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Heidelbeere

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Heidelbeere: Das blaue Wunder

Anerkannt ist die Wirkung bei Durchfall und Entzündungen im Mundbereich. Doch die Heidelbeere kann weit mehr.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Kleine Beere, große Wirkung!

Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) schmecken nicht nur unheimlich lecker, in ihnen stecken viele gesunde Inhaltsstoffe. Die schöne blaue Farbe zaubern die Anthocyane in die Beere, die in der Volksmedizin als Anti-Aging-Booster gelten. So trägt sie den Namen Blaubeere vollkommen zu Recht. Die Farbe trägt außerdem zur Wirkung bei und hemmt Bakterien, Pilze und Viren. Besonders bei Durchfallerkrankungen und Entzündungen von Mund- und Rachenschleimhaut entfaltet die Heidelbeere ihre heilende Wirkung, was auch allgemein anerkannt ist.

Die Heidelbeere ist hierzulande heimisch. Sie bevorzugt kühle gemäßigte Klimazonen auf der Nordhalbkugel und fühlt sich in ausgedehnten Nadelwäldern wohl. Mit dem größer werdenden Bekanntheitsgrad wurde die Heidelbeere großflächig angebaut, um die steigende Nachfrage zu decken. Die Kulturheidelbeeren sind größer und der gesundheitsfördernde, blaue Farbstoff sitzt nur noch in der Schale. Die wilde Form ist reicher an Aromen und auch das Fruchtfleisch ist blau gefärbt. In der Heilkunde werden vor allem die getrockneten, reifen Früchte verwendet (Myrtilli fructus).

Wogegen hilft Heidelbeere?

Revival der Heidelbeere

Früher galt die Heidelbeere als nicht kultivierbar. Daher wurde sie nicht gehandelt und führte ein wahres Schattendasein. Das hat sich grundlegend geändert. Viele neue Sorten drängen auf den Markt. Auch die Forschung hat einiges an Ergebnissen vorzuweisen.

Das blaue Wunder

Offiziell von der Kommission E anerkannt ist die Wirkung der Heidelbeere bei Durchfall und Entzündungen im Mund-/Rachenbereich. Doch die Heidelbeere kann weit mehr. Unbestritten sind die zahlreichen positiven Effekte des blauen Kraftpakets für Prävention, Anti-Aging, Herz-Kreislauferkrankungen, Nervenschutz, Gefäßgesundheit, Blutzucker und Verdauung.

Experimentell eingesetzt wurden aber erhebliche Mengen an Saft oder antioxidativ wirksamer Polyphenole im Extrakt. Es ist nicht immer geklärt, ob durch den einfachen Verzehr entsprechende Spiegel im Blut oder Zielorgan erreicht werden können. Aber eins ist klar: Nebenwirkungen hat die Heidelbeere nicht.

Blätter sind out

Nur die Blätter bekommen die rote Karte. Die Kommission E befürwortet den Einsatz nicht, da die Blaubeere als schwach giftig eingestuft sind.

Heilwirkung von Heidelbeere

Blaue Pillen

Die vermutlich aktiven Komponenten in der Heidelbeere sind Farbstoffe: Sie zählen zur Stoffgruppe der Anthocyane - einer sehr vielgestaltige Klasse, die in Früchten und Blüten für schwarze, bläuliche, rötliche und violette Farben sorgt. Anthocyane gehören chemisch gesehen zu den Polyphenolen. Neben Anthocyanen enthält die Heidelbeere noch weitere Polyphenole.

Wettbewerb der Farben

Die höchsten Werte an Anthocyanen findet man in der Apfel-, Holunder- und Heidelbeere. Nach dem Genuss gehen die Farbstoffe auch ins Blut über. Nach sechs Stunden allerdings ist Zeit für Nachschub. Dann nämlich sind die Anthocyanine im Blut wieder abgebaut.

Potente Farbe

Ein gemeinsames Merkmal der Polyphenole ist die Fähigkeit, reaktive Sauerstoffspecies (ROS) abzufangen. Daher wird von den Zellen oxidativer Schaden abgewendet, man spricht von einer "antioxidativen" Wirkung. Oxidative Vorgänge sind an der Entstehung vieler Gesundheitsstörungen und Krankheiten beteiligt, u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronischen Entzündungen, Neurodegeneration sowie Altern.

