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Pflanzenprofil des Gelben Enzians

Mächtig bitter

Der Enzian produziert Bitterstoffe, um sich vor Tierfraß zu schützen. Der Stoff Amarogentin ist nur eine Nebenkomponente und macht nicht einmal ein Milligramm pro Gramm des Trockengewichts aus, er zählt zu den bittersten bekannten Stoffen. Ein Gramm von der reinen Substanz kann man noch als bitter schmecken, wenn es 58.000.000-fach verdünnt wird (entspräche ein Gramm in 58.000 l Wasser). Sinnvollerweise konzentriert die Pflanze die Abwehrstoffe vor allem in der Wurzelrinde und in den Wänden der Früchte, denn das sind die Organe, die das Überleben sichern. Dennoch sind Mäuse findige Kreaturen: Sie fressen zur Not nur das Innere der Wurzel und lassen die Rinde stehen.

Beim Menschen löst die frische (nicht getrocknete) Wurzel des Enzians Erbrechen und rauschartige Zustände aus. Gelber Enzian sollte daher immer erst getrocknet werden.

Aussehen und Herkunft

Blüht nicht blau: der Gelbe Enzian

Die mehrjährige Pflanze aus der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae) erreicht Höhen bis zu 1,5 m. Sie überwintert in einem mächtigen, mitunter armdicken, Wurzelstock. Die Wurzeln des Enzians sind grau oder rotbraun und nur von einer dünnen Korkschicht überzogen. Die elliptischen, blaugrünen Blätter haben durch die parallelen Nerven eine gerippte Oberfläche. Bis zur Blüte der langsam wachsenden Pflanze dauert es mitunter bis zu zehn Jahren. Dann bilden sich aus der Blattrosette die stattlichen, senkrecht stehenden und hohlen Triebe, die mehrere Stockwerke an Blüten tragen. Sie bilden sich in den Achseln der schalenförmigen Hochblätter in Form von Trugdolden mit 3-10 Blüten.

Der gelbe Enzian kann sich auch mit diversen Arten kreuzen und bildet dann Mischformen. Außerdem sind verschiedene Ökotypen bekannt, sowie vom Standort abhängige Ausprägungen des Pflanzenkörpers. Die Pflanze ist daher wandelbar. Die Blätter können leicht mit dem Weißen Germer (Weißer Nieswurz, Veratrum album) verwechselt werden, der stark giftig ist und an ähnlichen Standorten vorkommt wie der Gelbe Enzian.

Empfindlicher Extremist

Der Enzian ist ein Spezialist für die harten Bedingungen in den Gebirgsregionen Europas und wächst vorzugsweise auf Kalkstein. Die unwirtliche Zeit übersteht er dank der Speicherwurzel unsichtbar und gut geschützt unter der Schneedecke. Zwar wächst er sehr langsam, kann aber bis zu 60 Jahre alt werden. Dabei schätzt er weder Dünger noch Konkurrenz durch andere wuchernde Pflanzen.

Verwendet werden beim Gelben Enzian die getrockneten kriechenden Sprossabschnitte (Rhizome) und die Wurzeln (Enzianwurzel – Gentianae radix). Aber der Gelbe Enzian ist geschützt und darf am Wildstandort nicht gesammelt werden. Er wird daher für pharmazeutische Zwecke gezielt angebaut. Geduld braucht man trotzdem: Er kann erst nach vier bis fünf Jahren geerntet werden. Auch bei der Keimung muss man nachhelfen. Die Samen brauchen nämlich eine feuchtkalte Ruhephase.

Enzian im Alkohol

Für die Herstellung von Branntwein (Enzian-Branntwein "Enzler") haben die Bitterstoffe keine Bedeutung, sondern die ätherischen Öle der Wurzel. In den Alpen und im Jura lässt man die Wurzeln langsam trocknen oder setzt die frische Wurzel gar der Maische zu. Nach Vollendung der Gärung wird der Alkohol mit den aromatischen Bestandteilen abdestilliert. Da die Bitterstoffe nicht flüchtig sind, gehen sie nicht in den Alkohol über.

Der wässrige Extrakt der Wurzel enthält dagegen die Bitterstoffe. Das nutzt man bei der Herstellung alkoholischer Getränke (Magenbitter, Aperitif, Likör). Übrigens ist dies auch das pharmazeutische Vorgehen.

Gewinnung

Die Enzianwurzel wird vorzugsweise im Frühling geerntet, wenn der Schnee geschmolzen ist, denn dann ist der Bitterstoffanteil am höchsten, im Prinzip kann man aber bis Oktober ernten. Das ausgegrabene Material wird traditionell auf einen Haufen geschüttet, dabei fermentiert die Wurzel. Danach wird die Enzian-Wurzel getrocknet und gehackt. Bei der traditionellen Zubereitungsart verfärbt sich die Wurzel rotbraun und es entwickelt sich der typische aromatische Geruch.

Für moderne pharmazeutische Zwecke wird jedoch auf eine schnelle Trocknung geachtet, da das die Ausbeute an bitterem Extrakt steigert. Dazu wird das Wurzelmaterial zerkleinert, getrocknet, später pulverisiert und mit Alkohol oder einer Wasser-/Alkoholmischung extrahiert.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen