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Folsäure

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Folsäure: Ein lebenswichtiges Vitamin

Besonders bei Kinderwunsch oder schon bestehender Schwangerschaft wird die Einnahme von Folsäure häufig empfohlen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Wobei hilft Folsäure?

Folsäure ist ein wasserlösliches B-Vitamin. Folate (d.h. die Salze der Folsäure) umfassen eine ganze Gruppe verschiedener Folsäureverbindungen, die in natürlichen Lebensmitteln vorliegen. Folsäure braucht der Körper zum Aufbau seiner Bausteine und zur Zellteilung. Es wurde als lebenswichtiges Vitamin 1930 entdeckt und 1941 zum ersten Mal aus einer Tonne Blattspinat isoliert. Vom lateinischen „folium" (Blatt) leitet sich auch ihr Name ab. In Deutschland ist ein Folat-Mangel in der Bevölkerung sehr häufig anzutreffen. Besonders gefährdet sind Alkoholiker, Personen mit Magen-Darmstörungen und Schwangere. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten Folsäure vorsorglich einnehmen um Missbildungen des Kindes (insbesondere Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, und so genannter „offener Rücken") zu vermeiden. Der Zusatz von Folsäure zu Nahrungsmitteln ist erlaubt. Zahlreiche Hersteller bieten bereits angereicherte Produkte an: z.B. viele Erfrischungsgetränke, Milchprodukte oder Getreideprodukte. Auch in hohen Konzentrationen sind Folate nicht schädlich. Die Dosis richtet sich nach der Lebensphase.

Wozu braucht der Körper Folsäure?

Das Vitamin Folsäure wird zum Aufbau verschiedener Grundbausteine der Zellen benötigt: Es ist - an ein Enzym gebunden - der Überträger von Kohlenstoffeinheiten. Mit dessen Hilfe werden einige Aminosäuren (Methionin, Glycin, Serin, Cystein), Bestandteile von Fetten (z.B. Cholin), der DNA und RNA hergestellt. Sie alle sind die Bausteine für Proteine, Zellmembranen und Chromosomen. Ihr Bedarf ist in Geweben mit einer schnellen Teilungsrate besonders hoch.

Bei Mangelerkrankungen sind diese Gewebe dann auch am stärksten betroffen (dazu gehören Blutzellen und Zellen der Haut, Schleimhaut und Darmoberfäche). Zunächst entsteht Blutarmut (makrozytäre Anämie), später kommt es zu Schleimhautveränderungen und neurologischen/psychiatrischen Störungen. Bei Kindern kann die körperliche und geistige Entwicklung verzögert sein. Übelkeit, Durchfälle, Depressionen und Entzündungen der Mundschleimhaut sind die Folge. Die Homozysteinkonzentration im Blut ist der wichtigste Faktor, der Folat-Mangel anzeigt.

Schwangerschaft:
Der wachsende Fötus in der Schwangerschaft ist wegen der hohen Zellteilungsrate besonders empfindlich für Folsäuremangel. In einer großen Untersuchung mit 6112 Frauen konnte die Missbildungsrate durch eine Multivitamin-Supplementation mit 400 µg Folsäure/Tag und den Vitaminen B2, B6, B12nahezu halbiert werden (von 3,2% auf 1,7%). Besonders deutlich waren die Rückgänge bei Neuralrohrdefekten (von 9 Fällen auf 1 Fall), Herzfehlern (Ventrikelseptumdefekte von 19 auf 5 Fälle) und Harnwegsverengungen (Rückgang von 13 auf 2 Fälle). Mehrere Untersuchungen weisen darauf hin, dass auch das Risiko einer Lippen-Kiefer- und Gaumenspalte reduziert werden kann. Bei einer geplanten Schwangerschaft ist es daher sehr sinnvoll, bereits vor der Konzeption Folsäure einzunehmen. Bei vollwertiger Ernährung und dunkel pigmentierten Frauen ist eine Zusatzgabe wahrscheinlich nicht nötig. Bei Folsäure-armer Ernährung, Aufnahmestörungen, der Volkskrankheit Schuppenflechte und insbesondere bei Hellhäutigen mit häufigem Aufenthalt in der Sonne ist dies jedoch sehr sinnvoll (UV-Strahlen führen zu einer erheblichen Verminderung des Körperfolats).

