheltee ein Brustwachstum auslösen, daher ist er nur sporadisch anzuwenden.

Fenchelöl fördert die Brünstigkeit von weiblichen Tieren und die Durchblutung der Geschlechtsorgane. In der Tat berichtet die Tradition von einem aphrodisierenden Effekt.

Erkältung und Schleim

Bei Erwachsenen und Kindern verwendet man Presssaft (aus dem frischen Kraut) gegen chronischen Husten und Atemwegskatarrh. Sehr beliebt ist auch die Kombination des Öls oder eines Fenchelextrakts in Honig oder Sirup. Anethol und Fenchon wirken nachgewiesenermaßen sekretolytisch und lösen im Bereich der Atemwege zähen Schleim. Auch der Wimpernschlag auf der Schleimhaut wird angeregt, was die Schleimbeseitigung und die Selbstreinigung fördert. Positiv auch in diesem Zusammenhang ist die antibiotische Wirkung.

Haut

Äußerlich wird Fenchelöl bei Hautproblemen, ferner bei Bindehaut- und Augenlidrandentzündungen und Abszessen verwendet. Dazu macht man lauwarme Umschläge mit Fenchelwasser (aus der Apotheke). Wegen der antibiotischen Eigenschaften vermutlich sinnvoll. Viele Kosmetika enthalten heute noch das wohlriechende Fenchelöl.

Blutdrucksenkend und entwässernd

Das Ergebnis einer Untersuchung an Tieren hat gezeigen, dass die Einnahme eines Fenchelfrüchteextrakts zur Steigerung der Harnbildung führt als auch Blutdrucksenkung wirkt. Dies würde auch die traditionelle Anwendung gegen Harnwegsinfekte erklären.

Entgiftend

In Asien gilt Fenchel als ein entgiftendes Mittel. Als Breiumschlag oder Fenchelpulver behandelt man damit sogar Schlangenbisse. Im Laborversuch schützen methanolische Fenchelextrakte die Leber vor Chemikalien und weisen außerdem antioxidative und radikalfangende Eigenschaften auf. Ein methanolischer Extrakt aus Fenchelsamen hat im Laborversuch krebshemmende Eigenschaften. Studien am Menschen gibt es aber keine.

Parasiten

Früher setzte man Fenchelöl gegen den Fischbandwurm ein, der den Menschen als Endwirt befällt. Das Öl ist für Mückenlarven (Gelbfiebermücke, Tigermücke, Malariamücke Anopheles) giftig. Da das Öl aber unspezifisch wirkt und auch Fische beeinträchtigt, ist es nur als Repellent und nicht für die Wasseranwendungen geeignet. Auch die Hausstaubmilbe flieht vor den Komponenten Fenchon und Estragol. Ob das einen Haushalt milbenfrei halten kann, ist aber nicht untersucht.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Katarrhe der oberen Luftwege, Husten und Atemwegskatarrh
  • Magen-Darmkrämpfe
  • Verdauungsbeschwerden, schwache Verdauung (dyspeptische Beschwerden), Völlegefühl, Blähungen

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Appetitlosigkeit, Übelkeit (traditionell)
  • Mundgeruch (traditionell)
  • Menstruationsschmerzen
  • Schmerzen beim Leistenbruch
  • Verdauungsstörungen beim Säugling mit Durchfall

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Bindehaut- und Augenlidrandentzündung (äußerlich)
  • Darmparasiten
  • Diabetes
  • Durchfall
  • Harnwegsentzündungen
  • Hautprobleme (äußerlich)
  • Kopfschmerzen
  • Magenschleimhautentzündung
  • Menstruationsschmerzen, PMS
  • Milchmangel: Unterstützung der Milchbildung
  • Mückenstiche (Repellent)
  • sexuelle Unlust (aphrodisierend)
  • Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus, Oligomenorrhoe, menstruationsfördernd
  • Verstopfung

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Fenchel wird häufig in Husten- oder Magendarmmitteln angeboten, daneben als Tee, Sirup oder Fenchelhonig. Beliebt sind außerdem Hustenbonbons, Tropfen und Dragees. Fenchelöl wird häufig auch als Duftstoff Kosmetika, Lebensmitteln und Tabak zugesetzt oder in Zahnpasta und Mundwasser verarbeitet.

Nach dem Deutschen Arzneibuch geprüftes Bitterfenchelöl enthält nicht mehr als 5 Prozent Estragol im Ölanteil. Für Süßfenchelöl ist im Europäischen Arzneibuch ein Estragolgehalt von 10% festgeschrieben. Eine Senkung auf 5% wird diskutiert.

Dosierung

Zubereitung und Dosierung

Je nach Anwendung wird Fenchel in zahlreichen Teemischungen verwendet:

  • gegen Magen-Darmbeschwerden in Kombination mit: Enzian-, Angelikawurzel, Anis, Kümmel, Kamille, Pfefferminz
  • gegen Erkältung mit: Efeu, Thymian, Eibisch, Isländisch Moos.

Aufbewahrung

Frische Früchte halten etwa 18 Monat bei dunkler und kühler Lagerung. Bei längerer Aufbewahrung verdunsten die ätherischen Öle.

Besonders gut wird das Fenchelöl freigesetzt, wenn die Früchte vor der Teezubereitung zerstoßen werden. Der Nachteil ist, dass sie im gequetschten Zustand nicht lange halten, denn das Öl verflüchtigt sich.

Fenchelöl und Fenchelwasser in luftdichten Behältern lichtgeschützt aufbewahren. Fenchelöl guter Qualität (mit viel Anethol) wird unter 10°C fest.

Dosierung

Empfohlene Tagesdosis:

  • Früchte
  • Erwachsene: 5–7 g: 2-4 mal täglich eine Tasse trinken. Mehr als 7g Früchte sollte
    man ohne ärztliche Anweisung nicht länger als 2 Wochen anwenden.
  • Kinder 1-4 Jahre: 1,5-4g
  • Kinder 4-10 Jahre: 3-4g
  • Kinder 10-14 Jahre: 4-6g
  • Fenchelsirup: 10–20 g (0,5 g Öl pro kg Sirup)
  • Fenchelöl: 0,1–0,6 ml, 2 bis 5 Tropfen auf einem Stück Zucker nach dem Essen; es sollte nur estragolarmes Öl verwendet werden.
  • Fencheltinktur: (EB6) 5-7,5g
  • Fenchelhonig mit 0,5g Fenchelöl/kg: 10-20g

Äußere Anwendung - Massage

  • 2 Tropfen Fenchelöl auf 1 Esslöffel Massageöl
  • Fencheltinktur 1:10 verdünnt anwenden
  • Fenchelwasser: unverdünnt als Augenkompressen auflegen

Wirkstoffe

Fenchelöl:

Phenylpropane, vorwiegend trans-Anethol (35-82% des Öls), cis-Anethol, Estragol (2-58% des Öls, je nach Sorte)

Monoterpene und Sesquiterpene:

  • Öl aus dem Kraut: α-Phellandren, α-Pinen, α-Terpinen, Limonen
  • Öl der Frucht: Fenchon, α-Pinen, Camphen, Myrcen, α- / β-Phellandren, α-Terpinen, Limonen, Terpinolen, p-Cymol;

Die Zusammensetzung des ätherischen Öls ist unterschiedlich, da sie in Abhängigkeit zu mehreren Bedingungen (Sorte/ Kultivierung/ Ernte/ Anbauregion) steht.

Fenchelfrüchte

Flavonoide: Kämpferol- und Quercetinglykoside ; Flavonol-3-O-glykoside und -3-O-glucuronide

Ätherische Öle

Cumarine (auch als Furano- und Pyranocumarine)

aliphatische/aromatische Carbonsäuren: Hydroxybenzoe-, Benzoesäure- und Zimtsäurederivate; Ferula-, Fumar-, Kaffee- und Vanillinsäure.

Sterine: Stigmasterin und Stigmasterinpalmitat

Mineralsalze, Kieselsäure und Vitamine (Vitamin A, B und C)

Speicherstoffe: fette Öle und Protein, Zucker und Oligosaccharide

Süßfenchel enthält mehr von dem süß schmeckenden Anethol, Bitterfenchel ist reich an Fenchon. Es schmeckt bitter, brennend und campherartig.