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Holunder

© wikipedia/JeLuF

Holunder: Unglaublich vielseitig

Klassiker bei Erkältung und vielversprechend bei Grippe, Durchfall und vielem mehr.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Ein wahres Wunder, der Holunder!

Holundblütenersirup hat in den letzten Jahren ein richtiges Revival feiern können. Ob zum Sekt oder im „Hugo“ – einem Drink aus Holunderblütensirup, Prosecco, Minze, Soda und Limetten – Holunder gibt Getränken einen erfrischenden und fein aromatischen Kick. Was viele Menschen nicht wissen: Holunder (Sambucus nigra) wirkt auch als Heilpflanze wahre Wunder! Bei Erkältungen mit trockenem Reizhusten und Fieber kommen die Blüten mit ihrer antiviralen Wirkung zum Einsatz. Ein Tee aus den Blüten eignet sich auch für Schwitzbäder und fördert sowohl Sekretabfluss aus den Nebenhöhlen als auch das Abhusten. Die getrockneten Früchte oder der gekochte Saft sind darüber hinaus wegen des hohen Anteils an Mineralien und Vitaminen besonders wertvoll, wenngleich der Geschmack nicht jedermanns Sache ist. Extrakte aus Holunderblüten sind in Form von Kautabletten, Tropfen und Saft erhältlich.

Wogegen hilft Holunder?

Holunder: Haus- und Hofapotheke

Die europäische Instanz “Herbal Medicinal Product Committee" (HMPC) und die Kommission E haben Holunderblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf der langen Tradition können Holunderblüten zur Linderung der Symptome von Erkältungen eingesetzt werden. Erste Versuche lassen vermuten, dass die Pflanze tatsächlich gegen Grippeviren wirkt. Das macht den Holunder zu einem interessanten und aktuellen Phytotherapeutikum.

Aus traditionellen Überlieferungen und Laborversuchen kann man schließen, dass Holunderblüten und Beeren darüber hinaus noch viele andere positive Eigenschaften auf Stoffwechsel, Darm und Harnbildung haben. Leider fehlen hierzu klinische Prüfungen.

Heilwirkung von Holunder

Früher stand auf jedem Hof ganz selbstverständlich ein Holunderbusch, war er doch Apotheke und anspruchslose Nutzpflanze in einem.

Blüten

Es gibt Hinweise, dass die Blüteninhaltsstoffe harntreibende, abführende, schwach entzündungshemmende und antivirale Aktivität besitzen:

Holunderblüten verwendet man traditionell bei Erkältungen, Grippe, Husten, Kehlkopfentzündung und Katarrhen der oberen Luftwege, aber auch bei Heuschnupfen. Holunderblüten sind oft in Teemischungen und anderen Phytopharmaka enthalten. Man nimmt an, dass sie die Schleimsekretion fördern und damit das Abhusten erleichtern, außerdem auch das Abfließen von stockendem Sekret aus der Nase. Weiterhin nutzt die Volksmedizin den Holunder als Gurgelwasser und Mundspülflüssigkeit sowie in Form von Kräuterkissen bei Schwellungen und Entzündungen. Blüten werden traditionell Rheumatees zugesetzt. Zur antiinflamatorischen Wirkung liegen nur wenige Daten vor. Der Laborversuch hat immerhin eine antibakterielle und eine moderat antientzündliche Wirkung eines alkoholischen Blütenextrakts bestätigt.

Holunder soll die Erregbarkeit der Schweißdrüsen bei Hitze steigern. Für Schwitzbäder werden Holunderblüten mit Lindenblüten gemischt. anschließend gut zudecken und die Wärme aushalten.

Beeren

Die frischen insbesondere die unreifen Beeren sind wegen eines cyanogenen Glycosids (Sambunigrin) schwach giftig und weder für Kinder noch empfindliche Personen geeignet. Verträglicher sind die erhitzen Produkte. Getrocknete Früchte oder frischer Fruchtsaft sind ein traditionelles Mittel mit harntreibender und schweißtreibender Wirkung, oft eingesetzt auch bei fiebrigem Katarrh. Daneben sind die Beeren besonders wertvoll wegen ihres Reichtums an Mineralien und Vitaminen, wenn auch vom Geschmack her gewöhnungsbedürftig.