Zusätzlich können Polyphenole mit allen Proteinen in Wechselwirkung treten (Wasserstoffbrücken und Ionenbindungen). Das kann sich durchaus positiv auswirken: Bei Durchfall im Darm bildet sich beispielsweise eine abschließende Schicht auf der Schleimhaut, welche die Darmbarriere stärkt. Daneben bekämpfen Polyphenole Eindringlinge wie Bakterien, Pilze und Viren.

Heidelbeeren: Klassiker gegen Durchfall für die ganze Familie

Während größere Mengen der frischen Früchte eher leicht abführen, bewirken getrocknete Heidelbeeren und Fruchtextrakte eine leicht stopfende Wirkung bei Durchfall; Sie wirken sanft und sind gleichermaßen für Kinder und Erwachsene geeignet.

Diabetes

Die Heidelbeere gehört zu den ältesten traditionellen Mitteln gegen Diabetes 2.

Sie fördert die Freisetzung von Insulin und steigert die Aufnahme von Zucker durch die Muskel und Fettzellen. In Mäusen ließ sich erfolgreich der Blutzuckerspiegel mit einem Extrakt aus der Heidelbeere senken. Außerdem legten Versuchstiere bei fettreicher Ernährung weniger an Fett zu, vermutlich vermindert die Heidelbere die Fettaufnahme im Darm. Außerdem lässt sich auch ein veränderter Stoffwechsel in den Fettzellen nachweisen.

Bis auf die traditionellen Erfahrungen fehlen die entscheidenden Studien am Menschen.

Entzündungen

Zellkulturversuche belegen es: Die blauen Anthocyanine, die weiteren Polyphenole und der Heidelbeerextrakt haben bei Entzündungen außerordentlich positive Effekte. Sie vermindern die Produktion anheizender Botenstoffe.

Tests am Menschen folgten mit günstigem Ergebnis: So verbesserten sich in einer Risikogruppe für Herzkreislauferkrankungen entsprechende Blutparameter. Konsumiert wurde 330ml Heidelbeersaft über einen vier wöchigen Zeitraum.

Auch bei milden Formen entzündlicher Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa berichten Studien Erfolge. Die Tradition empfiehlt Heidelbeeren örtlich bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und zur Hämorrhoidenbehandlung. Die Beeren helfen bei Geschwüren (auch Magengeschwüren) und sollen die Wundheilung unterstützen. Außerdem dichtet der Anthocyan-Extrakt die Adern ab und verhindert so Schwellungen oder Ödeme.

Heizkreislaufmittel aus der Mottenkiste

Früher empfahl man Heidelbeeren zur Verbesserung der Herzkreislauffunktion.

Tatsächlich erweitert ein Extrakt mit angereicherten Anthocyaninen die Gefäße und senkt den Blutdruck. Auch ein antithrombotischer Effekt ist belegt: Im Versuch hatten die Blutblättchen eine geringere Tendenz zur Verklumpung. Der antientzündliche Beitrag der Anthocyanine schützt die Gefäße vor Arteriosklerose. Im Tierexperiment zumindest ließ sich mit Anthocyaninen der Schaden durch eine Unterbrechung der Blutzufuhr limitieren. Das ist möglicherweise relevant für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Nerven lieben Blau

Anthocyanine werden im Darm aufgenommen und können bei vielen Tieren die Blut-Hirnschranke überwinden. Gute Voraussetzungen für eine Wirkung im Gehirn. Bei Versuchstieren führte eine beerenreiche Kost in bestimmten Bereichen des Gehirns zum vermehrten Auftreten stärker verzweigter Nervenzellen sowie zu vermehrter Zellteilung.

Auch Nervenleiden sprechen experimentell auf die blauen Anthocyanine von Beeren an:

Parkinson

Personen, die in ihrem Leben oft zu blau gefärbten Beerenfrüchte griffen, haben ein niedrigeres Risiko an Parkinson zu erkranken. Eine Analyse der Ernährungsgewohnheiten von 130.000 Teilnehmern ergab, dass die Parkinsonrate beim Beeren-Fan-Club um etwa 25% niedriger war. Dabei hemmt der Farbstoff offensichtlich nicht nur den Dopaminabbau, sondern schützt auch die Nervenzellen. Das ist der entscheidende Schritt, denn bei Parkinson sterben Nervenzellen, die den Nervenbotenstoff Dopamin produzieren. Das führt dann zu Störung der Bewegung bis hin zur Lähmung.

Blau macht schlau?

