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Gelber Enzian

© C. Heyer

Gelber Enzian: bitterer Gipfelstürmer

Mit seinen Bitterstoffen  der Gelbe Enzian verschiedene Verdauungsbeschwerden.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Bitter ist tatsächlich gesund

Wer den Gelben Enzian (Gentiana lutea) in Natura sehen möchte, muss auf Bergtour gehen, denn die Pflanze mag es extrem und bevorzugt gebirgige Standorte. Typisch sind die kerzengeraden Blütenstände mit mehreren Stockwerken an Blüten.

Kostet Überwindung, aber hilft

Traditionell wird Enzian zum Aromatisieren alkoholischer Getränke sowie als verdauungsförderndes Mittel beim Menschen und beim Vieh eingesetzt. Ertragen muss man allerdings den bitteren Geschmack. Enzian gehört zu den bittersten Heilpflanzen. Aber genau diese Bitterstoffe sorgen für eine Anregung des Appetits und Förderung der Verdauungssekrete. Der Gelbe Enzian macht auch als Aperitif deftige Mahlzeiten verträglicher. So ist der Gelbe Enzian das ideale traditionelle Mittel bei Verdauungsbeschwerden verschiedener Art. Diverse Mittel sind auf dem Markt von Tees, Tinkturen, Tabletten mit Trockenextrakt, Flüssigextrakten bis zu alkoholischen Getränken.

Wogegen hilft Gelber Enzian?

Das bittere Magenmittel: Gelber Enzian

Wie verschiedene andere bittere Pflanzen (wie Tausendgüldenkraut, Löwenzahn, Wegwarte) wird der Gelbe Enzian als „Amarum“ (lat. = bitter) geführt. Die Bitternis regt die Geschmacksknospen an und führt über einen Nervenreflex zur Anregung von Speichel-, Magensaftproduktion und Gallenfluss. Der Gelbe Enzian kommt so bei Appetitmangel, Blähungen, Völlegefühl und bei Verdauungsstörungen zum Einsatz. Der antimikrobielle sowie immunmodulierende Effekt dürfte die Wirkung bei Verdauungsstörungen unterstützen. Aussagekräftige und umfangreiche Studien über den Gelben Enzian fehlen zwar, dennoch sind die traditionellen Erfahrungen überzeugend. Sie werden außerdem punktuell von experimentellen Untersuchungen unterstützt. Bei der Kommission E, ESCOP, HMPC und WHO ist daher die verdauungsfördernde Wirkung des Enzians anerkannt.

Heilwirkung von Gelber Enzian

Bitter wirkt am besten über die Zunge?

Man dachte sehr lange, dass die Wahrnehmung der Bitternis über die Zungennerven wesentlich an der Wirkung beteiligt ist. Allerdings zeigen neuere Untersuchungen, dass auch bei Applikation in den Magen (zum Beispiel über Kapseln), eine Anregung der Sekretproduktion in Magen und Darm sowie des Gallenflusses folgt.

Dabei werden sehr wahrscheinlich verschiedene Reaktionen stimuliert:

  • Anregung der Speichelproduktion
  • Produktion von Salzsäure und Pepsin (Magen)
  • Steigerung der Sekretabgabe der Bauchspeicheldrüse
  • Abgabe von Gastrin, einem Hormon, das den Verdauungstrakt auf die Nahrung vorbereitet
  • Entleerung der Gallenblase in den Dünndarm
  • Produktion von Gallensekret
  • Steigerung der Magen- und Darmbewegung
  • Anregung der Schleimhautdurchblutung

Die ausgelösten Reaktionen sind nicht einfach nachzuweisen und es liegen nur Hinweise aus Labor- und Tierversuchen vor, sowie wenige klinische Experimente am Menschen. Dennoch steht die verdauungsfördernde Wirkung von Bitterstoffen außer Frage. In einer ersten Studie (ohne Kontrollgruppe) berichteten die Patienten eine Besserung ihrer Beschwerden durch fünf Kapseln mit 120 mg Trockenextrakt pro Tag. Ausgewertet worden waren Verdauungsstörungen wie Blähungen, Verstopfung, Appetitverlust, Bauchschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen und Völlegefühl.

So ist der Gelbe Enzian ein traditionelles bitteres Stärkungsmittel und wird zur Anregung des Appetits in Roborantien und Tonica, wie dem Schwedenbitter zugesetzt. Einsatz findet er bei Appetitmangel in der Rekonvaleszenzphase, bei Abmagerung (z.B. durch Krebs und Essstörungen) sowie bei Verdauungsstörungen wegen mangelnder Produktion von Verdauungssäften. Bei Blähungen wird Enzianwurzel mit Fenchel, Kümmel, Kamille und/oder Pfefferminze kombiniert. Im Übrigen wirkte der Enzian-Extrakt im Laborversuch gegen krampfartige Darmbewegungen wie sie bei entzündlichen Darmreizungen vorkommen.

Bitterstoffe sind verdünnt immer noch bitter, daher sind entsprechende Präparate auch in der Homöopathie beliebt. Haupteinsatzgebiet sind Verdauungsstörungen und Aufstoßen, seltener Kopfschmerzen und Schwindel.

Enzian gegen Infektionen?