In den USA, Kanada und Chile ist seit 1998 wegen dieser Problematik die Anreicherung einiger Grundnahrungsmittel mit Folsäure gesetzlich vorgeschrieben. In Deutschland wird diese Option bisher nur diskutiert. Nach Schätzungen ließen sich durch eine ausreichende Folsäurezufuhr 2000 Neuralrohrdefekte/Jahr vermeiden.

Herz/Kreislauf-System:
In den letzten Jahren hat man den günstigen Effekt des Folsäurestoffwechsels auf die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) diskutiert.
Im normalen Stoffwechselgeschehen entsteht aus S-Adenosylmethionin das Homozystein. Es gilt als giftig und kann normaler Weise schnell mit Folat und anderen Vitaminen (B12 oder B6) wieder umgesetzt werden. Bei einem Mangel an Folat häuft sich Homozystein an und begünstigt die Entstehung von Blutpfropfen (Thrombosen). Inzwischen ist die Hyperhomozysteinämie als unabhängiger Risikofaktor atheriosklerotischer Erkrankungen anerkannt.

Mehrere Studien untersuchten, ob durch Folatgaben Herz/Kreislauferkrankungen gesenkt werden können. Die Ergebnisse sind leider nicht eindeutig:

  • In der bisher größten Studie mit 5522 Patienten sank zwar der Homozysteinspiegel, doch war dies ohne klinische Wirkung, d.h. die Wahrscheinlichkeit an Herz/Kreislaufproblemen zu erkranken wurde nicht gesenkt.
  • Einzig die JAVIS-Studie konnte mit einer täglichen Dosis einer Kombination aus 2,5 mg Folsäure, 25 mg Vitamin B6 und 0,5 mg Vitamin B12 eine Verminderung der Verkalkungsprozesse in der Halsschlagader feststellen.

Die Anwendung von Folsäure und verschiedener Vitamine der B-Gruppe bei erhöhtem Homozysteinspiegel zur Primär- und Sekundärprävention ist noch nicht abschliessend geklärt.


Epilepsie:
Besonders bei Epileptikern die mit krampflösenden Medikamenten behandelt werden, ist der Folsäurespiegel gesenkt und die Homozysteinkonzentration erhöht. Neben Harnsäure und Cholesterin gehört Homocystein womöglich zu den Hauptrisikofaktoren für arteriosklerotische Erkrankungen bei Epileptikern.

Homozystein gilt außerdem als krampfauslösende Substanz (bei Blutkonzentrationen von 50 – 200 µmol/L). Sie steht mit erhöhter Anfälligkeit und verminderter medikamentöser Behandelbarkeit in Zusammenhang. Man schätzt, dass 20% der Patienten mit einem hohen Homozysteinspiegel unter Anfällen leiden.

Daher wird vorgeschlagen, Epilepsie-Patienten mit Folsäure, Vitaminen (B2, B6, B12) und Antioxidantien zu versorgen.

Krebs:
Folat-Mangel kann DNA-Strangbrüche auslösen, er verschlechtert die DNA-Reparatur und führt letztendlich zu Veränderungen im Erbgut, die ihrerseits die Krebsentstehung begünstigen. Seit einiger Zeit wird daher ein Zusammenhang von Krebsentstehung mit der Folat-Versorgung hergestellt.

Zahlreiche Tierexperimente, epidemiologische und klinische Untersuchungen legen nahe, dass Folat die Entstehung von bestimmten Krebsarten verhindern kann.