Nicht ganz. Aber Ratten profitierten durch reichlich Beerennahrung im Bereich Balance- und Koordinationsvermögen sowie bei der Gedächtnisleistung. Auch beim Menschen dürfte diese Kost als Mittel gegen alters- oder krankheitsspezifische Verschlechterungen der Nervenfunktion (Bewegung und Verstand) relevant sein.

Alzheimer

Bei Alzheimer ist der Untergang der Nervenzellen ursächlich mit dem Fortschreiten der Krankheit verbunden. Auch hier punktete das Blau, zusätzlich minderte es entzündliche Vorgänge, die mit zum Krankheitsbild beitragen. Zumindest bei Mäusen blieb der geistige Abbau gering, jedoch fielen nicht alle neurokognitiven Tests auch besser aus.

Erste Versuche am Menschen zeigen eine positive Tendenz bei anfänglichen leichten kognitiven Einbußen. Konsumiert wurden jeweils 360 bis 500 ml Beerensaft pro Tag (berechnet für 60kg Körpergewicht).

Blue against Blues

Anthocyane und verwandte Substanzen aus blauen Beeren heben die Stimmung. Das zeigten Zellkulturexperimente: das Glückshormon Serotonin wird langsamer abgebaut. Der Tierversuch mit Mäusen bestätigt den Befund: die Mäuse verhielten sich weniger ängstlich.

Blau für die Nachtsicht

Auch den traditionellen Angaben einer verbesserten Sehleistung durch Heidelbeeren ging man nach. Zwar verbessert der Extrakt nicht die Fähigkeit zur Nachtsicht von gesunden Probanden, aber Personen, die beim Sehen schnell ermüden und dann Augenbeschwerden wie Brennen oder Druck verspüren, profitieren von der Heidelbeere.

Verschiedene Studien zu Augenerkrankungen (Katarakt, Retinopathie, Makuladegeneration und Nachtblindheit) liegen bereits vor, allerdings mit sehr unterschiedlichem Ausgang. Die Ergebnisse stimmen positiv, die Aussagekraft ist aber begrenzt, da die Studienqualität nicht optimal war oder auch Stoffgemische eingesetzt wurden.

Festhalten kann man aber: Heidelbeerextrakt schützt Sehpigmente, Sehnerven und Zellen der Hornhaut. Ferner könnte die Heidelbeere einen Beitrag gegen die Entwicklung von grauem Star (Katarakt), diabetischer Retinopathie und altersabhängiger Sehminderung liefern.

Antibakteriell

Es ist seit langem bekannt, dass viele Beeren gegen Bakterien wirken. Die Heidelbeere ist da keine Ausnahme: Bestätigt wurde ein positives Wirkungsprofil auf den Darmkeim Salmonella und den Eitererreger Staphylococcus aureus. Da aber nur eine hemmende Wirkung auf das Wachstum eintritt - und nicht eine bakterientötender Effekt - ist ihr Beitrag relativ schwach. Doch kommt noch eine weitere Komponente hinzu: Wie die Cranberry verhinderte der Heidelbeersaft das Anheften der Bakterien an die menschlichen Zellen, das belegt ein Versuch mit dem Erreger der Lungenentzündung Streptococcus pneumoniae oder dem Erreger der Hirnhautentzündung Neisseria meningitidis. Das schwächt nicht nur die Pathogenität sondern fördert auch die Ausscheidung der Angreifer. Einschränkend muss man sagen, es handelt sich hier um Laborversuche. Ob es eine klinische Relavanz hat, muss sich erst zeigen.

Anti-Krebs und Anti-Aging-Beere

„Chemoprävention“ mit Farbstoffen

Zahlreiche Laborversuche nahmen das Thema Krebsprävention ins Visier, die Heidelbeere schnitt dabei gut ab. Ihr wurden schützende Eigenschaften zugesprochen, was die Krebsentstehung betrifft (entzündungshemmend, antioxidativ) sowie das Fortschreiten einer bereits manifesten Krebserkrankung (Hemmung der Zellteilung, Förderung des geregelten Zelltods) und die Hemmung der Blutversorgung des Tumors (anti-angiogenetisch). Direkt auf den Menschen übertragen lassen sich die Befunde aber nicht, doch gibt es heute genügend Beweise aus Tier und Laborversuchen, die Studien mit Anthocyaninen am Menschen rechtfertigen würden.

Da die Anthocyanine auch Schaden von der Erbsubstanz der Zellen abhalten kann, könnte die Heidelbeere auch einen Beitrag zur Antiaging-Ernährung liefern.