Virenkiller

In einer Laborstudie erwies sich der Extrakt aus den Beeren als antiviral wirksam gegen Influenzaviren H5N1/ H1N1 Typ A und B. Eine sehr kleine klinische Studie am Menschen bestätigte die Beobachtung. Mit dem Holunderpräparat gesundeten 13 der 15 Probanden innerhalb von drei Tagen, in der Kontrollgruppe waren es nur 4 von 12. Man erklärt dise damit, dass die enthaltenen Flavonoide an Influenzaviren binden und damit ihr infektiöses Potential reduzieren.

Übrigens soll der Extrakt auch im Schwein und Geflügel wirken, also in den Wirten, in denen sich die gefährlichen Grippeviren halten und immer neu entwickeln. Traditionell wird Holunder ebenfalls bei Herpes-Viren eingesetzt.

Bakterienschreck

Eine gefürchtete Komplikation bei Grippe ist eine bakterielle Superinfektion der geschädigten oberen Atemwege und der Lunge. Auch hier konnte der Extrakt punkten: Er hemmte das Wachstum verschiedener pathogener Bakterien (Streptococcus pyogenes, Streptococcus Gruppe G, Streptococcus aureus (MRSA), Branhamella catarrhalis, Bacillus cereus, Pseudomonas aeruginosa u.s.w.). Zu klären ist, ob diese Wirkung bei den üblichen Dosierungen auch in der Praxis eintritt.

Das „blaue“ Wunder

Aufgrund ihres Anthocyangehalts schreibt man den blau-roten Holunderfrüchten antioxidative Wirkung zu. Die Wirkstoffe werden tatsächlich ins Blut aufgenommen und erhöhen den antioxidativen Schutz im Blut von Probanden. Bei diesen Daten liegt es nahe, die Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem zu untersuchen: Im Tierversuch ist eine Reduktion des Infarktrisikos sowie eine schützende Wirkung auf das Koronarsystem gezeigt worden.

Neuere Studien weisen blau oder rot gefärbten Beerenfrüchten (Heidelbeeren, Brombeeren, Weintrauben, Erdbeeren, Cranberries, Maulbeeren) darüber hinaus einen positiven Effekt gegen neurodegenerative Prozesse im Gehirn zu. Auch Holunderbeeren sind durch ihre Inhaltstoffe viel versprechende Kandidaten für solche Wirkungen.

Stoffwechsel

Erste Untersuchungen lassen vermuten, dass ein Extrakt aus Holunderbeeren und -blüten einen Beitrag zur Behandlung von Diabetes Typ2 liefern könnte, in dem es ähnlich wie die Stoffgruppe der Glitazone den Glucosestoffwechsel sowie die Insulinsensitivität verbessert. Dabei dürften mehrere Inhaltsstoffe zusammenarbeiten. Die Polyphenole schützen insbesondere bei diabetischer Stoffwechsellage vor den oxidativen Vorgängen im Blut. Noch gibt es keine klinischen Studien für die Anwendung am Menschen.

Sonstiges

Als Umstimmungsmittel sollen sie bei Schuppenflechte nützlich sein. In großen Mengen ist der Saft als Abführmittel und im Tierversuch auch gegen Darmentzündung (Colitis) geeignet. Ein wässriger Beerenextrakt wirkt bei Ratten schmerzstillend

Blätter

Die getrockneten jungen Blätter kommen innerlich zur Anregung der Schweißbildung und des Harnflusses zum Einsatz, sowie gegen Verstopfung. Äußerlich sollen die gequetschten frischen Blätter als Umschläge helfen bei: Kopfschmerzen, Geschwüren, Verbrennungen, Sonnenbrand, Insektenstichen, Wunden und Entzündungen. Laborstudien haben allerdings bisher keine antibakterielle Wirkung im Blattsaft finden können.

