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Gemmotherapie: Heilen mit Knospen und Wurzelspitzen

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Lebenskräfte nutzen mit der Gemmotherapie

Im Embryonalgewebe sind die Lebens- und Wachstumskräfte einer Pflanze am höchsten, das macht man sich in der Gemmotherapie zu Nutze.

Von: Dr. Andrea Flemmer

Die Knospentherapie

„Gemma“ ist lateinisch und bedeutet „Knospe“. Die Gemmotherapie ist dementsprechend eine Heilmethode, bei der Heilmittel aus frischen, im Wachstum befindlichen Pflanzenteilen, wie Knospen, jungen Triebsprossen und Schösslingen sowie Wurzelspitzen verwendet werden. In diesem sogenannten Embryonalgewebe sind die Lebens- und Wachstumskräfte einer Pflanze am höchsten. Die Therapie mit diesem Pflanzengewebe soll nun dem Menschen helfen, indem sie die Vitalisierungs-, Selbstheilungs- und Regenerationskräfte unterstützt. Dagegen werden in der klassischen Pflanzenheilkunde nur ausgewachsene Pflanzenteile, Blüten, Früchte und Wurzeln, in der Regel getrocknet und ausgewachsen, eingesetzt.

Man kann die Gemmotherapie als eigenständige sanfte Therapie, aber auch begleitend zu den konventionellen Medikamenten und homöopathischen Mitteln einsetzen. Insbesondere bei wiederkehrenden Infekten, Allergien, Schlafstörungen, Migräne oder Erschöpfungszuständen sowie nach konventioneller Antibiotikatherapie soll die Gemmotherapie heilend wirken. Werden die Gemmotherapeutika parallel zu konventionellen Medikamenten angewendet, sollen sie deren Wirkung beschleunigen.

Bei uns ist die Gemmotherapie nahezu unbekannt

Bei uns kennt man diese Therapie kaum, obwohl bereits Hildegard von Bingen die Knospen einiger Pflanzen zur Heilung von Erkrankungen benutzte. Sie empfahl in ihren Werken die Knospen von Apfel, Birke, Schwarzer Johannisbeere, Esskastanie, Esche und Silberlinde. Davon angeregt entdeckte der belgische Arzt Dr. Henry Pol die sogenannten „Knospenkräfte“ oder „Phyto-Embryotherapie“. Er konnte in zahlreichen Untersuchungen belegen, dass das teilungsaktive, embryonale, pflanzliche Gewebe das Maximum an Energie und Informationen für die Entwicklung des Organismus enthält. Damit kann man fehlgesteuerte Informationen reparieren und regenerieren. 1970 veröffentlichte Pol die Basis seiner Methode und die klinischen Ergebnisse seines neuen pflanzlichen Verfahrens. Er wurde Präsident der Französischen Gesellschaft für Biotherapie. In Frankreich übernahm man seine Therapie vor 50 Jahren. Sie hat sogar Eingang in die „Pharmacopee francaise“ gefunden, also dem französische Arzneibuch, nach dessen Richtlinien die Präparate heute noch hergestellt werden. In Frankreich kennt man diese Therapieform auch recht gut und die Knospenmittel werden viel verwendet. Schließlich hat der enge Vertraute von Dr. Pol - der Homöopath Dr. Max Tétau - aus dieser Phyto-Embryotherapie die Gemmotherapie entwickelt.

Nicht nur in Frankreich, auch in der Schweiz ist die Gemmotherapie etabliert und die Gemmotherapeutika sind in beiden Ländern als Arzneimittel zugelassen. Es gibt auch ein deutschsprachiges Buch des Tierarztes Dr. Steingassner zu dieser Therapieform. Er nutzt die Gemmomazerate erfolgreich in seiner Praxis.

Studien beweisen die Nützlichkeit der Gemmotherapie

Zur Gemmotherapie gibt es durchaus auch wissenschaftliche Studien, wenn auch leider nicht aus Deutschland. Zu ihrer Anwendung benötigt man eine Ausbildung. Alle Knospenmittel sind dennoch zur Selbstanwendung sehr gut geeignet, vor allem, wenn man sie begleitend zu anderen therapeutischen Maßnahmen einsetzt. Man kann sie über Apotheken beziehen.

Tatsächlich zeigten Studien, dass die aus Knospen hergestellten Mittel auf den Zellhaushalt des Körpers wirken. Dies kann man anhand von Veränderungen des Blutbildes nachweisen. Die Essenzen regen die Bildung spezieller weißer Blutkörperchen, die sogenannten Makrophagen, an. Diese nehmen Krankheitserreger (Viren und Bakterien) auf, verdauen sie und machen sie damit unschädlich. Auf diese Weise können die Knospenmazerate den Organismus bei Regenerations- und Heilungsprozessen unterstützen.

Diesen Wirkmechanismus deckte man auch bereits vor über 60 Jahren auf. Er ist wissenschaftlich untersucht und belegt. Studien zur Wirksamkeit der Gemmotherapie führten auch die Forscher Rolland, Binsard, Raynaud und Tétau durch.

Welche Pflanzenarten werden verwendet?

Am bekanntesten ist die Essenz aus der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum). Man bezeichnet sie sogar als sanftes, pflanzliches Kortison. Prof. Mallein vom Lehr- und Forschungsinstitut Lyon entdeckte diese Wirkung.