Blätter

Extrakt aus den Blättern senkt den Fettspiegel im Blut von Versuchstieren, dagegen wurde der Blutzucker entgegen traditioneller Überlieferungen nicht beeinflusst.

Ein Extrakt aus den Blättern dämmte die Vermehrung menschlicher Viren (wie Herpes- oder Influenzaviren) ein, doch ist dies eine Frage der Konzentration. Ist sie zu hoch, sterben auch die menschlichen Wirtszellen. Das schließt eine therapeutische Anwendung aus.

Daneben kennt die Tradition zahlreiche Anwendungen für die Blätter wie Arthritis, Gicht, Kreislaufbeschwerden, ferner Probleme des Verdauungssystems, der Nieren und Harnwege sowie äußerlich Schleimhautentzündungen, Dermatitis, Hämorrhoiden und anderen Hautleiden. Aufgrund der Giftigkeit der Blätter der Heidelbeeren sind diese Anwendungen nicht untersucht.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • unspezifische akute Durchfallerkrankungen (getrocknete Beeren)
  • leichte Entzündungen von Mund und Rachenschleimhaut (Abkochung der getrockneten Beeren)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Anti-Aging
  • schnell ermüdbare Augen
  • Arteriosklerose (Vorbeugung)
  • Brüchigkeit und veränderter Permeabilität der Blutkapillaren (Ödeme; VMA-Zubereitung)
  • Darmerkrankungen, Darmentzündung (Colitis ulcerosa)
  • Krampfadern, geschwollene Beine Ödeme (Extrakt)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Augenerkrankungen
  • Diabetes
  • Depressionen (experimentell)
  • Hautkrankheiten: entzündete Augen, Wunden: Behandlung von Schorf, Verbrennungen, Operationswunden und Ulcus cruris
  • Herzerkrankungen, KHK, Bluthochdruck, vorbeugend
  • Krebs (experimentell, präventiv)
  • Magenbeschwerden, Magen- und Darmgeschwüre, Hämorrhoiden
  • Parkinson, Alzheimer, vorbeugend (experimentell)
  • Schlaganfall, vorbeugend

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Verkauft werden der Saft, Extrakt oder getrocknete Heidelbeeren.

Dosierung

Beeren

innerlich

Empfohlene Tagesdosis: 20–30 g getrocknete Beeren;

  • heiße Zubereitung: 1 bis 2 Esslöffel Heidelbeeren in ca. 150 mL Wasser etwa 10 min kochen und noch heiß durch ein Teesieb gegeben
  • kalt: 1 bis 2 Esslöffel Heidelbeeren in ca. 150 mL Wasser ansetzen und 2 h quellen gelassen

Soweit nicht anders verordnet, mehrmals täglich bis zum Abklingen des Durchfalls 1 Tasse frischen Tee trinken.

Trockene Blaubeeren können auch gelutscht werden oder 1-2 Teelöffeln Beeren mit ausreichend Wasser geschluckt werden. Sollte der Durchfall länger als 3 Tage anhalten, ist der Rat eines Arztes einzuholen.

  • Heidelbeeranthocyanid-(VMA)-Zubereitung: 160 bis 320 mg VMA-Zubereitung über den Tag verteilt als Kapseln oder als Granulat einnehmen.

äußerlich

  • zur lokalen Anwendung eine 10%ige Abkochung der Beeren (für 30 min. kochen). Einen Lappen tränken und auflegen
  • Zur lokalen Anwendung: 1%ige Salbe oder 0,5%iges Gel auftragen

Wirkstoffe

Früchte

Gerbstoffe: Proanthocyanidin- und Catechintyp (bis zu 12%)

blau-violette Farbstoffe: Anthocyane wie Delphinidin, Petunidin, Malvidin und Cyanidin

Flavonoide: Quercetinglykoside, Hyperosid, Isoquercitrin und Quercitrin und das Kämpferolglykosid Astragalin

Triterpene: Ursolsäure

Iridoidglykoside: Asperulosid, Monotropein (nur unreife Früchte)

organische Säuren, Phenolcarbonsäuren

Vitamine: C und B1 und B2, Pantothensäure, Nicotinamid

Blätter

ähnliche Verbindungen wie Beeren, zusätzlich

Chinolizidinalkaloide: Myrtin, Epimyrtin

Arbutin und Hydrochinon, typische Inhaltsstoffe bei vielen Ericaceen (wie bei der Bärentraube), fehlen mehr oder weniger.