Eine große kanadische Studie untersuchte die Häufigkeit von Gehirntumoren (Neuroblastomen) bei Kindern vor und nach der Einführung der angereicherten Grundnahrungsmittel. Dabei wurde eine 60%ige Verminderung der Erkrankungsfälle festgestellt. Die Leukämie- und Leberkrebsrate änderte sich allerdings nicht.

Eine Analyse von 11 klinischen Studien mit 500.000 Personen zeigte einen Zusammenhang von mangelnder Folat-Versorgung und Darmkrebs (kolorektale Tumore). Eine weitere Studie mit 88.756 Krankenschwestern in den USA zeigte, dass die Darmkrebsrate bei Personen, die über 15 Jahre hinweg = 400 µg Folat/Tag eingenommen hatten, um 75% gesenkt ist.

Folat stimuliert das Zellwachstum von Körperzellen. Diese Effekte könnten fatalerweise auch bei Krebszellen wachstumssteigernd/-beschleunigend wirken. Viele Tierversuche zeigen, dass der richtige Zeitpunkt und die Dosis entscheidend sind.

Bei genetisch veranlagten Mäusen waren Darmtumore (im Dünndarm) nur unterdrückt, wenn Folsäure vor der Ausbildung von verändertem Gewebe gegeben wurde, danach wurde das Krebswachstum nicht unterdrückt, sondern sogar gefördert. Im Rattenmodell waren die Folatmengen für den Erfolg ausschlaggebend: Die Entwicklung von kleinsten Veränderungen und deren Umwandlung zu sichtbaren Tumoren war mit Mengen, die 4-10 fach über den basalen Bedürfnissen liegen, gehemmt. Die 1000-10.000 fache Menge förderte die krankhaften Prozesse.

Obwohl Folat als idealer Kandidat für die Vorbeugung von Krebs erscheint, gibt es für den Menschen der Zeit noch keine Anwendungsvorschriften.

Die Abhängigkeit der Krebszellen von Folat nutzt man wiederum in der Krebstherapie (z.B. bei Leukämien, Brust- und Blasenkrebs) und setzt Stoffe ein, die Folsäure sehr ähnlich sind, aber nicht wie Folsäure wirken (Folat-Antagonisten z.B. Methotrexat). Damit wird die Regeneration von Folsäure verhindert und das Krebswachstum gebremst, da die Zellen nur mühsam den Zellkern verdoppeln können.

Chronisch-entzündliche Krankheiten:
Auch bei chronisch entzündlichen Krankheiten mit erhöhtem Zellumsatz kann Methotrexat u.a. über die Folat-Hemmung positiv auf die Krankheitsentwicklung wirken, da die Zellteilung gebremst wird (Rheuma, bestimmte Autoimmunerkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, schwere Schuppenflechte u.a.).

Neurologische Wirkung:
Epidemiologische Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen der Folatversorgung und kognitiven Erkrankungen (z.B. Alzheimer) hin. Homozystein gilt als giftig für Nervenzellen und kann das Absterben von Nervenzellen auslösen. In einer klinischen Studie wurden 1092 ältere Menschen über 8 Jahre verfolgt. In dieser Zeit erkrankten 111 Personen an Demenz. Man konnte zeigen, dass eine Hyperhomozysteinämie (Homozysteinspiegel höher als 14 µmol/L) mit einem zweifach erhöhten Alzheimerrisiko verbunden war. Auch fand man heraus, dass jeder Anstieg der Homozysteinkonzentration um 5 µmol/L das Alzheimerrisiko um 40% steigert.