Außerdem werden die Knospen folgender Pflanzen verwendet: Bergföhre, Besenheide, Birke, Brombeere, Edeltanne, Eiche, Gewöhnliche Esche, Esskastanie, Feigenbaum, Feldahorn und -ulme, Hagebutte, Roter Hartriegel, Haselnuss, Heidelbeere, Himbeere, Roter Hornstrauch, Grau Erle, Legföhre, Mammut- und Olivenbaum, Preiselbeere, Rosmarin, Rotbuche, Silberlinde und -birke, Spierling, Wacholder, Walnussbaum, Weißbuche, Weißdorn, Weißtanne, Weinbeere, Wolliger Schneeball.

Die Herstellung und Anwendung der Gemmotherapeutika

Die Gemmotherapeutika werden hergestellt, indem man frische Pflanzenknospen, Triebsprossen und Wurzelspitzen in Glycerin und medizinischem Alkohol zerkleinert und darin einige Zeit einweicht. Anschließend stellt man einen Auszug der pflanzlichen Inhaltsstoffe her und trennt die Flüssigkeit mit den gewonnenen Inhaltsstoffen der Pflanze ab. Diese sogenannten Kaltwasserauszüge werden im Verhältnis 1:9 mit einer Alkohol-Glycerin-Lösung verdünnt. Es gibt jedoch auch unverdünnte sogenannte Muttermazerate, die aufgrund ihres geringeren Alkoholgehaltes besser für Kinder und Schwangere geeignet sind. Schließlich entsteht ein wohlschmeckendes, effizient wirkendes und hochwertiges Heilmittel. Man bezeichnet dies als Knospen-Glycerol-Mazerat.

Das Verfahren ist sehr zeitaufwändig. Das pflanzliche Rohmaterial stammt in der Regel aus zertifiziertem biologischem Anbau oder aus Wildsammlung.
Die Knospenmazerate verwendet man als Mundspray, wodurch eine geringe Dosis und eine hohe Ergiebigkeit erreicht wird. Man sprüht das Mittel direkt mit zwei bis drei Sprühstößen auf die Mundschleimhaut, erfahrungsgemäß zwei- bis dreimal täglich. Man sollte einen Abstand zu den Mahlzeiten und Getränken einhalten, mindestens jedoch eine Viertelstunde. Die Wirkstoffe werden dadurch schnell und vollständig in den Blutkreislauf aufgenommen. Auf diese Weise tritt die Wirkung schnell ein und man vermeidet eine unerwünschte Zersetzung im Magen-Darm-Trakt. Auch eine Kombination verschiedener Pflanzenauszüge ist möglich, jedoch empfiehlt man das nur für Pflanzen, die auch in der Natur gemeinsam vorkommen.

Wendet man mehrere Präparate an, sollte zwischen den verschiedenen Präparaten ein zeitlicher Abstand sein, zum Beispiel ein Mittel morgens, ein anderes abends. Vorsichtshalber sollte man sich – insbesondere bei komplexen Krankheitsbildern - von einem in dieser Therapie ausgebildeten Arzt oder Heilpraktiker behandeln zu lassen.

Anwendungsbeispiele

Gemmomazerate können sehr vielseitig eingesetzt werden. Man nutzt sie sowohl bei akuten als auch chronischen Gesundheitsstörungen wie Schlafstörungen, Magenbrennen, Allergien, Heuschnupfen oder Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden. Sie können regulierend, ausleitend, entzündungshemmend, antiallergisch, antirheumatisch, beruhigend, schmerz- und krampfstillend wirken.

Der Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge René Gräber empfiehlt die Knospen der Moorbirke zum Beispiel als Naturheilmittel bei Schilddrüsenunterfunktion. Die Moorbirke (Betula pubescens) balanciert ein aus der Norm geratenes Immunprogramm aus, wirkt antidepressiv und hilft bei dadurch bedingten Müdigkeitszuständen.

Weitere Anwendungsgebiete der entsprechenden Knospen sind:

  • Allergische und entzündliche Prozesse bei Bronchitis, Schnupfen, Heuschnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung: Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum)
  • Alzheimer, Parkinson: Grauerle (Alnus incana)
  • Arthrose, Arthritis, Rheuma: Bergföhre (Pinus montana)
  • Asthma, chronische Bronchitis, Lungenemphysem: Haselnusstrauch (Corylus avellana)
  • Arteriosklerose: Feldahorn (Acer campestris)
  • Hoher Blutdruck, Schwindel, Arterienverkalkung und Altersbeschwerden: Olivenbaum (Olea europaea)
  • Darmbeschwerden wie Meteorismus, Durchfall nach Antibiotikatherapie: Walnussbaum (Juglans regia)
  • Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße, Infarktvorbeugung, Nachbehandlung bei Herzinfarkt und/oder Stentimplantation: Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
  • Herzinsuffizienz, Angina pectoris, Arrhythmie, koronare Herzerkrankung: Weißdorn (Crataegus oxyacantha)
  • Frauenbeschwerden wie Menstruationsstörungen, Wechseljahresbeschwerden und hormonelle Störungen: Himbeere (Rubus idaeus)
  • Gicht: Feldulme (Ulmus campestris)
  • Knochenbildung und ihre Probleme inkl. kindlichen Wachstumsstörungen: Edeltanne (Abies pectinata)
  • Nervliche Störungen - dann als Beruhigungsmittel -, Schwäche und Alterungsbeschwerden: Mammutbaum (Sequoia gigantea)
  • Osteoporose, Förderung der Heilung von Knochenbrüchen: Mammutbaum (Sequoia gigantea)
  • Schlaflosigkeit: Silberlinde (Tilia tormentosa)
  • Schmerz- und Krampfzustände, Kopf- und Nervenschmerzen und Migräne: Hagebutte (Rosa canina)
  • Tinnitus, Schwerhörigkeit: Speierling (Sorbus domestica)