In der Tat zeigen Enzianextrakte antimikrobielle Eigenschaften. Dabei verstärken sich verschiedene Einzelbestandteile. Extrakte mit dem Lösungsmittel Methanol aus Blüten und Blättern zeigen gewisse antibiotische Aktivitäten gegen verschiedene Bakterien, desgleichen alkoholische Extrakte aus der Wurzel. Auch der Magenkeim Helicobacter pylori verträgt die Bitterstoffe nicht. Ein wässriger Wurzelextrakt wirkte gegen verschiedene Pilze. Immun gegen einen Wurzelextrakt ist dagegen die Hefe Candida.

Schutz der Schleimhaut

Darüber hinaus konnte im Tierversuch nachgewiesen werden, dass offensichtlich auch mehr Bronchialsekret gebildet wird, was die Selbstreinigung der Schleimhäute fördert. Enzian wird daher auch in Heilkräutermischungen gegen Schnupfen und Nebenhöhlenerkrankungen (Rhinosinusitis) zugesetzt, um die Verflüssigung des stockenden Sekrets zu bewirken. Des Weiteren gibt es Belege aus Tierversuchen, dass ein Methanolextrakt aus der Wurzel die Magenschleimhaut schützt.

Auch eine entzündungshemmende Wirkung wird angenommen: Bei den entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn ist die Menge an Antikörpern (vom Typ IgA) erhöht. Diese abnorme Reaktion ließ sich in einer kleinen Studie mit Gelbem Enzian (3 x 20 Tropfen Tinktur, für 8 Tage) senken. Größer angelegte klinische Studien müssen folgen.

Doch der Enzian dämpft nicht nur die Immunantwort, auch eine Stimulation der Fressaktivität weißer Blutzellen durch den Wurzelextrakt ist experimentell belegt. So geht man von einer „immunmodulierenden“ Gesamtwirkung aus. Genauere Untersuchungen wären wünschenswert.

Sonstige traditionelle Anwendungen

Einige traditionelle Anwendungen entbehren genauerer Untersuchungen:

  • Einsatz bei Fieber (über die antibiotische und immunanregende Wirkung?)
  • Entgiftung und Reinigung (über die leberschützende Aktivität oder die Stimulation von Leber und Galle?)
  • Emmenagoge Wirkung (= Stimulation der Menstruation: über die Anregung der Schleimhautdurchblutung und die Hormonwirkung der Phytosterole?)
  • Menstruationsbeschwerden (über die entkrampfende Wirkung?)
  • Beruhigungsmittel (Versuche an Mäusen lassen annehmen, dass es zu Effekten auf die Nerven kommt wie Schmerzlindernung sowie zu einer Stärkung der Ausdauer. Es gibt keine Hinweise auf einen sedierenden Effekt).
  • Diabetes (über Stimulation der Bauchspeicheldrüse und über schützende antioxidative Eigenschaften?)

Bis genauere Untersuchungen erfolgt sind, kann die Anwendung des Gelben Enzians bei diesen Beschwerden nicht empfohlen werden.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Appetitlosigkeit
  • Dyspeptische Beschwerden: Völlegefühl, Blähungen

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Magersucht
  • Luftschlucken (Aerophagie)
  • Rekonvaleszenz nach Magen-Darmentzündung und Infektionen
  • Mangel an Magensaft, Magenuntersäuerung
  • Funktionelle Verdauungsschwäche
  • leichte Schwäche der Bauchspeicheldrüse (zu wenig Sekret)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Fiebermittel
  • Diabetes
  • Entgiftung
  • Menstruationsbeschwerden

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Enzianwurzel ist Bestandteil von zahlreichen Kräutertees und Magenmitteln (Tinkturen, Tabletten mit Trockenextrakt, Flüssigextrakte). Üblich ist auch der Zusatz von Bitterstoffen aus dem Gelben Enzian zu alkoholischen Getränken (Magenbitter).

Das Material sollte auf den Bitterwert getestet sein und in 10 000-facher Verdünnung noch bitter schmecken.

Dosierung

Bei der Indikation „Appetitverlust“ wird die Einnahme von flüssigen Zubereitungen 30 Minuten vor dem Essen empfohlen. Bei festen Zubereitungen ist eine Stunde der Richtwert.

Tee: empfohlene Tagesdosis 2-4 g Enzian-Wurzel: 1-2 g getrocknete Wurzel auf 1 Tasse kochendes Wasser;

Tinktur: 1-3 g pro Tag

Flüssigextrakt: 1 g, 2-4-mal täglich

Kapseln mit Trockenextrakt: 2 Kapseln mit 120 mg Trockenextrakt, 2-3-mal täglich

Aufbewahrung

Vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahren. Für pharmazeutische Zwecke lagert man das Material mit einem Trocknungsmittel, das die Luftfeuchtigkeit aufnimmt.

Wirkstoffe

Bitterstoffe: bittere Secoiridoide mit Gentiopicrosid (= Gentiopicrin) als Hauptwirkstoff (2-3 %); geringeren Mengen an Swertiamarin, Swerosid und Amarogentin

Xanthone: Gentisin, Isogentisin und Gentiosid (ergibt die typisch gelbe Färbung)

Flavone: Isoorientin und Isovitexin sowie deren 4′- O-Glucoside und 2″-O -Glucoside

Phytosterole

Phenolcarbonsäuren

Reservestoffe, Zuckerverbindungen: Monosaccharide (Glucose und Fructose), Disaccharide (Saccharose und Gentiobiose), Trisaccharide (Gentianose) und Polysaccharide (Pectine und gelierende Substanzen)

Ätherisches Öl