Wurzel

Die Wurzel oder die Wurzelrinde sind ein traditionelles Mittel bei Verstopfung und bei verschiedenen Harnbeschwerden wie Harndrang mit geringem Harnabgang, bei Nieren- und Blasenleiden, bei Wassersucht, Muskel- und Gelenkrheumatismus sowie bei Ödemen. Die Wurzel des Holunders ist auch ein Zusatz von "Blutreinigungstees", hier fehlen allerdings noch Daten zur Wirksamkeit.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Maßgebliche Bewertungskommissionen: Kommission E, ESCOP, HMPC, WHO.

  • Erkältungskrankheiten (Katarrh der oberen Luftwege, trockener Reizhusten, Blüten)

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

  • Grippe (Beerenextrakt)
  • schweißtreibendes Mittel bei fiebrigen Erkältungen

Bildergalerie zu den genannten Erkrankungen

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

  • Anti-Aging (Beerensaft)
  • Durchfall (Blüten, Beerensaft)
  • Diabetes und Begleiterkrankungen
  • Entgiftung: "Blutreinigungstees" (Wurzel)
  • Heuschnupfen (Holunderblüten)
  • Muskel- und Gelenkrheumatismus (Wurzel, Rinde)
  • Nierenleiden und Blasenleiden (Wurzel), Förderung der Harnbildung (Blätter, Beeren, Wurzel), Harndrang mit geringem Harnabgang (Wurzel)
  • Schmerzen: Kopfschmerzen (Blätter, Saft, Blüten), Ischias, Zahnschmerzen, Herzschmerzen, Nervenschmerzen, Reizung des Gesichtsnervs (Saft), Rheumatismus (Blüten)
  • Schwellungen und Entzündungen (Holunderblüten), Geschwüre, Verbrennungen, Wunden und Entzündungen (Blätter), trockene Haut (Blüten)
  • Stillende mit geringem Milchfluss (Blüten, Rinde)
  • Verstopfung (Wurzel, Rinde, Blüten)
  • Wassersucht, Ödeme (harntreibend, Wurzel)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Die getrockneten Blüten werden im Filterbeutel angeboten (Tee), pulverisierte Holunderblüten in Form von Dragees. Extrakte aus Holunderblüten gibt es als Fertigarzneimittel in Form von Kautabletten, Tropfen und Saft auch in zahlreichen Kombinationen mit anderen Heilpflanzen.

Die Beeren verarbeitet man üblicherweise als Saft oder getrocknete Früchte. Extrakte und Tinkturen davon sind auch in Kombinationspräparaten enthalten.

Dosierung

Gut verschlossen aufbewahren und vor Hitze und Licht schützen.

Blüten

Tee: 3 g Blüten werden mit 150 ml kochendem Wasser aufgegossen, 5-10 Minuten ziehen lassen, mehrmals täglich trinken; durchschnittliche Tagesdosis 10–15 g.

Tinktur (1:5 in 25% Alkohol): 10-25 ml pro Tag

Früchte

Tee; 10 g Früchte werden mit 150 ml kochendem Wasser aufgegossen oder aufgekocht, 5-10 Minuten ziehen lassen, mehrmals täglich trinken; durchschnittliche Tagesdosis 10–15 g. Eventuell Geschmack mit Zitronensaft verbessern.

Blätter, Wurzel und Rinde

nicht mehr gebräuchlich, da schwer dosierbar. Dosierungen nicht verfügbar.

Wirkstoffe

Flavonole (Blüten und Früchte): Rutosid (etwa 2%), Isoquercitrin und Hyperosid.

Phenolcarbonsäuren (Blüten): Chlorogensäure (etwa 3%),

ätherische Öle, Monoterpene

Triterpene: α-Amyrin und β-Amyrin (etwa 1%)

Triterpensäuren: Ursol-, Oleanol- und 20β-Hydroxyursolsäure

Gerbstoffe (Früchte, etwa 3%)

Schleimstoffe

Anthocyane (Früchte): Sambucin, Sambucyanin und Chrysanthemin, alle Glykoside des Cyanidins

Cyanglykoside (Samen): Sambunigrin, Prunasin und Holocalin

Lektine (Früchte)

Mineralien und Spurenelemente (Beeren, Blüten): Kalium, Eisen und Mangan.

Vitamine (Beeren): Vitamin E, Vitamin K, Vitamin C und Vitamin B2 und F6, Folsäure