Eine andere Studie mit 213 depressiven Patienten in medikamentöser Behandlung zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen niedrigen Folatspiegeln und dem Auftreten von Depressionen. Damit verbunden war eine verminderte medikamentöse Behandelbarkeit.
Ob eine Verbesserung der Folsäure-Versorgung Demenz- und Alzheimersymptome aktiv senken kann, wurde nicht untersucht.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Anämie (makrozytäre A., Vergrößerung der roten Blutkörperchen) und neurologische Störungen durch Folsäuremangel
  • Behandlung von Hyperhomozysteinämie (erhöhte Konzentrationen an Homocystein) bei Epilepsiepatienten (unter Behandlung mit krampflösenden Medikamenten, z.B. Barbituraten, Phenytoin, Primidon u.a.)
  • Vermeidung von Missbildungen in der Schwangerschaft (insbesondere Neuralrohrdefekte, so genannter „offener Rücken“)

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Arteriosklerose
  • Herzkreislauferkrankungen
  • Krebsvorbeugung (nicht gesichert)

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

Die Hinweise aus traditioneller Anwendung oder Laborversuchen sind zu wenig überzeugend und gehen über einen experimentellen Status nicht hinaus. Es gibt bisher keine korrekten oder positiven klinischen Studien.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Im Ernährungsbericht 2000 wurde als mittlere tägliche Folatzufuhr bei männlichen Personen

235 µg und bei weiblichen Personen 214 µg festgestellt. Diese Menge entspricht ca. der Hälfte der empfohlenen Zufuhr.Empfohlene Zufuhr nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE, 2000):

AlterDosis [Folat-Äquivalente pro Tag]
Säuglinge0 - < 4 Monate60 µg
4 - < 12 Monate80 µg
Kinder1 - 3 Jahre200 µg
4 - 9 Jahre300 µg
10 -14 Jahre400 µg
Erwachsene400 µg
Schwangere600 µg
Stillende600 µg

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) werden bei 80-90% der Deutschen die empfohlenen Werte nicht erreicht. Für die Normalbevölkerung wurde eine zusätzliche Zufuhr von 200 µg/Tag in Nahrungsergänzungsmitteln für angemessen erachtet. Um jedoch auch Frauen im gebärfähigen Alter angemessen zu versorgen, diskutiert man eine Zufuhr von 400 µg pro Tag. Als Höchstmenge wird eine Tagesdosis von 1 mg empfohlen.Salz und Mehl werden als Kandidaten für eine Anreicherung gehandelt. Der Zusatz von Folsäure zu Nahrungsmitteln ist erlaubt. Zahlreiche Hersteller bieten bereits eine breite Palette von Produkten an: Erfrischungsgetränke und Fruchtsäfte, Molkereiprodukte und Säuglingsnahrung sowie Getreideprodukte sind mit Folaten angereichert.Aus Untersuchungen hat sich ergeben, dass mit 5-10 mg Folsäure pro Tag in Form von synthetischer Folsäure zufuhrbedingte Mangelsymptome bekämpft werden können.Bei einer genetischen Veranlagung (5,10-Methylentetrahydrofolatreduktase-Defekt), die etwa 10% der Bevölkerung betrifft, besteht ein erhöhter Bedarf an Folaten.Seit dem Jahr 2002 kann man in Deutschland Salz kaufen, das mit Jod, Fluor und Folsäure angereichert ist.

Da Folate licht- und hitzeempfindlich sind, ist ihr Gehalt in verarbeiteten Lebensmitteln geringer als in frischen. Die Verluste können beim Kochen zwischen 50 und 90% betragen. Die Lichtempfindlichkeit gilt auch für den lebenden Menschen. Eine weit verbreitete intensive Besonnung kann, insbesondere bei Hellhäutigen die Folsäure-Versorgung erheblich verschlechtern. Diese Menschen brauchen wesentlich mehr Folat als von der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfohlen.

Wirkstoffe

Reine Folsäure – mit chemischem Namen Pteroyl-mono-glutaminsäure und der Summenformel C19H19N7O6 – ist ein orange-gelbes kristallines Pulver. Speisesalz, welches mit Folsäure angereichert ist, hat daher eine leicht gelbliche Farbe.